#121

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 00:08
von Sperrbrecher | 1.650 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #117
@Sperrbrecher

Mit normalen Fahrzeugen, dazu zähle ich zB. auch Porsche oder Ferrari konnte keiner bei uns Punkten. Da musste schon was aussergewöhnliches vorbei kommen. Da denke ich mal an echte Oldtimers (sehe ich mir heute noch gerne an) oder exklusive Wohnmobile.

Also meine Erfahrungen bei meinen häufigen Besuchen in der DDR waren da etwas anders. Obwohl ich nur einen ganz simplen Opel Kadett, später einen Honda mein eigen nannte, war der auf den Parkplätzen in Dresden immer von etlichen Schaulustigen umlagert und ich wurde mit Fragen über Kaufpreis, Höchstgeschwindigkeit, Benzinverbrauch gelöchert, da war in den Augen der Fragenden schon Begehrlichkeiten zu beobachten, wofür ich vollstes Verständnis hatte, denn wenige Jahre vorher ging es mir als DDR-Bewohner doch ebenfalls so.

Wenn das bei den Grenzbediensteten nicht so war, dürfte es sich wohl doch um eine bestimmte Sorte/Art von Menschen gehandelt haben, die sich vom DDR-Normalbürger sehr erheblich unterschieden hat.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#122

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 09:07
von matloh | 1.203 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #110
Zitat von matloh im Beitrag #108
Gehört zwar leider überhaupt nicht zum Thema, aber mich interessiert schon lange, wie die offizielle Begründung für das Importverbot westlicher Medien lautete - weiß das jemand?
Und warum durften die Chefs das lesen und das einfache Volk nicht? Oder wusste das Volk nicht, dass die Chefs Westmedien konsumieren?

cheers matloh


Grün: Mal ein Erlebnis aus meiner Grenzerzeit. Hatte die Hintergründe schon mal geschrieben (illegales Kofferradio, Westsender, von KC erwischt, Versuch einer Gewinnung als IM um andere Westsenderhörer zu verpetzen). Jedenfalls wollte mir einer meiner Vorgesetzten im Gespräch hinsichtlich meiner Meinung, daß ich bei Westsendern wohl in der Lage bin, die Spreu vom Weizen zu trennen, folgendes erzählen, so etwa sinngemäß: Es gäbe in der DDR nur eine Handvoll Leute, die offiziell diese Medien lesen und hören dürfen und da wollte ich ihm sagen, daß ich in der Lage wäre, hier Wahheit und Propaganda auseinander zu halten ? Klarer Fall von Entmündigung der Bevölkerung, würde ich heute sagen. Ebenso hatte ich diesem Offz. wegen seiner Ansicht, daß die Partei immer Recht hat entgegnet, daß auch die Partei schon mehrfach ihre Linie korrigieren mußte und wir kleinen Leute das schon vorher gewußt haben, daß da was schief läuft und die Partei eben aus Menschen besteht und menschen nun mal auch Fehler machen. Ich weiß heute nicht mehr, wie es nun genau ausgegangen war, jedenfalls war irgendwann Ruhe im Karton, ich habe meinen Kameraden auf der Bude erzählt, was die von mir wollten und habe weiter meinen normalen Grenzdienst gemacht. Als Kandidat der SED wurde ich auch nicht gestrichen.
Ok, das heißt, dass die offizielle Begründung für das Importverbot war, dass das gemeine Volk zu blöd war um "die Spreu vom Weizen" zu unterscheiden?
Hat das niemanden gestört, dass einen die Staatsführung für bescheuert hielt? Oder gab es Widerstände dagegen?

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#123

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 09:11
von elster427 | 789 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #116
Zitat von Pitti53 im Beitrag #115

Ich mußte das das 8 (acht) Jahre aushalten und das ohne Phsychologen!
Übrigens sahen wir diese tollen Dinge VOR den Zöllnern!

Bist dann nicht manchmal ins grübeln gekommen, wenn so ein junger Rotzlöffel im dicken
Auto vorgefahren ist und Du immer noch auf Deinen Trabbi warten musstest ?

Aber wahrscheinlich war das mit der "richtigen" politischen Einstellung eher möglich,
als bei mir, mit meiner prowestlichen Sichtweise.


Hallo Sperrbrecher,
wenn man als 18 jähriger neu an die Güst kam, war man schon an den großen Autos interessiert. Dieses Flair von den gut gekleideten Menschen verflog sehr schnell , wenn man die Zulassung in die Hand bekam und man lessen konnte Mietwagenfirma. Dies passierte meist in der Einreise in die DDR. Wenn dann von uns noch die Frage kam: Mietwagen? , dann entgleisten dem Fahrer meist die Gesichtszüge. Also warum sollte man neidisch auf gutgekleidete Leute in geliehenen großen Karossen sein? Hatte wenig mit der richtigen politischen Einstellung , höchstens
mit Mitleid zutun ,mit Leuten die sich größer machten als sie waren!
mfg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
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#124

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 09:37
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Ok, das heißt, dass die offizielle Begründung für das Importverbot war, dass das gemeine Volk zu blöd war um "die Spreu vom Weizen" zu unterscheiden?
Hat das niemanden gestört, dass einen die Staatsführung für bescheuert hielt? Oder gab es Widerstände dagegen?


Das zu verstehen, ist etwas schwer. Fakt ist, dass die Menschen im Osten von der feindlichen ideologischen Diversion ferngehalten werden sollten, was absoluter Schwachsinn war. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Quoten an Ausreisewilligen gerade in Gegenden ohne Westfernsehen höher als da, wo sich die Menschen selbst ein Bild machen konnten, was gut oder schlechter war hüben und drüben.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#125

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 10:30
von Sperrbrecher | 1.650 Beiträge

Zitat von elster427 im Beitrag #123
Dieses Flair von den gut gekleideten Menschen verflog sehr schnell , wenn man die Zulassung in die Hand bekam und man lessen konnte Mietwagenfirma. Dies passierte meist in der Einreise in die DDR. Wenn dann von uns noch die Frage kam: Mietwagen? , dann entgleisten dem Fahrer meist die Gesichtszüge. Also warum sollte man neidisch auf gutgekleidete Leute in geliehenen großen Karossen sein?

Solche Fälle mag es durchaus gegeben haben.
Allerdings bin ich und auch meine Freunde und Bekannten, immer mit dem eigenen Auto in die "Zone" gefahren.
Der Aufwand mit einem Mietwagen wäre uns nie in den Sinn gekommen, obwohl es solche Spinner wahrscheinlich
tatsächlich gegeben hat.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#126

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 11:03
von matloh | 1.203 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #124
Ok, das heißt, dass die offizielle Begründung für das Importverbot war, dass das gemeine Volk zu blöd war um "die Spreu vom Weizen" zu unterscheiden?
Hat das niemanden gestört, dass einen die Staatsführung für bescheuert hielt? Oder gab es Widerstände dagegen?


Das zu verstehen, ist etwas schwer. Fakt ist, dass die Menschen im Osten von der feindlichen ideologischen Diversion ferngehalten werden sollten, was absoluter Schwachsinn war. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Quoten an Ausreisewilligen gerade in Gegenden ohne Westfernsehen höher als da, wo sich die Menschen selbst ein Bild machen konnten, was gut oder schlechter war hüben und drüben.
Wenn das so war, wieso wurde dann Westfernsehen (und andere Westmedien) generell erlaubt?
Hat sich in der Bevölkerung eigentlich niemand über diese Bevormundung aufgeregt? Oder hat man sich damit abgefunden, dass einen die Staatsmacht für blöde hält?

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#127

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 11:35
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Hat sie sich sicher. Ich persönlich nicht. Die Verblödung von Springer und Bild wollte ich mir nicht antun und tu ich mir heute auch nicht an. Warum sollte ich auch Zeitungen lesen, wo mir ständig klar gemacht werden wollte, wie schlecht es mir geht.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#128

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 11:51
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von matloh im Beitrag #126
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #124
Ok, das heißt, dass die offizielle Begründung für das Importverbot war, dass das gemeine Volk zu blöd war um "die Spreu vom Weizen" zu unterscheiden?
Hat das niemanden gestört, dass einen die Staatsführung für bescheuert hielt? Oder gab es Widerstände dagegen?


Das zu verstehen, ist etwas schwer. Fakt ist, dass die Menschen im Osten von der feindlichen ideologischen Diversion ferngehalten werden sollten, was absoluter Schwachsinn war. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Quoten an Ausreisewilligen gerade in Gegenden ohne Westfernsehen höher als da, wo sich die Menschen selbst ein Bild machen konnten, was gut oder schlechter war hüben und drüben.
Wenn das so war, wieso wurde dann Westfernsehen (und andere Westmedien) generell erlaubt?
Hat sich in der Bevölkerung eigentlich niemand über diese Bevormundung aufgeregt? Oder hat man sich damit abgefunden, dass einen die Staatsmacht für blöde hält?

cheers matloh


Bei uns kam das Westfernsehen so ab 85 aus der Dose nachdem unsere Antennengemeinschaft in etlichen "Aufbaustunden" das Wohngebiet verkabelt hatte, so wie da eifrig gebuddelt wurde war es wohl bei den Subotniks nie


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#129

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 11:57
von eisenringtheo | 9.159 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #126
]Wenn das so war, wieso wurde dann Westfernsehen (und andere Westmedien) generell erlaubt?
Hat sich in der Bevölkerung eigentlich niemand über diese Bevormundung aufgeregt? Oder hat man sich damit abgefunden, dass einen die Staatsmacht für blöde hält?

cheers matloh


Ich denke nicht, dass diese Medien generell erlaubt wurden. Da ein Fernsehgerät nur empfängt und nichts sendet, konnte man nicht etwas Wirkunsvolles gegen das Schauen des Westfernsehen unternehmen. In Betrieben und besonders bei staalichen Organisationen war Westempfang offiziell "tabu", wie hier anderer Stelle berichtet wurde; da ein Radio/Fernsehgerät nicht selber sendet, konnte man es auch da wagen.
Theo


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#130

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 12:20
von 94 | 10.792 Beiträge

Da sollte die Zeitschiene (60er - verboten; 70er - geduldet; 80er - erlaubt) beachtet werden, weiter vielleicht dort ...
Mit Beziehungen wurde der Westen bunt
Ansonsten mal zu 'Russentod' (oder Russentot) suchen, aber hier isses dann bestimmt oT.

P.S. auch an den GÜSten zu den Bruderländern wurde nach Westpresse gesucht, da konnte auch der normale DDR-Bürger das 'Schmuggeln' von BILD oder SZ üben


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.10.2013 12:27 | nach oben springen

#131

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 12:37
von zoll (gelöscht)
avatar

Na, da spricht doch ein linientreuer sozialistischer Mit arbeiter der PKE (Stasi-Mitarbeiter.

Zitat von passport im Beitrag #117
@Sperrbrecher

Mit normalen Fahrzeugen, dazu zähle ich zB. auch Porsche oder Ferrari konnte keiner bei uns Punkten. Da musste schon was aussergewöhnliches vorbei kommen. Da denke ich mal an echte Oldtimers (sehe ich mir heute noch gerne an) oder exklusive Wohnmobile. Interessant war es anzusehen, wenn so eine Motorradgang mit 30-60 Krädern oder mehr in Dreierreihe hintereinander langsam bei 20-30 Km/h die Güst verließ. Da kam schon der Showeffekt dazu. Habe nie von einen MA, auch privat, irgendwelche neidische Worte über Westwaren damals gehört. Das war überhaupt kein Thema.
Übrigens, Zeitungen mussten in Marienborn in den Einreisebereichen LKW / PKW in eine verschlossene Stahlkiste gesteckt werden. Entsorgt wurden diese Zeitungen durch den Sicherheitsoffizier der PKE und später mit der alten Fahndungspost geschreddert.

passport


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#132

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 13:03
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #126
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #124
Ok, das heißt, dass die offizielle Begründung für das Importverbot war, dass das gemeine Volk zu blöd war um "die Spreu vom Weizen" zu unterscheiden?
Hat das niemanden gestört, dass einen die Staatsführung für bescheuert hielt? Oder gab es Widerstände dagegen?


Das zu verstehen, ist etwas schwer. Fakt ist, dass die Menschen im Osten von der feindlichen ideologischen Diversion ferngehalten werden sollten, was absoluter Schwachsinn war. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Quoten an Ausreisewilligen gerade in Gegenden ohne Westfernsehen höher als da, wo sich die Menschen selbst ein Bild machen konnten, was gut oder schlechter war hüben und drüben.
Wenn das so war, wieso wurde dann Westfernsehen (und andere Westmedien) generell erlaubt?
Hat sich in der Bevölkerung eigentlich niemand über diese Bevormundung aufgeregt? Oder hat man sich damit abgefunden, dass einen die Staatsmacht für blöde hält?

cheers matloh

Es war nicht möglich TV und Radio aus dem Westen z u verbieten. Elektromagnetische Wellen können durch Mauer und Stacheldraht nicht zurückgehalten werden. Wenn ich mich recht erinnere, stand im Harz in Torfhaus ein großer TV Verstärker/Sender der weit nach Osten sendete. Wir haben in Thüringen sehr gut die TV Programme empfangen. Als junger Mensch habe ich AFN ( American Forces Network Frankfurt ) gehört. Die hatten immer die neueste Rock'n'Roll platten im Angebot, wie Elvis, Little Richard und andere.
Natürlich hat sich die Bevölkerung gegen die allgegenwärtige Bevormundung durch die alten Herren in Ostberlin aufgeregt, aber der SED sicherheitsapparat funktionierte ganz hart. Jeder der aufmuckte wurde aus dem Verkehr gezogen. Dafür hatten sie so einige Gummiparagrafen ,Feliks kann da sicher besser Auskunft geben. Da ging es um Hetze jeglicher Art , wenn sie wollten es passte immer. Ruckzuck hattest du mal eben 3 Jährchen an der Backe.


Nachtrag ich spreche über die Jahre 1959 - 1965. Danach hatte ich nur noch Westfernsehen, Ostfernsehen konnt eman an meinem neue Wohnort nicht empfangen. Wir waren das Tal der Ahnungslosen auf der anderen Seite


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 15.10.2013 14:06 | nach oben springen

#133

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 13:57
von elster427 | 789 Beiträge

Als Jahrgang 63 kann ich hier nur über die 80 er reden, aber da hat sich doch schon keiner mehr am Westfernsehen hochgezogen - außer du hattest bei offenem Fenster den Kasten auf volle Pulle laufen. Ich habe damals in so einer MfS Siedlung gewohnt und die Zentralantenne hat alle Sender verstärkt. Selbst während des Dienstes, gab es MA ,die sich über die neuesten Serien unterhalten haben.
mfg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
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#134

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 14:02
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Ich schrieb es schon, im ARD Gebiet (außer Raum Dresden) wurden Mitte der 80-er Jahre die ersten Sat.- Anlagen in Wohngebieten errichtet, da konnten wir dann schon RTL und Sat1 sehen.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#135

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 16:08
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #114
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #107
Als meine "Bildzeitung" 1985 konfisziert wurde, Wert damals ca 50Pf, gab es eine lange Wartezeit, dann erhielt ich vom Zoll eine kostenfreie Verwarnung (Papier Format A5) und ein Formular (A4) für den Eigentumverzcht, welches ich unterschreiben musste. Der Zollbeamte hat mir alles des langen und breiten erklärt und die möglichen Rechtsmittel erläutert. Am Schluss hat er mich gefragt, ob ich alles verstanden hätte. Ich bin sicher, die Zeitung wurde nicht vernichtet, sondern kam zu den Akten und vergilbt möglicherweise noch heute in einem Gerichtsarchiv oder liegt beim BStU.

