#61

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 13:36
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #54
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #52
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es hauptsächlich Parteistrafen wegen sex und Suff gab. Außer bei rainman, bei dem es sachliche Gründe gab im Zusammenhang mit dem Grenzdienst.

Gab es keine Parteistrafen wegen Schluderei oder nicht erfüllter Pläne in der Produktion? Denn die Partei war doch mitten drin, wie z.B. aus zahlreichen Beiträgen im thread verramschte DDR-Betriebe (7) hervorgeht.

LG von der grenzgaengerin




@grenzgaengerin , den gleichen Gedanken hatte ich auch. Und wenn ich es aus meiner Sicht bewerte, so ist das dermassen kleinbürgerlich und piefig, passte irgendwie zu diesem Staat, denn der erschien mir auch so. Ok ist wieder mal negativ ausgefallen, meine Wertung aber ich finde nicht viel gutes an dieser "größten und schönsten DDR" der Welt.






Rot: Wie hättest Du es dann gesehen, wenn das nicht so gewesen wäre, so kleinbürgerlich und piefig ? Was wird denn heute in den Medien für ein Knatsch angestellt, wenn ein Prominenter, also auch Politiker, fremdgeht oder im Suff sich mit dem PKW erwischen läßt und wenn es dicke kommt, seinen Stuhl räumen muß? Ist natürlich dann nicht kleinbürgerlich und piefig, wie ?
Wenn die SED es sich auf dei Fahnen geschrieben hatte, durch seine Mitglieder auch moralisch sich vorbildlich zu verhalten und es wäre großzügig gehandhabt worden, also nicht kleinbürgerlich und piefig, Du wärest der Erste gewesen, der hier laut von Doppelmoral und Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gerufen hätte. So wie es ist, egal wie, für Dich ist es immer falsch. Deshalb ist es für mich auch ziemlich egal, was Du dazu meinst. Wirst ebenso denken, nehme ich an.



Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#62

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 13:59
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #61
Zitat von Gert im Beitrag #54
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #52
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es hauptsächlich Parteistrafen wegen sex und Suff gab. Außer bei rainman, bei dem es sachliche Gründe gab im Zusammenhang mit dem Grenzdienst.

Gab es keine Parteistrafen wegen Schluderei oder nicht erfüllter Pläne in der Produktion? Denn die Partei war doch mitten drin, wie z.B. aus zahlreichen Beiträgen im thread verramschte DDR-Betriebe (7) hervorgeht.

LG von der grenzgaengerin




@grenzgaengerin , den gleichen Gedanken hatte ich auch. Und wenn ich es aus meiner Sicht bewerte, so ist das dermassen kleinbürgerlich und piefig, passte irgendwie zu diesem Staat, denn der erschien mir auch so. Ok ist wieder mal negativ ausgefallen, meine Wertung aber ich finde nicht viel gutes an dieser "größten und schönsten DDR" der Welt.






Rot: Wie hättest Du es dann gesehen, wenn das nicht so gewesen wäre, so kleinbürgerlich und piefig ? Was wird denn heute in den Medien für ein Knatsch angestellt, wenn ein Prominenter, also auch Politiker, fremdgeht oder im Suff sich mit dem PKW erwischen läßt und wenn es dicke kommt, seinen Stuhl räumen muß? Ist natürlich dann nicht kleinbürgerlich und piefig, wie ?
Wenn die SED es sich auf dei Fahnen geschrieben hatte, durch seine Mitglieder auch moralisch sich vorbildlich zu verhalten und es wäre großzügig gehandhabt worden, also nicht kleinbürgerlich und piefig, Du wärest der Erste gewesen, der hier laut von Doppelmoral und Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gerufen hätte. So wie es ist, egal wie, für Dich ist es immer falsch. Deshalb ist es für mich auch ziemlich egal, was Du dazu meinst. Wirst ebenso denken, nehme ich an.


@DoreHolm habe ich etwas übersehen? sprachst du von Promis und hoch gestellten Parteimitgliedern die die Parteistrafen bekamen ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#63

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 14:04
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

meine einzige Rüge erhielt ich deshalb:

Stasi im gr 34 Falkensee (4)


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


nach oben springen

#64

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 14:04
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Ich weiß, dass meine Einwurf provokant war.

Doch @Vierkrug Dein Beispiel mit Klaus Siebold ist doch genau das andere Extrem. Was konnte Klaus Siebold für den strengen Winter? War Siebold nicht nur ein Bauernopfer, dass der der Bevölkerung geliefert werden sollte, nachdem es mit der Stromversorgung wegen der vereisten Braunkohlebagger spitz auf knapp stand? Fehlentscheidungen gab es doch auf allenen Ebenen und die Information von unten nach oben wurden, je höher sie stiegen, auch immer dünner. Als jedoch der Strom weg war, merkte es auch ein Herr Honecker und sein Politbüro. Wenn BH's Mangelware waren, dann war das Politbüro nicht tangiert.

Mag sein, dass Klaus Siebold bei mir aus persönlichen Gründen eine Verteidigungshaltung auslöst. Doch war es nicht so, dass man bei Kohle, Energie und prestigeträchtigen Projekten schneller mit "Parteistrafen" war? Und im "Alltag" sich im Mittelbau und Basis auf Verfehlungen im persönlichen Bereich konzentrierte? Vielleicht ist das auch nur meine persönliche Wahrnehmung.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 10.10.2013 14:06 | nach oben springen

#65

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 14:08
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Mein Vater ist Frühjahr 1989 nicht von einem Geburtstag seines Bruders aus Köln zurückgekommen, meine Mutter und mein Bruder durften ihm im September folgen. Für mich blieb das folgenlos als SED- Hauptamtlicher und damals im Studium.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


zuletzt bearbeitet 10.10.2013 14:09 | nach oben springen

#66

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 14:44
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Auch wenn diese Frage wieder provokant erscheinen mag, aber man sollte das Thema von allen Seiten beleuchten.

