#1

Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 00:17
von Mart | 734 Beiträge

Vorbemerkung: Ich diente drei komplette Jahre als Ausbilder an der US VI, kenne also die Schule so einigermaßen. Zudem beschäftige ich mich mit dem Ablauf des geschichtlichen Vorgangs "der Mauerfall".

In den riesigen und daher fast unlesbaren Thread "Unteroffiziersschule 'Egon Schultz' Perleberg" wurde auf Seite 30 (und zuvor) die Frage aufgeworfen, was mit der U-Schule und ihren Schülern zur Wende passierte.

Wir können (und sollten) das Thema völlig entspannt und sachlich angehen, wir haben alle Zeit dieser Welt.

Momentan ist im Grunde überhaupt nichts klar: Wir haben folgendes:

* Der Herbstlehrgang 89/II wurde wurde anfang September eingezogen.

* Teile des Lehrgangs sollen (vmtl als Einsatzhundertschaft(en)) zur Mauerfallnacht oder der Nacht danach am Brandenburger Tor eingesetzt worden sein. Es gibt dazu einen eher wirren Bericht, diesen hier: http://www.t-online.de/nachrichten/specials/id_20304986

* Ein Teil des Lehrgangs soll laut lutz61 zu dieser Zeit sogar an der polnischen Grenze (wo da konkret?) eingesetzt worden sein.

* Es ist unklar, ob der Lehrgang 89/II ein auf drei Monate verkürzter Lehrgang war. (Oder ob sich die UaZ sich nach dem Mauerfall schlicht vom Acker machten.)

* Es ist unklar, ob es 90/I noch eine Einberufung für einen Unteroffizierslehrgang gab.

Das alles wollen wir klären. Hier, in diesem Thread.
Das machen wir völlig entspannt - uns hetzt wirklich nichts.
Und jeder, der unmittelbarer Zeitzeuge ist, ist herzlich eingeladen.


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#2

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 00:29
von Mart | 734 Beiträge

Antwort auf Lutz61, die Fragestellung "Sicherung polnische Grenze":

Du stellst auf http://www.jbg37.de/html/geschichte.html ab, hier konkret dieses Zitat:
"Im September 1989 wurde eine Kompanie Unteroffiziersschüler der Grenztruppen aus Perleberg nach Drewitz verlegt.
Diese Kompanie hatte die Aufgabe, die Bewachung der nahen Grenze zu Polen zu verstärken, um Fluchtbewegungen von DDR-Bürger über die Oder zu verhindern. Mit der Grenzöffnung am 09.11.1989 wurden die Grenztruppen wieder abgezogen.
"

Ich halte das für grundsätzlich möglich. Aus einem ganz einfachen Grund: Die US VI war offenbar das "kadierte" Grenzkommando Ost. Und das gab es wirklich, ich habe es live erlebt. Und zwar zur Polenkrise 1981. Die US VI fuhr hoch zum GKO.

Lutz, Deine Beiträge sind etwas schwer lesbar. Gern würde ich auch Deinen persönlichen historischen Hintergrund erfahren - magst Du dazu etwas sagen?


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#3

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 17:14
von lutz1961 | 404 Beiträge

Noch ein Zitat:

Zitat
Man wusste nicht viel in so einer Kaserne. Private Radios waren nicht erlaubt, Karl-Eduard von Schnitzlers Agitatorenfernsehsendung „Der schwarze Kanal“ gehörte zum Pflichtprogramm. Doch etliche Perleberger Soldaten, Offiziersschüler, waren in den letzten Wochen abkommandiert worden, das wusste man. Sie sollten die Grenzen zu Polen und die zur Tschechoslowakei bewachen, als seien es nicht mehr die Grenzen zu Bruderländern, sondern zum Westen.