Als man mir einen Autokatalog einer bekannten Autozeitung bei der Einreise beim Zoll konfiszierte und die Dame dieses Heft sofort in den nebenan liegenden Dienstraum verbrachte, konnte ich die Freudenrufe ihrer Kollegen hören. Eine Quittung habe ich nicht erhalten, eine Erklärung musste ich auch nicht unterschreiben. Im Übrigen war ich froh, dass die Kontrolle damit abgeschlossen war, weil ich noch eine Stapel "Spiegel" dabei hatte, mit dem ich eine umfangreiche Leserschaft in Dresden erfreuen konnte.

Im "Dresdner Club" zu dem nur Auserwählte Zutritt hatten bzw. Mitglieder werden konnten, lagen allerdings so ziemlich alle namhaften westdeutschen Presseerzeugnisse zur Nutzung durch die Besucher im Lesezimmer aus. Es waren eben doch nicht alle DDR-Bürger gleich, manche waren etwas gleicher.

Gerade für die Mitarbeiter vom Zoll muss es doch ziemlich frustrierend gewesen sein, jeden Tag diese schönen Autos zu sehen, mir diesen meist gutgekleideten Menschen konfrontiert zu werden und bei ihren Kontrollen all diese westlichen Kostbarkeiten zu sehen, die es bei ihnen nicht oder wenn überhaupt, nur zu total überhöhten Preisen zu kaufen gab. Wie haben die das nur rein psychisch verkraftet ?



Das" psychisch zu verkraften" war wahrscheinlich nicht das Problem,es wurde hier schon geschrieben,man"gewöhnt sich dran".Die Sache hat aber einen anderen Aspekt,mir ist das erst Jahre nach der Wende richtig klargeworden,nachdem ich meinen"festen Klassenstandpunkt"entgültig über Bord geworfen hatte,es hat uns verändert.Jeder der längere Zeit an einer Güst gearbeitet hat,hat auch irgendwie ein bisschen im Westen gelebt.Er konnte an dem Leben nicht teilhaben,hat es aber an sich "vorbeifahren"sehen.Man "sah zu",zu was einer ökonomischen Inovation und Leistungsfähigkeit der Kapitalismus der Bundesrepublik in der Lage ist und man verglich es dahingehend mit SEINER DDR,zumindest vor sich selbst. Sicher wird das nicht jeder zugeben,manch einer heute noch nicht,aus Gründen einer merkwürdigen Staatsräson.Man sah,was der Kapitalismus in der Bundesrepublik in der Lage und besonders Willens war,dem einfachen Malocher von dem erarbeiteten Reichtum des Landes" abzugeben" ,und man verglich es mit der manchmal doch so kleinen,spießigen,kleinkarierten und auch ökonomisch erbärmlichen DDR,die man durchaus als sein Vaterland empfand und gerade das schmerzte,mich zumindest und ich weiß von anderen denen es ähnlich ging.
Dazu nur nebenei,Elster 427 schreibt hier die Geschichte von den fetten Mietwagen mit denen die Westler in die DDR gereist sind,ich muss schmunzeln bei der Geschichte.Er weiß natürlich, dass das so nicht stimmt,benutzt eine alte Argumentation unseres GO-Sekretär,ein Mensch der mir in meiner Funktion als APO-Sekretär immer unsympatisch war,die Gründe dafür sind ein anders Thema.Natürlich sind Leute mit Mietwagen in die DDR gefahren,warum auch nicht,vielleicht sogar aus Wichtigtuerei,aber das war natürlich nicht der Trend.Eine übergroße Masse der einfachen Malocher der Bundesrepublik konnten sich durch ihre Arbeit Fahrzeuge leisten,von denen ein DDR-Bürger,auch ein gut verdienender Staatssicherheitsmitarbeiter nicht zu träumen wagte.Überhaupt konnten sie sich einen rein ökonomischen Lebensstandard leisten, der denen eines DDR-Bürgers bei weiten übertraf,von ein paar GANZ großen Tieren vielleicht abgesehen.Das von mir dargestellte war einfach ein Fakt und den heute zu bestreiten ist einfach lächerlich und wird die DDR nicht wieder zum Leben erwecken.
Was ich mit der Geschichte eigentlich sagen wollte,Diesen Fakt erlebten die PKE-und Zollangehörigen ganz konkret und so wie kaum ein anderer DDR-Bürger,ganz besonders die Gruppe der OKE,die viele,fast schon private, Kontakte zu Westberlinern und Westdeutschen hatten.Die offizielle Agitation und Propaganda der DDR zu den Verhältnissen in der BRD und zu dem Leben der ausgebeuteten" Arbeiterklasse"in der BRD wurde dadurch zumindest auf eine harte Prüfung gestellt.Viele,und auch das weiß ich,haben sich dazu und zu den ganzen Umständen ihren Teil gedacht,waren "in Sorge"was den Sieg des Sozialismus in der DDR angeht.Aber wie das so ist mit den Deutschen,so war es auch mit den DDR-Deutschen,man macht weiter mit,wenn es sein muss bis zum bitteren Ende,es war nicht das Erste mal,was hätte man auch anderes tun sollen,"die Hoffnung stirbt zuletzt".Mir ist jetzt klar,dass meine"bittere Wahrheit"einigen hier nicht gefallen wird,die Wahrheit ist es allemal und wenn nicht, bin ich für Argumente,die mir das Gegenteil beweisen durchaus dankbar.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
Sperrbrecher, Schmiernippel, Zkom IV und kassberg haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.10.2013 16:33 | nach oben springen

#136

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 17:00
von Zkom IV | 320 Beiträge

Eine Frage ist mir gerade noch eingefallen.
Etwa so im März/April 1990 wurden alle PKE Mitarbeiter degradiert. Der Leutnant war nur noch Fähnrich, der Hauptmann wurde Stabsoberfähnrich. Analog dazu die beiden anderen Dienstgrade.
Warum wurde diese Abstufung vorgenommen und bedeutete dass auch gleichzeitig weniger Geld ?
Ich weiß nicht warum, aber dieses Thema wurde damals an den Übergängen irgendwie nie angesprochen.

Gruß Frank



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#137

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 17:07
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von Zkom IV im Beitrag #136
Eine Frage ist mir gerade noch eingefallen.
Etwa so im März/April 1990 wurden alle PKE Mitarbeiter degradiert. Der Leutnant war nur noch Fähnrich, der Hauptmann wurde Stabsoberfähnrich. Analog dazu die beiden anderen Dienstgrade.
Warum wurde diese Abstufung vorgenommen und bedeutete dass auch gleichzeitig weniger Geld ?
Ich weiß nicht warum, aber dieses Thema wurde damals an den Übergängen irgendwie nie angesprochen.

Gruß Frank

Es war einfach so,dass irgendjemand beim Mfs wert darauf legte von Offizieren umgeben zu sein.Fakt war aber,um Offizier zu sein brauchte man auch nach DDR-Recht eine Hochschulausbildung,kaum einer verfügte über diese Qualifikation.
Dazu noch was zu mir,ich hatte diese Qualifikation auch nicht,will jetzt nicht auf den Putz hauen aber aus was für Gründen auch immer,alle um mich herum wurden in Fähnrichdienstgrade eingestuft,unter Eppelmann.Aus irgendwelchen Gründen blieb ich Hauptmann,wurde Gruppenführer Einreise,hatte eigentlich gar keine Lust dazu.Es ist für mich bis heute ein Geheimnis warum das so gekommen ist,es wurde mir nicht erklärt,ich wurde es in den Wendewirren einfach.Es würde mich bis heute interessieren warum ich dazu auserkoren wurde,hatte vielleicht doch einen Gönner