Gab es auch Parteistrafen gegen Frauen? Oder waren sie die besseren Kommunisten? Oder waren sie einfach nur schlauer? Bis jetzt wurden ja nur Beispiele aus der Männerwelt angeführt.

Wie war eigentlich das zahlenmäßige Verhältnis von Männern und Frauen in der SED. In den obersten Parteigremien waren sie ja nicht sehr stark vertreten.

LG von der grenzgaengerin


nach oben springen

#67

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 14:49
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Das Quotenproblem ist systemunabhängig.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


nach oben springen

#68

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 15:03
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #67
Das Quotenproblem ist systemunabhängig.


Da gebe ich Die recht. Das begann schon bei der Aufnahme in die SED. 1975 gab es vor dem IX.? Parteitag eine Aktion "Jugend in die SED" oder so ähnlich. Den Mädels in unserer Schule hat man noch nicht einmal die Anträge abgenommen. Die zwei "Quotenplätze" die unserer Schule nach weiß ich für einen Schlüssel zugewiesen wurden, wurden von vornherein von der Parteigruppe für männliche Schüler reserviert. Mit der Begründung sie müssten nach dem Abi zur Armee. Wahrscheinlich hatten sie daher das Parteilehrjahr nötiger.

Zum Verständnis - bei uns an der Schule gab es 160 Mädchen und 16 Jungs. Soviel zur Quote im Land der Gleichberechtigung.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 10.10.2013 15:13 | nach oben springen

#69

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 15:31
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #64
Ich weiß, dass meine Einwurf provokant war.

Doch @Vierkrug Dein Beispiel mit Klaus Siebold ist doch genau das andere Extrem. Was konnte Klaus Siebold für den strengen Winter? War Siebold nicht nur ein Bauernopfer, dass der der Bevölkerung geliefert werden sollte, nachdem es mit der Stromversorgung wegen der vereisten Braunkohlebagger spitz auf knapp stand? Fehlentscheidungen gab es doch auf allenen Ebenen und die Information von unten nach oben wurden, je höher sie stiegen, auch immer dünner. Als jedoch der Strom weg war, merkte es auch ein Herr Honecker und sein Politbüro. Wenn BH's Mangelware waren, dann war das Politbüro nicht tangiert.

Mag sein, dass Klaus Siebold bei mir aus persönlichen Gründen eine Verteidigungshaltung auslöst. Doch war es nicht so, dass man bei Kohle, Energie und prestigeträchtigen Projekten schneller mit "Parteistrafen" war? Und im "Alltag" sich im Mittelbau und Basis auf Verfehlungen im persönlichen Bereich konzentrierte? Vielleicht ist das auch nur meine persönliche Wahrnehmung.

LG von der grenzgaengerin


@grenzgaengerin - Für die Witterungserscheinungen des Winters 1978 / 79 konnte Klaus Siebold als Person sicherlich nichts, aber für die damit verbundenen Auswirkungen schon. Du kannst für ihn Partei nehmen. Dir werden sicherlich auch nicht alle Fakten und HIntergründe bekannt sein. Es war auch nicht der erste Winter, der für den Bereich des MKE eine Herausforderung war - das war eigentlich jeder Winter. Ich werde hier auch keine weitere Analyse vornehmen, die habe ich bereits anteilmäßig 1979 vorgenommen. Was Deine persönlichen Empfindungen hinsichtlich des Bereiches MKE anbetrifft, so sind es Deine persönlichen Wahrnehmungen. Die Probleme im Bereich des MKE waren weitaus komplexer, wie Du vielleicht Kenntnis hattest bzw. hast. Es gehörten zum Bereich MKE nicht nur die Braunkohlenkraftwerke !!! Ich zähle die Kraftwerke Jänschwalde und Boxberg auch nicht zu den Prestigeobjekten des MKE. Sie waren notwendig, um die energetische Basis zu stabilisieren. Die KKW Greifswald und Stendal sind eine andere Hausnummer und hatten mit Siebold rein garnichts zu tun. Aber die materiell-technischen und kapazitiven Vorbereitungen auf den Winterbetrieb in den Tagebauen u.a. Bereichen des MKE schon.
Im Ergebnis dieses Winters wurden dann auch die notwendigen Maßnahmen zur Netzaufsplittung (rotes und blaues Netz) im Elektroenergienetz der DDR vorgenommen. Ich könnte Dir weitere Beispiele anführen - belasse es aber dabei.
Noch abschließend zu dieser Problematik, im Mittelbau hat es damals auch mächtig gescheppert und es gab zahlreiche Konsequenzen für bestimmte Personen.
Das Politbüro kannte die Probleme im Bereich der Kohle - und Energiewirtschaft - nicht umsonst haben die Abt. Grundstoffindustrie beim ZK der SED unter Leitung von Horst Wambutt, wie auch unsere HA sich so intensiv um die Klärung der offenen Probleme gekümmert.

Aber lassen wir es dabei !!! Es ist müßig, sich darüber weiter auszutauschen und führt zu nichts.

