#61

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 12:26
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Hast Du auch wieder recht. Es geht mit der EU auch wieder Richtung Planwirtschaft , Subventionswirtschaft und Sozialismus. Da bleiben Brücken und Straßen in D auf der Strecke , wenn die Klassenbrüder von Goldmann-Sachs & Co. in GR.P, E, RO, BG,I und F gerettet werden müssen.
Zurück zur sozialen Marktwirtschaft wäre eine Lösung. Leistung muss sich wieder lohnen. Vaterlandsverräter in den Knast statt ins Parlament.
Leider schnallt es der Michel nicht, das da gewaltig was schief läuft.
Bei der ganzen Weltrettung sollte man schon das eigene Volk nicht vergessen.


Küchenbulle 79, andyman und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.10.2013 12:28 | nach oben springen

#62

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 12:44
von Lutze | 8.034 Beiträge

ich hatte das Gefühl,das manche Manager aus den alten Ländern,
die unsere Betriebe neu orientierten wollten,wenig Ahnung
von ihren Job hatten,
im Westen hatten sie versagt,und im Osten erst recht,
nicht alle,es waren viele
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
DoreHolm und EK87II haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#63

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 14:16
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Habt ihr auch schon mal die neu gebauten Betriebe bemerkt?
Wenn die Tränen über den Verlusst der in ihrer Rentabilität so unterschätzten DDR-Produktionsstätten getrocknet sind einfach mal schauen, da hat sich schon viel getan im abgehängten Osten
Mein Schwiegersohn arbeitet bei Takata, die Japaner haben da im Erzgebirge richtig was aus dem Boden gestampft und er ist auch sehr zufrieden mit dem Job.


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.10.2013 14:20 | nach oben springen

#64

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 14:46
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Naj, soo viele sind dann nicht.


nach oben springen

#65

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 14:58
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #59
Und da haben wir es wieder: Die rücksichtslosen Raubtierkaptalisten, die gesunde und international wettbewerbsfähige DDR-Betriebe durch Druck auf die Treuhand (nebenbei von der Mordrow-Regierung installiert) plattmachen ließen und sich so eines unliebsamen Konkurrenten entledigten. Oder aber sich innovative Unternehmen für 1 DM unter den Nagel rissen, das know-how absaugten und das Unternehmen dann vor die Wand fahren ließen.

Und alles, was nicht in dieses Bild passt, wird geflissentlich übersehen.

Ich habe hier einige Beiträge gelesen, die sich sachlich-kritisch mit dem Niedergang von Teilen der damaligen DDR-Industrie bzw. den Gründen dafür auseinandergesetzt haben. Mangelnde Konkurrenzfähigkeit wurde genannt, der Wegfall der traditionellen Absatzmärkte im Osten und nicht zuletzt auch die Tatsache, dass das oft und gerne genannte "Weltniwooh" nur für einen geringen Prozentsatz der in der DDR hergestellten Produkte galt.

Und nehmen wir doch nur das Kaufverhalten der DDR-Bürger selber: Wer wollte denn noch einen Robotron-Rechner, einen Trabant, einen W50, TV-Geräte aus Staßfurt kaufen? Oder eine Karat-Schrankwand? Oder lag der Grund für diesen Wechsel im Kaufverhalten mal wieder in den Westfirmen begründet, die die armen, unschuldigen und unwissenden DDR-Bürger mit ihrer Werbung aufs Glatteis geführt haben?

Ich habe keinen Zweifel daran, dass bei der Treuhand vieles schlecht gelaufen ist, dass manches Unternehmen gerettet hätte werden können. Allerdings sollte man dabei auch berücksichtigen: Zum Stichtag 01.07.1990 waren es 8.500 Gesellschaften mit 45.000 Betriebsstätten, für die eine Lösung gefunden werden musste - und später dann 14.600 Gesellschaften. Dabei Fehler zu entdecken ist eine Fingerübung für BWL-Studenten im 1. Semester.

Natürlich hätte man geduldig und über Jahre hinweg versuchen können, Unternehmen zu sanieren oder einen Investor zu finden. Nur: Wo sollten die erfahrenen Fach- und Führungkräfte kommen, um solche gigantischen Aufgaben zu stemmen? Etwa aus den Kadern, die vorher die Leitungsfunktion inne hatten? Und nicht zuletzt: Wer hätte das bezahlen sollen? Die erforderlichen Investitionen in Menschen und Maschinen, die Zeit, bis ein Unternehmen wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen konnte? Die neuen Länder etwa? Denn die DDR gab es ja nicht mehr, die neuen Länder waren dazu absolut nicht in der Lage - also sollten die Wessis gefälligst mal ihr Portemonnaie aufmachen und für die Finanzierung sorgen - schließlich wollten die ja die Wiedervereinigung und dann sollten sie gefälligst auch daür zahlen.

So einfach kann das Leben sein....


Hallo Dandelion: Hier mal ein paar Anmerkungen aus meinen Erfahrungen:
Rot 1.: Das ist wohl eine menschliche Eigenschaft, daß Dinge, die eigentlich der Normalfall sein müßten, als Selbstverständlichkeiten betrachtet werden, über die nicht groß und breit diskutiert wird. Ebenso wie von einigen Usern die positiven Seiten der DDR gern ignoriert werden. Aber ich denke schon, daß auch denen hier, die in erster Linie die Negativbeispiele aufführen, durchaus bewußt ist, daß es viele gelungene Privatisierungen gab, trotz enormer Geburtswehen. Hatte es ja auch geschrieben, daß ich das Glück hatte, daß meine letzte Arbeitsstelle zu diesen gehörte.

Rot 2.: Geringer Prozentsatz von Waren mit Weltniveau ?: So gering war der Prozentsatz nicht. Ich glaube, Dir ist vielleicht nicht bewußt, wieviel Produkte aus der DDR auf den Ladentischen der BRD auslagen und nicht nur Ramschartikel und in wieviel Werkhallen der kapitalistischen Welt unsere Maschinen standen und z.T. noch heute stehen, längst amortisiert, aber immer noch auf der Höhe der Zeit reines Geld erwirtschaften. Es gab vor gar nicht allzu langer Zeit mal eine Sendung darüber, in der Bürger West dazu befragt wurden, ob sie erkennen, ob es sich um ein DDR-Produkt handelt und ob sie es dann auch kaufen würden. Das Resultat kannst Du Dir denken. Einiges Erstaunen bei den Befragten. Hatte es geschrieben bezüglich meiner letzten Firma. Nur mal als kleines Beispiel: Wir waren auch in die sog. "Gestattungsproduktion" mit Firma Salamander (der Klebstoffbereich von denen wurde Ende der 90er von uns gekauft !). Weil die DDR-Bürger unbedingt einen Westkleber in einer Tube mit spitzer Düse wollten, wurde der Name "Saladur" gekauft. Dafür haben wir m.W. etwa 200.000 DM an Salamnder gezahlt. Die Tuben kamen von Drüben, weil das DDR-Werk nicht kurzfristig in der Lage war, solche spitzdüsigen Tuben zur Verfügung zu stellen. Der Klebstoff war ein original eigenes Produkt. Verglichen mit dem Salamander-Klebstoff war dieser in der Klebkraft und der Wärmebeständigkeit deutlich besser. Noch bis vor wenigen Jahren fragten Radrenn-Fans, auch aus der alten BRD, nach unserem Chemisol 1310 für ihre schlauchlosen Reifen. Einige bestehende Produkte waren sofort marktfähig, da wir sowieso auch damals schon viele Rohstoffe für Devisen kaufen mußten. Andere Produkte befanden sich als fertige Rezepturen in der Schublade und konnten sofort am Markt angeboten werden, weil die Rohstofffrage keine Frage mehr war. Solcherart Beispiele könnten wohl etliche User hier anbringen. Und noch was. Ich will Dir mal erzählen, nur als kleines Beispiel, wie die West-Konkurrenz versucht hat, uns vom Markt zu drängen. Mit Methoden, die schon als üble Verleumdung gesehen werden sollten und wir mit solchen geschäftsgebaren nicht rechneten, die waren hier nicht üblich und nicht notwendig. Kunden wollten bestimmte Klebstoffe (Großhandelsbereich Orthopädie- und Reparaturbedarf) nicht kaufen, weil da angeblich das jetzt als giftig eingestufte Benzol enthalten wäre. Dazu muß ich sagen, daß Benzol (in der DDR als gesundheitsschädlich eingestuft) in bestimmten Klebstoffen zu etwa 1 - 2% enthalten war, aber nicht als Rezepturbestandteil, sondern weil bestimmte Siedegrenzenbenzine als Lösungsmittel eben von Hersteller schon etwa 2% Benzol enthielten, also waren die dann auch in unseren Klebstoffen. Ab der Währungsumstellung konnte unser Einkäufer auf dem Markt benzolfreie Lösungsmitel kaufen und diese wurden dann eingesetzt. Diese Verleumdung wurde durch zwei unserer Wettbewerber in die Welt gesetzt und eifrig bei den Kunden die Angst geschürt. Das war 1991/92 etwa. Auf einer Messe in Dresden 1992 besuchte ich den Stand eines dieser Wettbewerber. Erstaunlicherweise fand ich die Vertreter beider Wettbewerber an diesem Stand vor. Zuerst dachten sie, ich wäre ein Kunde und waren sehr beflissentlich. Als ich mich zu erkennen gab, fielen die Visiere runter. Auf meine Frage, wie sie zu solchen Unterstellungen kommen,obwohl wir seit fast zwei Jhren bezolfreie LM einsetzen, eierten sie natürlich rum. Sie verwiesen dann auf eine "unabhängige" Kontrollorganisation (Hygiene, Gesundheitsschutz oder sowas) in Schwerin, die das rausgefunden haben will. Habe die dann angerufen, die eierten genauso rum und verwiesen auf die ihnen zugestellte Probe, die sie untersuchen sollten. Im harmlosesten Fall wurde ihnen leichtsinnigerweise ein altes Muster aus Vor-DM-Zeiten vorgelegt. Im wahrscheinlicheren Fall wissentlich ein solches Muster, um sich dann auf dieses Gutachten zu berufen. Unser Pirmasenser GF hat sich dann mit dem GF des Wettbewerberunternehmens (gleich über die Straße einige hundert Meter weiter) "unterhalten". Auf einer nachfolgenden Tagung wurde dann öffentlich dieser Irrtum aufgeklärt. So oder ähnlich läuft es allerdings auch heute noch unter Wettbewerbern.
Ein polnischer Unternehmer wollte einen Klebstoff vom Erfurter Werk kaufen. Diesen schickte er zurück, da angeblich benzolhaltig. Da nutzte auch das offizielle, EU-anerkannte Sicherheitsdatenblatt nicht. Wir haben ihm dann den gleichen Klebstoff mit West-Namen geliefert. Den hat er genommen
Solche Beispiele hatten wir etliche, auch mit unseren deutschen Kunden. Dazu etwas abschweifend zwar zur angeblichen geringen Wettbewerbsfähigkeit von DDR-Produkten.

Rot 3.: Kaufverhalten der DR-Bürger. Sagte ich schon weiter oben. Jeder, der über Absatzprobleme seiner Firma während dieser Zeit klagte, sollte sein eigenes Kaufverhalten damals hinterfragen. Mein Vater hat konsequent die Einkaufstempel boykottiert, die keine Ost-Produkte im Sortiment hatten. Insbesondere in den ersten Jahren war es nicht selten der entscheidende Punkt, ob ein Kunde von mir kauft oder nicht, ob das Produkt auch im Osten produziert wird. Die hatten´s begriffen, weil sie umgekehrt das gleiche Problem mit ihren Produkten hatten. Ich habe auf meinen Dienstreisen auch alle anderen Biere probiert und bin nach kurzer Zeit wieder beim eigenen Schwarzbier gelandet.

Rot 4: Rohwedder fuhr diese Linie. Darum mußte er weg. Ist zwar nicht erwiesen, aber vielleicht outet sich mal ein Auftraggeber auf dem Totenbett, in seinen Memoieren oder es wird was in Archiven gefunden.

Grün: Und zuletzt die Frage, wo die Führungskräfte herkommen sollten. Nach der Wende kamen eine Menge Westdeutsche her, um uns die Funktionsweise der Wirtschaft, der Verwaltung, Kunst und Kultur, Wissenschaft, Justitz, kurz, sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens unter marktwirtschaftlichen Bedingungen und der neuen Bestimmungen, Verordnungen und Gesetze beizubringen. Es gab viel fähige Leute dabei,es gab auch viele, die auch in der DDR wegen Unfähigkeit keinen Fuß auf die Karriereleiter bekommen hätten und alle einte wohl die Ansicht, daß wir wirklich von den meisten Dingen keine richtige Ahnung haben. Ich hatte auch ein paar kennengelernt, die meinten, mir die Grundbegriffe des Klebens beibringen zu müssen. Bei uns wurden ja bis dahin die Schuhsohlen noch angetackert oder angenagelt. Der Hauptbuchhalter unserer West-Schwester sagte mal zu unserem HB, also, Herr W.... , Sie wissen doch schon alles ! Fachlich haben unsere Leute mit Sicherheit nicht hinterhergehinkt, die Ausbildung war gut, insbes. in Naturwissenschaften. Das Einzige, wo sie Nachholebedarf hatten, waren Fragen des Marketings und wie man sich selbst am besten verkauft. Daher auch der Witz mit dem 13. Jahr für Abiturienten West: Das eine Jahr wird für den Schauspielunterricht benötigt.

So, uff, das wars. Danke an die, die das bis zum Schluss gelesen haben.



Lutze und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.10.2013 15:11 | nach oben springen

#66

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 15:12
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Als wir 90 abgewickelt wurden, die Bude war aber auch wirklich nicht mehr zu retten, standen wir auch erst mal vor der Neuorientierung und da haben wir aus Teilen der Brigade halt ein Team gemacht, 4 Mann von 23 bis 54 und dann ging es einfach los, nützte doch nichts, es musste weitergehen.
Die 50 000 Mark die damals die Bank ja noch risikobereit vorgeschossen hatte waren in zwei Jahren getilgt.
Gut, unter 12 Stunden ging nichts, meist waren es 14, aber es war ok und Leistung lohnte sich endlich wirklich, nicht wie vorher wo du die 8 dreiviertel Stunden abgerissen hast.


thomas 48 und Hapedi haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#67

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 15:18
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #66
Als wir 90 abgewickelt wurden, die Bude war aber auch wirklich nicht mehr zu retten, standen wir auch erst mal vor der Neuorientierung und da haben wir aus Teilen der Brigade halt ein Team gemacht, 4 Mann von 23 bis 54 und dann ging es einfach los, nützte doch nichts, es musste weitergehen.
Die 50 000 Mark die damals die Bank ja noch risikobereit vorgeschossen hatte waren in zwei Jahren getilgt.
Gut, unter 12 Stunden ging nichts, meist waren es 14, aber es war ok und Leistung lohnte sich endlich wirklich, nicht wie vorher wo du die 8 dreiviertel Stunden abgerissen hast.



Grün: Recht hast Du ! Nach der Wende im neuen Tätigkeitsfeld nicht auf die Uhr geschaut (deshalb auch einige unangenehme Diskussionen mit der Frau). Bis dahin die 8 3/4 Stunden "abgerissen". Habe zwar selbst auch vorher schon nicht auf die Uhr geschaut, wenn es notwendig war, aber die meisten Anderen schon. Schrieb es schon mal : 130 und mehr Prozent Normerfüllung bei 5 - 6 h Arbeitszeitausnutzung.



nach oben springen

#68

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 16:35
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #66
Als wir 90 abgewickelt wurden, die Bude war aber auch wirklich nicht mehr zu retten, standen wir auch erst mal vor der Neuorientierung und da haben wir aus Teilen der Brigade halt ein Team gemacht, 4 Mann von 23 bis 54 und dann ging es einfach los, nützte doch nichts, es musste weitergehen.
Die 50 000 Mark die damals die Bank ja noch risikobereit vorgeschossen hatte waren in zwei Jahren getilgt.
Gut, unter 12 Stunden ging nichts, meist waren es 14, aber es war ok und Leistung lohnte sich endlich wirklich, nicht wie vorher wo du die 8 dreiviertel Stunden abgerissen hast.



Genau dieser Weg wäre der richtige gewesen. Das hat auch der Oskar vorgeschlagen.


zuletzt bearbeitet 05.10.2013 16:35 | nach oben springen

#69

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 17:01
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #68
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #66
Als wir 90 abgewickelt wurden, die Bude war aber auch wirklich nicht mehr zu retten, standen wir auch erst mal vor der Neuorientierung und da haben wir aus Teilen der Brigade halt ein Team gemacht, 4 Mann von 23 bis 54 und dann ging es einfach los, nützte doch nichts, es musste weitergehen.
Die 50 000 Mark die damals die Bank ja noch risikobereit vorgeschossen hatte waren in zwei Jahren getilgt.
Gut, unter 12 Stunden ging nichts, meist waren es 14, aber es war ok und Leistung lohnte sich endlich wirklich, nicht wie vorher wo du die 8 dreiviertel Stunden abgerissen hast.



Genau dieser Weg wäre der richtige gewesen. Das hat auch der Oskar vorgeschlagen.


Der Erich und der Oskar, wirklich zwei tolle Saarländer!! Ich höre noch des Volkes Stimme in der Wendezeit: "Ein Saarländer hat uns gereicht!"


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#70

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 17:58
von damals wars | 12.171 Beiträge

wer zu Wendezeiten das Thema Arbeitslosigkeit ansprach,wurde einfach niedergebrüllt."wer Arbeit sucht, findet welche" war das vorherrschende BlaBla-bla,
als der Dicke dann umfiel bekam er die Quittung.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#71

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 05.10.2013 20:56
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #60
Zitat von Gert im Beitrag #58
[quote=Eisenacher|p293406]Das was man in den 1950-1960 an Privatfirmen nicht platt gemacht hatte, wurde in den siebziger Jahren auf dem Altar des Sozialismus geopfert. Die rotlackierten Sozialisten sind ihren Golghataweg zum Endsieg gegangen und haben jeden der noch ökonomischen Verstand zeigte,rücksichtslos eliminiert. Das Resultat konnte man 1989 sehen. Ruinierte Infrastruktur, zerfallende Städte, marode Betriebe.
Was danach kam zeigte aber auch den ökonomischen Unverstand der Politiker. Herrhausen und Rohwedder wurden beseitigt um die Deindustriealisierung in den Beitrittsgebieten zu Ende zu bringen. Statt Wirtschaftshilfe kam Sozialhilfe. Hilfe zur Selbsthilfe wäre der bessere Weg gewesen. Billiger und effektiver.
Ein Bruchteil der Transferzahlungen die bis heute von West nach Ost gezahlt wurden in die Ostwirtschaft investiert, unter Beihaltung einer eigenen der Wirtschaftskraft angepassten Währung und es gäbe heute wirklich blühende Landschaften östlich der Elbe.
Die Menschen die keinen Bock mehr auf ihre Heimat hatten, sind auch trotz DM Richtung Westen aufgebrochen, also die alternative politische Notwendigkeit einer Währungsunion sehe ich nicht. Diese heutige Darstellung das es keine ander Möglichkeit gab als eine Währungsunion, soll bloß das Versagen der Politik verschleiern.

@Eisenacher deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf




So richtig sehe ich nicht wer hier zitiert und wer nicht. Aber

Zitat
Ein Bruchteil der Transferzahlungen die bis heute von West nach Ost gezahlt wurden in die Ostwirtschaft investiert, unter Beihaltung einer eigenen der Wirtschaftskraft angepassten Währung und es gäbe heute wirklich blühende Landschaften östlich der Elbe.
Die Menschen die keinen Bock mehr auf ihre Heimat hatten, sind auch trotz DM Richtung Westen aufgebrochen, also die alternative politische Notwendigkeit einer Währungsunion sehe ich nicht. Diese heutige Darstellung das es keine ander Möglichkeit gab als eine Währungsunion, soll bloß das Versagen der Politik verschleiern



Zitat
@Eisenacher deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf[



Zumindest bei dieser Passage

Zitat
... Das Resultat konnte man 1989 sehen. Ruinierte Infrastruktur, ...

wird mir ganz schwummrig wenn ich die Gegenwart betrachte.[/quote]

@Mike59
Ich weiß nicht was du hier zusammengebastelt hast, aber meine Aussage an Eisenacher bezog sich nur auf #58


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
andyman hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#72

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 06.10.2013 20:41
von Gelöschtes Mitglied
avatar

@DoreHolm

Danke für Deinen ausführlichen Beitrag.

Ein paar Anmerkungen dazu: Mir ist wohl bewusst, dass im Westen vieles auf den Ladentisch kam, was aus DDR-Produktion stammte, die sorgfältig verschwiegen wurde: Die Nachwirkungen aus den 50er, 60er Jahren, das von CDU-Granden wie Adenauer und besonders der Springer-Presse sorgsam gepflegte Bild eines - heute würden wir "Schurkenstaat" dazu sagen - mit eingesperrten Bürgern und einem Schießbefehl waren lang, sehr lang. In den 80er Jahren entspannte sich die Lage etwas und speziell Versandhändler wie Quelle oder Neckermann handelten in nicht geringem Umfang mit diesen Produkten.
Ich bleibe allerdings dabei, dass diese Artikel nicht wegen des im weltweiten Vergleich überragenden Preis-/Leistungsverhältnisses gekauft wurden, sondern ausschließlich über den Preis: Das im Titel genannte Wort "verramschen" war da tatächlich angebracht. Zum Teil waren die Preise lächerlich niedrig: Ich erinnere mich an ein Angebot von 3 Kittelschürzen, die zusammen für rund 10 DM angeboten wurden. Wenn man davon die Handelsspanne und die Logistik-Kosten (letztere kann ich abschätzen) abzieht, kann man sich vorstellen, zu welchem Preis die Außenhandelsorganisation der DDR die Dinger verkauft hat.

Über den Bereich der Industriegüter kann ich wenig sagen. Ich weiß nur, dass ich 1971 als Messespediteur in Düsseldorf gearbeitet habe und auf der K71, der führenden Messe im Bereich der kunststoffverarbeitenden Industrie, für die Betreuung eines Teils unserer Kunden, den Austellern aus der DDR, zuständig war. Während der Messe selber hatte ich schon den Eindruck, dass diese Stände gut besucht waren. Allerdings wohl weniger aus dem Westen, mehr aus Drittländern - aber dieser Eindruck mag täuschen.

Zu den schmutzigen Tricks der West-Konkurrenz: Die gab es, zweifelsfrei. Wie es auch Versicherungsvertreter gibt, die ihren Kunden völlig überflüssige Versicherungen aufschwatzen und sich einen Deut darum kümmern, ob der Kunde die auch bezahlen kann, wie es auch Bankkaufleute gibt, die zu hochriskanten Anlagen "raten", weil da einfach die Provision so verlockend ist. Aber ich mag einfach nicht glauben, dass das für alle galt oder gilt, dass die Industrie, die Versicherungen, die Banken alle bis ins Mark schlecht und durch und durch verdorben sind. Und ich bekomme jedesmal einen dicken Hals, wenn führende Vertreter der Linken, insbesondere Frau Wagenknecht, die Banken in Bausch und Bogen verdammt und verteufelt.

Wahr ist allerdings, dass mancher die Ahnungslosigkeit (das ist nicht abwertend gemeint - woher sollten sie es denn wissen?) der Verantwortlichen aus der DDR skrupellos und ohne jede Scham ausgenutzt hat: Da hast sich die westdeutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Aber auch hier denke ich, dass es eher die Ausnamen als die Regel waren, die sich so verhalten haben, zumal sich auch in den Medien ein Skandal erheblich besser vermarkten lässt als eine kleine, stille Erfolgsgeschichte.

Zur Qualifikation der Wessis, die den Ossis den aufrechten Gang beibringen sollten (sorry für die Ironie, aber manchmal kam es mir schon so vor): Nein, es war gewiss nicht die allererste Garde, die in den Osten delegiert wurde, vermutlich noch nicht einmal die zweite, eher beginnend mit der dirtten: Welcher Unternehmensführer, welcher Verwaltungschef schickt schon seine besten Leute weg, die er selber dringend braucht? Und freiwillig war auch kaum ein Mitarbeiter bereit dazu: "Dunkeldeutschland" (so ein damals weit verbreiteter Schmäh-Begriff) war für die meisten Wessis ungefähr so attraktiv wie die Innere Mongolei oder der Sudan. Wobei die beiden genannen Länder wenigstens noch ein exotisches Ambiente hatten, aber Eisenhüttenstadt oder Neubrandenburg? Und kaum jemand war vom Sendungsbewusstsein, den "Brüdern und Schwestern jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs" zu helfen, wirklich so beseelt, dass er freiwillig seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlagert hat. Zudem hat es einige Jahre gedauert, bis viele Westbürger begriffen haben, dass die "sozialistischen Wartegemeinschaften", sprich die Schlangen vor dem Konsum oder anderen Verkaufsstellen, längst der Vergangenheit angehört haben. Bis sie begriffen haben, dass man auch im Osten sehr gut leben kann, dass es auch dort ein vielfältiges kulturelles und Freizeitangebot gibt und man sich abends nicht nur in einer dumpfen Kneipe abschädeln kann.

So gesehen wundert es mich nicht, dass sich auch unter den Wessis, die in den Osten gingen, einige Nieten, einige Blindgänger gab, die auch mal gerne Chef sein wollten.

Die letzte Anmerkung stammt nicht von Dir, @DoreHolm, ich habe sie in einem anderen Beitrag gelesen. Da beklagte ein Schreiber die Tatsache, dass immer noch viele aus dem Osten in den Westen ziehen müssten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Na und? Rheinland => Eifel => Münsterland => wieder Rheinland => Sauerland => Hamburg => Berlin: Das waren die Stationen meines Lebens, in die mich mein Beruf geführt hat. Ich bin nun mal kein Bauer, der mit seiner Scholle stärker verheiratet ist als mit seiner Frau, ich bin nun mal kein Beamter, der sich mit Mitte 20 schon seine Grabstätte in seinem Heimatort kaufen kann, weil er sicher ist, ihn beruflich bedingt nie verlassen zu müssen. Und auch im Westen gibt es viele, die aus Norddeutschland in den Süden ziehen müssen, weil dort die besseren Arbeitsplätze, die höheren Gehälter, die günstigeren Aufstiegsmöglichkeiten locken. Das ist wahrlich kein böses "Schicksal", das ausschließlich den armen Ossis vorbehalten ist.
.


Gert, DoreHolm und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.10.2013 20:45 | nach oben springen

#73

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 06.10.2013 21:45
von andyman | 1.875 Beiträge

Die letzte Anmerkung stammt nicht von Dir, @DoreHolm, ich habe sie in einem anderen Beitrag gelesen. Da beklagte ein Schreiber die Tatsache, dass immer noch viele aus dem Osten in den Westen ziehen müssten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Na und? Rheinland => Eifel => Münsterland => wieder Rheinland => Sauerland => Hamburg => Berlin: Das waren die Stationen meines Lebens, in die mich mein Beruf geführt hat. Ich bin nun mal kein Bauer, der mit seiner Scholle stärker verheiratet ist als mit seiner Frau, ich bin nun mal kein Beamter, der sich mit Mitte 20 schon seine Grabstätte in seinem Heimatort kaufen kann, weil er sicher ist, ihn beruflich bedingt nie verlassen zu müssen. Und auch im Westen gibt es viele, die aus Norddeutschland in den Süden ziehen müssen, weil dort die besseren Arbeitsplätze, die höheren Gehälter, die günstigeren Aufstiegsmöglichkeiten locken. Das ist wahrlich kein böses "Schicksal", das ausschließlich den armen Ossis vorbehalten ist.
.
Hallo.Nur ein kurzer Einwurf von mir,denn die Beiträge sind im Moment ein bischen zu lang für einen entspannten Feierabend.Ich beziehe mich auf den markierten Bereich,Menschen sind schon seit Urzeiten auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen(Auswanderbewegungen seit hunderten von Jahren) genauso wie sie es auch heute sein sollten um nicht ein Leben auf dem Abstellgleis zu fristen was jeder einzelne darunter versteht steht auf einem anderen Blatt.LG andyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
nach oben springen

#74

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 06.10.2013 22:01
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #72
@DoreHolm

Danke für Deinen ausführlichen Beitrag.

Ein paar Anmerkungen dazu: Mir ist wohl bewusst, dass im Westen vieles auf den Ladentisch kam, was aus DDR-Produktion stammte, die sorgfältig verschwiegen wurde: Die Nachwirkungen aus den 50er, 60er Jahren, das von CDU-Granden wie Adenauer und besonders der Springer-Presse sorgsam gepflegte Bild eines - heute würden wir "Schurkenstaat" dazu sagen - mit eingesperrten Bürgern und einem Schießbefehl waren lang, sehr lang. In den 80er Jahren entspannte sich die Lage etwas und speziell Versandhändler wie Quelle oder Neckermann handelten in nicht geringem Umfang mit diesen Produkten.
Ich bleibe allerdings dabei, dass diese Artikel nicht wegen des im weltweiten Vergleich überragenden Preis-/Leistungsverhältnisses gekauft wurden, sondern ausschließlich über den Preis: Das im Titel genannte Wort "verramschen" war da tatächlich angebracht. Zum Teil waren die Preise lächerlich niedrig: Ich erinnere mich an ein Angebot von 3 Kittelschürzen, die zusammen für rund 10 DM angeboten wurden. Wenn man davon die Handelsspanne und die Logistik-Kosten (letztere kann ich abschätzen) abzieht, kann man sich vorstellen, zu welchem Preis die Außenhandelsorganisation der DDR die Dinger verkauft hat.

Über den Bereich der Industriegüter kann ich wenig sagen. Ich weiß nur, dass ich 1971 als Messespediteur in Düsseldorf gearbeitet habe und auf der K71, der führenden Messe im Bereich der kunststoffverarbeitenden Industrie, für die Betreuung eines Teils unserer Kunden, den Austellern aus der DDR, zuständig war. Während der Messe selber hatte ich schon den Eindruck, dass diese Stände gut besucht waren. Allerdings wohl weniger aus dem Westen, mehr aus Drittländern - aber dieser Eindruck mag täuschen.

Zu den schmutzigen Tricks der West-Konkurrenz: Die gab es, zweifelsfrei. Wie es auch Versicherungsvertreter gibt, die ihren Kunden völlig überflüssige Versicherungen aufschwatzen und sich einen Deut darum kümmern, ob der Kunde die auch bezahlen kann, wie es auch Bankkaufleute gibt, die zu hochriskanten Anlagen "raten", weil da einfach die Provision so verlockend ist. Aber ich mag einfach nicht glauben, dass das für alle galt oder gilt, dass die Industrie, die Versicherungen, die Banken alle bis ins Mark schlecht und durch und durch verdorben sind. Und ich bekomme jedesmal einen dicken Hals, wenn führende Vertreter der Linken, insbesondere Frau Wagenknecht, die Banken in Bausch und Bogen verdammt und verteufelt.

Wahr ist allerdings, dass mancher die Ahnungslosigkeit (das ist nicht abwertend gemeint - woher sollten sie es denn wissen?) der Verantwortlichen aus der DDR skrupellos und ohne jede Scham ausgenutzt hat: Da hast sich die westdeutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Aber auch hier denke ich, dass es eher die Ausnamen als die Regel waren, die sich so verhalten haben, zumal sich auch in den Medien ein Skandal erheblich besser vermarkten lässt als eine kleine, stille Erfolgsgeschichte.

Zur Qualifikation der Wessis, die den Ossis den aufrechten Gang beibringen sollten (sorry für die Ironie, aber manchmal kam es mir schon so vor): Nein, es war gewiss nicht die allererste Garde, die in den Osten delegiert wurde, vermutlich noch nicht einmal die zweite, eher beginnend mit der dirtten: Welcher Unternehmensführer, welcher Verwaltungschef schickt schon seine besten Leute weg, die er selber dringend braucht? Und freiwillig war auch kaum ein Mitarbeiter bereit dazu: "Dunkeldeutschland" (so ein damals weit verbreiteter Schmäh-Begriff) war für die meisten Wessis ungefähr so attraktiv wie die Innere Mongolei oder der Sudan. Wobei die beiden genannen Länder wenigstens noch ein exotisches Ambiente hatten, aber Eisenhüttenstadt oder Neubrandenburg? Und kaum jemand war vom Sendungsbewusstsein, den "Brüdern und Schwestern jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs" zu helfen, wirklich so beseelt, dass er freiwillig seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlagert hat. Zudem hat es einige Jahre gedauert, bis viele Westbürger begriffen haben, dass die "sozialistischen Wartegemeinschaften", sprich die Schlangen vor dem Konsum oder anderen Verkaufsstellen, längst der Vergangenheit angehört haben. Bis sie begriffen haben, dass man auch im Osten sehr gut leben kann, dass es auch dort ein vielfältiges kulturelles und Freizeitangebot gibt und man sich abends nicht nur in einer dumpfen Kneipe abschädeln kann.

So gesehen wundert es mich nicht, dass sich auch unter den Wessis, die in den Osten gingen, einige Nieten, einige Blindgänger gab, die auch mal gerne Chef sein wollten.

Die letzte Anmerkung stammt nicht von Dir, @DoreHolm, ich habe sie in einem anderen Beitrag gelesen. Da beklagte ein Schreiber die Tatsache, dass immer noch viele aus dem Osten in den Westen ziehen müssten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Na und? Rheinland => Eifel => Münsterland => wieder Rheinland => Sauerland => Hamburg => Berlin: Das waren die Stationen meines Lebens, in die mich mein Beruf geführt hat. Ich bin nun mal kein Bauer, der mit seiner Scholle stärker verheiratet ist als mit seiner Frau, ich bin nun mal kein Beamter, der sich mit Mitte 20 schon seine Grabstätte in seinem Heimatort kaufen kann, weil er sicher ist, ihn beruflich bedingt nie verlassen zu müssen. Und auch im Westen gibt es viele, die aus Norddeutschland in den Süden ziehen müssen, weil dort die besseren Arbeitsplätze, die höheren Gehälter, die günstigeren Aufstiegsmöglichkeiten locken. Das ist wahrlich kein böses "Schicksal", das ausschließlich den armen Ossis vorbehalten ist.
.




Grün: Ich muß insofern widersprechen, daß es sich um mindere Qualität gehandelt hätte, falls es so verstanden wird. Verramschen, das würde ich auch so sehen. Der Grund war, daß die DDR-Wirtschaft unbedingt Devisen benötigte. Dazu wurden nicht selten auch Waren zu einem Preis angeboten, bei dem sich jeder Ökonom an die Platte gefasst hätte, weil nämlich in einigen Fällen schon die Materialkosten höher waren als der erzielte Preis. Das kannst Du ruhig so glauben. Mein Alter Herr, der als Betriebsdirektor, zeitweise auch als amtierender Generaldirektor, sehr viel mit westeuropäischen Kunden zu tun hatte, schrieb auch über solche Beispiele in seinen Memoiren. Es war natürlich nicht ausschließlich so, daß die westdeutschen Kunden in jedem Fall die Preise diktieren konnten, insbesondere dann, wenn es sich um Neuentwicklungen handelte, die auch auf dem westdeutschen Markt sehr gut ankamen, aber, wie gesagt, es gab auch gegensätzliche Beispiele und Massenartikel wie Kittelschürzen sind da nicht zu vergleichen mit einer Polstermöbelgarnitur der neuesten Entwicklung, oder aus anderen Branchen von Werkzeugmaschinen.
Als ich in Leuna arbeitete, war auch die Methanolsynthese einer meiner Ausbildungsplätze. Die Qualität, die Reinheit des Methanols war spitze. Dieses wurde nach Westdeutschland verkauft und dafür billigeres, weil nicht ganz so reines Methanol eingeführt, welches für die meisten Zwecke in der DDR-Chemie ausreichend war. Ich bin sicher, daß ein westeuropäischer Einkäufer eine schlechte Qualität nicht genommen hätte.

Nachtrag in Rot: Zum aufrechten Gang hatte ich ein sehr einprägendes Erlebnis. Kann sein, daß ich es hier schon mal zum besten gegeben habe. Ja, ich glaube schon,weiß aber nicht mehr wo. Jedenfalls war es so, daß manche DDR-Bürger vor den neuen Beratern aus der BRD regelrecht gekrochen sind und alles, was die sagten, als wahr und völlig richtig angesehen haben. Die eigenen Fachleute galten für die plötzlich nichts mehr. So war es mir ergangen, bis unser Fachmann aus dem Westen denen klargemacht hat, daß ich alles richtig gemacht habe. Erst dann erfolgte auch die fachliche Anerkennung durch den DDR-Kunden selbst. Insbesondere in den kommunalen Verwaltungen scheint das verbreitet gewesen zu sein. Fehler, die Bundesbürger selbst schon als diese erkannt hatten, mußten im Ostteil prompt wiederholt werden. Ja, den sehr kurzzeitig praktizierten "aufrechten Gang" hatten viele sehr schnell und sehr freiwillig wieder aufgegeben.



Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.10.2013 22:13 | nach oben springen

#75

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 06.10.2013 23:45
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #74
Dazu wurden nicht selten auch Waren zu einem Preis angeboten, bei dem sich jeder Ökonom an die Platte gefasst hätte, weil nämlich in einigen Fällen schon die Materialkosten höher waren als der erzielte Preis. Das kannst Du ruhig so glauben.


Das tue ich, unbesehen. Mein BWL-Studium ist zwar einige Jahre her, aber so viel ist dann doch noch hängen geblieben, um das halbwegs beurteilen zu können.

Ich habe auch nicht den DDR-Produkten in Bausch und Bogen eine mindere oder bestenfalls halbwegs ebenbürtige Qualität vorgeworfen - dazu fehlt mir speziell im Industriegüterbereich das Wissen. Es war auch kein Angriff auf die Innovationskraft der in der DDR lebenden Menschen, beileibe nicht: Es war das System, dass nicht nur dämpfend, sondern abwürgend gewirkt hat. In einem etwas länger zurückliegenden Beitrag habe ich mal meine Überraschung geschildert, als ich die Modellstudien der DDR-PKW-Entwicklung gesehen habe, als ich gesehen habe, welche Ähnlichkeit einer der Innovationsträger mit dem Jahre später so erfolgreichem Modell des VW-Konzerns, dem Golf, hatte. Und vor wenigen Tagen gab es einen Beitrag im TV, in dem ein Baukastensystem als Ersatz für die bis dato übliche Schrankwand anlässlich einer Messe vorgestellt wurde. Lange, bevor IKEA den Gedanken einer modularen Bauweise so erfolgreich umgesetzt hat. Und auch den Kommentar eines gewissen Walter Ulbricht, der als gelernter Möbeltischler sagte, er sehe keine Schränke, er sehe nur Bretter.

Im Industriebereich gab es gewiss Produkte, in denen die DDR weltweit führend war. Meine Anmerkungen bezogen sich ausschließlich auf den Konsumgüterbereich oder präziser auf das, wofür sich Otto Normalverbraucher interessiert. Und da ist mir nichts bekannt, was nicht nur bis zur Marktreife entwickelt, sondern auch tatsächlich produziert wurde und im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz einnahm.

Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.
.


Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#76

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 07.10.2013 07:19
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat
e, als ich gesehen habe, welche Ähnlichkeit einer der Innovationsträger mit dem Jahre später so erfolgreichem Modell des VW-Konzerns, dem Golf,

Nicht nur, siehe Passat versus Wartburg 355 (1967)
Nicht gebaute Projekte sind noch seltsam-interessant. Wenn ich nur die Bilder zeigen dürfte, darf ich leider nicht. Wenn mal wieder ein Treffen in EA ist, mache ich das mal im kleinen Kreis.


nach oben springen

#77

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 07.10.2013 09:34
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #75
Zitat von DoreHolm im Beitrag #74
Dazu wurden nicht selten auch Waren zu einem Preis angeboten, bei dem sich jeder Ökonom an die Platte gefasst hätte, weil nämlich in einigen Fällen schon die Materialkosten höher waren als der erzielte Preis. Das kannst Du ruhig so glauben.


Das tue ich, unbesehen. Mein BWL-Studium ist zwar einige Jahre her, aber so viel ist dann doch noch hängen geblieben, um das halbwegs beurteilen zu können.

Ich habe auch nicht den DDR-Produkten in Bausch und Bogen eine mindere oder bestenfalls halbwegs ebenbürtige Qualität vorgeworfen - dazu fehlt mir speziell im Industriegüterbereich das Wissen. Es war auch kein Angriff auf die Innovationskraft der in der DDR lebenden Menschen, beileibe nicht: Es war das System, dass nicht nur dämpfend, sondern abwürgend gewirkt hat. In einem etwas länger zurückliegenden Beitrag habe ich mal meine Überraschung geschildert, als ich die Modellstudien der DDR-PKW-Entwicklung gesehen habe, als ich gesehen habe, welche Ähnlichkeit einer der Innovationsträger mit dem Jahre später so erfolgreichem Modell des VW-Konzerns, dem Golf, hatte. Und vor wenigen Tagen gab es einen Beitrag im TV, in dem ein Baukastensystem als Ersatz für die bis dato übliche Schrankwand anlässlich einer Messe vorgestellt wurde. Lange, bevor IKEA den Gedanken einer modularen Bauweise so erfolgreich umgesetzt hat. Und auch den Kommentar eines gewissen Walter Ulbricht, der als gelernter Möbeltischler sagte, er sehe keine Schränke, er sehe nur Bretter.

Im Industriebereich gab es gewiss Produkte, in denen die DDR weltweit führend war. Meine Anmerkungen bezogen sich ausschließlich auf den Konsumgüterbereich oder präziser auf das, wofür sich Otto Normalverbraucher interessiert. Und da ist mir nichts bekannt, was nicht nur bis zur Marktreife entwickelt, sondern auch tatsächlich produziert wurde und im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz einnahm.

Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.



Rot: Das ist eines der Handlungen der obersten Leute im Politbüro, die ich denen übel nehme. Dieses Versagen auf wirtschaftlichem und ökonomischen Gebiet. Alles andere Negative sind m.E. nur Folgeerscheinungen. Diese Leute wären für mich ein Fall für die Abt. XYZ (die sich mit Wirtschaftsverbechen befaßten) des MfS oder für die PKK (Parteikontrollkommission) pder die ABI (Arbeiter- und Bauerninspektion) wegen Veruntreuung und Wirtschaftssabotage zum Nachteil der Volkswirtschaft und damit der DDR-Bevölkerung.



nach oben springen

#78

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 07.10.2013 09:43
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wobei hier auch die Schuldigen im RGW-Gremium sassen. Ich denke hier an den Wartburg 355.


nach oben springen

#79

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 07.10.2013 11:47
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #77

Das ist eines der Handlungen der obersten Leute im Politbüro, die ich denen übel nehme. Dieses Versagen auf wirtschaftlichem und ökonomischen Gebiet. Alles andere Negative sind m.E. nur Folgeerscheinungen. Diese Leute wären für mich ein Fall für die Abt. XYZ (die sich mit Wirtschaftsverbechen befaßten) des MfS oder für die PKK (Parteikontrollkommission) pder die ABI (Arbeiter- und Bauerninspektion) wegen Veruntreuung und Wirtschaftssabotage zum Nachteil der Volkswirtschaft und damit der DDR-Bevölkerung.


Du bestätigst meine Meinung: Die Ossis waren und sind weder dümmer noch fauler noch einfallsloser als die Wessis - sie wurden nur bis zum Stillstand durch Apparatschiks ausgebremst, die entweder ihren eigenen Geschmack zum Maß aller Dinge erklärt haben oder einfach unfähig waren. Unfähig, nach Lösungen zum Beispiel in der Frage der Rohstoffe nicht nur zu suchen, sondern sie auch zu finden und umzusetzen.

Aber in dieser Unfähigkeit waren sie nicht allein: Auch einige der "Experten", die nach der Wende in den Osten gingen, zeichneten sich dadurch aus.
.


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#80

RE: verramschte DDR-Betreibe

in Das Ende der DDR 07.10.2013 12:21
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Der Staat hatte das Außenhandelsmonopol. Da konnte ein Betrieb zwar seine Ware in das NSW exportieren, aber die Devisen gingen in den Staatshaushalt. Für jedes Kleinteil das man gegen Devisen importieren wollte, waren Antrag und Genehmigung vom Ministerium erforderlich. Da wurden dann statt für 100DM Qualität zu importieren, lieber 2000DDR-Mark für eine improvisierte Notlösung ausgegeben.
Zentrale Planwirtschaft wird nie effektiv funktionieren.


nach oben springen



Besucher
31 Mitglieder und 73 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: gerhard
Besucherzähler
Heute waren 2296 Gäste und 153 Mitglieder, gestern 3956 Gäste und 189 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14370 Themen und 558045 Beiträge.

Heute waren 153 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen