#201

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 19:20
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

das stand auch unter Strafe


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#202

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 20:12
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von student im Beitrag #197
Und ich weiß nicht, wie oft ich damals gehört habe: "Der und der ist ganz sympathisch, obwohl er in der Partei ist..."



Diesen Satz, auch auf mich bezogen, kenne ich in verschiedenen Variationen ..........

Subjektiver Faktor hin oder her. Gute Parteimitglieder, böse Parteimitglieder. Die Frage ist doch was will eine "Partei", vertreten durch ihre Führungsspitze deren Mitglieder nur die skrupellosesten (ein anderes Wort fällt mir nicht ein) sein können, die sprichwörtlich über Leichen gehen entweder um sich an der Macht zu halten und/oder die Macht der Partei über den "Rest" zu erlangen bzw. zu verteidigen.

Bei aller Liebe, bei der SED ging um Macht, die Eigene, über ein Volk. Ob das Volk so wollte oder nicht ist doch jedem der Macht, Herrschaft anstrebt letztendlich egal.
Es kommt darauf an wie ich propagandistisch diesen Machtanspruch gegenüber der Masse verkaufe und im "verkaufen" ihrer Ideologie war die SED wirklich nicht besonders gut ......

Eine Partei welche einmal, wie auch immer, ihren Machtanspruch realisierte und ihn in der Folgezeit mit allen der ihr zur Verfügung stehenden Mittel durchsetzte und verteidigte um letztendlich wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen ist irgendwie falsch ......
Die Avantgarde des Proletariats, in diesem Fall die Führung, betrachtete sich im Laufe ihrer eigenen Entwicklung nicht mehr als Teil sondern als darüberstehend und entfernte und entfremdete sich ausgerechnet von dem Teil des Volkes, dem Proletariat/Arbeiter, den sie laut Eigenaussage vertrete .....

Die Lehre, wenn es überhaupt eine Lehre oder Erkenntnis aus den Ereignissen gibt, eine Partei, eine Organisation die von sich meint sie vereine die besseren Menschen der Gesellschaft in sich ist mit gesunder Skepsis zu begegnen .....

Nun sind wir schön OT ......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

thomas 48 und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#203

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 20:18
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #195




@Grenzwolf62 , nachdem ich hier einige Erklärungen zu Deiner Äußerung gelesen habe möchte ich Dir sagen das ich Deine Bemerkung ziemlich falsch verstanden habe. Ich bezog sie auf die Mitglieder und deshalb reagierte ich so harsch.
Möchte mich für meine Aussage Dich betreffend bei Dir entschuldigen.

Gruß
Nostalgiker


Hallo Nostalgiker, ok, Schwamm drüber


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#204

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 22:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #196
Nostalgiker, treffender hätte ich das mit dem Glauben auch nicht darstellen können, zumal der Marxsche Spruch, Religion ist Opium für das Volk ect. angeführt wurde, Kirche und was dazu gehört bei uns zu stigmatisieren. Bis zur Wende hatte ich einige Probleme mit Glaube, Seele, Religion und Kirche. Dank meiner ehemaligen Lebenspartnerin, Historikerin, und eigenem intensiven Lesen und Nachdenken konnte ich das einigermaßen erhellen. Ich bin Deiner Meinung, an den Kommunismus haben wir geglaubt. Religion und Kirche sind institutionalisierter Glaube wie auch unsere Partei das war. Zum Thema Seele habe ich lange gegrübelt, aber auch dafür eine für mich vernünftige Erklärung gefunden. Für mich ist die menschliche Seele, die ja bekanntlich nicht vergeht, das gesellschaftliche Bewusstsein, dessen Bestandteil jedes Individuum ist. Gern diskutiere ich hier weiter über dieses Thema, da es mich interessiert.


Vielleicht ist das was für Dich? Gott und die Welt

LG von der grenzgaengerin


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#205

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 20.10.2013 14:26
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #1
Passport schreibt was von einer Parteistrafe.
Was war das, wann hat man das erhalten?
Ich kenne das nicht!



Tach auch.....

Einen kleinen Ueberblick,was man bekommen konnte und warum man eine "Parteistrafe"bekam...kannste ein bissle was naclesen...natuerlich im Net.
Vom Sonderzug nach Pankow,bis zum Westradio/Fernsehen im Wohnheim GAR11 ESA.
Der janz "normale Wahnsinn...

Hier kannste lesen....

Staatsfeinde in Uniform....(Gurgel Books)natuerlich de.

P.S.

Vielleicht kann mal wer versuchen zu "erklaeren,warum ein Parteiausschluss eijentlich eine Strafe war?
Sozusagen BOs Sonntagsfrage

Gruessli BO


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#206

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 20.10.2013 18:53
von 94 | 10.792 Beiträge

Bitterschön ... http://books.google.de/books?id=yxGQb99V...rontcover&hl=de
Und dieses 'Strafe' ist mMn eine etwas verunglückte Rückübersetzung des russischen Germanismus 'штраф', in dem Sinne von Sanktionen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#207

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 20.10.2013 19:31
von student | 89 Beiträge

Auch dafür konnte es Strafe und Rehabilitierung geben:

Ptydepe
Vaclav Havel –Gott möge seiner Seele mit Glorie begegnet sein- hat als junger Mensch ein Theaterstück dieses Titels geschrieben. Es ist jedem zu empfehlen, der über Sinn und Unsinn des real existierenden Sozialismus und der Partei gelegentlich sinniert. Man findet dort alle Typen, die man aus seinem realen Leben kennt. Der gutwillige Befehlsumsetzer ist ebenso vertreten wie der karrieregeile, stuhlbeinsägende Stellvertreter, sogar der 2000er ist vorhanden. Letzterer lebte unbemerkt hinter den Wänden der Dienststelle und tauchte nur deshalb auf, weil er für die weitere Übermittlung seiner Wahrnehmungen ein Wörterbuch „Normal – Ptydepe“ benötigen würde.

Sehr kurz zusammengefaßt und auf die Verhältnisse in den Grenztruppen umgemünzt ist der Inhalt der:
Um die immer wieder feststellbare Unfähigkeit der nachgeordneten Dienststellen, die Befehle der obersten Leitung zu deren Zufriedenheit umzusetzen, wirksam zu vermeiden, wird eine neue, präzise und einheitliche Kommandosprache eingeführt, die „Ptydepe“ heißt und mit der Irrtümer und Mißverständnisse künftig ausgeschlossen sein werden. So zum Beispiel heißt das für eine reibungslos funktionierende sozialistische Gesellschaft ebenso wie für deren Streitkräfte unverzichtbar wichtige Wort „Hurra“ in Ptydepe „frnygko jefr dabux altep dy savarub goz terexes“.

Auszug aus dem Entwurf einer Dienstvorschrift zur Einführung von Ptydepe:
Soll ein ahnungsloser Angehöriger der Grenztruppen, der sich nicht in einer Deckung befindet, von einem bereits in einer Deckung befindlichen Angehörigen der Grenztruppen vor einer Gefahr gewarnt werden, ruft dieser „Gedynrelom !“
Ist der Angehörige der Grenztruppen, der gewarnt wird, nicht mehr ahnungslos, so ist der Warnruf „Osonfterte !“ zu verwenden.
Beabsichtigt dagegen ein Angehöriger der Grenztruppen, der sich nicht in einer Deckung befindet, einen anderen Angehörigen der Grenztruppen, der sich ebenfalls nicht in einer Deckung befindet, vor einer vorgetäuschten Gefahr nur im Scherz zu warnen, hat er zu rufen „Eg gynd y trojadus !“ Falls die Warnung nicht scherzhaft gemeint sein sollte, lautet der Warnruf: „Eg jeht kuz !“

Oberst Gross erhält eine Benachrichtigung in Ptydepe und versucht, diese in die Normalsprache übersetzen zu lassen, was für einen Übergangszeitraum noch gestattet ist. Er erfährt jedoch, daß er dazu eine besondere Freigabe für SND braucht. Wie er an die gelangt, steht in der Benachrichtigung. Als er das als „Teufelskreis“ bezeichnet, wird er degradiert und erhält eine strenge Rüge, weil er sich aus noch zu untersuchenden Gründen der Durchsetzung des Fortschritts und der Erhöhung von Kampfkraft und Gefechtsbereitschaft entzieht. Das bei der Einführung von Ptydepe entstehende Chaos läßt das Gerücht aufkommen, in den höheren Stäben habe man bereits festgestellt, daß Ptydepe auf falschen Voraussetzungen beruhe. Daraufhin ziehen sich die, die sich bei der schnellen Einführung von Ptydepe besonders engagiert haben, zurück, üben Selbstkritik und versichern, alles nur aus irregeleitetem guten Willen so beschleunigt zu haben. Gross wird wieder Oberst und erhält nun endlich die Berechtigung, die Benachrichtigung dechiffrieren zu lassen. Die Nachricht lautet: „Ptydepe beruht auf falschen Voraussetzungen. Sie haben die Einführung von Ptydepe in ihrem Bereich mit aller Konsequenz zu unterbinden.“

Es könnte alles so schön sein, wenn das Ende nicht so wäre, wie es auch in den Grenztruppen stets gehandhabt wurde: „Es wird eine völlig neue Kommandosprache eingeführt, die Chorukor heißt. Mit dieser können alle bei der trotz gewisser Schwierigkeiten insgesamt erfolgreichen Erprobung von Ptydepe aufgetretenen Probleme zukünftig vermieden werden.“


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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