Bezüglich Frauen in der SED - da gab es zwar keine Quotenregelung, aber eine Gleichstellung und auch einen Gleichbehandlungsstatus. Meine Frau war u.a. Sekretär einer SED-Kreisleitung und ist genauso zur Rechenschaft gezogen worden, wie andere Funktionäre auch, wenn es im ihrem Verantwortungsbereich nicht so lief, wie man es erwartete.

So klinke mich dann aus dieser Diskussion aus. Wahrscheinlich wird die Fach- und Sachkompetenz von Insidern wieder in Frage gestellt. Was soll es....

Vierkrug


4.Zug 4.Kompanie GAR-40, seaman, Schmiernippel und schulzi haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.10.2013 15:55 | nach oben springen

#70

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 17:16
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Danke Vierkrug. Aber findest Du nicht, dass es interessenter und informativer ist über solche Problematiken auszutauschen als über wechselnde Röckchen und leere Schapspullen, die zu Parteistrafen führten?

Der Blick auf auf die damaligen Probleme und wie versucht wurde zu lösen kann auch Vorurteile abbauen und Interesse für die Geschichte der DDR wecken. Aber auch lehrreich sein für aktuelle Probleme, hier konkret in der Energiepolitik. Zum Beispieil die sogenante Energiewende in eine "Hand" zu legen, statt sich in sich die Verantwortung zwichen Umwelt, Wirtschafts - und Finanzministerium hin und her zu schieben?

LG von der grenzgaengerin


Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#71

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 17:46
von Gelöschtes Mitglied
avatar

@grenzgaengerin - Deine Motivation und Dein Engagement mögen ehrenwert sein, aber bei mir gibt es nach wie vor Grenzen, die ich keinesfalls überschreiten werde. Ich habe die Interna, das Innenleben des Partei- und Staatsapparates der DDR kennen gelernt und auch darin gearbeitet. Die letzten 23 Jahre habe ich genutzt, um meinen persönlichen Anteil aufzuarbeiten und auch zum Abschluß zu bringen.
Ich betrachte dieses Forum auch nicht als Tribunal bzw. als wissenschaftliche Stätte der Geschichtsaufarbeitung. Man sieht immer wieder in der Diskussion, dass ein sachlicher und konstruktiver Gedanken- und Meinungsaustausch nicht möglich ist, da der Kenntnisstand, wie auch die Sicht- und Betrachtungsweisen zu unterschiedlich sind. @seaman u.a. User haben es schon oft genug bemängelt, interessante Themen- und Diskussionsansätze werden gleich geschreddert und im Keime erstickt. Warum sich dann noch der Mühe unterziehen und Kraft und Zeit diesbezüglich opfern. Leidtragende sind die User, wie Du, denen es wirklich um Zeitzeugenberichte in den unterschiedlichen geschichtlichen Phasen geht.
Aber es wird immer gleich die ideologische Keule der anderen Art geschwungen und spätestens nach dem 3. Beitrag die Verknüpfung zum MfS hergestellt.
Ich habe gegenüber Andersdenkenden keine Vorurteile, die hatte ich eigentlich nie, auch nicht zu DDR-Zeiten. Ich habe im Herbst 1989 mit vielen "Bürgerbewegten" stundenlang zusammen gesessen und Lösungsansätze auch für die Umweltpolitik diskutiert. Da gab es aber gegenseitige Achtung und Respekt.

Aber das Thema war ja ein anderes.

Klinke mich trotzdem hier aus, denn man müßte in andere Tiefen vorstossen, um Ursache und Wirkung zu erklären .......aber...

Vierkrug


passport, seaman, Feliks D., thomas 48, schulzi, 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.10.2013 17:47 | nach oben springen

#72

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 10.10.2013 18:05
von Krepp | 533 Beiträge

Hallo,

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #66
Auch wenn diese Frage wieder provokant erscheinen mag, aber man sollte das Thema von allen Seiten beleuchten.
Gab es auch Parteistrafen gegen Frauen? Oder waren sie die besseren Kommunisten? .........


@grenzgaengerin

Ja gab es. Beispiel aus 1979, ich war noch kandidat und meine Überzeugung
bekam da schon den ersten "Knacks" weg.
In unserer BPO noch die alten harten Kader am Ruder.
Eine angesehene Meisterin wurde durch "neidische Nichtmitglieder * " angeschwärzt wegen
angeblichen Westkontakten und derer Bezahlung in DM.
Was war los? Leipziger Messe, damals hat der Großteil der Messegäste bei privat übernachtet.
Es gab da auch eine offizielle Vermittlung. Da hat doch die Böse dann ein paar DM zusätzlich
angenommen und ist im Intershop gesehen worden.

Ende vom Lied: Parteiverfahren mit Strafe (welche weis ich nicht mehr).
Aber da hat die kluge Frau den Spiess rumgedreht und Ihr Buch hingeschmissen
und somit Ihren Rauswurf provoziert.
Ich konnte Ihr damals (zumindest innerlich) zustimmen.

P.S. * Es gab nicht nur systemtreue "IM's"



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
zuletzt bearbeitet 10.10.2013 18:06 | nach oben springen

#73

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 11.10.2013 11:50
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Habe überlegt ob ich mich zu diesem Thema überhaupt äußere da ich in dieser Frage etwas befangen bin, da "gebranntes Kind" .....

Irgendwo hatte ich über meinen eigenen Parteirausschmiss bereits geschrieben, nur finde ich den Text nicht mehr.
Deshalb alles auf Anfang. Variationen und/oder kleine Abweichungen können möglich sein .....