Quelle:http://www.tagesspiegel.de/politik/paetz...ng/1629726.html

diese Person ist "Heute" in Berlin tätig als RA - Bitte

Lehrgangsdauer:
Eingezogen September 1989 - Vereidigung 19.9.1989 - Versetzung Ende Januar/Anfang Februar = 3 Monate Ausbildung
(Nachweis ist eine eMail mit einem ehemaligen U-Schüler, der zu dieser Zeit dort war)

Bitte # Mart


* mit Fragezeichen/Stern gekennzeichnete Stellen sind evtl. nur Gerüchte bzw. Fehlinformationen
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
1987/89 GR-1 Mühlhausen 7.Grenzkompanie
2006: Geschichte der Grenzsicherung in der DDR als Hobby
Angehöriger der Lausitzer Kameradschaft
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#4

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 21:05
von ABV | 4.202 Beiträge

Sollte tatsächlich noch jemand im Frühsommer 1990, unmittelbar vor der endgültigen Einstellung der Grenzkontrollen überhaupt, noch wegen eines "schwerwiegenden" Dienstvergehen im Grenzdienst disziplinarisch zur Verantwortung gezogen worden sein?
Wurde denn um diese Zeit überhaupt noch " Grenzdienste" geleistet? Wenn ja, warum? De facto gab es doch diese Grenze überhaupt nicht mehr. Von deutschen Militärs ist man ja einiges gewohnt, aber das ein Offizier so fanatisch war und " Fünf Minuten vor Toresschluss" von Grenzdienstverweigerung faselte, halte ich nun doch für fragwürdig.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#5

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 21:38
von Moskwitschka (gelöscht)
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Es gab schon ein Problem bis zum 30.06.1989 - die Währungsunion.

Ich kann mich erinnern, das es etliche Wessis? gab, die bis zum 30.06.1989 DM in Mark umgetauscht haben und dann wieder DDR - Bürgern zur Währungsumstellung in die Hand gedrückt haben, damit es 1:1 am 1. Juli auf dem Konto war. Funktionierte nur, wenn die Maximalgrenze des Umtausches vom betreffenden DDR - Bürger nicht erreicht wurde. Eine Provision war bestimmt lukrativ für einen DDR - Bürger.

Ich kann mich deswegen sehr gut daran erinnern, weil wir als Familie mit 3 Kindern, oft genug darauf angesprochen wurden.

Bis zum 30.06.1989 standen in Berlin - Wilhelmsruh auch noch Uniformierte Richtung Reinickendorf, die dann von einem Tag auf den anderen verschwunden sind.

Oder täuschen mich da meine Erinnerungen.

LG von der grenzgaengerin

EDIT Jahreszahlkorrektur durch @KAMÜ


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.10.2013 22:25 | nach oben springen

#6

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 21:41
von Mike59 | 7.965 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #4
Sollte tatsächlich noch jemand im Frühsommer 1990, unmittelbar vor der endgültigen Einstellung der Grenzkontrollen überhaupt, noch wegen eines "schwerwiegenden" Dienstvergehen im Grenzdienst disziplinarisch zur Verantwortung gezogen worden sein?
Wurde denn um diese Zeit überhaupt noch " Grenzdienste" geleistet? Wenn ja, warum? De facto gab es doch diese Grenze überhaupt nicht mehr. Von deutschen Militärs ist man ja einiges gewohnt, aber das ein Offizier so fanatisch war und " Fünf Minuten vor Toresschluss" von Grenzdienstverweigerung faselte, halte ich nun doch für fragwürdig.
Gruß Uwe

Gute Frage.
WIMRE wurde bei uns, beim kleinsten Vergehen sofort entlassen. Am nächsten Tag war man raus, für die alten (10 Dj+) eine übele Situation und unser Kdr. GüSt war (k)ein Guter. Hat selber noch den OSL abgestaubt - ach lassen wir es.


ABV und lutz1961 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.10.2013 21:41 | nach oben springen

#7

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 21:46
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi....
Du liegst schon richtig, Grenzgaengerin. Entgültiger Wegfall der Zoll- Pass- usw. Kontrollen 23.59 Uhr am Vortag der Währungsunion.

73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#8

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 22:18
von KAMÜ | 198 Beiträge

Hallo Grenzgängerin ,du hast dich in deinem Artikel bestimmt verschrieben,den Währungsreform war 1990 .der Grenzschutz Ost wurde gegen den Monat Mai oder Juni in der USVI aufgestellt.Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls ein Sanitätsbatallion dort aufgebaut.Wir vom Grenzschutz waren im mittleren Block untergebracht,(Siehe Bilder aus meiner Galerie).



