#1

Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 07:23
von Angelo | 12.391 Beiträge

München/Zwickau (ddp-lsc). In jüngerer Zeit häufen sich die Fälle, in denen ehemalige hauptamtliche und Inoffizielle Mitarbeiter (IM) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gegen ihre Enttarnung und Identifizierung beispielsweise in Dokumentationen zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte, Medien, Ausstellungen oder Vorträgen klagen. Was für Stasi-Opfer nur logisch erscheint - die Nennung der Täter von damals -, ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt.

Laut Grundgesetz hat jeder Bürger ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Er kann selbst darüber entscheiden, ob, wann und in welchem Umfang Angaben über persönliche Lebenssachverhalte in die Öffentlichkeit gebracht werden. Die, in der Regel ungefragte, Veröffentlichung der Namen von Stasi-Mitarbeitern greift in dieses Grundrecht ein. Die Birthler-Behörde gibt für nachgewiesene Forschungszwecke nur die Namen von MfS-Mitarbeitern und zur Vermeidung von Verwechslungen das Geburtsdatum heraus, keine Adressen.

Laut Stasi-Unterlagengesetz dürfen personenbezogene Informationen über Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes veröffentlicht werden, soweit die Tätigkeit nicht vor Vollendung des 18. Lebensjahres lag. Durch die Veröffentlichung dürfen keine überwiegenden schutzwürdigen Interessen der jeweiligen Person beeinträchtigt werden. Das Stasi-Unterlagengesetz steht bezüglich der Übermittlung personenbezogener Informationen auch über dem Bundesdatenschutzgesetz.

Das "schutzwürdige Interesse" wird von Gerichten unterschiedlich ausgelegt. Es ist immer eine Einzelfallentscheidung, ob das allgemeine Informationsinteresse oder das Persönlichkeitsrecht überwiegt.

So hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil von 1994 das Stasi-Unterlagengesetz sehr eng ausgelegt. Die Verbindung von personenbezogenen Daten mit einer IM-Tätigkeit sei geeignet, die Person in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Ausnahmen vom Veröffentlichungsverbot seien nur zulässig, wenn der MfS-Mitarbeiter damals oder heute eine herausgehobene Position bekleidet habe oder bekleide.

Andererseits hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2000 festgestellt, dass die namentliche Nennung eines Stasi-Mitarbeiters eine die Öffentlichkeit wesentlich berührende Frage betreffe und ein erhebliches Aufklärungsinteresse begründe. Allein der Umstand, dass eine Person als IM bezeichnet werde, führe nicht ohne Weiteres zu sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung.

Im Fall des in der Ausstellung "Christliches Handeln in der DDR" im März 2008 mit Klarnamen genannten "IM Schubert" hatte das Landgericht Zwickau in einer einstweiligen Verfügung zunächst die Schwärzung des Namens verlangt. Im April 2008 hob das Gericht die Verfügung aus formalen Gründen auf. Das Verfahren zur Sache läuft noch.

Im Fall des Münchner Naturwissenschaftlers Joachim Heinrich hat das Landgericht München I im April dieses Jahres die Zulässigkeit der namentlichen Nennung eines Stasi-Mitarbeiters in Zusammenhang mit einem historischen Ereignis bestätigt. Heinrich hat auf einer Internetseite über die Stasi in Erfurt einen zur Beobachtung, Zersetzung und Zerschlagung von "Feinden" eingesetzten so genannten IMB auf einem Foto von der Versiegelung der Erfurter MfS-Zentrale im Dezember 1989 benannt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

(ddp)


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#2

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.08.2009 16:36
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Angelo


Im Fall des in der Ausstellung "Christliches Handeln in der DDR" im März 2008 mit Klarnamen genannten "IM Schubert" hatte das Landgericht Zwickau in einer einstweiligen Verfügung zunächst die Schwärzung des Namens verlangt. Im April 2008 hob das Gericht die Verfügung aus formalen Gründen auf. Das Verfahren zur Sache läuft noch.

Im Fall des Münchner Naturwissenschaftlers Joachim Heinrich hat das Landgericht München I im April dieses Jahres die Zulässigkeit der namentlichen Nennung eines Stasi-Mitarbeiters in Zusammenhang mit einem historischen Ereignis bestätigt. Heinrich hat auf einer Internetseite über die Stasi in Erfurt einen zur Beobachtung, Zersetzung und Zerschlagung von "Feinden" eingesetzten so genannten IMB auf einem Foto von der Versiegelung der Erfurter MfS-Zentrale im Dezember 1989 benannt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.





weiss jemand was daraus geworden ist ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#3

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.08.2009 17:26
von bruno | 598 Beiträge

gilbert,
http://www.tagesschau.de/multimedia/vide...ideo480626.html
das ganze gibt es auf
http://www.stasi-in-erfurt.de
am letzten sonntag hatte ich darauf
schon einmal aufmerksam gemacht,
das ging aber irgendwie unter...


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#4

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.08.2009 23:31
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@bruno, danke.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#5

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.04.2013 00:04
von 82zwo | 123 Beiträge

Die meisten von den (ehemaligen) arbeiten heute doch im ehemaligen Westen !!
Weil die Löhne höher sind oder mann dort nicht als MfS bekannt ist .
Ich kenne da schon 2 Mann aus ner kleinen Stadt ohne nachzuforschen nur die die
allen bekannt waren !!!



Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.04.2013 00:12
von Mike59 | 7.939 Beiträge

Zitat von 82zwo im Beitrag #5
Die meisten von den (ehemaligen) arbeiten heute doch im ehemaligen Westen !!
Weil die Löhne höher sind oder mann dort nicht als MfS bekannt ist .
Ich kenne da schon 2 Mann aus ner kleinen Stadt ohne nachzuforschen nur die die
allen bekannt waren !!!


In der Regel geht der Mensch dahin wo es sich besser leben lässt. Wer da bleibt wo das nicht der Fall ist wird sicher seine Gründe haben.


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#7

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.04.2013 10:28
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von 82zwo im Beitrag #5
Ich kenne da schon 2 Mann aus ner kleinen Stadt ohne nachzuforschen nur die die
allen bekannt waren !!!

Was Du wolle sage diesen Forum hiermit, oder sein nur ich wo nix Begreif dieses satz?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#8

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.04.2013 10:45
von SET800 | 3.094 Beiträge

Hallo,
das Problem oder der Fehler ist doch wohl daß die derzeitigen Pauschalisierungen gelten:

1. Jeder offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gilt als Täter.

2. Jede Person die in einem Vorgang überprüft, vernommen, überwacht oder kontrolliert wurde grundsätzlich
als Opfer gilt.


Praktische Frage rückblickend betreff Qualität der Konspiration. Sind Fälle bekannt wo Verdachtsmomente sich
nicht bestätigten, z.B. Anfragen des MfS bei Kaderabteilungen mit einer positiven Beurteilung endeten, aber die
Person nur WEIL die Staatsicherheit sich für den Menschen interessierte Berufsnachteile erfuhr?

Sozusagen "Rufschädigung" im sozialistischen Alltag die Folge war.

Wer in der BRD zur Kripo vorgeladen wird ( Klärung eines Sachverhaltes ) muß sich im Betrieb auf unangnehme
Fragen gefasst machen, auch dann wenn das Verfahren eingestellt wird..



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#9

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 19:11
von berlin3321 | 2.514 Beiträge

Hallo,

na, Feiks, dann lass mal die Hosen runter:

Zitat
MfS-Mitarbeiter damals oder heute eine herausgehobene Position bekleidet habe



denn allein aufgrund des historischen Namens trifft das ja schon mal zu.

Zitat
1. Jeder offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gilt als Täter.



Das sehe ich anders: 1. Jeder offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit ist Täter.