Erstmal was ist eine Parteistrafe?

Dazu habe ich im Statut der Partei geblättert (Ausgabe 1973) und unter der Rubrik "Die Parteimitglieder, ihre Pflichten und Rechte" folgendes gefunden:

Das Parteimitglied ist verpflichtet:
2a) die Einheit und Reinheit der Partei als die wichtigste Voraussetzung ihrer Kraft und Stärke in jeder Weise zu schützen;
.
.
2d) .......
Alle Erscheinungen der bürgerlichen Ideologie und sonstige Überbleibsel der Vergangenheit zu bekämpfen, die Regeln der sozialistischen Moral und Ethik einzuhalten und die gesellschaftlichen über die persönlichen Interessen zu stellen;
.
2g) ...... wer die Partei- und Staatsdisziplin verletzt, ist, unhabhängig von seinen Verdiensten und der Stellung, die er einnimmt, zur Verantwortung zu ziehen;
.
2i) aufrichtig und ehrlich gegenüber der Partei zu sein und nicht zuzulassen, daß die Wahrheit verheimlicht wird oder entstellt wird. Unaufrichtigkeit eines Parteimitgliedes gegenüber der Partei ist ein ernstes Vergehen;
2j) .....sich stets bewußt zu sein, daß Wachsamkeit der Parteimitglieder auf jedem Gebiet und in jeder Lage notwendig ist. Der Verrat von Partei- und Staatsgeheimnissen ist ein Verbrechen an der Partei und der Arbeiterklasse und unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur Partei;
2k) ..... wer die Parteidisziplin bei der Auswahl und Förderung der Parteiarbeiter verletzt, nicht die notwendige Wachsamkeit übt, Mitarbeiter auf Grund freundschaftlicher oder verwandtschaftlicher Beziehungen oder persönlicher Ergebenheit auswählt, ist zur Verantwortung zu ziehen:

Das Parteimitglied hat das Recht:
a) ..... seine Meinung frei zu äußern, bis die Organisation ihren Beschluß gefasst hat;
b) ..... an der Tätigkeit der Mitglieder und Funktionäre der Partei, unabhängig von ihrer Stellung, Kritik zu üben. Parteimitglieder, die die Kritik unterdrücken oder bewußt die Unterdrückung der Kritik dulden, sind zur Verantwortung zu ziehen;
.
.
6b) Parteimitlieder oder Kandidaten, die nicht den Willen und nicht die Festigkeit haben, den mit der Mitgliedschaft in der Partei verbundenen Pflichten nachzukommen, können nach Beschluß der Mitgliederversammlung der Grundorganisation und Bestätigung durch die Kreisleitung als Mitglied oder als Kandidat der Partei gestrichen werden.

7) Wer gegen die Einheit und Reinheit der Partei verstößt, ihre Beschlüsse nicht erfüllt, die innerparteiliche Demokratie nicht achtet, die Parteidisziplin verletzt oder seine Mitgliedschaft und ihm übertragene Funktionen mißbraucht, im öffentlichen und persönlichen Leben sich eines Parteimitgliedes nicht würdig zeigt, ist von der Grundorganisation oder einem höheren Parteiorgan zu Verantwortung zu ziehen.
Je nach Art des Vergehens können folgende Parteistrafen beschlossen werden:
- Rüge
- strenge Rüge
- der Ausschluß aus der Partei

8) Der Ausschluß aus der Partei ist die höchste Parteistrafe ....... ist nur gültig .... wenn der Beschluß von der Kreisleitung bestätigt ist.
Bei kleineren Vergehen sind die Mittel der Parteierziehung anzuwenden: Kritik der Genossen, die Mißbilligung und die Verwarnung.

12) Falls ein Parteimitglied ein gerichtlich zu verfolgendes Vergehen beging und dadurch Partei- und Staatsinteressen schädigte, so wird es, wenn seine Schuld eindeutig festgestellt ist, aus der Partei ausgeschlossen.


Soweit auszugsweise aus dem Statut zu den 'Pflichten und Rechten'

Wichtig für die Ergreifung von Maßnahmen sind meiner Meinung nach in den zitierten Punkten der Pflichten enthalten und sie sind sehr auslegungsfähig .....
Genauso konnte einem eine Vernachlässigung der 'Rechte' auf die Füsse fallen.

Das Vorgehen gegenüber den Parteimitgliedern welche "auffällig" wurden waren meist die Mittel der Parteierziehung, also Kritik der Genossen, die Mißbilligung und die Verwarnung.
Erst bei einer bestimmten "Schwere" der Verfehlung kamen die Prozedur der Parteistrafen zur Anwendung.
Allerdings schlossen diese nicht die Kritik der Genossen und die Mißbilligung des Verhaltens des zu maßregelndem Mitgliedes aus.
Ein wichtiger Punkt in diesem Prozedere war die umfassende, von tiefer Einsicht in das eigene Fehlverhalten geprägte "Selbstkritik". Ohne diese ging überhaupt nichts.

Wichtig ist auch der Punkt 12. es geht da nicht um die Schuldfeststellung durch ein Gericht, sondern durch die entsprechenden Parteigremien.
Bevor es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kam wurde das Mitglied bereits aus der Partei ausgeschlossen.
"Ein Genosse steht nicht vor einem staatlichen Gericht" lautete die Maxime.

