#1

Berufstätige, Rentner, Westreisen, Logik verstanden?

in DDR Grenze Literatur 07.10.2013 18:02
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
mehr oder weniger war es doch so daß der größte Teil der Rentner in die BRD reisen dürfte, deren idiologische "Vergiftung" im Westen von der DDR-Führung nicht als unakzeptable große Gefahr gesehen wurde, qualifizierte Berufstätge dagegen nur "handverlesen" unter Bedingungen.

Wieso gelang es diese simple volskwirtschaftliche Logik dahinter aus dem Bewußtsein vieler BRD-Bürger so erfolgreich zu verdrängen ( ZDF-Löwenthal? ) ?

Warum sprach die DDR-Führung gegenüber ihren Bürgern nicht Klartext sondern schwafelte von "antifaschistischer Schutzwall" als wenn da täglich hunderte NPD-Nazis Sabotage in der DDR machen wollten?



zuletzt bearbeitet 07.10.2013 18:03 | nach oben springen

#2

RE: Berufstätige, Rentner, Westreisen, Logik verstanden?

in DDR Grenze Literatur 07.10.2013 18:40
von der glatte | 1.356 Beiträge

Ich glaube es gab sogar Rentner, die wollten gar nicht in die BRD reisen, meine Oma fuhr in die Schweiz.

Man sprach nicht nur vom antifaschistischen- sondern sogar vom antiimperialistischen Schutzwall.
Welches Buch meinst Du denn mit Deiner Frage?

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#3

RE: Berufstätige, Rentner, Westreisen, Logik verstanden?

in DDR Grenze Literatur 07.10.2013 18:50
von Alfred | 6.856 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #1
Hallo,
mehr oder weniger war es doch so daß der größte Teil der Rentner in die BRD reisen dürfte, deren idiologische "Vergiftung" im Westen von der DDR-Führung nicht als unakzeptable große Gefahr gesehen wurde, qualifizierte Berufstätge dagegen nur "handverlesen" unter Bedingungen.

Wieso gelang es diese simple volskwirtschaftliche Logik dahinter aus dem Bewußtsein vieler BRD-Bürger so erfolgreich zu verdrängen ( ZDF-Löwenthal? ) ?

Warum sprach die DDR-Führung gegenüber ihren Bürgern nicht Klartext sondern schwafelte von "antifaschistischer Schutzwall" als wenn da täglich hunderte NPD-Nazis Sabotage in der DDR machen wollten?



SET,

so "handverlesen" waren die DDR - Bürger Ende der 80 iger auch nicht mehr. Die reisezahlen hatten wir schon.


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#4

RE: Berufstätige, Rentner, Westreisen, Logik verstanden?

in DDR Grenze Literatur 07.10.2013 21:31
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

@SET800, mir ist ebenfalls bis heute nicht klar, weshalb in der DDR (wie in den übrigen RGW-Staaten) auf eine effiziente und zielgruppenorientierte Propaganda einfach kein Wert gelegt wurde.

Vielleicht sah man sich schon (viel zu früh) als Sieger der Geschichte?

Ich habe keine Ahnung, warum man dieses so wichtige Feld nicht beackerte.

Im goldenen Westen wußte jedes Kind, daß geschickte Werbung Scheiße in Gold umwandelt.

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#5

RE: Berufstätige, Rentner, Westreisen, Logik verstanden?

in DDR Grenze Literatur 07.10.2013 21:56
von Marder | 1.413 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #1
Hallo,
mehr oder weniger war es doch so daß der größte Teil der Rentner in die BRD reisen dürfte, deren idiologische "Vergiftung" im Westen von der DDR-Führung nicht als unakzeptable große Gefahr gesehen wurde, qualifizierte Berufstätge dagegen nur "handverlesen" unter Bedingungen.

Wieso gelang es diese simple volskwirtschaftliche Logik dahinter aus dem Bewußtsein vieler BRD-Bürger so erfolgreich zu verdrängen ( ZDF-Löwenthal? ) ?

Warum sprach die DDR-Führung gegenüber ihren Bürgern nicht Klartext sondern schwafelte von "antifaschistischer Schutzwall" als wenn da täglich hunderte NPD-Nazis Sabotage in der DDR machen wollten?


Naja vielleicht sehe ich es auch einfach pragmatisch. Wenn die Rentner beschlossen nicht wieder in die DDR einzureisen, wurde die Rentenzahlung von der Bundesrepublik übernommen. Das sparte Geld für die DDR

Bei den Berufstätigen ist es ja so, dass diese Personen im Produktionsprozess standen und ihre teure Ausbildung noch abgearbeitet werden sollte bzw. nicht dem Westen zu Gute kommen sollte. ;-)

MfG Marder


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
CASI, eisenringtheo, Hapedi und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Berufstätige, Rentner, Westreisen, Logik verstanden?

in DDR Grenze Literatur 07.10.2013 22:18
von eisenringtheo | 9.184 Beiträge

Zitat von Marder im Beitrag #5
(...)

Bei den Berufstätigen ist es ja so, dass diese Personen im Produktionsprozess standen und ihre teure Ausbildung noch abgearbeitet werden sollte bzw. nicht dem Westen zu Gute kommen sollte. ;-)

MfG Marder



Ja das war so, und es stand auch in DDR Büchern (...und selbstverständlich ist - wie immer -der Kapitalismus, der CIA und BND an allem schuld!!)

Nicht wenige Menschen wurden infolge persönlicher Beeinflussung dazu gebracht ihren Arbeitsplatz und ihre angestammte Heimat zu verlassen. Es wird völlig zurecht festgestellt, dass die Gefahr bestand, die DDR erleide jenen Kollaps, der von Politikern und imperialistischen Geheimdiensten als wesentlichste Seite der Destabilisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse angedacht war, wozu sicher auch die bereits angeführten anderen Störfaktoren des internationalen Handels beitragen sollten.
Ein solcher enormer Verlust von Human-Kapital musste jeden Staat erschüttern. Ein Experte bezifferte die Verluste für die DDR in der Zeit von 1950 bis 1961 auf jährlich 144.000 bis 330.000 Menschen, darunter 50 Prozent Jugendliche bis 25 Jahre.
Wirtschaftswissenschaftler der BRD schätzten ein, dass die BRD diesen "Zufluss" von Human-Kapital in der Größenordnung bis 2 Millionen Arbeitskräfte aus der DDR als nicht hoch genug zu wertenden Aktivposten erhielt.
(...)
Es wurde schon zur damaligen Zeit nicht bestritten, dass es Massen von DDR-Bürgern waren, die ihrem Staat den Rücken kehrten. Diese hohe Zahl nun jedoch pauschal als Flüchtlinge zu bezeichnen macht eigentlich nur deutlich, dass zurecht von einer Instrumentalisierung des Problems gesprochen wurde und dieser Kampfbegriff nur gewählt wurde und noch heute wird, um die DDR zu diskriminieren.
Der Öffentlichkeit, vor allem jenen, die die Gnade der späteren Geburt genießen, wird suggeriert, das Volk sei vor den Repressionen der Kommunisten davongelaufen. Manche "Geschichtsaufarbeiter" qualifizieren die Ost-West-Wanderung, den Menschenhandel und Fluchten als Widerstand gegen das SED-Regime. Ein recht schwachsinniges und bösartiges Unterfangen.
Die Masse der DDR-Bürger wollte, ob abgeworben, mit Kopfgeldern gelockt oder dem allgemeinen Sog erlegend, einfach im Westen besser leben, teilhaben am Konsumrausch, der bis in den Osten hineinblendete. Sicher gab es auch Menschen, die aus politischer Überzeugung die DDR verließen, weil sie in keinem sozialistischen Staat leben wollten.
Das waren aber im Verhältnis zur Masse nur Wenige. Dass durch "kräftige" Lippenbekenntnisse und bereitwillige Informationspreisgabe in den geheimdienstlichen Befragungsstellen sich viele zu politischen Gegnern hochstilisierten und so willkommene Statistiken "bereicherten", wird nicht übersehen.

Autorengruppe: Manfred Dietze, Gerhard Neiber, Gerhard Niebling: Fluchten, Menschenhandel und Kopfgeldjäger
http://www.dreizehnter-august.de/doks/uz3331u.htm
Theo


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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