Man sollte allerdings so fair sein, dass nur derjenige Täter ist, der aktiv gespitzelt hat. Leute, die mit Druck angeworben wurden wie z.B. Mara, die dann jedoch nie "geliefert" haben sind in meinen Augen nicht zwingend Täter.

Nimmt man jedoch den § 213 als Grundlage, ist jeder Täter, denn lt dem § 213 war es ja schon Strafbar, nur aus dem Haus zu gehen, wenn man eine Flucht vorhatte, denn man hätte ja auf dem Weg zur RP sein können.

Mfg Berlin .


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#10

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 19:57
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #9

Das sehe ich anders: 1. Jeder offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit ist Täter.
Mfg Berlin .



Aha, und worin bestand beispielsweise die konkrete Täterschaft der Kriminalisten des MfS, die in Tötungsdelikten ermittelten und diese aufklärten ? Du stellst gerade die Dinge auf den Kopf.



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#11

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 20:09
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Merkur im Beitrag #10
Zitat von berlin3321 im Beitrag #9

Das sehe ich anders: 1. Jeder offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit ist Täter.
Mfg Berlin .



Aha, und worin bestand beispielsweise die konkrete Täterschaft der Kriminalisten des MfS, die in Tötungsdelikten ermittelten und diese aufklärten ? Du stellst gerade die Dinge auf den Kopf.


Oder die ermittelt haben, wenn eine erhebliche Havarie in einem Industriebetrieb passierte, die nicht sicher auf objektive ursachen zurückzuführen war.
Oder ständig aus unergründlichen Ursachen immer wieder die gleichen Anlagenteile kaputt gingen, die normalerwiese sonst und woanders nicht kaputtgehen.
Oder ein in Gemeinschaftseigentum befindliches Gebäude abfackelt.
Oder durch offensichtliche Fehlentscheidungen Millionenschäden entstehen.
Oder ein Import getätigt wird, bei dem offensichtlich Bestechungsgeld geflossen ist.
Oder wenn offen und aktiv der Sturz des Systems betrieben wird.
Alles Täter, die dagegen vorgehen ?



zuletzt bearbeitet 12.04.2013 20:09 | nach oben springen

#12

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 20:55
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #11
Zitat von Merkur im Beitrag #10
Zitat von berlin3321 im Beitrag #9

Das sehe ich anders: 1. Jeder offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit ist Täter.
Mfg Berlin .



Aha, und worin bestand beispielsweise die konkrete Täterschaft der Kriminalisten des MfS, die in Tötungsdelikten ermittelten und diese aufklärten ? Du stellst gerade die Dinge auf den Kopf.


Oder die ermittelt haben, wenn eine erhebliche Havarie in einem Industriebetrieb passierte, die nicht sicher auf objektive ursachen zurückzuführen war.
Oder ständig aus unergründlichen Ursachen immer wieder die gleichen Anlagenteile kaputt gingen, die normalerwiese sonst und woanders nicht kaputtgehen.
Oder ein in Gemeinschaftseigentum befindliches Gebäude abfackelt.
Oder durch offensichtliche Fehlentscheidungen Millionenschäden entstehen.
Oder ein Import getätigt wird, bei dem offensichtlich Bestechungsgeld geflossen ist.
Oder wenn offen und aktiv der Sturz des Systems betrieben wird.
Alles Täter, die dagegen vorgehen ?



Die waren eben bei jeder Hundehochzeit dabei.
Mein Schwiegervater, immerhin ehemaliger Major der DVP und damals Kriminalist erzählt manchmal von Kompetenzgerangel, der wollte mit seinen Kollegen seine Arbeit machen und Mörder, Vergewaltiger u.ä. dingfest machen und ab einem gewissem Punkt kamen andere "Kriminalisten" ins Spiel, er meint das wäre eher hinderlich gewesen.
Ist schon interessant gewisse Dinge von Leuten zu hören die hinter die Potemkinschen Fassaden schauen mussten, konnten, durften.


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.04.2013 21:18 | nach oben springen

#13

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 21:15
von Fritze (gelöscht)
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Ist doch heute mit den Schnösels vom BKA oder Staatsschutz nicht anders.Die behindern die Ermittlungen auch sehr oft.


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#14

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 21:21
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Fritze im Beitrag #13
Ist doch heute mit den Schnösels vom BKA oder Staatsschutz nicht anders.Die behindern die Ermittlungen auch sehr oft.


Nun ja Fritze, er hat aber sein Berufsleben hälftig in beiden deutschen Staaten verbracht, die letzte Hälfte wäre unpolitisierte Polizeiarbeit gewesen und ich glaube ihm das schon.


zuletzt bearbeitet 12.04.2013 21:24 | nach oben springen

#15

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 21:25
von Fritze (gelöscht)
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Das ist nicht in Abrede zu stellen,aber es kommt doch auf die polit Brisanz an. Bei Diebstahl von Karnevalsuniformen treten sie natürlich nicht auf den Plan.


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#16

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 21:29
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Fritze im Beitrag #15
Das ist nicht in Abrede zu stellen,aber es kommt doch auf die polit Brisanz an. Bei Diebstahl von Karnevalsuniformen treten sie natürlich nicht auf den Plan.


Der hat sich mit sehr viel krassereren Dingen beschäftigt, kannst du mir glauben.
Vielleicht haben wir ja aktive Kriminalisten unter uns die eventuell eine Info geben können inwieweit der Verfassungsschutz bei "normalen" Straftaten involviert.


zuletzt bearbeitet 12.04.2013 21:39 | nach oben springen

#17

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 21:56
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Den Hauptgrund dafür, daß bei Verbrechen in der DDR wesentlich häufiger das MfS involviert war als heute der BND oder Verfassungsschutz, sehe ich darin, daß es heute wesentlich öfter um reine Delikte gegen das Privateigentum oder Leib und Leben von Privatpersonen im breitesten Sinne geht als zu DDR-Zeiten. Das interessiert natürlich keinen Verfssungsschutz, ist auch nicht seine Aufgabe, wenn es nicht wie im Fall der NSU-Sache schon in Terrorismus ausartet und staatsgefährdend wird. Damals, in der DDR, waren materielle und immaterielle Schäden zumeist auch Schäden am Gemeinschaftseigentum und somit eine Schädigung des Staates und des Gesellschaftssystems und das konnte dadurch sehr wohl auch zu einer Angelegenheit des MfS werden. Das MfS hat sich dann wieder zurückgezogen, wenn es sich als nicht durch menschliches Versagen oder Absicht geschehen herausstellt und auch, wenn die Absicht nicht in einer Schädigung von Volkseigentum lag. So meine Meinung und auch selbst erlebt in unserer Firma. Hier kurz die Geschichte: Ab Meister aufwärts war jeder Kollege einmal monatlich dran, nachts Bereitschaftsdienst zu haben. D.h.,er mußte nur anwesend sein. Hierzu muß ich sagen, daß unser Betrieb hinsichtlich der Brandgefährdung ganz oben auf der Liste der Feuerwehr stand. Ausgerechnet als ich dran war, beendete die Sirene meine Nachtruhe. Eine Produktionshalle, in der nur am Tag gearbeitet wurde, stand in Flammen. Ein Busfahrer, der vorbeikam, hatte die Feuerwehr alarmiert, denn nicht mal unser Pförtner hatte in seinem Kabuff etwas mitbekommen. Nun, es rückte alles an, was eben so anrückt, Feuerwehr, der Chef, Technische und Produktionleiter, Kripo, MfS und Staatsanwalt. Es stellte sich bei der Untersuchung heraus, daß ein in einer Nachbarhalle arbeitender Kollege keine Lust hatte und sich dachte, mache ich mal ein kleines Feuerchen, dann ist die Nachtschricht gelaufen. So steckte er einen Stapel leere Papptrommeln an. Der Hitzestau in der Halle führte dann zu einem Großbrand, alles verschmort und verteert, Alu-Dachhaut geschmolzten. Der Prozessverlauf wurde natürlich später auch im Leitungsgremium ausgewertet und diskutiert. Dieser war dann ein ganz normaler Prozess, bei dem es eigentlich keine Rolle mehr spielte, ob da das MfS eingebunden war oder nicht. Es war schwere Brandstiftung, für die er 6 Jahre bekommen hatte. Er ging in Berufung und bekam dann 7 Jahre.



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#18

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 22:14
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #17
Den Hauptgrund dafür, daß bei Verbrechen in der DDR wesentlich häufiger das MfS involviert war als heute


.....ist, dass das MfS neben der Kriminalpolizei und der Zollfahndung gem. § 88 StPO der DDR Untersuchungsorgan war. Dort war unmissverständlich festgelegt, dass die Ermittlungen in Strafsachen durch die Untersuchungsorgane durchzuführen sind. Und das war nun mal auch das MfS, auch wenn es einigen heute nicht passt.
Der Fakt, dass die Kriminalisten des MfS wesentlich auch zur Aufklärung von schweren Straftaten der allgemeinen Kriminalität beigetragen haben, wird heute gern negiert.



passport, DoreHolm, werner, Pitti53 und seaman haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.04.2013 22:15 | nach oben springen

#19

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 22:35
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #12

Die waren eben bei jeder Hundehochzeit dabei.
Mein Schwiegervater, immerhin ehemaliger Major der DVP und damals Kriminalist erzählt manchmal von Kompetenzgerangel, der wollte mit seinen Kollegen seine Arbeit machen und Mörder, Vergewaltiger u.ä. dingfest machen und ab einem gewissem Punkt kamen andere "Kriminalisten" ins Spiel, er meint das wäre eher hinderlich gewesen.
Ist schon interessant gewisse Dinge von Leuten zu hören die hinter die Potemkinschen Fassaden schauen mussten, konnten, durften.



Sei mir mal nicht böse @Grenzwolf62 aber Deine Aussage "Die waren eben bei jeder Hundehochzeit dabei", ist absoluter Blödsinn. Es war ganz klar festgelegt, wann das MfS die Ermittlungen übernahm oder wann es gemeinsam mit der K einen Vorgang bearbeitete.
Das es in Einzelfällen Kompetenzgerangel gab,liegt in der Natur der Sache. Es lag aber nicht an den Organen K bzw. MfS, sondern an den Menschen in diesen Organen. So ist es nun einmal im täglichen Leben.
Ob nun die Kriminalisten des MfS hinderlich waren, müsste im Einzelfall betrachtet werden. Ich kenne jedenfalls eine Reihe von Verbrechen, in denen das MfS den Fall letztendlich geklärt hat. Ich weiß auch nicht, warum das Wort Kriminalisten in Anführungszeichen steht. In der Regel handelte es sich bei den Kriminalisten des MfS sogar um Diplom-Kriminalisten, die Absolventen einer Kriminalistik lehrenden Hochschuleinrichtung waren.



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#20

RE: Rechtslage zur Benennung von Stasi-Mitarbeitern nicht eindeutig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.04.2013 22:43
von Gert | 12.354 Beiträge

ich sehe das MfS als einen private Sicherheitsdienst der SED an, der mit den Allmachtsphantasien der SED Bonzen ausgestattet wurde. So war auch ihr Auftreten. So waren sie eben überall vertreten, wo es etwas zu bekämpfen gab.Was bekämpfenswert und erforderlich war, bestimmten natürlich auch sie. Die ganze Mentalität des MfS war bestimmt von dem Trauma der SED, nämlich von der ersten Arbeiterrevolution in der DDR am 17.Juni 1953.Dieses Gefühl, kurz vor dem Abgrund noch mal gerettet worden zu sein, bestimmte offensichtlich das Zusammenwirken von Partei und MfS. Für den normalen Bürger der DDR war das MfS so überflüssig, wie ein Kropf.


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Kimble hat sich für diesen Beitrag bedankt
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