Die meisten Parteiverfahren, egal ob eine "Erziehungsmaßnahme" oder Parteistrafe herauskam wurden auf Grund der Verletzung der "Wahrheitspflicht", mangelnder "Aufrichtigkeit", Verletzung der "Vorbildwirkung" im beruflichen sowie im privaten Bereich durchgeführt.

Ketzerisch sag ich mal das die Verfahren in denen es um private Verfehlungen jeglicher Art ging durchaus einen ziemlich hohen Unterhaltungswert in den sonst meist drögen Parteiversammlungen hatte. Voraussetzung war natürlich das man nicht selbst der Deliquent war ......

Das für einen Aussenstehende schwer nachzuvollziehende ist das nicht vordergründig das "Delikt" als solches verurteilt und abgestraft wurde, sondern der Fakt des "Verschweigens" und damit der Unaufrichtigkeit der Partei gegenüber .....

Für die Armee, Grenztruppen und andere 'Organe' fehlen mir die Erfahrungen, ich sammelte sie in 'staatlichen', betrieblichen Bereichen.

Parteiversammlungen, besonders die der Grundorganisation verwandelten sich sehr schnell in Tribunale in denen das zu maßregelnde Parteimitglied nicht nur gedemütigt wurde sonders sich auch noch durch umfassende Selbstkritik selbst erniedrigte.
Das war dann nicht mehr lustig, sondern es hinterließ einen schlechten Geschmack und die Warnung erreichte einen; das ist kein Ausnahmepräzedenzfall gewesen, Du könntest der nächste sein .....
Besonders "beliebt" waren solche Maßnahmen während des Studiums .......

Im Berufsleben ging es meist, wenn es sich um private Verfehlungen handelte, um Fremdgehen, unmoralische Lebensweise im allgemeinen und besonderem, oder um berufliche "Fehltritte".
Meist wurde das mit einer Rüge und selten mit einer strengen Rüge geahndet.

Ausschluß, ganz großes Kino.
Egal was der Anlass bei mir war, bei Details müßte ich leider, leider auch auf die Rolle des Schildes und Schwertes kommen, es war ein emotionaler Höllenritt .....
Nicht nur die "Kritik" in der Gruppe, APO und GO; Grundtenor: was hat sich da für ein Subjekt in die Reihen der Partei eingeschlichen, auch die "Verhandlungen" bei der PKK Kreis und Bezirk waren nicht von schlechten Eltern.
Stellung nehmen zur Sache, Selbstkritik, draussen warten und zur Beschlußverkündung wieder in den Raum gerufen.
Beschluß verkündet mit dem Hinweis das die PKK der BL den endgültigen Beschluß fassen wird und demzufolge das Spiel nochmal.

Dort dann nach Verkündung der Entscheidung Abgabe des Parteidokumentes und der Zusatz das es nicht nur ein "Ausschluß" wäre, der bei besonders vorbildlicher Lebensführung eventuell eine Wiederaufnahme nicht explizit ausschloss, sondern ich werde zusätzlich gestrichen was bedeutet: keine Chance, für immer verstoßen ........

Das ganze ist wie ein radikaler Liebesentzug und das Verstoßen des "Ungeliebten" in die Welt ......
Gut, ich habe es überlebt und meine Lehren daraus gezogen.

Männerbünde mit Frauenquote ........, nix für mich.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#74

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 11.10.2013 13:54
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo Nostalgiker,

danke für den Post und danke auch für das Stichwort Erziehungsmaßnahme.

Es gehört nicht unmittelbar zur Rubrik Parteistrafe, aber es fällt mir dabei gerade ein. An der Militärpolitischen Hochschule wurde viel gelaufen ("Militärische Laufhochschule mit gesellschaftswissenschaftlichen Hobbyfächern"). Entsprechend stark war der Einfluss des Lehrstuhls MKE (militärische Körperertüchtigung). Der Leiter, ein Oberst, war bisweilen ein wenig rustikal. In meinem Lehrgang zur Heranbildung als Politoffizier (1982/83) war ich mit einer Reihe junger Offiziere (Oberleutnante und Leutnante) in einem Kurs. Eines Tages, da wir unsere Runden auf dem Sportplatz drehten, rief uns der Oberst "aufmunternd" zu: "Mal nicht so lahm, ihr Säcke!" Hoppla ...

Unser Parteisekretär setzte über die Parteiinformation eine entsprechende Meldung ab und in der nächsten Mitgliederversammlung der Grundorganisation (jede Lehrgruppe hatte eine eigene GO) saß der Genosse Oberst zerknirscht und reumütig da. Er gab eine Stellungnahme ab, hörte sich noch ein paar Kritiken an und wurde nach einer abschließenden Selbstkritik wieder in die heitere Welt der umherrennenden Offiziershörer entlassen.