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#138

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 17:13
von elster427 | 789 Beiträge

Eigentlich wollte ich mich zu Karnaks Beitrag äußern. Ich lasse es lieber - nur soviel : ich gebe hier nur selbst erlebtes wieder und keine Argumente anderer. Und was mich immerwieder Erstaunt , wie grade ehemalige Funktionäre der Partei, ihren Klassenstandpunkt ablegten wie alte Mäntel?
Ich will keinem etwas unterstellen, aber so eine Funktion muß wohl der Kariere geholfen haben!
Mal ganz ehrlich - ich habe meinen Standpunkt immer noch ,was aber nicht heißt , das ich diese DDR zurückmöchte! Ist aber ein anderes Thema!
mfg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
GilbertWolzow, 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#139

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 17:14
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #137
Zitat von Zkom IV im Beitrag #136
Eine Frage ist mir gerade noch eingefallen.
Etwa so im März/April 1990 wurden alle PKE Mitarbeiter degradiert. Der Leutnant war nur noch Fähnrich, der Hauptmann wurde Stabsoberfähnrich. Analog dazu die beiden anderen Dienstgrade.
Warum wurde diese Abstufung vorgenommen und bedeutete dass auch gleichzeitig weniger Geld ?
Ich weiß nicht warum, aber dieses Thema wurde damals an den Übergängen irgendwie nie angesprochen.

Gruß Frank

Es war einfach so,dass irgendjemand beim Mfs wert darauf legte von Offizieren umgeben zu sein.Fakt war aber,um Offizier zu sein brauchte man auch nach DDR-Recht eine Hochschulausbildung,kaum einer verfügte über diese Qualifikation.
Dazu noch was zu mir,ich hatte diese Qualifikation auch nicht,will jetzt nicht auf den Putz hauen aber aus was für Gründen auch immer,alle um mich herum wurden in Fähnrichdienstgrade eingestuft,unter Eppelmann.Aus irgendwelchen Gründen blieb ich Hauptmann,wurde Gruppenführer Einreise,hatte eigentlich gar keine Lust dazu.Es ist für mich bis heute ein Geheimnis warum das so gekommen ist,es wurde mir nicht erklärt,ich wurde es in den Wendewirren einfach.Es würde mich bis heute interessieren warum ich dazu auserkoren wurde,hatte vielleicht doch einen Gönner



Wie kommst Du denn auf die Idee, dass kaum jemand über eine Hochschulausbildung verfügte ?
Dies trifft erstens für das MfS überhaupt und wohl auch für die HA VI nicht zu .

Denk nur mal an die Personen, die an der Humbolt - Uni oder an den entsprechenden Einrichtungen der NVA studiert haben um nur zwei Beispiele zu bringen.


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#140

RE: "Lustige" Begebenheiten an der Güst - Teil II

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.10.2013 17:29
von elster427 | 789 Beiträge

Also irgendwie habe ich den Eindruck ,es gab zwei mal Drewitz!
Als die Grenztruppen die PKE Mitarbeiter ,welche alle einen juristischen Fachschulabschlus besassen oder auch Hochschule, übernahmen, wurden diese vor die Wahl gestellt entweder Umwandlung des Dienstgrades in Fähnrich oder Entlassung. Es war eine reine Erpressung.
Kaum einer wusste was ihn ausserhalb erwarten würde ,so hat man sich auf diese Dekradierung eingelassen. Somit hat man freigestellten Offizieren der GT Planstellen besorgt.
mfg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
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Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR
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15 05.07.2012 19:49goto
von metal.999 • Zugriffe: 4293

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