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#9

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 22:24
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von KAMÜ im Beitrag #8
Hallo Grenzgängerin ,du hast dich in deinem Artikel bestimmt verschrieben,den Währungsreform war 1990 .der Grenzschutz Ost wurde gegen den Monat Mai oder Juni in der USVI aufgestellt.Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls ein Sanitätsbatallion dort aufgebaut.Wir vom Grenzschutz waren im mittleren Block untergebracht,(Siehe Bilder aus meiner Galerie).


Danke, hast recht - es war ein Schreib- und Denk ? fehler. Ich lasse es auch so stehen. Die Ereignisse haben sie damals überschlagen. Jeder war mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt. Und manchmal braucht es nur ein Stchwort, um in die Zeit zurück versetzt zu werden und man haut in die Tasten.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 11.10.2013 23:00 | nach oben springen

#10

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 23:36
von Nordpol | 71 Beiträge

Nahmd,

Zitat
Doch etliche Perleberger Soldaten, Offiziersschüler, waren in den letzten Wochen abkommandiert worden, das wusste man.



Soso. Offiziersschüler aus Perleberg. Der "Tagesspiegel" als Quelle. Also ja. es gab Offiziersschüler in Perleberg, aber nur sehr wenige. Das waren Leute im dritten oder vierten Studienjahr die in Perleberg so etwas wie ein Praktikum als ZF o. ä. geleistet haben. Aber niemals so viele daß sie eine Einheit aufstellen konnten. Soldaten -also GWD-Leistende- gab es in Perleberg auch. Aber die paar Hanseln hatten wichtigeres zu tun als irgendwelche Grenzen zu schützen.

@Mart, ja, ich kenne noch einen ehemaligen BU welcher hier in Perleberg wohnt. Ich versuche ihn mal zu kontaktieren.

@lutz1961: Als "Quelle" verstehe ich nicht irgendwelche Artikel irgendeiner Tageszeitung. Copy & paste beherrsche ich auch.

@KAMÜ: Im Mai oder Juni befand sich bereits ein Sanitätsbataillon im Aufbau. Wem unterstand dieses?



zuletzt bearbeitet 11.10.2013 23:51 | nach oben springen

#11

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 11.10.2013 23:52
von damals wars | 12.154 Beiträge

Wasserwerfer der Volkspolizei
, die Enrico Pätzel vorher noch nie gesehen hatte, hergestellt von Mercedes, fahren durch das Tor und zielen auf die Partygäste.

Sicher hatten die einen roten -Stern!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#12

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 12.10.2013 02:03
von Mart | 734 Beiträge

Also für mich klingt das alles ziemlich verquirlt. Aber ich habe mir ausgerechnet an dieser U-Schule geschworen "halte alles für möglich" - insoweit will ich einkalkulieren, dass die Zeiten wirr waren. Um mal Struktur in die Sache zu bekommen:

* Es gab 1984 keinen Zimmerfunk in den U-500. Auch eine feste Kasernenbeschallung gab es nicht: Für Vereidigung und Ernennung wurde die Beschallung mobil aufgebaut.

* Ich habe in drei Jahren keine 10 Offiziersschüler gesehen. Die machten halt Truppenpraktikum. Möglicherweise liegt eine optische Verwechslung vor: Zumindest in der NVA waren die U-Schüler zu der Zeit im Dienstgrad Gefreite - also "Gefreite Unteroffiziersschüler" - ich gehe davon aus, dass das an der US VI nicht anders war.

* 1981 (Polenkrise, möglicher Einmarsch in Polen) wurde die US VI für einige Tage zum "Grenzkommando Ost" hochgefahren. Insoweit ist realistisch vorstellbar, dass U-Schüler an der Grenze zu Polen (ggf. auch CSSR) eingesetzt wurden.

* 1988 oder 1989 wurde das Verbot Westempfang geändert: Mindestens Berufssoldaten konnen dann privat Westfernsehen und -radio empfangen, ohne Bestrafung fürchten zu müssen. Wie das in der Kaserne selbst war, wie das für Soldaten geregelt war - ich weiß es nicht.

* Zu meiner Zeit: Pro Stube ein Radio, mit Radiokarte als "genehmigt" gekennzeichnet; erlaubte Sender markiert. Kassettenteile verboten bzw. petschiert. Dabei waren Radios er nach der Vereidigung (oder Grundausbildung) zulässig. - Soweit man annimmt, dass das Westempfangsverbot für Soldaten fortgalt, ist vorstellbar, dass in diesen wilden Zeiten ab 09/1989 die Politverwaltung lieber gar keine Radios haben wollte - aber das müssen wir halt herausfinden.

* Wasserwerfer hat es sehr wohl gegeben. Und zwar bei hauptamtlichen Feuerwehren, die W50 mit Dachspritze. Diese (oder einige davon) waren dafür ausgerüstet, die Fahrerkabine mit Gittern zu sichern. Auch die US VI hatte ein solches Fahrzeug auf dem Park, allerdings in meiner Erinnerung in buna-grün.

* Es ist richtig, dass in der Mauerfallnacht nach 0000 Uhr die Mauer des Brandenburger Tors vermittels Wasserwerfer(n) von Ostseite geräumt wurde. Es gibt mehrere Videos, an der Tatsache besteht überhaupt kein Zweifel.

* Langsam kommt der eine oder andere Zeitzeuge - also ich bin guten Mutes. Wir finden heraus, wie das ablief.

* Der fragliche Zeitzeuge in der Zeitung: Der wird halt etwas ausgeschmückt haben - und hatte sicher nicht die Idee, dass dann mal Nietenzähler kommen und ihm jede einzelne fehlende Niete vorhalten werden.

* Ob und wie die Westgrenze nach dem Mauerfall bewacht bzw. bestreift wurde - das sollte man ggf. in einem anderen Thread diskutieren.


zuletzt bearbeitet 12.10.2013 02:20 | nach oben springen

#13

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 12.10.2013 02:18
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von KAMÜ im Beitrag #8
der Grenzschutz Ost wurde gegen den Monat Mai oder Juni in der USVI aufgestellt.Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls ein Sanitätsbatallion dort aufgebaut.Wir vom Grenzschutz waren im mittleren Block untergebracht,(Siehe Bilder aus meiner Galerie).

Das klingt, als wenn Du unmittelbarer Zeitzeuge bist. Ich habe Fragen an Dich:

* Laut Foto warst Du BU, welche Einstellung bist Du? Wo hast Du dann bis zum Mauerfall gedient?

* Also Einheiten des Grenzschutzes Ost wurden 05 oder 06/1990 an der US VI aufgestellt, lagen im Mittelblock. Du warst da beteiligt? In welcher Funktion?

* Diese neuen Einheiten: Waren das neu Einberufene? Falls ja: Waren das Grundwehrdienst oder Längerverpflichtungen? Wie lief die Ausbildung ab? - Oder waren das gestandene Grenzer, die umgeschult wurden?

Weitere Fragen werden sich sicher aus Deiner Antwort ergeben - ich bin gespannt.


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#14

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 14.10.2013 17:15
von 94 | 10.792 Beiträge

Interessant wäre mal, wann dieses Bild aufgenommen wurde. Ein Meute Uschis; *tschuldschung* ein Zug Gefreite in der Ausbildung zum Unteroffizier vor dem Brandenburger Tor. Wann lag im Dezember 1989 Schnee in der Noch-Hauptstadt? Also ich tippe mal dann auf den 12.12.89 nachmittags, so gegen 14.00 Uhr? Schnee taut schon weg, Sonne lacht aus MRZ (Marschrichtungszahl) 35 und AZO (Anzugsordnung) ist Winter. Also im Dezember '89 fiel der erste Schnee zum wenigsten kurzfristigen Liegenbleiben am 11., Sonne ein Tag später und ab dem 21. dürfte so ein Bild nimmer möglich gewesen sein.


Album: g613-Grenze.html


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


lutz1961 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.10.2013 17:17 | nach oben springen

#15

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 14.10.2013 18:53
von lutz1961 | 404 Beiträge

Ich war wieder etwas unterwegs im Internet und habe versucht etwas in Erfahrung zu bringen zu dem Lehrgang 89/90,
dazu habe ich in einem Forum jemanden gefragt, der dort OT mitgeteilt hat, das er 2 mal auf die DDR - Vereidigt wurde, 1x16.9.1989 und das andere mal nach dem 23.8.1990 .
Habe ihn angeschrieben und die Antwort erhalten.