Ich weiß manchmal nicht, ob ich damals ein Wahrnehmungs- oder heute ein Erinnerungsproblem hatte bzw. habe. Ich habe Parteiarbeit und Parteierziehung jedenfalls durchaus auch als etwas konstruktives erlebt.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


4.Zug 4.Kompanie GAR-40 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.10.2013 13:55 | nach oben springen

#75

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 11.10.2013 13:57
von Gohrbi | 566 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #5
mich würde interessieren,für welche Delikte Parteistrafen
ausgesprochen wurden,vielleicht,das die eigene Tochter
oder Sohn einen Ausreiseantrag gestellt hat,
oder einen Fluchtversuch unternommen hat?,
wurde man da nicht als Genosse von den anderen
Parteimitgliedern geächtet,
nach dem Motto,du hast deine Kinder falsch erzogen?
Lutze


...eine Rüge hat z.B. mein Mitstreiter bekommen, weil er die Nachbarin (Ehefrau eines Piloten, der gerade Dienst hatte)
vernascht hat...und das regelmäßig. Wir hatten viel Dienst. Wenn der Ehemann Dienst hatte, dann hatte mein Nachbar immer frei.
Für seine Frau war er auch im Dienst.....war schon ein Aufwand die Dienstpläne abzugleichen.


nach oben springen

#76

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 11.10.2013 13:58
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Mit Outlook heute kein Problem mehr *grins

@rainman
sehe ich auch so


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


zuletzt bearbeitet 11.10.2013 14:00 | nach oben springen

#77

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 11.10.2013 14:30
von Harsberg | 3.245 Beiträge

Zitat
Es gehört nicht unmittelbar zur Rubrik Parteistrafe, aber es fällt mir dabei gerade ein. An der Militärpolitischen Hochschule wurde viel gelaufen ("Militärische Laufhochschule mit gesellschaftswissenschaftlichen Hobbyfächern"). Entsprechend stark war der Einfluss des Lehrstuhls MKE (militärische Körperertüchtigung). Der Leiter, ein Oberst, war bisweilen ein wenig rustikal. In meinem Lehrgang zur Heranbildung als Politoffizier (1982/83) war ich mit einer Reihe junger Offiziere (Oberleutnante und Leutnante) in einem Kurs. Eines Tages, da wir unsere Runden auf dem Sportplatz drehten, rief uns der Oberst "aufmunternd" zu: "Mal nicht so lahm, ihr Säcke!" Hoppla ...

Unser Parteisekretär setzte über die Parteiinformation eine entsprechende Meldung ab und in der nächsten Mitgliederversammlung der Grundorganisation (jede Lehrgruppe hatte eine eigene GO) saß der Genosse Oberst zerknirscht und reumütig da. Er gab eine Stellungnahme ab, hörte sich noch ein paar Kritiken an und wurde nach einer abschließenden Selbstkritik wieder in die heitere Welt der umherrennenden Offiziershörer entlassen.




Euer PS muss ja wohl überhaupt keinen Spaß verstanden haben!
Wenn das zu meiner Zeit auf der OS passiert wäre, beispielsweise beim Ex kloppen, wäre der FL noch von Vorgesetzten angefeuert worden.
War doch eine Lappalie.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
nach oben springen

#78

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 11.10.2013 15:21
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Rainman2
Ich habe Parteiarbeit und Parteierziehung jedenfalls durchaus auch als etwas konstruktives erlebt

.

Das ich das nicht ganz so sehe, dafür wirst Du doch zumindest Verständnis haben ......

Mal zwei, drei Beispiele aus der Provinz was die Parteierziehung betrifft .....
Eine Kollegin und Genossin hat bei uns neu angefangen, pikanterweise war sie der "Grund" für die strenge Rüge welche ein anderer Genosse bekam weil er mit ihr ein Verhältnis hatte ...... Aber beide hatten ihre fam. Angelegenheiten geklärt; Scheidungen und Heirat und so war die Parteiwelt wieder in Ordnung.
Also besagte Genossin schnitt auf einer APO Versammlung folgendes Thema an; sinngemäß: Da viele Kollegen und das weiß sie aus Berlin solche Sendungen wie das ZDF Magazin sehen sollten wir, um uns eigene Argumentationen zu den Themen zu erarbeiten am Tag nach der Sendung im Arbeitskreis über das gesehene Diskutieren ....., schließlich sehe ja jeder von uns diese Sendung und schaue sowieso West ......
Anschließend war wie man so schön sagt Polen offen und es wurde nicht lange gefackelt, die Genossin wurde sofort und gründlich erzogen .....

Selber mußte ich in bestimmten Abständen einen angeforderten Bericht über die politisch/moralische Situation im Wohnheim schreiben.
Irgendwie erwähnte ich das die Insassen vorzugsweise solche Rundfunksender wie NDR, RIAS und SFB im Wohnheim hörten .....
Da wurde ich "erzogen" weil ich es a) Wachsamkeit mangeln ließ und b) ich dieses "Feindsender" hören nicht unterbunden habe.

Weiterhin wurde ich "erzogen" weil ich in einem Wohnheimzimmer die Insassen nicht aufforderte ein Poster vom "Verräter" Manfred Krug zu entfernen.
Etwas mehr wurde ich im Frühjahr gemaßregelt weil ich es nicht unterbunden habe das die Sängerin Bettina Wegner im Hörsaal auftrat; auf Einladung des Clubs in dessen Vorstand ich war .....

Und bestraft wurde ich weil ich es wagte eine konzertierte Aktion zur Werbung von Reserveoffizieranwärtern zu torpedieren ......
Herabwürdigung der NVA und Behinderung der Verteidigungsbereitschaft hieß mein Vergehen .....
Derjenige der es ursächlich verschlampte wurde nicht zur Rechenschaft gezogen.
Hintergrund war, wir mußten im Jahr soundsoviel Prozent Verpflichtungen bringen ..... das wurde vom dafür Verantwortlichen sehr lax gehandhabt. Es fiel erst auf nachdem sich das WKK offiziell beschwerte.
Also wies dieser "Genosse" kraft seiner Wassersuppe an das die Studenten an ihrem regulären Heimfahrtswochenende vor Ort zu bleiben haben, die Männer natürlich, und an diesem Wochenende die vertrauensvollen Gespräche im Halbstundentakt stattzufinden haben .... und zwar solange bis die benötigten Verpflichtungen zahlenmäßig vorliegen.
Die Studenten wurden unter Androhnung umgehender Exmatrikulation gezwungen "freiwillig" vor Ort zu bleiben.
Meine SG hatte ich im Vorfeld informiert über das was auf sie zukommen wird. Freigestellt habe ich ihnen das sich jeder nach eigenem Gewissen entscheiden könne und da ich in der Kommission saß sie sich bitte nicht wundern sollen wenn ich .....
Zu meinem Glück hat mich niemand verpfiffen und es hat sich auch niemand verpflichtet .......
Denn wenn das damals rausgekommen wäre, na ich weiß nicht .......

