#161

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 20:37
von Rüganer (gelöscht)
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nochmal, wer sich mittels Fluchthelfern aus der DDR wegmachte, dem kann es doch augenscheinlich nicht gefallen haben, das Testfeld für eine bessere Gesellschaftsordnung. Wieso dies denn???
Und was sagt die Gilde derer, die hier so vehement die Seite der Revolutionäre und Idealisten, beginnend von der Oktoberrevolution vertritt, zu der Frage:
wer ist dieser man, der da den Industrieländern die Rohstoffhähne abdrehen soll?
Was gibt es als Antwort darauf, dass fähige Leute wegen der fehlenden Mitgliedschaft in der SED wieder in der Versenkung verschwanden? Ardenne kann nicht als Beispiel gelten, er hat genug für die Siegermacht Sowjetunion getan. Da hat man doch Potenzial weggeworfen, ja - Leute vergrault.
Wer hat denn nach 1961 schon Kontakte mit Personen gehabt, die einen abwerben konnten? Donnerwetter, hier müssen ja hochinteressante Kader im Forum anwesend sein, für einen kleinen Ingenieur im Kombinat Mikroelektronik hat sich jedenfalls keiner dieser Werber interessiert.
nein, man hat es eben den Personen in der DDR nicht ermöglicht, ihre materiellen Wünsche schnell zu befriedigen, ihre persönlichen Ziele zu verwirklichen und "Ihr Ding" zu machen. Und damit hat man sie verloren. Bei der Ansiedlung von Ärzten auf dem Land ging es doch auch. Aber - wahrscheinlich hätte dann die Arbeiter und Bauern gesagt, he- wieder wird technische Intelligenz bevorzugt... deswegen wurde diese Gruppe eben kurz gehalten und somit verloren, es sei - sie wurden Mitglied in der SED.
Und es soll heute keiner kommen und sagen - dies muss man heute auch... Alles Käse, Genossen


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#162

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 20:40
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #159
Die meisten Flüchtlinge mussten alles zurück lassen und nochmal von vorne anfangen. Die lebten unter einfachsten Bedingungen im Westen und mussten sich hocharbeiten. Es ist nicht so, dass irgendjemand auf die gewartet hätte oder mit Geldbündeln gewedelt hätte .


Stimmt 100%.

seaman


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#163

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 20:50
von Moskwitschka (gelöscht)
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DDR - Kabinet Bochum schreibt dazu:

Zur Kennzeichnung der Situation vor der Schließung der Grenze zu Westberlin gehört auch die gezielte Abwerbung von Fachkräften der DDR. Mitte Juli 1961 hatte Adenauer persönlich in Köln mit Mitgliedern der CDU im Europarat über die verstärkte Abwerbung von Arbeitskräften aus der DDR und die Erhöhung der Finanzmittel für die Abwerbeorganisationen beraten.
Das Geld sollte mithilfe des „Sonderverbindungsausschusses für Flüchtlinge“ und des „Ausschusses für Bevölkerungs- und Flüchtlingsfragen“ des Europarates beschafft werden. Die Bundesregierung hatte bis dahin 4,5 Millionen Dollar und 11,1 Millionen DM erhalten. Adenauer verwies darauf, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie seine Geldmittel für die Abwerbung bedeutend erhöht hatte. Dazu kam ein ganzes „Abwerbungsförderungs-programm“ mit einer Sonderfinanzierung des Wohnungsbaus, Unterhalts-und Hausratshilfen sowie Existenzaufbau- und Wohnungsbaudarlehen aus dem Härtefonds des Lastenausgleichs. Schließlich wurde auch der Flüchtlingsausweis C (politische Zwangslage mit Anerkennung ohne Überprüfung - sonst nur für religiöse Gruppen) verliehen. Das Hilfswerk der evangeli-schen Kirchen Deutschlands gab einen „Leitfaden für Sowjetzonenflüchtlinge“ heraus. Erhebliche Aktivitäten wurden auch von den verschiedenen Flüchtlingsorga-nisationen, Landsmannschaften und vielen anderen Verbänden entfaltet. Massive Unterstützung erfuhr dies alles durch die vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen mit dem Bundes-presseamt und dem Verteidigungsministerium vereinbarte Verstärkung der „psycho-logischen Kriegsführung“ gegen die DDR. Die Mehrzahl derer, die aus der DDR abwan-derten, darunter viele gezielt abgeworbene Bürger, versprach sich vom Wechsel in die BRD bzw. nach Westberlin bessere Lebensverhältnisse oder (aus ihrer Sicht) eine günstigere Entwicklungsperspektive. Das waren somit überwiegend „Wirtschafts-flüchtlinge“ und nicht, wie permanent behauptet, „politische Flüchtlinge“.


Diese Ausführungen enthalten eine Reihe von Fakten, die bestimmt nachprüfbar sind. Vielleicht macht sich mal jemand die Mühe, damit nicht immer wieder um den gleichen Brei gestritten wird.

LG von der grenzgaengerin

Die Quelle für das DDR Kabinet Bochum ist höchstwahrscheinlich die Neue Rheinische Zeitung, die einen Artikel zum 50. Jahrestag des Mauerbaus veröffentlichte http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16681


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zuletzt bearbeitet 10.10.2013 21:10 | nach oben springen

#164

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 20:51
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #152
Zitat von Gert im Beitrag #149
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #147
Die jungen und begabten Leute hat man vergrault

oder nicht besser, gezielt abgeworben?


Nach dem Mauerbau ? Oh Mann da kommt ja die bartwickelmaschine überhaupt nicht mehr nach




Gert, ich gebe dir Recht, wer konnte schon nach dem Mauerbau erfolgreich abgeworben werden? in dem Maß, dass es bedeutsam geworden wäre? Aber wenn der erst einmal kommissarisch eingesetzte Direktor für Technik, der seine Leute auch motivieren kann, der Erfolge aufweisen kann, der etwas rausreißen könnte, wegen seiner Weigerung der SED beizutreten, wieder in die 2. Reihe zurückgestuft wird und dafür ein willfähiger SED Mann Direktor wurde, der aber auch nichts in den Griff bekam, dann war dies bezeichnend für viele Stellen in der Industrie und schon durchaus relevant.


Unser Schuldirektor, sehr anerkannt und geachtet durch uns Schüler, war LDPD-Mitglied. Unser Direktor für Produktion war christlich gebunden und CDU-Mitglied und das wird wohl im Eichsfeld noch ganz anders ausgesehen haben. Mir ist klar, daß zu oft die Mitgliedschaft in der SED, zumindnest in einer Blockpartei, über die Steilheit einer Karriere entschieden hat. Das war grundfalsch. Nun sollten hier aber User nicht deswegen auf der SED rumdreschen, wenn es die jetzigen Machthaber nicht wirklich anders machen. In der Industrie spielt es so gut wie keine Rolle im gegensatz zur DDR, das stimmt. In der Verwaltung, ob Bund, ob Land, ist es schon von Wichtigkeit. War da nicht mal was mit einem Kölner Klüngel ? Also nicht mit Steinen auf Tote schmeißen, wenn die lebnenden Ziele der Steinewerfer eigentlich gleich nebenan sitzen.



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#165

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 21:06
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von seaman im Beitrag #158


Fakt ist doch,ohne diesen Begriff headhunter zu strapazieren,dass zahlreiche in der damaligen DDR gut ausgebildeten Fachkräfte in der Bundesrepublik eine bessere persönliche Perspektive sahen.Mehr Lohn,schnellere Verwirklichung ihrer individuellen Lebensziele und ein schnelleres Umsetzen materieller Wünsche begünstigten diesen Trend.Ostberliner blieben dauerhaft in Westberlin bzw.haben dieses Sprungbrett für eine Übersiedlung in die Bundesrepublik genutzt.Andere konnten mit Hilfe von Verwandten schnell Fuss fassen,auch bei der Vermittlung von Arbeitsstellen.
Hinzu kommt,der Staat Bundesrepublik hatte ein umfassendes und materiell abgesichertes Programm installiert,dass die schnelle Eingliederung eines Republikflüchtlings umfassend begünstigte.Das aufblühende Wirtschaftswunder Westdeutschland holte Gastarbeiter aus ganz Europa,warum nicht motivierte,ausgebildete Arbeitskräfte mit identischem Kulturkreis aus der DDR?
Viele ehemalige DDR-Bürger waren später in führenden wirtschaftlichen Bereichen tätig.


Ja, das würde ich unterschreiben. Besonders die rot markierten Sätze. Aber: Ist das Abwerbung? Wenn die Bürger des einen Landes der Meinung sind, in einem anderen bessere Chancen zu haben? Es mag ja sein, dass ich in den Jahren bis 61 zu jung war, aber ich kann mich nicht an irgendwelche Aufforderungen oder konkrete Angebote erinnern, die sich an bestimmte Bürger oder Berufsgruppen der DDR gerichtet haben.

Zitat von seaman im Beitrag #158

Ja,einen Abwerbeversuch habe ich persönlich erlebt und auch von Anderen erfahren.Das war aber nach 1961...
Es gab sie also,diese Abwerbeversuche



Das will mir nicht einleuchten, aber ich zweifel nicht an Deinen Erinnerungen. Möglich, dass vereinzelt DDR-Bürger mit Auslandserlaubnis dort auch angesprochen wurden, aber das dürfte wohl kaum auf Veranlassung der Bundesregierung geschehen sein. Vielleicht ein Reeder, der gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter suchte - und diese Art der "Abwerbung" mag moralisch nicht ganz sauber sein, dürfte aber kaum ein Massenphänomen gewesen sein.


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#166

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 21:29
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #146
Wer denn nun manist, der den Industriestaaten den Rohstoffhahn abdrehen will, ist mir immer noch nicht erklärt worden, stattdessen kommen wir wieder auf die Oktoberrevolution zurück.
Tja und wenn, nur mal angenommen, wenn denn dieses Experiment des Sozialismusses auf deutschem Boden so interessant und wirkungsvoll für die Massen gewesen wäre, dann wäre der Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik doch verpufft, keiner wäre abgehauen, alle hätten im Sinne dessen, was Marx und Engels, was Lenin und andere so theoretisch wunderbar erarbeitet und geschrieben haben, gelebt und auch so gehandelt, wären glücklich und zufrieden gewesen und da hätte jemand noch so lange mit dem bundesdeutschen Pass winken können, völlig bedeutungslos für den zufriedenen und mitziehenden Bürger der DDR....
War scheinbar nicht so....
Cocom - Liste, ja wieso konnte denn das soz. Lager diese Erzeugnisse nicht selbst herstellen? Es hat doch auch die Bomben entwickelt, die die Amerikaner als erste hatten, es baute U-Boote, Reaktoren, den Tabbi usw. Stattdessen wurde so verdammt viel Energie in die Politik gesteckt, die letztendlich zum eigenen Untergang geführt hat. Die jungen und begabten Leute hat man vergrault, wenn sie nicht das Parteibuch der führenden Partei in der Tasche hatten, sich dann aber wundern, wenn der technische Fortschritt hinterher hinkte. Und wenn man schon was Neues entwickelt hatte, wurde es in den Giftschrank getan, siehe die vorhandenen Konstruktionen des Trabbi und des Wartburges. Die Partei, die allmächtige, mischte sich überall ein, da hat man dann schnell mal die ideologischen Muskeln spielen lassen.



Ich könnte jetzt wieder beim Urschleim anfangen, so komplex ist das hier. Da gibt´s keine einfachen Erklärungen. Nur mal kurz ein paar Gesichtspunkte als Themen hier eingeworfen.
- Das Experiment Sozialismus war tatsächlich nach 45 für viele interessant. Es gab in ganz Deutschland damals so eine Art Aufbruchstimmung. Die blieb nicht auf die westlichen Besatzungszonen begrenzt. Es wurde in der neu gegründeten DDR leider nicht vermocht, diesen Enhusiasmus zu halten. Zu oft wurde mit allen möglichen Anschuldigungen gegen Menschen vorgegangen, die das gleiche Ziel, eine von Ausbeutung freie Gesellschaft, auf einem anderen Weg erreichen wollten. Zu sehr wurde der "Große Bruder" bemüht, um zu beweisen, daß nur dessen Weg zum Ziel führt, weil dort eben schon seit über 30 Jahren eine vom Kapitalismus freie Gesellschaft existiert und dieser tat sein Übriges, um seine "Vorbildwirkung" auch anderswo durchzusetzen. Warum fallen mir jetzt dabei gerade Parallelen ein zur Nachwendezeit, als auch der Westen als der Bessere angesehen wurde und man eben, völlig unkritisch, alle seine Strukturen übernehmen mußte, ob gut oder schlecht ?
- CoCom-Liste. Auch die USA baut nicht alles selber. Es gibt wohl nur ganz wenige wirklich autarke Staaten, die, wenn sie müßten, völlig auf Importe verzichten könnten. Dazu würde ich die USA, Russland und China zählen. Das es im RGW nicht fertiggebracht wurde, sich hier unabhängig zu machen, war m.E. auch wieder und vor allem eine Frage u.a. von staatlicher Gängelei, Nachsicht gegenüber dem Schlendrian und nicht leistungsgerechter Entlohnung von Spitzenleuten. Es gäbe sicher noch mehr bezüglich hausgemachter Gründe zu nennen. Wie ich aber vorhin schon anmerkte, so weit muß man gar nicht gehen. Wenn ich die Bildungspolitik der heutigen föderalen Politik betrachte, sind wir hier ebenfalls auf dem besten Weg, unseren technologischen und wissenschaftlichen Vorsprung in der Welt zu verspielen und das ebenfalls wegen staatlicher Gängelei. Sind eben alles nur Menschen, ob Ministerien in Staat und Bezirk mit SED-Mitgliedern als Leiter oder Bund und Länder mit machtbesessenen Kultusministern.



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#167

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 21:36
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hatten wir schon die DDR und die EU?

Wie die DDR lautlos in die EU flutschte

Interventionen von einzelnen Mitgliedsstaaten gab es eigentlich nicht. Die einzige Sorge, die viele hatten, als wir die Übergangsbestimmungen und Anpassungsmaßnahmen erörterten, war, dass es zu einem Wettbewerbsvorteil der DDR in den fünf neuen Bundesländern kommen würde. Aber das haben wir bereinigt: Die Produkte, die nicht in die Gesetzgebung der EG passten, mussten in den neuen Ländern bleiben. Die konnten also nicht nach Westdeutschland oder in die übrige EG gelangen. Daher war dieser Wettbewerbsaspekt schnell erledigt.

http://www.euractiv.de/europa-2020-und-r...lutschte-003717

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 10.10.2013 21:47 | nach oben springen

#168

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 21:47
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

[quote=Harzwanderer|p294909]Die meisten Flüchtlinge mussten alles zurück lassen und nochmal von vorne anfangen. Die lebten unter einfachsten Bedingungen im Westen und mussten sich hocharbeiten. Es ist nicht so, dass irgendjemand auf die gewartet hätte oder mit Geldbündeln gewedelt hätte. Das "Abwerben" ist mehr so ne DDR-Propagandabehauptung.

Wenn Du einst als chinesischer MIG-Pilot mit Flugzeug nach Taiwan abgehauen bist, mag das anders gewesen sein.
http://bp0.blogger.com/_LzsVxw2OVeM/SFBZ...600-h/Mig+1.JPG[/quote]

Rot: Ach, mir kommen bald die Tränen. Die armen Flüchtlinge mußten ihren heißgeliebten Trabi hier lassen, den sich dann womöglich noch ein fetter SED-Bonze unter den Nariss riss . Nee, die wußten ganz genau, oder nahmen es zumindest an, was sie drüben erwartete. Wer in der DDR arbeitsmäßig nicht aus der Knete kam, hat wohl auch in der BRD sehr schnell von Sozialhilfe leben müssen. Wer was konnte, hatte die Chance und wer sie genutzt hat, dem ging es wirtschaftlich sicher besser als vorher in der DDR, das streite ich nicht ab. Die da rüber machten, so der landläufige Ausdruck, haben bewußt alles zurückgelassen, ob Hausrat, Freunde und Verwandte, Haus und Hof (sind oft dann auch dafür entschädigt worden, so schlimm mit dem Verlust wird es dann wohl auch nicht gewesen sein). Klar, wer nicht zu den gesuchten Spitzenleuten gehörte, mußte sich selbst kümmern um einen Job. Wer aber schon in der DDR zumindest in der Branche einen guten fachlichen Namen hatte, dem wurde durchaus schon mal mit einem Angebot gewunken. Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung, ob in der DDR oder im Ausland, waren da gute Gelegenheiten. Das gezielte Abwerben war sicher nicht die Regel. Es erfogte aber nicht selten bei Spitzenleuten aus Forschung und Industrie und so ein Fang war mehr wert als hundert qualifizierte Facharbeiter.



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#169

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 21:54
von Rüganer (gelöscht)
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@Dore Holm

Nein, die DDR hat es nicht geschafft, das Land für die meisten Leute mit Ahnung und Wissen attraktiv zu machen. Nicht nur Gängelei, nein viel schlimmer noch, wer sich den politischen Vorgaben widersetzte, wurde eben fertig gemacht - fangen wir mal bei den damaligen, nicht enteigneten Großbauern an, die nicht in die LPG wollten. Diese Jungs hatten Ahnung und wurden irgendwie dann entweder LPG - Vorsitzender oder flohen bei Nacht und Nebel in den Westen. Der Ingenieur, der in meinem vorherigen Post wieder in die 2. Reihe gezwungen wurde, weil er eben nicht in die SED eintrat und durch diesen Schritt einige Hochachtung bei seinesgleichen erzielte, der bleib bei einer Dienstreise in Braunschweig. Wen wundert es....
Und so könnte ich die Liste hier ellenlang schreiben - was war dies für ein Test, was für ein Versuch, eine bessere Gesellschaftsordnung aufzubauen, wenn man so mit denen umgeht, die wollen, aber eben auf ihre Weise? Weil der große Bruder es eben so machte?
Da waren wir aber richtig frei, in der Wahl unseres Versuchsaufbaus, oder?
Und wenn du die Sowjetunion schon als einen Staat kennzeichnest, der autark solche Dinge, die auf der Comecon Liste standen, schultern könnte - da stimme ich mit dir überein. keine Frage. Aber warum hat er es denn nicht? Weil wieder die Politik das Primat hatte, Leute, dies es besser wussten, wurden abserviert.
Und nochmal, zu deinem etwas seltsamen letzten Posting...
ich sage dir noch einmal deutlich, keiner wäre abgehauen, wenn es ihm in der DDR saugut gegangen wäre. aber wer will es jemandem verdenken, wenn er dann geht, weil er in der DDR wegen dem fehlenden Parteibuch nichts werden kann, weil er eben ewig auf sein Auto wartet, weil er nicht reisen kann und weil er als Ingenieur weniger Geld erhält, als der Arbeiter mit der Lohngruppe VIII? Kannst Du, Dore Holm, das Weggehen dieses Mannes nicht menschlich verstehen?


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#170

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 22:07
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Rot: Ach, mir kommen bald die Tränen. Die armen Flüchtlinge mußten ihren heißgeliebten Trabi hier lassen, den sich dann womöglich noch ein fetter SED-Bonze unter den Nariss riss . Nee, die wußten ganz genau, oder nahmen es zumindest an, was sie drüben erwartete.



Man sollte sich darüber nicht so erheben. Die Leute sind sicher nicht "freiwillig" gegangen, sondern weil man ihnen keine andere Wahl ließ. Das war durchaus ein Opfer, alles und alle zurück zu lassen. Gehässiges Nachtreten hat vielleicht die SED-Propaganda gemacht (EH: "wir weinen denen keine Träne nach"), das muss doch nicht heute noch so nachgebetet werden?


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#171

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 23:01
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #169
@Dore Holm

Nein, die DDR hat es nicht geschafft, das Land für die meisten Leute mit Ahnung und Wissen attraktiv zu machen. Nicht nur Gängelei, nein viel schlimmer noch, wer sich den politischen Vorgaben widersetzte, wurde eben fertig gemacht - fangen wir mal bei den damaligen, nicht enteigneten Großbauern an, die nicht in die LPG wollten. Diese Jungs hatten Ahnung und wurden irgendwie dann entweder LPG - Vorsitzender oder flohen bei Nacht und Nebel in den Westen. Der Ingenieur, der in meinem vorherigen Post wieder in die 2. Reihe gezwungen wurde, weil er eben nicht in die SED eintrat und durch diesen Schritt einige Hochachtung bei seinesgleichen erzielte, der bleib bei einer Dienstreise in Braunschweig. Wen wundert es....
Und so könnte ich die Liste hier ellenlang schreiben - was war dies für ein Test, was für ein Versuch, eine bessere Gesellschaftsordnung aufzubauen, wenn man so mit denen umgeht, die wollen, aber eben auf ihre Weise? Weil der große Bruder es eben so machte?
Da waren wir aber richtig frei, in der Wahl unseres Versuchsaufbaus, oder?
Und wenn du die Sowjetunion schon als einen Staat kennzeichnest, der autark solche Dinge, die auf der Comecon Liste standen, schultern könnte - da stimme ich mit dir überein. keine Frage. Aber warum hat er es denn nicht? Weil wieder die Politik das Primat hatte, Leute, dies es besser wussten, wurden abserviert.
Und nochmal, zu deinem etwas seltsamen letzten Posting...
ich sage dir noch einmal deutlich, keiner wäre abgehauen, wenn es ihm in der DDR saugut gegangen wäre. aber wer will es jemandem verdenken, wenn er dann geht, weil er in der DDR wegen dem fehlenden Parteibuch nichts werden kann, weil er eben ewig auf sein Auto wartet, weil er nicht reisen kann und weil er als Ingenieur weniger Geld erhält, als der Arbeiter mit der Lohngruppe VIII? Kannst Du, Dore Holm, das Weggehen dieses Mannes nicht menschlich verstehen?



Rot: Einmal sehe ich die Großbauern (bin selbst der Sohn einer Bäuerin) nicht unbedingt (Ausnamen ausgenommen) als die Träger des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen, technologischen Fortschritts, Du solltest aber die damalige Versorgungslage mit Grundnahrungsmitteln nicht außer Acht lassen. Was meinst Du, wie viel dieser für damalige Verhältnisse großen Güter von 40 oder 60 ha hätten bis heute überlebt? Nur durch Zukauf vielleicht, also kleinere Gehöfte aufkaufen. Es dürfte wohl heute unbestritten sein, daß die Gründung von LPGn heute ein dickes Plus in der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft EU-weit darstellt. Und was die Ahnung betrifft, klar hatten sie von Landwirtschaft Ahnung, allerdings nicht gepachtet. Ein 10 oder 20 ha-Bauer wird nicht dümmer gewesen sein, wenn er sich trotz kleinerer Fläche und auf weniger guten Böden wirtschaftlich halten konnte.
Grün: Sicher gab es in der Industrie staatliche Leiter, die fachlich relativ wenig Ahnung hatten (meinen Letzten zähle ich dazu. Der hat gute Leute rausgeekelt und sich mit Radfahrern umgeben), ich glaube aber nicht, daß sich ein kompetenter Chef von außerbetrieblichen Organen groß Vorschriften machen ließ, mit wem er eine freie Stelle in einem Fachbereich besetzt. Hatte es schon mal geschriebe. Aus unserer Studiengruppe, Fachschule für Chemie, von den gut 20 Studenten/innen grade zwei, die zu Beginn SED-Mitglied waren und einer, der in dieser Zeit Mitglied wurde. Da erzähle mir bitte nicht was von Parteibuchabhängigkeit bei Ingenieurslaufbahn.
Orange: Hatte es in meinem vorigen Beitrag doch schon geschrieben: Staatliche Gängelei. Kaum eine Leistungsmotivation, weder mit "ökonomischem Hebel" noch mit dem berühmten Tritt in den Arsch. Die wenigen, die aus eigenem Antrieb sich beweisen wollten und den Erfolg suchten, unabhängig von materieller Interessiertheit, haben es nicht rausreißen können. Die gab es, zweifellos, aber es war nicht die Masse. Das waren solche, mit denen man, wie in einem anderen Thema, auch eine dem viel und kontrovers diskutierten Kommunismus ähnliche Gesellschaft hätte aufbauen können, also Idealisten, denen der materielle Wohlstand weniger gilt als der fachliche Erfolg.
Lila und Blau:: Klar wäre keiner weggegangen, wenn es ihm saugut gegangen wäre. Da wären wir aber wieder am Anfang, warum es viele so empfanden,daß es ihnen nicht saugut geht und es ihnen woanders möglicherweise saugut gehen könnte, so arbeitsam, wie sie im VEB sind. Als Ing. weniger Geld als der Facharbeiter mit LG VII oder VIII, stimmt vollkommen. Gebe ich Dir recht, da rennst Du bei mir offene Türen ein. Leistungsgerechte Entlohnung, schöne Worte auch damals, aber dann kam doch vielfach die Gießkanne zum Einsatz, weil der Leiter das Rumgemotze der sich benachteiligt fühlenden Kollegen, vor allem aus den produzierenden Bereichen und die Probleme mit dem BGL-Vorsitzenden vermeiden wollte. Der Betriebsfrieden war damit wieder hergestellt und die wirklich Leistung gebrachten Leute haben sich dann ihr Teil gedacht. Aber (Blau), wegen fehlendem Parteibuch nichts werden können, das lasse ich nicht gelten, nicht so absolut, wie es Deine Aussage suggeriert. Es gab Grenzen, ab der eine Mitgliedschaft entscheidend sein konnte. Kann jetzt nur von unserem mittelständischen Betrieb ausgehen, aber es wird auch oberhalb so sein (siehe die Mitgliedschaft im Ing.-Studium, von mir dargelegt) in größeren Betrieben so sein, diese Grenze fing so etwa ab Fachdirektor-Ebene an wirksam zu werden. Ein staatlicher Leiter war in erster Linie den wirtschaftlichen Ergebissen seines Betriebes verpflichtet und nicht der Kaderpolitik der SED-Kreisleitung. So hat er zugesehen, daß er in erster Linie seine Leitungspositionen mit fachlich fähigen Leuten besetzte, wenn diese nicht gerade wegen offensichtlicher Opposition gegenüber dem System aufgefallen sind. Mit einem 150%ig überzeugten Genossen,der aber keine Ahnung von der Materie hat, wären die wirtschaftlichen Probleme und damit unliebsame Gespräche mit der übergeordneten Wirtschaftsleitung und Parteileitung vorprogrammiert. Es dürfte wohl logisch sein, daß es einem Leiter eines Produktionsbetriebes in erster Linie um fachliche Kompetenz ging. standen zwei fachlich annähernd gleich gute Leute zur Auswahl, wurde natürlich dem mit dem SED-Mitgliedsbuch der Vorang eingeräumt. Wer wollte es dem Leiter dann verübeln, wenn er mit diesem Kollegen auch auf gesellschaftlichem Gebiet weniger Probleme erwartete ?

Es geht nicht, hier immer nur Gut oder Böse, schwarz oder weiß zu sehen. Die Wirklichkeit lag immer irgendwo dazwischen. Es sind jedesmal menschen, die hier agieren und reagieren und die reagieren und agieren immer nach ähnlichen Mustern, ob in der Antike, im Mittelalter, im Kapitalismus oder in der Gesellschaft, die mal zum Sozialismus führen sollte. Ich sehe hier immer diese Parallelen zwischen Geschehnissen und menschlichem Verhalten damals und heute.



Damals87 und Pitti53 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.10.2013 23:02 | nach oben springen

#172

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 23:27
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #170

Zitat
Rot: Ach, mir kommen bald die Tränen. Die armen Flüchtlinge mußten ihren heißgeliebten Trabi hier lassen, den sich dann womöglich noch ein fetter SED-Bonze unter den Nariss riss . Nee, die wußten ganz genau, oder nahmen es zumindest an, was sie drüben erwartete.


Man sollte sich darüber nicht so erheben. Die Leute sind sicher nicht "freiwillig" gegangen, sondern weil man ihnen keine andere Wahl ließ. Das war durchaus ein Opfer, alles und alle zurück zu lassen. Gehässiges Nachtreten hat vielleicht die SED-Propaganda gemacht (EH: "wir weinen denen keine Träne nach"), das muss doch nicht heute noch so nachgebetet werden?



Rot: Klar doch, die wurden von Haus und Hof verjagt. Etwa wie Clearances in den Highlands. Keine andere Wahl ließ ? Könntest Du mir mal sagen, was die Wahl war ? Honeckers Ausspruch habe ich mir nie zu Eigen gemacht, der war fehl am Platze. Ich kenne auch Ausreiseantragsteller aus unserer Firma. Unsere damalige Qualitäsverantwortliche. Wir, d.h. der staatliche Leiter, der BGLer, ich als BPO-Sekretär und noch ein paar andere hatten die unangenehme Aufgabe, sie im Gespräch zur Rücknahme zu bewegen. Ja, ob Du´s glaubst oder nicht, wir führten diese Gespräche nicht freiwillig und ich habe der Kollegin gesagt, daß ich ihren Schritt nicht billige, letztlich es aber ihre private Angelegenheit ist. Kannst Du glauben oder nicht, aber es war so. Irgendwann hatte sie ihr Scheinchen und ist rüber. Ich halte es für durchaus möglich, daß es in anderen Firmen anders zuging. Unsere war eben ein ziemlich liberaler Haufen, vom Chef (außer dem Letzten) angefangen bis in die unterste Ebene.
Ein Opfer war es sicher dann, wenn bestimmte Wertgegenstände nicht mitgenommen werden konnten wegen der Ausfuhrbestimmungen, wie z.B. wertvolle Sammlungen. Alles andere lasse ich nicht als wirkliches Opfer gelten. Das "Geopferte" war in jedem Fall anscheinend deutlich weniger Wert als das, was der Ausreisende im anderen Land zu gewinnen erhoffte. Ganz persönlicher Fall: Unser Wohnungsproblem damals 1987 (frisch geschieden, neu verheiratet, meine neue Frau war von Außerwärts) haben wir nur lösen können, in dem wir auf eine Anonce reagierten " Mehrfamilienhaus mit frei werdender Wohnung zu verkaufen". Es stellte sich, als wir uns schon handelseinig waren, heraus, daß der Eigentümer, eine Familie mit drei Kindern, Ausreiseantragsteller war. Uns war das wurscht, wir wollten eine Wohnung. Haus nach DDR-Standard teilsaniert, ca. 25 T Mark Schulden drauf. Andere Miter wollten es nicht, die Stadt wollte es nicht geschenkt. Haben wir übernommen und einen für heutige Verhältnisse lächerlichen Betrag für das Haus bezahlt. Trotzdem wurde mir von Kollegen der Vogel gezeigt, wie ich sowas kaufen kann. Ich will damit sagen, was manche Leute aufgeben, weil sie sich woanders mehr erhoffen. Die hat keiner gezwungen. Beide hatten ihre Arbeit, wir haben aber auch nicht über die Gründe gesprochen und es waren m.E. mit Sicherheit keine, die eine Familie zu so einem Schritt zwingen.



Pitti53 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#173

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 10.10.2013 23:33
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Meine Mutter ist abgehauen weil sie kein Abitur machen durfte. Sie war "zu christlich" und nicht bei den "Pionieren". Mein Opa ist in den Westen gegangen, weil sie ihn im Osten ins Zuchthaus gesteckt haben, wie übrigens unter den gleichen Vorwänden in der gleichen Nacht auch drei andere benachbarte kleine "Mittelständler" aus der Umgebung. Ich kenne noch viel mehr Fälle und viele Details. Die werde ich nicht in einem Forum ausbreiten. Es geht jedenfalls nicht um materiellen Wohlstand. Dieser SED-Scheißpropaganda sollte man nicht noch nachträglich auf den Leim gehen. Die Leute sind, nein mussten, wegen der Politik abhauen.

Ein wenig mehr Respekt vor den Flüchtlingen wäre durchaus angebracht.


zuletzt bearbeitet 10.10.2013 23:40 | nach oben springen

#174

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 00:48
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #165
Zitat von seaman im Beitrag #158


Fakt ist doch,ohne diesen Begriff headhunter zu strapazieren,dass zahlreiche in der damaligen DDR gut ausgebildeten Fachkräfte in der Bundesrepublik eine bessere persönliche Perspektive sahen.Mehr Lohn,schnellere Verwirklichung ihrer individuellen Lebensziele und ein schnelleres Umsetzen materieller Wünsche begünstigten diesen Trend.Ostberliner blieben dauerhaft in Westberlin bzw.haben dieses Sprungbrett für eine Übersiedlung in die Bundesrepublik genutzt.Andere konnten mit Hilfe von Verwandten schnell Fuss fassen,auch bei der Vermittlung von Arbeitsstellen.
Hinzu kommt,der Staat Bundesrepublik hatte ein umfassendes und materiell abgesichertes Programm installiert,dass die schnelle Eingliederung eines Republikflüchtlings umfassend begünstigte.Das aufblühende Wirtschaftswunder Westdeutschland holte Gastarbeiter aus ganz Europa,warum nicht motivierte,ausgebildete Arbeitskräfte mit identischem Kulturkreis aus der DDR?
Viele ehemalige DDR-Bürger waren später in führenden wirtschaftlichen Bereichen tätig.


Ja, das würde ich unterschreiben. Besonders die rot markierten Sätze. Aber: Ist das Abwerbung? Wenn die Bürger des einen Landes der Meinung sind, in einem anderen bessere Chancen zu haben? Es mag ja sein, dass ich in den Jahren bis 61 zu jung war, aber ich kann mich nicht an irgendwelche Aufforderungen oder konkrete Angebote erinnern, die sich an bestimmte Bürger oder Berufsgruppen der DDR gerichtet haben.

Zitat von seaman im Beitrag #158

Ja,einen Abwerbeversuch habe ich persönlich erlebt und auch von Anderen erfahren.Das war aber nach 1961...
Es gab sie also,diese Abwerbeversuche



Das will mir nicht einleuchten, aber ich zweifel nicht an Deinen Erinnerungen. Möglich, dass vereinzelt DDR-Bürger mit Auslandserlaubnis dort auch angesprochen wurden, aber das dürfte wohl kaum auf Veranlassung der Bundesregierung geschehen sein. Vielleicht ein Reeder, der gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter suchte - und diese Art der "Abwerbung" mag moralisch nicht ganz sauber sein, dürfte aber kaum ein Massenphänomen gewesen sein.



In den späteren Jahren (nach 1961) waren bekanntlicherweise die Möglichkeiten weitaus geringer um zum Seitenwechsel animiert zu werden bzw. diesen problemlos zu realisieren.
Klar wurden auch DDR-Auslandskader angesprochen.Sicherlich auch vorrangig von Firmen,die einfach,wie Du schreibst,motivierte und qualifizierte Mitarbeiter suchten.Da muss nicht der Staat hinterstecken.
Ich sehe da immer zwei Seiten,der eine der das Angebot aus den verschiedensten Beweggründen nutzt und die Seite die sich aus den verschiedensten Gründen ein(z.b.ökonomischen) Vorteil verspricht.Das was man als freien Wettbewerb bezeichnet....
Denke aber,nach 1961 gab es eher vermehrt "Anwerbeversuche" von DDR-Bürgern die mit staatlichen Vorgaben umgesetzt wurden.
Das ist aber hier nicht das Thema.

seaman


zuletzt bearbeitet 11.10.2013 00:55 | nach oben springen

#175

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 07:41
von GeMi | 556 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #171
[quote=Rüganer|p294945

... wegen fehlendem Parteibuch nichts werden können, das lasse ich nicht gelten, nicht so absolut, wie es Deine Aussage suggeriert. Es gab Grenzen, ab der eine Mitgliedschaft entscheidend sein konnte. Kann jetzt nur von unserem mittelständischen Betrieb ausgehen, aber es wird auch oberhalb so sein (siehe die Mitgliedschaft im Ing.-Studium, von mir dargelegt) in größeren Betrieben so sein, diese Grenze fing so etwa ab Fachdirektor-Ebene an wirksam zu werden.



Guten Morgen,

in den Kombinaten sah das wohl anders aus.
In den Leuna-Werken mit einem ZK-Mitglied als Generaldirektor herrschte wirklich die Partei der Arbeiterklasse. In den meisten Direktionen war schon ab Gruppenleiter eine Parteizugehörigkeit Pflicht.
Manchmal war es einfach nur für die Arbeit wichtig, SED-Mitglied zu sein. Mein stellv.Gruppenleiter merkte bald, daß an ihm die wichtigen Informationen und Entscheidungen vorbeigingen. Also ist er mit Mitte 30 in die SED eingetreten und siehe da, es ging aufwärts.
Ich hatte mich bewusst gegen eine Mitgliedschaft ausgesprochen. Eine berufliche Perspektive hatte ich darufhin nicht. Das hat man mir auch offen gesagt. Aber damit konnte ich gut leben.

Eine interessante Perönlichkeit ist übrigens Dr.Löschau

http://de.wikipedia.org/wiki/Siegbert_L%C3%B6schau
http://www.zeit.de/1966/39/zu-fortschrittlich-fuer-die-sed

und mal weitergooglen.


Er und Dr.Schirmer haben mit Anfang 30 die Leuna-Werke geleitet und sind noch heute unter den alten Leuna-"Pälzern" sehr beliebt.

Erich Müller (Generaldirektor 1968-88) wohl weniger.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#176

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 07:59
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat Dore Holm:

Rot: Einmal sehe ich die Großbauern (bin selbst der Sohn einer Bäuerin) nicht unbedingt (Ausnamen ausgenommen) als die Träger des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen, technologischen Fortschritts, Du solltest aber die damalige Versorgungslage mit Grundnahrungsmitteln nicht außer Acht lassen. Was meinst Du, wie viel dieser für damalige Verhältnisse großen Güter von 40 oder 60 ha hätten bis heute überlebt? Nur durch Zukauf vielleicht, also kleinere Gehöfte aufkaufen. Es dürfte wohl heute unbestritten sein, daß die Gründung von LPGn heute ein dickes Plus in der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft EU-weit darstellt. Und was die Ahnung betrifft, klar hatten sie von Landwirtschaft Ahnung, allerdings nicht gepachtet. Ein 10 oder 20 ha-Bauer wird nicht dümmer gewesen sein, wenn er sich trotz kleinerer Fläche und auf weniger guten Böden wirtschaftlich halten konnte.


Dore Holm, darum geht es doch gar nicht, weder um den Umstand, dass diese Betriebe eventuell bis heute nicht überlebt hätten noch dass diese Träger des wissenschaftlich technologischen Fortschritts gewesen wären. Es geht schlicht und einfach darum, dass diese Leute Bedingungen ausgesetzt wurden, die ihnen eine Existenz enorm erschwerte oder unmöglich machte. Und wenn Du Bauernsohn bist, dann solltest Du dies auch mal erfahren haben, dass man Betriebe, die nicht in die LPG wollten, über die Belieferung mit Dünger angefangen bis hin zum Ausleihen der Maschinen bei der MTS schikaniert hat, wo es eben nur ging. Deswegen und nur deswegen haben viele den Hof verlassen und fingen im Westen neu an. Und nur darum geht es, dass Leute, die „nicht auf der Linie“ waren, entweder auf diese Linie gebracht wurden oder aber sie wurden kalt gestellt. Und wer dies erlebt hat, der hat dann das Maul gehalten und sich dem Staat abgewandt, zumindest innerlich, wenn er denn nicht abgehauen ist oder einen Ausreiseantrag gestellt hat. Da kann der Betreffende noch mit tollen Idealen angetreten sein, spätestens wenn er ein paar mal gegen diese ideologischen Wände gelaufen ist, zog er sich zurück und war für den Staat verloren, jedenfalls für dessen Ideen.

Zitat Dore Holm
Grün: Sicher gab es in der Industrie staatliche Leiter, die fachlich relativ wenig Ahnung hatten (meinen Letzten zähle ich dazu. Der hat gute Leute rausgeekelt und sich mit Radfahrern umgeben), ich glaube aber nicht, daß sich ein kompetenter Chef von außerbetrieblichen Organen groß Vorschriften machen ließ, mit wem er eine freie Stelle in einem Fachbereich besetzt. Hatte es schon mal geschriebe. Aus unserer Studiengruppe, Fachschule für Chemie, von den gut 20 Studenten/innen grade zwei, die zu Beginn SED-Mitglied waren und einer, der in dieser Zeit Mitglied wurde. Da erzähle mir bitte nicht was von Parteibuchabhängigkeit bei Ingenieurslaufbahn.

Und? Was ist aus deinen Nichtmitgliedern geworden? Direktoren? Hauptabteilungsleiter? Waren sie in Positionen, wo sie etwas bewegen konnten?
Wenn Du genau gelesen hast, habe ich geschrieben, dass sie in die 2. Reihe zurückgestuft wurden, dass sie nicht Ingenieur werden durften, davon schrieb ich nichts. Ich selbst bin bis zum Abteilungsleiter gekommen, danach war Feierabend, oder aber Eintritt in die SED. Andere Parteien kamen nicht werben... jedenfalls nicht bei mir.


Dore Holm, mir fällt schon wieder auf, dass Du der Frage ausgewichen bist:
Kannst Du, Dore Holm, das Weggehen dieses Mannes nicht menschlich verstehen?
Leg dich mal fest....

Ebenso hat mir 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 immer noch nicht geantwortet, wer denn nun „ man“ ist. Erst laut bellen, dann aber mit eingekniffenem Schwanz in die Hütte kriechen?


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#177

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 08:55
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Mir geht es hier nicht darum, gemachte Fehler zu beschönigen, mir geht es darum, sachlich zu diskutieren. Und dazu gehört nun mal auch, Dinge aufzuzeigen, von denen heute niemand mehr etwas wissen will. Eine gewisse Objektivität sollte man schon wahren.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#178

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 09:03
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #177
Mir geht es hier nicht darum, gemachte Fehler zu beschönigen, mir geht es darum, sachlich zu diskutieren. Und dazu gehört nun mal auch, Dinge aufzuzeigen, von denen heute niemand mehr etwas wissen will. Eine gewisse Objektivität sollte man schon wahren.


Zur sachlichen Diskussion gehört es erst einmal, dass man auf eine Frage antwortet und nicht ausweicht.
Und es gehört dazu, dass man diese, gemachte Fehler, zugibt und vor allem dann erst recht, wenn man doch mehr in das System involviert war, als Otto Normalbürger.


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#179

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 09:28
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Entschuldige, ich bin nicht unhöflich, nur leider ist mir bei dem vielen Geschreibe die Stelle abhanden gekommen, wo ich das diffuse "man" vewendet habe, vielleicht kannst mir mal auf die Sprünge helfen.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#180

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 11.10.2013 09:32
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Ich diskutiere gern sachlich darüber, was wir falsch gemacht haben, aber nicht einseitig. Wenn hier permanent nur dargestellt werden soll, dass wir alleinige Schuld an unserer Misere hatten, dann ist das einfach nicht objektiv.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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