Hoffe Mart, das Dir diese Info reicht. Denn mehr möchte er mir nicht sagen, auch sein WDA mit Seite 12/13 nicht zeigen.

Ein Gruß an alle Perleberger

Angefügte Bilder:
* mit Fragezeichen/Stern gekennzeichnete Stellen sind evtl. nur Gerüchte bzw. Fehlinformationen
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zuletzt bearbeitet 14.10.2013 18:57 | nach oben springen

#16

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 14.10.2013 21:25
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Hallo Lutz,
vielleicht denke ich irgendwie falsch.
Ich habe schon einige private Post von usern erhalten, die mit meiner Meinung nicht einverstanden sind oder meine Fragen beantworten.
Ich würde die Meinungen und Thesen nie ins Forum bringen .
privat ist privat!


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#17

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 14.10.2013 21:48
von lutz1961 | 404 Beiträge

richtig, so wie Namen oder Orte oder Hinweise sind, aber hier sind es nur Antworten.....
Als Nachweis,das es wirklich nur 3 Monate sind, das gab es 1988 schon mal!

Ein schön Abend


* mit Fragezeichen/Stern gekennzeichnete Stellen sind evtl. nur Gerüchte bzw. Fehlinformationen
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#18

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 14.10.2013 23:10
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von lutz1961 im Beitrag #17
Als Nachweis,das es wirklich nur 3 Monate sind, das gab es 1988 schon mal!


Dein Zeitzeuge ist ja nun dafür völlig ungeeignet: Er schreibt, dass er von September 1989 bis ende Januar 1990 in Perleberg war. Das war also ein Halbjahreslehrgang, wenn ich noch rechnen kann.

Auch sonst: Wie es immer so mit Einzel-Zeitzeugen ist: Ohne einen zweiten unabhängigen Zeitzeugen ist das alles nicht viel wert.
Wir wissen nichtmal sicher, ob da ein Drei-Monats- oder Halbjahreslehrgang war.

Auch sonst ist das auf den ersten Blick eher wirr: Eine Kompanie mit allen möglichen Verwendungen - auf den ersten Blick also die (1984) 9. Kompanie. Und dazu noch Nachrichtenverwendungen in der gleichen Kompanie. Und die war mitten im Lehrgang in der Truppe - und kam dann (teilweise) zurück. Ja gut - kann sein, kann nicht sein:
Man muss ja sehen, dass die große Fluchtbewegung im August 1989 einsetzte, dieser Lehrgang anfang September gezogen wurde: Also schon möglich, dass da kurzfristig Lücken in den Einheiten geschlossen wurden.

Insoweit wäre (am Rande) interessant zu erfahren, wann er nach Pätz versetzt wurde - und wann zurück nach Perleberg. Der neue Fahneneid war am 20. Juli 1990, hier völlig uninteressant.

Seine Thesen bzgl. V2000 - ja Gott: Da gab's immer viele Gerüchte. Eine realistische Zahl für die IM an der US VI dürfte bei 1:10 gelegen haben. Das stellt Müller in "1000 Tage bei der Asche" nach Untersuchung fest. Und das deckt sich durchaus mit meinen damaligen Beobachtungen. Was der Zeitzeuge da behauptet - völlig unmöglich ist das nicht. Aber das MfS dürfte im Sommer 1989 deutlich wichtigeres zu tun gehabt haben als eine Kompanie mit IM bzw. HIM aufzustellen.


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#19

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 14.10.2013 23:21
von lutz1961 | 404 Beiträge

Abend Mart, du schreibst " deine damaligen Beobachtungen" - kannst du dazu näher eingehen - eMail wenn du nicht öffentlich dazu was sagen möchtest!

Ach und Mart, eine Bitte - nicht immer sofort alles als, - kann -ist - möglich sehen.
Es sind nach mehr als 20 Jahren versuche, etwas ohne den Obersten der Führung an der U-Schule in Erfahrung zu bringen.

Danke und ein ruhigen Start in den Dienstag

PS - 1988 wurden U-Schüler eingesetzt in der Stadt Perleberg zum Gräben ausheben für Telefon Anschlüsse, den soviel ich weiß gab es Melder an der U-Schule die die nicht Telefoninhaber wecken mussten!
Zeitzeuge dazu bin ich Persönlich! , Eingesetzt als Melder in meiner Zeit an der U-Schule 86/87

Ist dir was dazu bekannt, Nordpol könnte eher was dazu sagen,...


* mit Fragezeichen/Stern gekennzeichnete Stellen sind evtl. nur Gerüchte bzw. Fehlinformationen
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#20

RE: Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

in Grenztruppen der DDR 15.10.2013 00:37
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von lutz1961 im Beitrag #19
Ach und Mart, eine Bitte - nicht immer sofort alles als, - kann -ist - möglich sehen.

Ich werde das beibehalten. Aus folgendem Grund:
Wenn das hier nicht nur ein "wir erzählen uns Geschichten aus alter Zeit" ist, dann muss man eine Information auch bewerten. Ganz grob hat sich da ein Raster bewährt: Das ist [Grund] unmöglich. - Das ist möglich [wir wissen es aber nicht]. Das ist möglich und es gibt einen Zeitzeugen [unbestätigte Information]. - Es gibt zwei unabhängige Zeitzeugen [ziemlich sichere Information]. Es gibt Zeitzeugen und entsprechende Akten [sehr sichere Information].

Zitat von lutz1961 im Beitrag #19
... 1988 wurden U-Schüler eingesetzt in der Stadt Perleberg zum Gräben ausheben für Telefon Anschlüsse, den soviel ich weiß gab es Melder an der U-Schule die die nicht Telefoninhaber wecken mussten!
Zeitzeuge dazu bin ich Persönlich! , Eingesetzt als Melder in meiner Zeit an der U-Schule 86/87

Die Beschreibung der Melder-Aufgabe ist korrekt. - Das Einsetzen von U-Schülern für artfreme ziviele oder auch militärische Bauaufgaben kenne ich so nicht; das waren offenbar Ausnahmen: Der Lehrplan gab das im Grunde auch nicht her. Aber Es gibt einen ähnlichen Fall 1984: Da wurde der neue Schießplatz der US VI gebaut.

Zitat von lutz1961 im Beitrag #19
Abend Mart, du schreibst " deine damaligen Beobachtungen" - kannst du dazu näher eingehen - eMail wenn du nicht öffentlich dazu was sagen möchtest!

Klar, kein Problem.

Inoffizielle Mitarbeiter des MfS an der US VI - hier: U-Schüler.
Wer als U-Schüler nicht völlig plemm war, hatte vor seiner Armeezeit schon einmal etwas vom MfS oder der Stasi oder GHG gehört. Und wußte auch, dass es Spitzel, Petzen gab. Das war der damalige Sprachgebrauch, "IM" war als Begrifflichkeit völlig unbekannt. Allerdings konnte kein U-Schüler wirklich einschätzen, wie viele IM waren. In kleinstem Kreis wurde darüber geredet, das ist sicher. Aber völlig genau wußte das niemand; es waren Vermutungen.

Für einen Gruppenführer [wie mich] sah die Welt schon ganz anders aus: Der wußte, welcher Offizier in GT-Uniform real als Angehöriger der "Verwaltung 2000" (HA I des MfS) für die eigene Kompanie zuständig war. Man wurde da nicht irgendwie vorgestellt. Aber das Hauptmann Maxxt für die 7. Kompanie zuständig war, war völlig offenes Gespräch zwischen den Offizieren und Unteroffizieren der Kompanie. Und man kannte zwei oder drei weitere MfS-Offze auch noch.

Zu erahnen war (für die Gruppenführer), dass das MfS hohes Interesse (gemäß der MfS-Aufgabe "wer ist wer?") daran hatte, in jedem Zimmer einen IM zu platzieren. Das konnte dadurch geschehen, dass der U-Schüler noch als Zivilist geworben wurde - oder das er in den ersten Tagen/Wochen an der U-Schule geworben wurde; andere Möglichkeiten gab es nicht. Eher die umgekehrte Möglichkeit: Ein IM entpflichtet sich - und in einem Zimmer ist überhaupt kein IM.

An Hand von zwei Indizien konnte ein einigermaßen blickiger Gruppenführer sehen, wer IM war. Das zu erkennen - war auch Selbstschutz für den Unteroffizier. Wenigstens war mal klar, dass "ein Spitzel" sicher auch über die Uffze berichtet. Da wäre nun schön, wenn "der Spitzel" nichts erfährt, was einem selbst zum Nachteil gereichen könnte. Das erste (und im Grunde entscheidende) Indiz möchte ich nicht nennen - aus folgendem Grund: Das wissen nur sehr wenige, auch heute noch. Und ich möchte vermeiden, dass diese (damalige!) Erkenntnis in fünf Jahren jeder damals selbst herhalten hatte ...

Das zweite Indiz hat mit der (aus MfS-Sicht) Verkettung mehrerer Umstände zu tun: Zunächst einmal war ein U-Schüler ja immer gut beschäftigt, selbst in der Freizeit. Und wenn er mal wirklich frei hatte, konnte er nicht überall mal so einfach hin. Da war ja noch der UvD-Tisch auf dem Flur - und der stand direkt an der Treppe. Wenn ein U-Schüler die Kompanie verlassen wollte, hieß das: Beim UvD Männchen bauen und ansagen, wohin - man erinnert sich. Also das ging immer die Treppe runter: Zur MHO, zur Post, zum Buchladen, zum Rauchen, zum Stiefelputz uswusf. Immer nach unten - nach oben nie. Es gab exakt NULL Grund, dass ein U-Schüler die Treppe hoch ging.
Dummerweise lagen in der obersten Etage die Diensträume der V2000 (linker Block zum Lehrgebäude). Wenn also ein IM zum Treff mit seinem Führungsoffizier wollte - mußte er die Treppe hoch. Der UvD brauchte nur gucken, wer sich nach unten abmeldete - und sich nach oben schlich. Es brauchte lediglich die Zeit der Grundausbildung und die (blickigen) Gruppenführer wußten, wer so alles IM war.

Und einen aus heutiger Sicht ganz lustigen Beweis dafür habe ich auch noch - ich habe den wohl schon mal erzählt; weiter vorn:
Ich schiebe UvD. Und natürlich hatte man so seine ganz besonderen Schäflein, also auch ein GF wollte heil und ohne unnötigen Streß bis zur Entlassung; da mag man die nicht so sehr besonders, die wirkliche Sacktreter sind. - Einer (von dem ich wußte, dass er IM war) ging mir fürcterlich auf die Ketten. Der wollte sich nun fadenscheinig in die (über uns liegende) 8. abmelden. Und ich hab' den im jugendlichen Leichtsinn abprallen lassen; ich hab' vergessen, wie. Vermutlich Stiefel nicht geputzt oder so etwas.

Es vergeht die Zeit, die Kompanie schlummert mit meinen leisen (höhö) "Panie Naaaachtruhe - Liiiiiicht aus!" sanft ein. Und ich sitze so an meinem UvD-Tisch und rauche eine. Gegen Mitternacht Schritte, heißa, kann nur Kontrolle sein. Ach, der Hauptmann Maxxt, ich melde ihm mal. Er winkt ab, hat seine Uniform auch eher unmilitärisch - setzt sich auf den Guffdi-Stuhl und zündet sich auch eine an. Und sagt: "Unterfeld, wir sind doch bisher gut miteinander ausgekommen?" Tja, hmmm, sooo gesehen - ich hab' bisher drei keine Worte mit dem gewechselt. Oder sicher mal drei Sätze, die ich heute zu drei Worten verkürze, klar. Dann wird er schneidend: "Unterfeld, wenn das weiter so bleiben soll, läßt Du alle in Frieden, die sich eine doofe Ausrede ausdenken um hochzukommen, hast Du verstanden?" - Verstanden ist zu harmlos ausgedrückt - in dem Moment ging mir der Arsch auf Grundeis. Danach hat er (in meiner Erinnerung) noch ein wenig gesessen und wir haben Smalltalk betrieben.


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