Das mich in der Folgezeit einer ständig damit aufzog er würde sich ja jetzt verpflichten aber leider hätte ich bestimmt nicht die Verpflichtungerklärung bei gehört mehr zu der witzigen Seite der Angelegenheit. Irgendwann hatte ich nämlich die Faxen wegen seiner Frotzelei dicke und trug seitdem eine solche Erklärung am Mann und wartet auf meine Chance welche auch kam. Er wieder seinen Spruch abgelassen, ich ihm den Zettel unter die Nase gehalten .....; bitte unter rechts die Unterschrift. Er hat tatsächlich unterschrieben!
Am anderen Morgen habe ich ihn mir gegriffen und ihn gefragt was ich nun damit machen soll, abgeben oder zerreißen. Er meinte dazu da er seine Unterschrift vor Zeugen geleistet habe könne er doch nicht heimlich einen Rückzieher machen, also es bliebe dabei ......
Heut können wir immer noch über die Geschichte lachen, den er fand das er die zwei oder drei Reservedienste welche er im Off. Rang ableisten mußte sehr entspannt und stressfrei verbrachte im Gegensatz zu denen die regulär zur Reserve eingezogen wurden.

Der letzte Abschnitt ist zwar etwas OT gehört aber meiner Meinung zum Thema ......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#79

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 12.10.2013 00:09
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #78

Zitat von Rainman2
Ich habe Parteiarbeit und Parteierziehung jedenfalls durchaus auch als etwas konstruktives erlebt
.

Das ich das nicht ganz so sehe, dafür wirst Du doch zumindest Verständnis haben ......

Mal zwei, drei Beispiele aus der Provinz was die Parteierziehung betrifft .....
Eine Kollegin und Genossin hat bei uns neu angefangen, pikanterweise war sie der "Grund" für die strenge Rüge welche ein anderer Genosse bekam weil er mit ihr ein Verhältnis hatte ...... Aber beide hatten ihre fam. Angelegenheiten geklärt; Scheidungen und Heirat und so war die Parteiwelt wieder in Ordnung.
Also besagte Genossin schnitt auf einer APO Versammlung folgendes Thema an; sinngemäß: Da viele Kollegen und das weiß sie aus Berlin solche Sendungen wie das ZDF Magazin sehen sollten wir, um uns eigene Argumentationen zu den Themen zu erarbeiten am Tag nach der Sendung im Arbeitskreis über das gesehene Diskutieren ....., schließlich sehe ja jeder von uns diese Sendung und schaue sowieso West ......
Anschließend war wie man so schön sagt Polen offen und es wurde nicht lange gefackelt, die Genossin wurde sofort und gründlich erzogen .....


Selber mußte ich in bestimmten Abständen einen angeforderten Bericht über die politisch/moralische Situation im Wohnheim schreiben.
Irgendwie erwähnte ich das die Insassen vorzugsweise solche Rundfunksender wie NDR, RIAS und SFB im Wohnheim hörten .....
Da wurde ich "erzogen" weil ich es a) Wachsamkeit mangeln ließ und b) ich dieses "Feindsender" hören nicht unterbunden habe.

Weiterhin wurde ich "erzogen" weil ich in einem Wohnheimzimmer die Insassen nicht aufforderte ein Poster vom "Verräter" Manfred Krug zu entfernen.
Etwas mehr wurde ich im Frühjahr gemaßregelt weil ich es nicht unterbunden habe das die Sängerin Bettina Wegner im Hörsaal auftrat; auf Einladung des Clubs in dessen Vorstand ich war .....

Und bestraft wurde ich weil ich es wagte eine konzertierte Aktion zur Werbung von Reserveoffizieranwärtern zu torpedieren ......
Herabwürdigung der NVA und Behinderung der Verteidigungsbereitschaft hieß mein Vergehen .....
Derjenige der es ursächlich verschlampte wurde nicht zur Rechenschaft gezogen.
Hintergrund war, wir mußten im Jahr soundsoviel Prozent Verpflichtungen bringen ..... das wurde vom dafür Verantwortlichen sehr lax gehandhabt. Es fiel erst auf nachdem sich das WKK offiziell beschwerte.
Also wies dieser "Genosse" kraft seiner Wassersuppe an das die Studenten an ihrem regulären Heimfahrtswochenende vor Ort zu bleiben haben, die Männer natürlich, und an diesem Wochenende die vertrauensvollen Gespräche im Halbstundentakt stattzufinden haben .... und zwar solange bis die benötigten Verpflichtungen zahlenmäßig vorliegen.
Die Studenten wurden unter Androhnung umgehender Exmatrikulation gezwungen "freiwillig" vor Ort zu bleiben.
Meine SG hatte ich im Vorfeld informiert über das was auf sie zukommen wird. Freigestellt habe ich ihnen das sich jeder nach eigenem Gewissen entscheiden könne und da ich in der Kommission saß sie sich bitte nicht wundern sollen wenn ich .....
Zu meinem Glück hat mich niemand verpfiffen und es hat sich auch niemand verpflichtet .......
Denn wenn das damals rausgekommen wäre, na ich weiß nicht .......

Das mich in der Folgezeit einer ständig damit aufzog er würde sich ja jetzt verpflichten aber leider hätte ich bestimmt nicht die Verpflichtungerklärung bei gehört mehr zu der witzigen Seite der Angelegenheit. Irgendwann hatte ich nämlich die Faxen wegen seiner Frotzelei dicke und trug seitdem eine solche Erklärung am Mann und wartet auf meine Chance welche auch kam. Er wieder seinen Spruch abgelassen, ich ihm den Zettel unter die Nase gehalten .....; bitte unter rechts die Unterschrift. Er hat tatsächlich unterschrieben!
Am anderen Morgen habe ich ihn mir gegriffen und ihn gefragt was ich nun damit machen soll, abgeben oder zerreißen. Er meinte dazu da er seine Unterschrift vor Zeugen geleistet habe könne er doch nicht heimlich einen Rückzieher machen, also es bliebe dabei ......

Beitrag zu hoch in Nostalgikers Beitrag gerutscht
Rot: Erstaunlicherweise muß ich immer wieder feststellen, daß politische Sachen in anderen Firmen deutlich verbissener gesehen und gehandhabt wurden als bei uns. Das gehörte bei uns und auch bei mir zum offenen Wort, daß auch Westsender gesehen und gehört wurden. In den BPO-Versammlungen habe ich keinen Hehl daraus gemacht, daß ich diese und jene Information aus dem Westfernsehen habe und das, obwohl ich der BPO-Sekretär war. Meine Motivation war die, daß ich davon ausging, daß bei einer kritischen Betrachtung des Westens die Überzeugungswirkung eine ganz andere ist, wenn ich sagen kann: das hat die ARD, das ZDF oder das Dritte gebracht, oder dies und jenes habe ich kürzlich im Spiegel gelesen, wenn ich mal einen in die Hand bekam (von Mutter aus der BRD reingeschmuggelt), als wenn ich mich auf das ND hätte beziehen müssen. Erstens hat niemand an meinem Stuhl gesägt. Die in der Stadtbezirksleitung waren froh, für unsere Firma einen gefunden zu haben und ich habe nicht an dieser Funktion geklebt. Meine Einstellung war so, daß ich von der grundsätzlichen Richtigkeit des Weges überzeugt war, allerdings einiges pragmatischer sah. Wenn es zu einem "Gespräch" mit der übergeordneten Parteiführung gekommmen wäre, hätte ich diese gelassen auf mich zukommen lassen. Meinen Argumenten hätten sie nur mit Phrasen begegnen können, meine ich.
Nostalgiker, entweder war das bei Euch ein Großbetrieb, wo die Uhren etwas anders tickten oder es gab zu viele ohne Rückgrat und Verbretterte bei Euch. Rot Ende

Heut können wir immer noch über die Geschichte lachen, den er fand das er die zwei oder drei Reservedienste welche er im Off. Rang ableisten mußte sehr entspannt und stressfrei verbrachte im Gegensatz zu denen die regulär zur Reserve eingezogen wurden.

Der letzte Abschnitt ist zwar etwas OT gehört aber meiner Meinung zum Thema ......

Gruß
Nostalgiker





zuletzt bearbeitet 12.10.2013 00:12 | nach oben springen

#80

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 12.10.2013 00:48
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Harsberg im Beitrag #77

Zitat
... Unser Parteisekretär setzte über die Parteiinformation eine entsprechende Meldung ab und in der nächsten Mitgliederversammlung der Grundorganisation (jede Lehrgruppe hatte eine eigene GO) saß der Genosse Oberst zerknirscht und reumütig da. Er gab eine Stellungnahme ab, hörte sich noch ein paar Kritiken an und wurde nach einer abschließenden Selbstkritik wieder in die heitere Welt der umherrennenden Offiziershörer entlassen.



Euer PS muss ja wohl überhaupt keinen Spaß verstanden haben!
Wenn das zu meiner Zeit auf der OS passiert wäre, beispielsweise beim Ex kloppen, wäre der FL noch von Vorgesetzten angefeuert worden.
War doch eine Lappalie.


Hallo Harsberg,

würde ich so nicht sagen. "Wiski", so sein Spitzname - eher vom Nachnamen abgeleitet, als von Trinkgewohnheiten, hatte nur ein sehr gutes Gespür für Dinge, die man mit uns tun konnte und was nicht. Und er hatte, was ich ihm heute noch hoch anrechne, keinen Respekt, wenn es um die Durchsetzung unserer Rechte ging. Er berief sich auf die Statuten und blieb in diesen Dingen konsequent. Ein Mensch mit viel Rückgrat für seine jungen Jahre.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Das Politbüro der SED bei Walter Ulbricht
Erstellt im Forum DDR Staat und Regime von thomas 48
0 31.05.2013 14:32goto
von thomas 48 • Zugriffe: 324

Besucher
25 Mitglieder und 53 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: DerKurze
Besucherzähler
Heute waren 2739 Gäste und 162 Mitglieder, gestern 3466 Gäste und 184 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14356 Themen und 557057 Beiträge.

Heute waren 162 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen