#101

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 08.10.2013 22:40
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #100
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #99
Na weisst Du, wie groß und schwer so ne Kakaomaschine war ... und was wolltest damit? Gab doch eh keinen Kakao.



Eben.

Ich sehe die Arbeit der Treuhand auch kritisch. Doch die Verramschung hat meiner Meinung nach viel früher angefangen - mit jeder Schraube, die nach hause geschleppt wurde.

LG von der grenzgaengerin

EDIT Ergänzung ab Bindestrich


Rot: Da hast Du recht. Ich weiß nicht, ob es geschätzte Zahlen gibt, wieviel Gemein- oder genossenschaftliches Eigentum privat rausgezogen wurde. Vermutlich gibt hier keinen User, der reinen Gewissens sagen kann, daß er sowas NIE gemacht hat. Nicht mal eine Dienst-Briefmarke für den Privatbrief, einen Dienst-Kugelschreiber für zu Hause oder die Rolle Klopapier, weil man noch nicht einkaufen war u.v.m. Ich bilde da keine Ausnahme. Heute kann es bei solchen "Lapalien" wie oben aufgeführt den Arbeitsplatz kosten und da haut einen auch kein Anwalt oder Gewerkschaft raus.



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#102

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 09:32
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #101
Vermutlich gibt hier keinen User, der reinen Gewissens sagen kann, daß er sowas NIE gemacht hat.



Sehe ich auch so - aber das war kein Zustand, der nur den Osten betraf: Im Westen wurde und wird vermutlich immer noch ähnlich gehandelt. Zum Beispiel auch bei privaten Telefonaten oder der Nutzung des Internet für persönliche Zwecke. Und selbst wenn es den Arbeitgeber kein Geld kostet - es ist dann immer noch die Arbeitszeit, die "gestohlen" wird.

Ein ehemaliger Chef gab mir mal einen Tipp: "Wenn Sie einen Mitarbeiter loswerden wollen, dann kontrollieren Sie seine Spesenabrechnungen. Und zwar akribisch. In 90 % aller Fälle werden Sie fündig werden."

Mann, was waren meine Spesenabrechnngen ab sofort sauber und korrekt....


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#103

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 09:38
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Als ich noch Schlosser war, konnten wir von unserem Betrieb Schrott kaufen für den Eigenbedarf. Daraus haben wir nach Feierabend Kamingrills (sehr begehrt damals) geschweisst, unser Beitrag zur Konsumgüterproduktion


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#104

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 09:50
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #102
Zitat von DoreHolm im Beitrag #101
Vermutlich gibt hier keinen User, der reinen Gewissens sagen kann, daß er sowas NIE gemacht hat.



Sehe ich auch so - aber das war kein Zustand, der nur den Osten betraf: Im Westen wurde und wird vermutlich immer noch ähnlich gehandelt. Zum Beispiel auch bei privaten Telefonaten oder der Nutzung des Internet für persönliche Zwecke. Und selbst wenn es den Arbeitgeber kein Geld kostet - es ist dann immer noch die Arbeitszeit, die "gestohlen" wird.

Ein ehemaliger Chef gab mir mal einen Tipp: "Wenn Sie einen Mitarbeiter loswerden wollen, dann kontrollieren Sie seine Spesenabrechnungen. Und zwar akribisch. In 90 % aller Fälle werden Sie fündig werden."

Mann, was waren meine Spesenabrechnngen ab sofort sauber und korrekt....

@Dandelion das ist wahr, alle MA die Reisekosten oder sonstige Spesen mit der Firma abrechneten, waren über diesen Hebel zu erreichen. Ich habe darauf immer geachtet ( habe fast mein gesamtes Arbeitsleben damit zu tun gehabt ) nur beim km-Geld für das Auto habe ich jeden Tag ein paar km hinzugerechnet. Es gab ja noch kein Google earth und ähnliches und so viele Umleitungen in Deutschland. Damit bin ich auch nie aufgefallen, konnte mir immer schöne Autos davon kaufen, da ich viel für die Firma unterwegs war.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#105

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 10:20
von GeMi | 556 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #62
ich hatte das Gefühl,das manche Manager aus den alten Ländern,
die unsere Betriebe neu orientierten wollten,wenig Ahnung
von ihren Job hatten,
im Westen hatten sie versagt,und im Osten erst recht,
nicht alle,es waren viele
Lutze



Hallo Lutze,

kennst Du viele von diesen unfähigen Wessis persönlich?

Man darf bei dieser Leistungsbeurteilung der "Wessi-Konquistadoren" nicht vergessen, daß sie teilweise auf recht kampfeslustige Ossis getroffen sind. Diese wollten sich nicht vom Wessi erklären lassen, wie man richtig wirtschaftet. Also haben sie ihn auflaufen lassen.

Im Jahr 2012 war so etwas immer noch aktuell.
Da muss ein fähiger Wessi in einer Ascherlebener Maschinenfabrik einem ziemlichen Filz gegenüber gestanden haben. Ost gegen West. Rate mal, wer seinen Schreibtisch räumen musste?

Mein erster Westchef im schönen Rheinland-Pfalz musste seinen Platz räumen, weil er es nicht geschafft hat, 2 Firmen zusammenzulegen. Trotz nagelneuer Firma auf der grünen Wiese, hochmodernem Maschinenpark und guten Verdienstmöglichkeiten wollte kein Mitarbeiter der anderen Firma pro Tag 200km Fahrtstrecke mitmachen.
Man war sich in der Belegschaft einig. Es gab auf einmal viele Krankheitsfälle, Konstruktions- und Fertigungsprobleme.
Das Ende vom Lied war: Unsere Firma samt Geschäftsführer musste dran glauben.

Mancher Chef scheitert an seiner Belegschaft und nicht an der eigenen Dummheit.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
zuletzt bearbeitet 09.10.2013 14:31 | nach oben springen

#106

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 10:22
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #103
Als ich noch Schlosser war, konnten wir von unserem Betrieb Schrott kaufen für den Eigenbedarf. Daraus haben wir nach Feierabend Kamingrills (sehr begehrt damals) geschweisst, unser Beitrag zur Konsumgüterproduktion


Ist das verwerflich? Meiner Meinung nach nicht: Das Material habt ihr gekauft und nach Feierabend für private Zwecke gearbeitet, also nur die Möglichkeiten genutzt, die der Betrieb hatte. OK, ein paar Kleinigkeiten werdet ihr vermutlich nicht bezahlt haben wie die zum Schweißen benötigten Verbrauchsmaterialien, aber das ist meiner Meinung nach vernachlässigbar.

Ich war mal in einem etwas größeren Unternehmen für die gesamte Transportlogistik zuständig. Zu meinem Verantwortungsbereich gehörte auch eine eigene Werkstatt mit 9 Mitarbeitern, in denen wir unsere LKW und einen Teil der Dienst-PKW unseres joint-venture-Partners gewartet und repariert haben. Von diesen Mitarbeitern wurde ich gefragt, ob sie nach Dienstschluss dort auch an ihren eigenen PKW arbeiten, Werkzeuge, Hebebühnen etc. nutzen dürften. Ich hatte nichts dagegen. OK, da mag vielleicht der eine oder andere Luftfilter, der eine oder andere Liter Öl "zweckentfremdet" worden sein, aber das habe ich hingenommen. Ein Veto gab es nur, als ich gefragt wurde, ob man auch die PKW von Freunden oder Verwandten reparieren dürfe: Für persönliche Zwecke ja, aber um das Einkommen aufzubessern - das ging mir dann doch zu weit.


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#107

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 10:35
von Gelöschtes Mitglied
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@GeMi

Danke für Deinen Beitrag: Er rückt das Bild des armen, unschuldigen und von den Besserwessis übertölpelten Ossi etwas zurecht.

Fehler wurden gemacht - auf beiden Seiten, von allen Beteiligten. Und Dein Beispiel von der hochmodernen Fabrik, die durch die Blockadehaltung der Mitarbeiter dennoch schließen musste, zeigt eines deutlich: Mancher Sieg ist ein Pyrrhussieg. Nur leider merkt das mancher der Beteiligten erst im Nachhinein.


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#108

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 12:50
von Krepp | 534 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #106
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #103
Als ich noch Schlosser war, konnten wir von unserem Betrieb Schrott kaufen für den Eigenbedarf. Daraus haben wir nach Feierabend Kamingrills (sehr begehrt damals) geschweisst, unser Beitrag zur Konsumgüterproduktion


Ist das verwerflich? Meiner Meinung nach nicht: ........



aber selbstverfreilich doch !!!!
Denn wir hatten keinen Konsum, nur ne HO



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
zuletzt bearbeitet 09.10.2013 12:50 | nach oben springen

#109

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 12:54
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Natürlich hatten wir den Konsum, nur leider hatte der kaum was zum Konsumieren ... in Dresden hat der Konsum übrigens überlebt, noch irgendwo?


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#110

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 13:14
von Gelöschtes Mitglied

4.Zug 4.Kompanie GAR-40 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#111

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 13:26
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #102
Zitat von DoreHolm im Beitrag #101
Vermutlich gibt hier keinen User, der reinen Gewissens sagen kann, daß er sowas NIE gemacht hat.



Sehe ich auch so - aber das war kein Zustand, der nur den Osten betraf: Im Westen wurde und wird vermutlich immer noch ähnlich gehandelt. Zum Beispiel auch bei privaten Telefonaten oder der Nutzung des Internet für persönliche Zwecke. Und selbst wenn es den Arbeitgeber kein Geld kostet - es ist dann immer noch die Arbeitszeit, die "gestohlen" wird.

Ein ehemaliger Chef gab mir mal einen Tipp: "Wenn Sie einen Mitarbeiter loswerden wollen, dann kontrollieren Sie seine Spesenabrechnungen. Und zwar akribisch. In 90 % aller Fälle werden Sie fündig werden."

Mann, was waren meine Spesenabrechnngen ab sofort sauber und korrekt....



Grün: Als Außendienster (ca. 70.000 - 90.000 km/Jahr), bis etwa Ende der 90er noch mit Privat-PKW auf Kilometergeld, war mir das auch schon ohne den Wink mit dem Zaunpfahl klar. Tatsächl. Strecke + 5% waren nicht nachprüfbar. Spesen bei angerissenen Tagen, da konnte man nicht nach 10.00 uhr noch von zu Hause aus telefoniert haben, wenn die Stundenzahl über 14 h angegeben war. Tankquittungen nicht von der Tanke zu Hause, wenn man um diese Zeit eigentlich schon 100 km weiter sein müßte u.s.w. Da gab es eine Menge zu beachten. Es mußte glaubhaft sein.
Wenn wir mit der Chefin unterwegs waren, hat die dann klar gesagt, wie es mit der Spesenabrechnung läuft, damit nicht jeder was anderes angibt. Trotz über die Firma bezahltem Abendbrot (z.B. auf Messen) wurde das oft nicht von den Tagesspesen abgezogen und auchwas die angegebenen Stunden betrifft, war unsere Chefin i.d.R. großzügig. Sie wußte ja, daß wir auch sonst nicht auf die Uhr schauen, wenn es notwendig ist und Überstunden schreiben geht in dem Job nicht. Da gibt es eine Arbeitsaufgabe und keine Arbeitszeit.



zuletzt bearbeitet 09.10.2013 13:34 | nach oben springen

#112

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 15:28
von Gelöschtes Mitglied
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Jaja, das berühmte 11, Gebot: "Du sollst Dich nicht erwischen lassen".

Natürlich kann man mit ein bißchen Geschick und Umsicht mogeln, dennoch blieb ich lieber ehrlich: Im Zeitalter von Google maps sind Strecken recht einfach nachvollziehbar und es fällt schon auf, wenn man permanent irgendwelche Umleitungen fahren musste. Das gilt auch für nicht selber bezahlte Abendessen usw.

