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So böse war die Treuhand gar nicht-VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 19:23
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Ich stelle mal folgende Rede von Richard Schröder zur Disskussion:

„Die Treuhandanstalt hat unsere Wirtschaft ruiniert.“ So erklären sich viele
Ostdeutsche den Zusammenbruch großer Teile der DDR-Wirtschaft. Die ungeheure
Arbeitslosigkeit ab 1990 traf die Ostdeutschen umso härter, als sie Arbeitslosigkeit
bis dahin nicht kannten – abgesehen von den wenigen, aber skandalösen Fällen der
Arbeitslosigkeit als Strafe für Regimekritiker wie Robert Havemann und für die
Ausreiseantragsteller. Zudem war in der DDR der Betrieb in viel höherem Maße als
im Westen Lebensmittelpunkt, meistens mit eigenen Freizeit- und Ferienangeboten.
Und nun brach das alles weg. Was lag da näher, als die Treuhandanstalt für diese
biographische Katastrophe verantwortlich zu machen? Aber das Naheliegende ist
nicht immer auch das Richtige. In Wahrheit hat der Zusammenbruch der DDRWirtschaft
nicht eine, sondern mehrere Ursachen und die hatten mit der Treuhand
gar nichts zu tun. Man kann das auch so sagen: der Treuhand ist eine geradezu
unlösbare Aufgabe vor die Füße gelegt worden. Hätte sie keinen einzigen Fehler
gemacht – eine absurde Erwartung - , wäre das Ergebnis dennoch für viele
schmerzlich ausgefallen.
Wenn die Treuhand die DDR- Wirtschaft ruiniert hat, muss sie vorher in gutem
Zustand gewesen sein. Dagegen habe ich zwei unverdächtige Zeugen, die DDRBürger
selbst und den obersten Planungschef der DDR, Gerhard Schürer (SED). Alle
DDR-Bürger waren scharf auf Westwaren und Westgeld. In der DDR gab es
Geschäfte, in denen man für Ostgeld gar nichts, aber für Westgeld Westwaren kaufen
konnte, die Intershops. Ostgeld durfte man aber nicht in Westgeld eintauschen, das
wurde bestraft. Im Westen wurden zwar Ostwaren verkauft, aber nicht in besonderen
Läden, sondern versteckt und sehr preiswert in Waren- oder Versandhäusern,
übrigens bei anständiger Qualität. Man hielt aber die Herkunft aus der DDR lieber
geheim. Oft waren sie nach westlichen Plänen in der DDR gefertigt worden
(„Gestattungsproduktion“), denn die DDR war schließlich technologisch zehn bis
zwanzig Jahre hinter den westlichen Standard zurückgefallen. Den Unterschied
konnte man beim Vergleich zwischen Trabant und Golf mit Händen greifen. So sah
die Sache in Richtung Westen aus. In Richtung Osten war das ganz anders. Da
standen Waren aus der DDR oft in hohem Ansehen. Über die DDR-Wirtschaft haben
wir uns seinerzeit bissige Witze erzählt. Manche im Osten wollen sie heute nicht mehr
hören. Sie fühlen sich beleidigt. Ich kann diese Empfindlichkeit nicht akzeptieren.
Denn wir Ostdeutschen können durchaus stolz sein auf das, was wir in Familie und
Beruf geleistet haben unter den erschwerenden Umständen von Diktatur und
Mangelwirtschaft. Aber bitte nicht nachträglich stolz sein wollen auf die
erschwerenden Umstände. Die haben wir uns doch weder gewünscht noch
ausgesucht. Sie wurden über uns verhängt. Ich erzähle jetzt drei solcher Witze, rein
wissenschaftlich als historische Zeugen. Also bitte nicht lachen, damit niemand
beleidigt ist.
1. Was passiert, wenn der Sozialismus in der Sahara eingeführt wird? Drei Jahre
nichts, dann wird der Sand knapp.
2. Der Sozialismus hat von allen bisherigen Gesellschaftsordnungen etwas
übernommen: vom Kapitalismus die vielen Krisen, vom Feudalismus die vielen
Könige, von der Sklavenhalterordnung den Umgang mit den Menschen und von
der Urgesellschaft die Produktionsmethoden.