Jahre später hatte ich mal einen GF als direkten Vorgesetzten, der mich loswerden wollte und ich bekam aus der Buchhaltung den Tipp, dass er sich meine Spesenabrechnungen vorgenommen hat. Gefunden hat er nix und auch sonst war er nicht wirklich erfolgreich: Die Gesellschafter haben ihm gefeuert, bevor ich das Handtuch hätte werfen müssen.

"Leben und leben lassen" ist eine schöne Devise, nur leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass es immer so bleibt. So war es auch bei dem GF, der mich loswerden wollte: Der alte GF, der auch nach diesem Motto gelebt hat, war im Ruhestand und sein Nachfolger sah das alles anders.


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#113

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 15:48
von grenzgänger81 | 968 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #110
U.a. hier http://www.konsum-hagenow.de/frische/filialen.html




Eigentlich waren wir doch selber daran schuld !
Wir mussten doch jeden Dreck ,der aus dem Westen kam kaufen,ob das Schrott ,Autos,oder Ladenhüter ,waren ,Coca Cola für umgerechnet 8 DDR Mark,Bananen ....ich weiss es nicht mehr auf jeden Fall ,haben die sich ein Loch in den A.....gefreut.
Und unsere Wirtschaft ging den Bach runter.
Weil wir immer noch der Meinung waren : DIE da Oben ,werden das schon richten !!!
Doch Pustekuchen jeder ist sich selbst der Nächste!!!
Unsere Naivität wurde voll ausgenutzt.
Egal der überwiegende Teil der Ostdeutschen Bevölkerung hat sich nicht beirren lassen und ist geblieben und hat das beste daraus gemacht,
obwohl uns nur der Grüne Pfeil der Ampelregelung übrig geblieben ist.


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zuletzt bearbeitet 09.10.2013 15:52 | nach oben springen

#114

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 16:42
von Krepp | 534 Beiträge

Hallo,

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #109
Natürlich hatten wir den Konsum, nur leider hatte der kaum was zum Konsumieren ... in Dresden hat der Konsum übrigens überlebt, noch irgendwo?


@4.Zug 4.Kompanie GAR-40
menno, das sollte ein Witz sein, da Ihr ja "Konsum"-Güter produziert habt die es deswegen in der "HO" nicht gab.



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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#115

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 17:10
von Moskwitschka (gelöscht)
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Goldrausch habe ich gestern leider nicht gesehen.

Ich möchte euch aber eine andere Doku empfehlen. Mit den blühenden Landschaften hat man ja 1989 indierekt auch ein zweites deutsches Wirtschaftswunder heraufbeschworen. Das das nicht funktionieren konnte, versteht man vielleicht besser, wenn man mit dem Märchen vom Wirtschaftswunder in der frühen Bundesrepublik aufräumt:

Unser Wirtschaftswunder – Die wahre Geschichte

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=UELDUdXcqj4

http://oconomicus.wordpress.com/2013/07/...tschaftswunder/

LG von der grenzgaengerin


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#116

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 17:13
von Gelöschtes Mitglied
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Konsumgüterproduktion in der DDR. Ich habe mir oftmals die Frage gestellt, standen dabei Aufwand und Nutzen im richtigem Verhältnis. Das es erhebliche Bedarfslücken gab, war bekannt und das es galt, diese auch zu schliessen, war eine ehrenwerte Aufgabenstellung.
Im Stammbetrieb des Gaskombinates Schwarze Pumpe wurde innerhalb kurzer Zeit eine komplette Konsumgüterproduktion aus dem Boden gestampft !!! Diese Konsumgüter hießen PKW-Lastenanhänger HP 400 und Campingwohnanhänger. Da mußte ich oftmals über den Sinn und Zweck. Waren PKW-Lastenanhänger und Campingwohnanhänger wirklich ein Versorgungsengpass. Wenn ich die zahlreichen "Baulöwen" und "Balatonurlauber" in Betracht ziehe, dann sicherlich ja.
Ich hatte dabei mehr die Abdeckung der Versorgungsengpässe im Bereich Obst und Gemüse im Auge, wofür sich die Abwärme aus den energetischen und stoffwirtschaftlichen Haupt- und Nebenprozessen der Braunkohlenveredlung hervorragend eignete. Auch hätte die Errichtung zusätzlicher Gewächshausanlagen weniger Investitionsmittel verschlungen, wie eine völlige neue an den Bedürfnissen der überwiegenden Mehrheit der DDR-Bevölkerung vorbei errichtete Neufertigung von PKW-Lastenanhänger und Campingwohnanhängern. Wäre auch im Rahmen der Wärme-Kraft-Kopplung eine energetisch sinnvolle Entwicklung gewesen. Gurken, Tomaten u.a. Gemüse frisch auf den Tischen der DDR-Haushalte hätte sicherlich eine andere Wirkung gehabt - Bananen, da fehlte uns wohl das Know how
Auch habe ich mich gewundert, dass das Mansfeld-Kombinat sich auf die Entwicklung der Schlagbohrmaschine konzentrierte - aber die war sehr begehrt bei den Heimwerkern.
Ich habe die damalige Kampagne - ich bezeichne sie einmal bewußt so - unter dem Aspekt gesehen, Versorgungslücken und -engpässe kurz- und mittelfristig schnell zu schliessen und das Versorgungsniveau zu erhöhen. Aber zu welchem Preis - ebensogut hätte man mit der Wurst nach dem Schinken schmeissen können.
Hätten die dafür zuständigen Betriebe über die Produktivität und notwendigen Ressourcen verfügt, so hätte man durchaus über diese Schiene die Bedarfsdeckung besser greifen können. Ich mußte aber dabei auch immer an die Rinderoffenställe denken, in denen im Winter die Rindviecher an den Böden anfroren oder an die Wurst am Stengel, die nicht zum Grundnahrungsmittel auf deutschen Tischen gehörte.

Vierkrug

Ergänzungen:

PKW-Lastenanhänger HP 400



Camping-Wohnanhänger "Lausitz 310 K"


zuletzt bearbeitet 09.10.2013 17:45 | nach oben springen

#117

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 17:47
von grenzgänger81 | 968 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #116
Konsumgüterproduktion in der DDR. Ich habe mir oftmals die Frage gestellt, standen dabei Aufwand und Nutzen im richtigem Verhältnis. Das es erhebliche Bedarfslücken gab, war bekannt und das es galt, diese auch zu schliessen, war eine ehrenwerte Aufgabenstellung.
Im Stammbetrieb des Gaskombinates Schwarze Pumpe wurde innerhalb kurzer Zeit eine komplette Konsumgüterproduktion aus dem Boden gestampft !!! Diese Konsumgüter hießen PKW-Lastenanhänger HP 400 und Campingwohnanhänger. Da mußte ich oftmals über den Sinn und Zweck. Waren PKW-Lastenanhänger und Campingwohnanhänger wirklich ein Versorgungsengpass. Wenn ich die zahlreichen "Baulöwen" und "Balatonurlauber" in Betracht ziehe, dann sicherlich ja.
Ich hatte dabei mehr die Abdeckung der Versorgungsengpässe im Bereich Obst und Gemüse im Auge, wofür sich die Abwärme aus den energetischen und stoffwirtschaftlichen Haupt- und Nebenprozessen der Braunkohlenveredlung hervorragend eignete. Auch hätte die Errichtung zusätzlicher Gewächshausanlagen weniger Investitionsmittel verschlungen, wie eine völlige neue an den Bedürfnissen der überwiegenden Mehrheit der DDR-Bevölkerung vorbei errichtete Neufertigung von PKW-Lastenanhänger und Campingwohnanhängern. Wäre auch im Rahmen der Wärme-Kraft-Kopplung eine energetisch sinnvolle Entwicklung gewesen. Gurken, Tomaten u.a. Gemüse frisch auf den Tischen der DDR-Haushalte hätte sicherlich eine andere Wirkung gehabt - Bananen, da fehlte uns wohl das Know how
Auch habe ich mich gewundert, dass das Mansfeld-Kombinat sich auf die Entwicklung der Schlagbohrmaschine konzentrierte - aber die war sehr begehrt bei den Heimwerkern.
Ich habe die damalige Kampagne - ich bezeichne sie einmal bewußt so - unter dem Aspekt gesehen, Versorgungslücken und -engpässe kurz- und mittelfristig schnell zu schliessen und das Versorgungsniveau zu erhöhen. Aber zu welchem Preis - ebensogut hätte man mit der Wurst nach dem Schinken schmeissen können.
Hätten die dafür zuständigen Betriebe über die Produktivität und notwendigen Ressourcen verfügt, so hätte man durchaus über diese Schiene die Bedarfsdeckung besser greifen können. Ich mußte aber dabei auch immer an die Rinderoffenställe denken, in denen im Winter die Rindviecher an den Böden anfroren oder an die Wurst am Stengel, die nicht zum Grundnahrungsmittel auf deutschen Tischen gehörte.

Vierkrug


@vierkrug
Vollkommemmen richtig !
Was haben denn diese kleinrarierten ZK Wirtschafts Ideologen gemacht ?
Tausende von Kleinbetrieben Verstaatlicht,Enteignet,aus Irgendwelchen hevorgezauberten Gründen,Menschen Kriminalisiert.
Und haben nicht einmal bemerkt,das sie am eigenen Ast herumgesaegt haben.


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#118

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 18:59
von Gelöschtes Mitglied
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Ja das war kein Kollateralschaden mehr, dass war einer der entscheidenden Kardinalfehler in der Wirtschaftspolitik der SED. Wenn man weiß, wer der Initiator war, dann brauch man sich auch nicht wundern. Es entstanden riesige Bilanz- und Bedarfslücken, die man über eine Staatliche Plankommission nicht mehr schliessen konnte. Dazu waren Motivation, Eigeninitiative, Innovationkraft schlagartig weg.
Das sich diese Betriebe nach der Rückübereignung sehr schnell wirtschaftlich erholten und heute zum innovativem Mittelstand gehören wundert mich nicht.

Man hätte in der Parteiführung Karl Marx richtig lesen sollen, wenn er von der Übergangsphase sprach bzw. schrieb. Aber zu eng gedacht und vor allem zu kurz im Anschluss gesprungen.

Die gestrige ARD-Sendung zur Arbeit der Treuhand war sehenswert und sehr interessant !!!

Vierkrug


grenzgänger81 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#119

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 19:18
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Diese Aktion Konsumgüterproduktion als prozentuale Auflage an die Betriebe kam mir damals auch etwas wie Feuerwehraktion vor, insbesondere dann, wenn Betriebe etwas völlig Artfremdes gegenüber ihrer wirklichen Produktion aufnahmen. Da haben sich manche Firmen etwas aus dem Finger gesogen, nur um nicht vom Wirtschaftsrat und der SED-Kreisleitung kritisiert zu werden. War sicher nicht alles nutzlos. So einen PKW-Anhänger hatte ich auch gehabt und auch eine Schlagbohrmaschine (glaube aber, daß die aus Schmalkalden war), aber einiges ging dann wohl doch, weil am tatsächlichen Bedarf vorbeiproduziert, auf Halde.
Bei uns war Konsumgüterproduktion schon vorher ein Teil des Sortimentes. Das wurde dann eben lediglich anteilmäßig gesteigert (Chemikal-Klebstoff, Saladur-Gestattungsproduktion Tubenklebstoff und Klebstoff zum Schläuche flicken).



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#120

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 09.10.2013 19:28
von PF75 | 3.294 Beiträge

Bei uns in der Firma wurden Flaschenöffner,Heimwerkerbänke Federwaagen u.ä. als Konsumgüter produziert und dadurch ein teil der Produktion für die ursprünglichen Produkte entzogen.


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