3. Die sieben Weltwunder der DDR:
1. Obwohl niemand arbeitslos ist, hat die Hälfte nichts zu tun.
2. Obwohl die Hälfte nichts zu tun hat, fehlen Arbeitskräfte.
3. Obwohl Arbeitskräfte fehlen, übererfüllen wir die Pläne.
4. Obwohl wir die Pläne übererfüllen, gibt es in den Läden nichts zu kaufen.
5. Obwohl es in den Läden nichts zu kaufen gibt, haben die Leute fast alles.
6. Obwohl die Leute fast alles haben, meckert die Hälfte.
7. Obwohl die Hälfte meckert, wählen 99,9 Prozent die Kandidaten der Nationalen
Front.
Nun der zweite Zeuge. Gerhard Schürer war einer der wenigen Spitzenfunktionäre
der SED, der nach 1990 ehrlich bemüht war, Rechenschaft abzulegen darüber, was
er gewusst und getan hat. Seit 1978 hatte er immer wieder versucht, die
Wirtschaftspolitik der SED zu korrigieren, vergeblich. 1989 hat er Honecker
ausführliche Reformvorschläge gemacht. Der hat sie Günter Mittag weitergegeben,
der im Politbüro für Wirtschaftsfragen zuständig war. Und der hat bloß erklärt, die
Vorschläge widersprechen den Beschlüssen des VIII. Parteitags. Damit war die Sache
erledigt. Ein anderes Mal hat Schürer Honecker einen ehrlichen Entwurf für den
Staatshaushalt mit 8 Mrd. M Defizit vorgelegt. Darauf hat Honecker erklärt: im
Sozialismus gibt es kein Staatsdefizit, er solle den Plan überarbeiten. Das hat
Schürer mithilfe der übliche Tricks getan. Honecker dazu: Na bitte, warum nicht
gleich? Schürers grundsätzliche Kritik an der sozialistischen Planwirtschaft lautet: sie
hat dem Subjektivismus Tor und Tür geöffnet. Die Funktionäre konnten Anordnungen
treffen und Ziele vorgeben wie sie gerade wollten, ohne Rücksicht auf die
ökonomischen Zusammenhänge und Folgen. Egon Krenz muss etwas von der
Vogelstraußpolitik im Politbüro geahnt haben. Nachdem er Honecker abgelöst hatte,
beauftragte er die führenden Wirtschaftsfunktionäre, ihm die Lage der DDRWirtschaft
ungeschminkt darzustellen. Dieses Gutachten ist als Schürer-Gutachten
bekannt geworden und im Internet zugänglich. Es ist auf den 30. Oktober 1990
datiert. Auch der Modrow-Regierung ist es bekannt gewesen, aber als Geheime
Verschlussache. Dem Runden Tisch war es unbekannt. Bei der letzten Sitzung des
Zentralkomitees der SED Ende 1989 fragte jemand: wir haben gehört, die DDR hätte
Staatsschulden. Stimmt das? Darauf Krenz: dazu kann ich nichts sagen, da müsste
erst die Volkskammer die Vorschriften über die Staatsgeheimnisse ändern. Bei den
Koalitionsverhandlungen nach der Volkskammerwahl kannte es nur Lothar de
Maiziere. Es wurde erst in der zweiten Hälfte 1990 öffentlich. Krenz hat den Inhalt
dieses Gutachtens Michael Gorbatschow bei seinem Antrittsbesuch vorgetragen. Der
hat geantwortet: dass es um die DDR-Wirtschaft so schlecht bestellt sei, überrasche
ihn. Aber die Sowjetunion könne der DDR nicht helfen, sie habe selbst wirtschaftliche
Probleme genug. Schürer legt dar, dass die Verschuldung der DDR im Inland und in
Devisen eine Höhe erreicht hat, die ohne weitere Westkredite zur
Zahlungsunfähigkeit führt. Über Jahre seien Investitionen in die Produktionsanlagen
und die Infrastruktur unterblieben zugunsten des Konsums. Über die Hälfte der
Produktionsanlagen sei verschlissen, Tendenz zunehmend. Neu entwickelte Produkte
hätten nicht in die Produktion eingeführt werden können. Anmerkung: das galt auch
für sehr attraktive Prototypen von Trabant und Wartburg, die im Internet
beschrieben werden. Weiter: die sozialpolitischen Maßnahmen hätten nicht vollständig auf eigenen Leistungen beruht und hätten zur wachsenden
Westverschuldung geführt. Im Klartext: die DDR hat über ihre Verhältnisse und auf
Pump gelegt. Und er macht Vorschläge für eine Wirtschaftsreform, von denen ich
folgende hervorhebe:
1. „drastischer Abbau von Verwaltungs- und Bürokräften.“ Der Anteil nicht
produzierender Mitarbeiter war bei den Ostbetrieben viel höher als im Westen, wegen
der Planwirtschaft mit ihrer zentralistischen Regulierungswut. Das erhöhte die
Produktionskosten und verringerte die Arbeitsproduktivität.
2. „bedeutende Einschränkung von Arbeitsplätzen.“ Das heißt: es wird Arbeitslose
geben, weil zu viele in den Betrieben beschäftigt sind, die gar nicht gebraucht
werden, also verdeckte Arbeitslosigkeit. Sie wird auf 16 Prozent geschätzt. Es kam
aber noch etwas dazu. Die DDR hat zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit und um das
Recht auf Arbeit zu garantieren die Automatisierung und Rationalisierung bewusst
gebremst. Der DDR-Planungschef Schürer nahm an, dass die Arbeitsproduktivität der
DDR um dreißig Prozent niedriger sei als in der Bundesrepublik. Heute wird
angenommen, dass sie dreißig Prozent der westlichen betrug. Wenn also im Westen
dreißig Arbeitsstunden für ein bestimmtes Produkt aufgewendet wurden, waren im
Osten vor der Sanierung hundert Arbeitsstunden nötig. Wenn man die
Arbeitsproduktivität steigert, muss man entweder mit derselben Anzahl Beschäftigter
mehr Güter produzieren – aber woher zusätzliche Kunden nehmen, die Märkte waren
ja gesättigt -, oder man muss die Anzahl der Beschäftigten reduzieren. Und so kam
es zu den enormen Arbeitslosenzahlen.
3. „Grundlegende Veränderung in der Subventions- und Preispolitik.“ Er meint
damit: man solle aufhören, Dinge unter ihren Herstellungskosten zu verkaufen. In
der DDR wurden die Grundnahrungsmittel und die Energie unter den
Herstellungskosten verkauft. Auch die Mieten waren enorm subventioniert, das heißt
künstlich niedrig gehalten. Die Folge davon war, dass die Häuser verfielen. Diese
Subventionen – 1989 beliefen sie sich auf 50 Mrd. jährlich!- hatten absurde Folgen.
Man verfütterte lieber Brot als Korn an die Hühner, weil es Brot billiger war. Die
Kleintierzüchter bekamen für das Kaninchen einen höheren Aufkaufpreis als es dann
im Laden kostete. Das Geld für diese riesigen Subventionen fiel natürlich nicht vom
Himmel. Es wurde dadurch eingesammelt, dass alle technischen Güter künstlich
verteuert wurden.
4. Der technologische Rückstand der DDR war vor allem dadurch zustande
gekommen, dass man die Elektronisierung verpasst hatte. Bekanntlich wollte
Honecker das wettmachen und ließ einen 256-Kilobytechip entwickeln, der mit viel
Pomp gefeiert wurde. Schürer berichtet von diesem Chip: die Produktionskosten
beliefen sich auf 536 Ostmark, verkauft wurde er für 16 Ostmark, im Westen kostete
derselbe Chip 6 Westmark. Schürer empfahl damals, auf solchen wahnsinnig teuren
Ehrgeiz zu verzichten - vergeblich.
5. „Senkung des Planungs- und Verwaltungsaufwandes“, das heißt also: mehr Markt.
6. „Klein- und Mittelbetriebe aus den Kombinaten ausgliedern.“ Das sollte mehr
Flexibilität bringen. Die Kombinate waren zu groß und zu träge.
7. „die Rolle des Geldes als Maßstab für Leistung, wirtschaftlichen Erfolg und
Misserfolg ist wesentlich zu erhöhen.“ Die Planwirtschaft hat die Betriebe zugunsten
einer zentralen Lenkung kastriert. Die VEBs durften keine Preise festlegen. Sie waren
auch nicht für Materialbeschaffung, Verkauf und Vertriebsnetz oder Kundenwerbung
zuständig. Sie durften nicht über Investitionen und ihre Produkte entscheiden. Das
alles wurde von außen zentral festgelegt. Entscheidend war nicht der Gewinn in
Geld, resultierend aus der betriebswirtschaftlichen Bilanz, sondern die Planerfüllung,
die nach einer Vielzahl von Plankennzahlen bemessen wurde. Daher der große
Verwaltungsaufwand. Das also will Schürer ändern. Die Betriebe verfügten über sehr
gute Facharbeiter, sehr gute Ingenieure, aber kaum erprobte Kaufleute und keine
erfahrenen Marketing-Spezialisten. Dieses Manko wurde ihnen beim Eintritt in die
Marktwirtschaft oft zum Verhängnis und hat die Arbeit der Treuhand ungemein
erschwert. Zum 1.7.1990, also zur Währungsunion, sollten alle Unternehmen der
DDR eine DM-Eröffnungsbilanz erstellen, damit man weiß, wie es um sie steht. Aber
es kam nichts. In den Betrieben wusste niemand, wie man eine Betriebsbilanz macht.
Es fehlten die notwendigen Angaben, da die Planwirtschaft von ihnen andere
Angaben eingefordert hatte. Diese Eröffnungsbilanzen zum 1. Juli 1990 lagen erst im
Oktober 1992 vollständig vor. Deshalb gab es 1990 noch gar keine seriöse Grundlage
für eine Schätzung des Industrievermögens der DDR. Viele regen sich bis heute
darüber auf, dass die Treuhandmitarbeiter von der persönlichen Haftung weitgehend
freigestellt worden sind. Der Grund ist einfach der, dass sie handeln sollten ohne die
notwendigsten Informationen über ihre Betriebe zu haben. Niemand übernimmt die
Haftung für unkalkulierbare Risiken. Die Empörung ist künstlich.
8. „Der Wahrheitsgehalt der Statistik und Information ist auf allen Gebieten zu
gewährleisten.“ Wenn nicht das Geld Maßstab der Leistungskraft ist, sondern ein
Gerüst von Plankennzahlen, dann lässt sich viel tricksen. Ohne Trickserei ging doch
in der Planwirtschaft gar nichts. Die statistische Trickserei gab es auch sehr weit
oben. Schürer berichtet, dass in der offiziellen DDR-Statistik eines Jahres die Zahl
der Industrieroboter enorm gestiegen war. Die Erklärung dafür: man hatte den
Industrieroboter so umdefiniert, dass nun auch die Melkmaschinen Industrieroboter
waren.
Zehn Tage nach Schürers Reformprogramm öffnete sich die Mauer. Ein Jahr später
war Deutschland vereinigt. Schürers Reformprogramm musste – unter völlig
veränderten Rahmenbedingungen – die Treuhandanstalt durchführen. Die völlig
veränderten Rahmenbedingungen waren verursacht durch die Maueröffnung und
Währungsunion. Die Maueröffnung, dieses Jahrhundertereignis, hat uns alle
begeistert, völlig zu Recht. „Wahnsinn“ war damals das geflügelte Wort. Für die DDRWirtschaft
aber war die Maueröffnung ein schwerer Schlag. Da prallten zwei
Warenwelten ungebremst aufeinander, darunter viele hochbegehrte Waren, die es für
Ostgeld gar nicht gab wie Computer, neueste Unterhaltungselektronik, Mode – kurz
alles, was sich nun Ostdeutsche vom Westbesuch mitbrachten. Die anderen ehemals
sozialistischen Länder konnten ihre einheimische Warenwelt vor den Westwaren eine Zeit lang noch mit Zöllen schützen. Da aber niemand an der innerdeutschen Grenze
wieder Zollkontrollen einführen wollen, nahm das Schicksal der DDR-Waren seinen
Lauf, die Ostdeutschen verachteten sie, auch über das berechtigte Maß hinaus. Denn
viele Lebensmittel waren nicht besser, sondern bunter verpackt. Bald forderten die
Leipziger Montagsdemonstranten: „kommt die DM, bleiben wir, kommt sie nicht,
gehen wir zu ihr.“ Und zwar wollten sie die DM eins zu eins haben. Wenn man an die
Löhne und die Renten dachte, war das alternativlos. Die Löhne Ost lagen damals, 1:1
gerechnet, bei 30 Prozent West. Bei Facharbeitern waren es 48 Prozent, weil in der
DDR der Einkommensunterschied zwischen Facharbeitern und Hochschulabsolventen
niedriger war als im Westen. Hätte man – bei Westpreisen - die Einkommen in der
DDR damals 1:4 umgestellt, wäre das ostdeutsche Durchschnittseinkommen unter
Sozialhilfeniveau West gesunken. Dann hätten die DDR-Bürger die Bundesrepublik
gestürmt. Aber für die DDR-Wirtschaft war der Umtauschkurs von 1:1 bei
Einkommen und 1:2 bei Guthaben und Schulden ein schwerer Schlag. Kam also die
Währungsunion zu früh? Das kann man so auch nicht sagen. Denn wenn die massive
Abwanderung nach dem Mauerfall weitergegangen wäre, hätte auch das die DDRWirtschaft
massiv beeinträchtigt, denn es gingen ja oft die besten. Vor allem hätte es
im Westen die Stimmung verhageln und den westdeutschen Gegnern der deutschen
Einheit mächtig Aufwind geben können. Es gab ja reichlich Warnungen vor der
„Einwanderung in unsere Sozialsysteme“ (Lafontaine). Zwar setzte sich die
Abwanderung nach der Währungsunion fort, aber auf ein Siebtel reduziert. Bis zur
Ankündigung der Währungsunion gingen 2-3.000 täglich, danach nur noch ca. 2.000
wöchentlich. Es gab da aber noch ein anderes Problem. Anfang 1990 beschloss
nämlich der „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) der ehemals sozialistischen
Länder, zum Jahresende die interne Verrechnungseinheit Transferrubel abzuschaffen
und auch den „innersozialistischen“ Handel auf Weltmarktpreise umzustellen. Die
Folge davon war, dass schon 1990 namentlich Ungarn und die CSR Waren aus der
DDR nicht mehr abnahmen. Wenn sie ohnehin in Devisen zahlen müssen, dann
kaufen sie doch lieber in Japan, Taiwan oder Südkorea ein als in der DDR, haben die
gesagt. Die Währungsunion hat also für den Osthandel der DDR einen Zustand
bewirkt, der ohne sie ein knappes halbes Jahr später auch eingetreten wäre. Und
auch in den anderen ehemals sozialistischen Ländern gab es ab 1990
Rieseneinbrüche bei der Produktion, auch ohne Währungsunion. Ungarns Ikarus-
Busse zum Beispiel wollte auch niemand mehr haben.
Hier auf der Wartburg liegt es nahe, sich das alles noch einmal an dem Auto gleichen
Namens zu vergegenwärtigen. Der PKW Wartburg kostete als Zweitakter etwa
18.000 Ostmark (M) – mit Wartezeiten bis zu zwanzig Jahren. Er wurde auch in
Belgien verkauft, denn dort gab es noch kein Zweitakterverbot, und zwar für 3000
Westmark (DM). Für den Außenhandel der DDR mit dem NSW, dem
„nichtsozialistischen Währungsgebiet“, galt 1989: man musste in der DDR
durchschnittlich 4,4 M aufwenden, um 1 DM zu erwirtschaften. Das war gemeint mit
dem Umtauschkurs 4,4 M : 1 DM. Denn umtauschen durfte man ja gar nicht. Beim
PKW Wartburg war aber sogar ein Kurs 6:1 noch attraktiv für die DDR, solange Lohn
und Material in M bezahlt wurden. Mit der Währungsunion endeten auch die
staatliche Vorgabe der Preise und die Subventionen. Was sollte nun der PKW
Wartburg kosten? Inzwischen war der Wartburg mit VW-Motor versehen und kostete als Viertakter stolze 33.000 M! Wenn man ihn 1:1 verkaufen wollte, bekam man
keinen einzigen los. Das Autowerk Eisenach bot ihn nun für 10.000 DM an, plötzlich
ohne Wartezeit. Als die Treuhand nachfragte, wie hoch die Produktionskosten pro
Auto sind, bekam sie zur Antwort: 15.000 DM. Die Treuhand war misstrauisch,
forschte nach und kam auf 17.000 DM. Die Treuhand als Eigentümer musste auf
jeden verkauften Wartburg 7.000 DM draufzahlen. Das hat sie dann noch vier Monate
gemacht, was 101 Millionen DM Zuschussergab. Die Betriebsleitung hat einfach wie
zu DDR-Zeiten weitergemacht, Planwirtschaft ohne Plan sozusagen. Früher hat der
Staat alles bezahlt, jetzt eben die Treuhand, die ja letztlich auch aus der
bundesdeutschen Staatskasse bezahlt wurde. Im April wurde die Produktion des
Wartburg. Gegen die Schließung haben die Arbeiter heftig protestiert und die
Autobahn blockiert. Eine Lösung für die 7000 DM minus pro Auto aber hatten auch
sie nicht. VEB Jenoptik und Interflug haben täglich ein Defizit von einer Million
hingelegt. Wenn die Treuhand nicht von der Währungsunion an mit Milliardenkrediten
eingesprungen wäre, wäre der allergrößte Teil der DDR-Wirtschaft bereits Ende Juli
1990 pleite gewesen.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, das Industrievermögen der DDR habe einen Wert
von 600 Milliarden DM gehabt. Daraus habe die Treuhand einen Schuldenberg von
250 Milliarden gemacht. Und dann kommt der Verdacht: das viele Geld haben sich
Westdeutsche unter den Nagel gerissen. Nun prüfen wir die These einmal am PKW
Wartburg. Opel ist gekommen und hat sich in Eisenach angesiedelt. Opel hat weder
die Maschinen noch die Gebäude des Eisenacher Werks übernommen. Opel hat das
Industrievermögen der DDR einfach verschmäht, statt sich an ihm zu bereichern. Die
vorhandenen Gebäude und Maschinen waren nämlich für Opel unbrauchbar. Der
Schatz vor Ort waren die Menschen, das sogenannte Humankapital, glänzende
Facharbeiter und Ingenieure, die keine großen Probleme hatten, sich in die neuen
Standards einzuarbeiten und sehr flexibel waren. Die alten Gebäude wurden meist
abgerissen. Die Werksgelände ließen sich erst verkaufen, wenn die Treuhand die
Beseitigung der Umweltschäden bezahlt hat. Insgesamt hat sie für die ökologische
Sanierung von Betriebsgrundstücken 44 Mrd. DM ausgegeben. Aber wo sind denn die
DDR-Werte geblieben? Ich hatte zu DDR-Zeiten einen PKW Wartburg. Anfang 1989
hätte ich auf dem Schwarzmarkt noch fünfzig Prozent Neuwert bekommen können,
was fast mein Jahresgehalt netto war. 1991 hat ihn meine Tochter nicht geschenkt
genommen. Er verbrauche zu viel (bis zu 12 Liter Gemisch), stinke zu sehr und sei
zu reparaturanfällig. Sie hat sich einen gebrauchten VW Passat für 1.500 DM gekauft.
Nun frage ich: welcher Westdeutsche hat den Wert meines Wartburgs gestohlen? Das
Auto hatte ich ja noch, nur der Wert war weg. Warum? Waren, die niemand mehr
haben will, verlieren unerbittlich ihren Verkaufswert, egal, wie viel ihre Produktion
gekostet hat. Die Arbeit der Treuhandanstalt möchte ich hier nur allgemein
charakterisieren. Sie hat die Unternehmen nicht meistbietend versteigert, sondern
sich jedes Kaufgesuch genau angesehen. Sie hat Käufer gesucht, die sich in der
Branche und auf dem Markt auskennen. Diese mussten ein erfolgversprechendes
Produktionskonzept vorlegen, das extern überprüft wurde. Sie mussten Geld
mitbringen und verbindliche Zusagen für Investitionen machen. Und sie mussten eine
Anzahl von Arbeitsplätzen garantieren. Diese Sanierung der Unternehmen bedeutete
zumeist eine völlige Erneuerung der Produktionsmittel und eine neue Produktpalette.
Nun möchte ich auf Vorwürfe eingehen, die unberechtigt gegen die Treuhand
erhoben werden, und zwar bis heute.
1. „Statt das volkseigene Vermögen der DDR-Bevölkerung durch Anteilscheine
zugänglich zu machen, wurde es der Treuhand übergeben, die es verschleudert hat.“
Die Idee von den Anteilscheinen, die am Runden Tisch eine beachtliche Rolle gespielt
hat, beruhte auf der falschen Voraussetzung, die DDR-Betriebe seien schuldenfrei,
weil doch auf volkseigene Grundstücke keine Hypotheken aufgenommen werden
durften. In Wahrheit hatte die SED die Ausrüstungen der Betriebe mit
Milliardenbeträgen beliehen, um den Staatshaushalt stimmig zu machen. Aber die
DDR-Staatsschulden waren damals ja noch Staatsgeheimnis. Die Treuhand hat diese
sog. Altschulden schließlich in Höhe von 107 Mrd. DM übernommen. Wäre die
Bevölkerung durch Anteilscheine Eigentümer dieser Betriebe geworden, hätte sie
auch die Schulden am Hals gehabt. Denn erben kann man immer nur ganz oder gar
nicht. Und woher bitte hätten die DDR-Betriebe dann Kapital und know how
bekommen sollen, wie es die Käufer mitbrachten? Die Idee mit den Anteilscheinen
war erschreckend naiv, hat aber bis heute glühende Anhänger. Am 13. September
1990 hat Wolfgang Ullmann den Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder in der
Volkskammer gefragt, ob und wann DDR-Bürger Anteilscheine am volkseigenen
Vermögen erhalten. Rohwedders Antwort war: er sehe das für absehbare Zeit
überhaupt nicht. Wörtlich: „Ich glaube, dass die Beanspruchungen der
Treuhandanstalt möglicherweise größer sind als die Mittel, die ihr durch
Privatisierung und Verkäufe zur Verfügung stehen.“ M.a.W. die Treuhand wird mit
Minus abschließen. Das war am 13. September.
2. „Aus 600 Mrd. DM hat die Treuhand 250 Mrd. DM Schulden gemacht.“ Als Zeuge
dafür, dass das Industrievermögen der DDR 600 Mrd. DM betrug, wird regelmäßig
Rohwedder angeführt. Dieser hatte am 19. Oktober 1990 seinen ersten Auftritt im
Ausland, in der Bundeswirtschaftskammer Wien. Er sah sich verpflichtet, eine Zahl
zum Verkaufswert der Betriebe zu nennen. Die Verbindlichkeiten, nämlich die
Betriebsschulden, die ökologische Sanierung, Sozialpläne und die laufenden
Zuschüsse bis zum Verkauf, also die Privatisierungskosten, wurden dabei natürlich
nicht berücksichtigt, denn die sollten ja nicht die Käufer tragen. Er bat den damaligen
Finanzvorstand der Treuhand, Wolfram Krause, einen Ostdeutschen, um eine Zahl.
Wie diese zustande kam, stand damals im Spiegel. Ich zitiere: „Das
Milliardenvermögen ergibt sich aus der schlichten Umrechnung einer zweifelhaften
Schätzung aus Modrow-Zeiten über das Betriebsvermögen der Treuhand: 750 Mrd.
Ost-Mark, umgerechnet zum Kurs 1:3 macht 250 Mrd. DM, der Rest seien die
Grundstücke“. Der Spiegel bemerkt dazu: „Auf so dubios kalkulierte Vermögenswerte
gibt keine Bank Kredit.“ Rohwedder hat noch im selben Jahr eine Schätzung der
Gesamtkosten der Privatisierung in Auftrag gegeben. Sie lag Februar 1991 vor und
belief sich auf 400 Mrd. DM minus, denen der Privatisierungsgewinn gegenüberstand.
Nach Fertigstellung der Eröffnungsbilanzen zum 1. Juli 1990 (!) im Jahre 1992 (!)
konnte man genauer rechnen und kam auf ein Defizit von 210 Mrd. DM, eine
erstaunlich genaue Prognose. Doch das alles wird nie zitiert, weil man sich darüber
nicht empören und bejammern kann.
3. „Nur 5 Prozent des Treuhandvermögens ist in die Hand von Ostdeutschen
gelangt.“ Auch diese Behauptung ist falsch. Man könnte ja daraus folgern, dass 95 %
der Arbeitgeber im Osten Westdeutsche seien, was natürlich völliger Blödsinn wäre.
Berechnet worden ist diese Zahl nach den Arbeitsplätzen, nicht nach
Betriebseinheiten. Man hat außerdem die sog. Kleine Privatisierung draußen
vorgelassen, die 30.000 kleinere Einheiten betraf, nämlich Geschäfte, Hotels,
Gaststätten, Apotheken usw., die fast vollständig an Ostdeutsche gingen, oft an die
bisherigen Geschäftsführer, die ja eingearbeitet waren. Außerdem sind ca. 3000
Unternehmen oder Unternehmensteile an Mitarbeiter (MBO) oder auswärtige
Fachleute (MBI) verkauft worden. Auch dabei sind viele Ostdeutsche zum Zuge
gekommen, wenn sie entsprechende Qualifikationen mitbrachten. Denn die
Finanzierung eines erfolgsversprechenden Konzepts war dann in der Regel keine
unüberwindliche Hürde. Die ganz großen Brocken aber sind ja gar nicht an
westdeutsche Einzelpersonen gegangen, sondern an westliche Großunternehmen.
Deren Pendent im Osten wären die Kombinate gewesen, aber die waren doch gerade
die Patienten. Außerdem wird hier suggeriert, man habe ein Stück von der Treuhand
gebraucht, um im Osten wirtschaftlich tätig zu werden. Irrtum. Auf der grünen Wiese
war sogar oft billiger. Eines stimmt allerdings: in den größeren Unternehmen und
auch in der öffentlichen Verwaltung war der neue Chef fast immer ein
Westdeutscher. Andererseits ist aber bei vielen Unternehmen ein westdeutscher
Geschäftsführer plus ostdeutsche Ingenieure und Facharbeiter das Erfolgsrezept
geworden, wie bei Multicar oder Pico, um Thüringer Beispiele zu nennen.
4. „Die Treuhand hat im Auftrag westdeutscher Unternehmen die ostdeutsche
Konkurrenz plattgemacht und ausgeschaltet.“ Mir ist kein einziger derartiger Fall
bekannt. Vor welchen DDR-Produkten musste sich denn die westliche Konkurrenz
fürchten? Es gab zwar DDR-Produkte, die Weltspitze waren, aber viele waren das
nicht. Meißner Porzellan, Blüthner-Klaviere, wohl auch die Doppelstockwaggons. Die
meisten bisherigen DDR-Produkte waren entweder veraltet, wie die Kameras, oder
nun zu teuer. Es ist wohl vorgekommen, dass ein DDR-Betrieb erst gekauft und dann
geschlossen wurde, aber aus einem anderen Grund. Ein Schraubenfabrikant etwa
wollte mit dem Ost-Betrieb die östlichen Märkte beliefern. Als die aber wegbrachen,
hat er den Ostbetrieb geschlossen und nicht seinen Stammbetrieb. So etwas war für
die betroffenen Ostdeutschen traurig und schmerzlich, aber nicht hinterhältig
gemein. Die Sowjetunion hatte 1990 gefordert, das vereinigte Deutschland müsse
alle Lieferverpflichtungen der DDR übernehmen. Die Bundesregierung hat das
zugesagt, denn das war Arbeitsplatzsicherung in Ostdeutschland. Und Helmut Kohl
wollte ja auch in Ostdeutschland gewählt werden. Im Juni 1991 hat die
Bundesregierung mit der Sowjetunion ein Handelsabkommen über 21 Mrd. DM
geschlossen, das vorzugsweise Ostbetrieben genützt hätte. Ein halbes Jahr später
war die Sowjetunion verschwunden, das Abkommen Makulatur und weitere
hoffnungsvolle Ostunternehmen waren ohne Kundschaft, namentlich der Waggonbau.
Man hatte vergeblich modernisiert. Aber das Kaliwerk Bischofferode, da ist doch
ostdeutsche Konkurrenz plattgemacht worden! Am Mythos Bischofferode muss ich
leider auch ein wenig kratzen. Kaliwerke gab es ja diesseits und jenseits der
innerdeutschen Grenze, wobei die ostdeutschen beim Export den Vorzug hatten, dass
sie bei Löhnen in Ostgeld den Weltmarktpreis unterbieten konnten. Dieser Vorteil verschwand mit der Einführung der DM. Auf dem Weltmarkt wurde damals Kali
reichlich angeboten. Die Kaliwerke West und Ost wurden unter Aufsicht der Treuhand
in einer neuen Gesellschaft vereinigt. Im Umfeld dieser Neugründung wurden vier
Kaligruben geschlossen, weil man nicht beliebige Mengen absetzen konnte und nur
die rentabelsten Gruben weiterbetreiben bzw. modernisieren wollte. Geschlossen
wurden zwei Werke im Westen und zwei im Osten. Von Bischofferode hieß es damals,
die Produktionskosten für eine Tonne Kalisalz lägen 300 DM über dem
Weltmarktpreis. Das hätte man vielleicht durch Modernisierung ändern können, aber
es gab außerdem ein bergtechnisches Risiko durch austretendes Gas, das bei
anderen Gruben nicht bestand. Die Kumpel von Bischofferode protestierten gegen
den Schließungsbeschluss mit Hungerstreik und einem Marsch zur Treuhandanstalt in
Berlin. Sie behaupteten nämlich, es gäbe einen sicheren Abnehmer für ihr Salz in
Norwegen, der den Aufpreis bezahlt, weil er genau auf diese ihre Körnung
eingerichtet sei. Das haben aber die Norweger nicht bestätigt. Den Bischofferoder
Kumpen ist übrigens ihr Gehalt zwei Jahre lang weiterbezahlt worden. Grundsätzlich
darf man sagen: diejenigen, die im Zuge der Privatisierung entlassen werden
mussten, sind in einer Weise entschädigt worden, wie es sie weiter östlich nirgends
gegeben hat. Auch dafür hat die Treuhand Milliarden ausgegeben.
Neben dieser unberechtigten Kritik gibt es eine zweite Art von Kritik, die berechtigt
wäre, wenn die Treuhand Erfahrungen mit der Privatisierung einer Volkswirtschaft
gehabt hätte, über ihre Unternehmen von Anfang an vollständig informiert gewesen
wäre und mehr Zeit, mehr Geld und mehr Fachleute zur Verfügung gehabt hätte.
Wäre, hätte, jedoch die Verhältnisse, die waren nicht so. Es gab eine Menge von
Büchern zum Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, aber wohl nur eines für
den umgekehrten Übergang. Die Aufgabe der Treuhand war ohne Vorbild. Die dritte
Art von Kritik betrifft die vermeidbaren Fehler. Die ersten Privatisierungsverträge
enthielten noch keine Passagen über Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung der
Zusagen für Investitionen und Arbeitsplätze. Die Idee, Vertriebsgesellschaften
zwischen West- und Ostunternehmen derselben Branche zu bilden, um dem östlichen
Mangel bei Vertrieb und Marketing auszugleichen, war ein Fehler. Im Frühjahr 1991
entdeckte die Treuhand, dass einige Westunternehmen ihre Ostpartner dabei
heimlich kräftig benachteiligten. Mitte 1991 waren alle Vertriebsgesellschaften wieder
aufgelöst. In einigen Fällen war die Treuhand bei westlichen Bewerbern zu
leichtgläubig und ist Betrügern aufgesessen. Kritisiert wird auch dies: westdeutsche
Unternehmen, die von der Treuhandanstalt um Leihmanager für begrenzte Zeit
gebeten wurden, haben nicht immer ihre besten Leute geschickt. Helmut Kohl hat
der westdeutschen Wirtschaft sogar unpatriotisches Verhalten vorgeworfen. So
allgemein würde ich das nicht unterschreiben.
Es gibt aber auch Verdienste der Treuhand. Die Treuhand hat verhindert, dass die
DDR zum bloßen Absatzmarkt für Westwaren wurde. Die westdeutsche Industrie war
nämlich nur zu 68 Prozent ausgelastet und musste ihre Produktion nur um 15
Prozent steigern, um die gesamte DDR zu versorgen. Die Treuhand hat bei der
Privatisierung Investitionen und Arbeitsplatzgarantien verlangt. Sie hat verhindert,
dass sich im nachrevolutionären Chaos eine Klasse von Multimillionären etabliert, wie in Russland. Und sie hat verhindert, dass alte Seilschaften die Industrie (und dann wohl auch die Politik) unterwandern, wie in Rumänien. Und sie hat viel mehr Betriebe
am Leben erhalten, als 1990 prognostiziert wurde. Der Rektor der Ostberliner
Hochschule für Ökonomie, Rudolf Streich, schätzte im Februar 1990, dass 60 Prozent
der DDR-Betriebe Pleite gehen; Dieter Voigt, Generaldirektor von IFA, schätze die
Zahl im Mai auf 50 Prozent, Westministerien rechneten gleichzeitig mit 70 Prozent,
wie seinerzeit der SPIEGEL berichtete. Am Ende waren es 26,8 Prozent. Und heute?
Ostdeutschland steht unter allen ehemals sozialistischen Ländern am besten da, oft
auch besser als manche notleidenden Regionen im Westen. Hier noch neueste
Arbeitslosenzahlen: Thüringen 7,8 Prozent, Nordrhein-Westfalen 8,3 Prozent.


Intellektuelle spielen Telecaster
Harzwanderer und CASI haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.10.2013 19:30 | nach oben springen

#2

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 19:34
von GKUS64 | 1.611 Beiträge

Ist mir als Abendlektüre zu anstrengend, ist ja auch alles Schnee von gestern, mir fällt dazu nur Steinbrücks berühmtes Zitat: " Hätte Hätte Fahradkette" ein, oder das vom Erich: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"

Noch schönen Abend wünscht der

GKUS64


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#3

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 19:38
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Ist aber richtig, die immer wiederholten Klischees auf ihre Richtigkeit zu prüfen.
Die Treuhand wurde übrigens schon unter Hans Modrow eingerichtet, dem "ehrlichen Makler der Einheit".


zuletzt bearbeitet 01.10.2013 19:41 | nach oben springen

#4

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 19:53
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #2
Ist mir als Abendlektüre zu anstrengend, ist ja auch alles Schnee von gestern, mir fällt dazu nur Steinbrücks berühmtes Zitat: " Hätte Hätte Fahradkette" ein, oder das vom Erich: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"

Noch schönen Abend wünscht der

GKUS64


Rot: Ja, richtig. Schuddel, warum hast Du das zu so später Stunde eingestellt ? Habe es überflogen. Viel, viel ist richtig, Einiges muß ich aber widersprechen. Ist mir zu viel Pauschalierung dabei. Aber dazu später.



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#5

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 19:55
von GKUS64 | 1.611 Beiträge

Also doch rot/grün!!!


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#6

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 19:55
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Zitat von GKUS64 im Beitrag #2
Ist mir als Abendlektüre zu anstrengend, ist ja auch alles Schnee von gestern, mir fällt dazu nur Steinbrücks berühmtes Zitat: " Hätte Hätte Fahradkette" ein, oder das vom Erich: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"

Noch schönen Abend wünscht der

GKUS64


Rot: Ja, richtig. Schuddel, warum hast Du das zu so später Stunde eingestellt ? Habe es überflogen. Viel, viel ist richtig, Einiges muß ich aber widersprechen. Ist mir zu viel Pauschalierung dabei. Aber dazu später.


Na, so spät isses ja auch noch nicht.......vielleicht hatte ich ja vorher noch anderes zu tun .


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#7

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 20:07
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #6
Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Zitat von GKUS64 im Beitrag #2
Ist mir als Abendlektüre zu anstrengend, ist ja auch alles Schnee von gestern, mir fällt dazu nur Steinbrücks berühmtes Zitat: " Hätte Hätte Fahradkette" ein, oder das vom Erich: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"

Noch schönen Abend wünscht der

GKUS64


Rot: Ja, richtig. Schuddel, warum hast Du das zu so später Stunde eingestellt ? Habe es überflogen. Viel, viel ist richtig, Einiges muß ich aber widersprechen. Ist mir zu viel Pauschalierung dabei. Aber dazu später.


Na, so spät isses ja auch noch nicht.......vielleicht hatte ich ja vorher noch anderes zu tun .


Grün: Aber ich habe mir vorhin ein Zwickauer Mauritius Bockbier gegönnt. Hat immerhin 7,1 %. Und danach habe ich immer so eine komische Bettschwere. Man wird eben alt. Früher hätte ich ein halbes Dutzend davon vernichtet und wäre noch geistig regsam. Aber heute ?



zuletzt bearbeitet 01.10.2013 20:09 | nach oben springen

#8

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 01.10.2013 20:11
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #7
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #6
Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Zitat von GKUS64 im Beitrag #2
Ist mir als Abendlektüre zu anstrengend, ist ja auch alles Schnee von gestern, mir fällt dazu nur Steinbrücks berühmtes Zitat: " Hätte Hätte Fahradkette" ein, oder das vom Erich: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"

Noch schönen Abend wünscht der

GKUS64


Rot: Ja, richtig. Schuddel, warum hast Du das zu so später Stunde eingestellt ? Habe es überflogen. Viel, viel ist richtig, Einiges muß ich aber widersprechen. Ist mir zu viel Pauschalierung dabei. Aber dazu später.


Na, so spät isses ja auch noch nicht.......vielleicht hatte ich ja vorher noch anderes zu tun .


Grün: Aber ich habe mir vorhin ein Zwickauer Mauritius Bockbier gegönnt. Hat immerhin 7,1 %. Und danach habe ich immer so eine komische Bettschwere. Man wird eben alt. Früher hätte ich ein halbes Dutzend davon vernichtet und wäre noch geistig regsam. Aber heute ?


Prost! Morgen ist ja auch noch ein Tag!


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#9

RE: VERLEIHUNG DEUTSCHER LOKALJOURNALISTENPREIS 2012

in DDR Politik Presse 02.10.2013 12:01
von andy | 1.199 Beiträge

Naja, wenn ein Mann der Kirche (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Sch..._%28Theologe%29) sich zu ökonomischen (nicht ökumenischen) Dingen äussert, ruft das natürlich Widerspruch hervor.

http://www.klaus-blessing.de/media/oekon...d_schroeder.pdf

Mal abgesehen davon, dass die Thematik eigentlich veraltet ist, erscheint mir die Argumentation von Dr. Blessing doch ein Stück weit nachvollziehbarer als die von Prof. Schröder, zumal sich mit Blessing einer äussert, der zu DDR-Zeiten auch mit der DDR-Wirtschaft beschäftigt war - sozusagen also "Insider" war/ist.

Hinweise auf Prof. Schröders nachgewiesene Kompetenz hinsichtlich der Ökonomie in der DDR konnte ich trotz intensiver Suche nicht finden.


andy


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