#1

Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 27.08.2013 15:19
von Grenzgänger (gelöscht)
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In meinem Thema über die "Schwierigkeiten der eigenen Geschichte" habe ich ja die Vermutung aufgestellt, dass ehemalige Zugführer und Kompaniechefs von GKn hier im Forum nur spärlich vertreten sind.

Da mir die Suche über alte Beiträge oder Profile nicht sehr erfolgversprechend erscheint (ich habs versucht, aber man kommt vor lauter hin-und her-klicken nicht voran), stelle ich hier einfach mal die Frage (siehe Überschrift).... OaZ und UaZ sind "außen vor".

Ich möchte mich dann speziell mal mit diesen austauschen ...

Danke schonmal fürs "outen"...

Siggi


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#2

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 27.08.2013 15:37
von Winch | 171 Beiträge

ich war beides. was möchtest du wissen?


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#3

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 27.08.2013 15:44
von Vogtländer (gelöscht)
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Dann stell ich mal ne Frage (nur aus eignem Interesse).Wenn sie Dir zu persönlich ist,kannst gerne über PM antworten,ist aber kein Muß!
Angenommener Fall:Ein Untergebener geht stiften,vielleicht noch über die Grenze.Was hättest gefühlt und wie hättest reagiert?
Wie gesagt,ist nur ein angenommener Fall und Antwortpflicht besteht auch nicht.
Gruß
Frank


zuletzt bearbeitet 27.08.2013 15:46 | nach oben springen

#4

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 27.08.2013 15:45
von Grenzgänger (gelöscht)
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Danke erstmal,
ich würde gern noch etwas warten- damit es kein Dialog wird. Ist das OK ?

Siggi


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#5

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 27.08.2013 22:19
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

Meld


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#6

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 03:12
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Naja, Grenzgänger,

Zugführer war ich nur 9 Tage im Praktikum (die restlichen Wochen fielen einer Blinddarmoperation zum Opfer) und Kompaniechef konnte ich bei meiner Laufbahn nicht werden. Ich war Stellvertreter des Kompaniechefs für Politische Arbeit - ein Polit, ein Kommissar. Ginge das zur Not auch?

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#7

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 09:26
von Grenzgänger (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #6
.....ein Polit, ein Kommissar. Ginge das zur Not auch?

ciao Rainman


Ja.. "zur Not" wird das auch gehen...
Danke

Siggi


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#8

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 16:16
von Fritze (gelöscht)
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Zitat von Grenzgänger im Beitrag #7
Zitat von Rainman2 im Beitrag #6
.....ein Polit, ein Kommissar. Ginge das zur Not auch?

ciao Rainman


Ja.. "zur Not" wird das auch gehen...
Danke

Siggi



Was hast Du vor ? Und welche Grenzkompanie schwebt Dir vor ?

Nimmst Du auch Spezialisten ?


MfG Fritze


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#9

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 16:53
von Grenzgänger (gelöscht)
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Ach, ich habe gar nichts besonderes vor.
Ich kam nur über das Thema der "eigenen Geschichte" mal wieder darauf, dass ich in jungen Jahren auch schon mal soweit war, unbedingt Grenzoffizier werden zu wollen.
Ich möchte eigentlich nur mal von den Leuten, die das gelebt haben, was ich ja dann auch vermutlich als erstes geworden wäre (nämlich ZF), hören, ob sie auch so völlig unbedarft und unwissend waren wie ich.
Ich war mit der Ideologie des Sozialismus vollgestopft, natürlich war ich für den Frieden und gegen den Imperialismus.
Deswegen wollte ich in vorderster Linie stehen.

Und ich wusste nicht einmal, wie "die Drähte gespannt sind und welche Zäune da stehen"- ich war so behämmert, dass ich wirklich geglaubt habe, wir schützen uns dort vor den vom Westen kommenden "Bösen".
Das einzige, was ich von der Grenze bis dahin mal gesehen habe, war in Berlin die Hinterlandmauer in Höhe Baumschulenweg durch die Bäume schimmern und die "eingezäunte" Bahnstrecke Prenzelberg Richtung Norden- aber das war ja alles korrekt.

Das es "verbrecherische Grenzverletzer" und "Flüchtlinge" gab, hatte ich schon gehört. Aber die zu stellen, hätte ich eher als "Nebenprodukt" an der eben unverletzlichen Grenze gesehen.
Ich hatte damals leider keine anderen Einflüsse, die mich schon mal hätten zumindest nachdenken lassen...

An der OHS spätestens hätte ich ja gemerkt, in welche Richtung die Anlagen wirken und zu welchem Zweck und wie perfekt sie gestaltet sind.. aber was wäre dann gewesen ?
Für mich wäre das ein Konflikt geworden- und ich denke für andere auch, wenn plötzlich das Bild im Kopf nicht mehr stimmt.

Und dann kommst du in eine gottverlassene Grenzkompanie am Arsch der Welt, wo dich nicht mal dein Kumpel einfach besuchen kann..
Kirche, Kneipe, Konsum, LPG.. aber das wäre schon viel... Ledigenwohnheim vielleicht noch.. irgendwann hätte ich eine Dorfschöne geheiratet, oder ?

Und stehst vor Soldaten, die sozusagen gleichaltrig sind.. und sollst denen was erzählen... mit deinen eigenen Zweifeln ?

Ich habe das alles vorher nicht gewusst.. und könnte mich heute noch in den Arsch beissen, dass ich mir nicht die Mühe des Nachdenkens gemacht habe, sondern den Fanfarentönen einfach nachgelaufen bin.

Und deshalb möchte ich mit "gleichartigen" darüber reden- möchte wissen, wie sie es empfunden haben.. wann sie desillusioniert worden sind..

Aber bitte nur die ZF und KC antworten lassen.. das soll keine allgemeine Ratschlags- und Statement- Diskussion werden..

Vielleicht wird es ja personell noch ein bisschen umfangreicher als mit den "drei Hanseln" (man muss ja sogar schon einen Polit dazunehmen.. )

Und wenn es zu persönlich wird, merke ich ja das auch an den Nichtreaktionen..

Na dann... (ich nehme auch PN entgegen)

Siggi

edit: Ergänzung: ...es geht um die Zeit, als ich 16 oder 17 war...


silberfuchs60 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.08.2013 17:40 | nach oben springen

#10

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 17:28
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Lieber Grenzgänger, leider kann ich dir nicht helfen, habe nicht gedient.
Versteh dich nicht, wo bist du aufgewachsen? Waren deine Eltern oder Großeltern mal im Westen und haben dir nichts erzählt?
Angenommen ich wäre vom Sozialismus so überzeugt und hätte jeden Tag nur Aktuelle Kamera gesehen dann hätte ich doch was gemerkt und mir mal einiges überlegt.
In der BRD wird der Arbeiter vom Kapitalist ausgebeutet und im Alter auf die Straße geworfen! Warum kommen die nicht in unserem Arbeiter-Staat wo sie nicht ausgebeutet werden?


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#11

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 17:44
von Hapedi | 1.877 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #10
Lieber Grenzgänger, leider kann ich dir nicht helfen, habe nicht gedient.
Versteh dich nicht, wo bist du aufgewachsen? Waren deine Eltern oder Großeltern mal im Westen und haben dir nichts erzählt?
Angenommen ich wäre vom Sozialismus so überzeugt und hätte jeden Tag nur Aktuelle Kamera gesehen dann hätte ich doch was gemerkt und mir mal einiges überlegt.
In der BRD wird der Arbeiter vom Kapitalist ausgebeutet und im Alter auf die Straße geworfen! Warum kommen die nicht in unserem Arbeiter-Staat wo sie nicht ausgebeutet werden?


ja leute im kapitalismus gibt es die ausbeutung des menschen durch den menschen und im sozialismus war es halt genau um gedreht
LG Peter



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#12

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 17:47
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von Hapedi im Beitrag #11
Zitat von thomas 48 im Beitrag #10
Lieber Grenzgänger, leider kann ich dir nicht helfen, habe nicht gedient.
Versteh dich nicht, wo bist du aufgewachsen? Waren deine Eltern oder Großeltern mal im Westen und haben dir nichts erzählt?
Angenommen ich wäre vom Sozialismus so überzeugt und hätte jeden Tag nur Aktuelle Kamera gesehen dann hätte ich doch was gemerkt und mir mal einiges überlegt.
In der BRD wird der Arbeiter vom Kapitalist ausgebeutet und im Alter auf die Straße geworfen! Warum kommen die nicht in unserem Arbeiter-Staat wo sie nicht ausgebeutet werden?


ja leute im kapitalismus gibt es die ausbeutung des menschen durch den menschen und im sozialismus war es halt genau um gedreht
LG Peter

Deinen Beitrag werden jetzt einige User nicht verstehen und natürlich hinterfragen.

VG. Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 28.08.2013 17:51
von Grenzgänger (gelöscht)
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... und ich bitte darum, meine Bitte zu respektieren:

Aber bitte nur die ZF und KC antworten lassen.. das soll keine allgemeine Ratschlags- und Statement- Diskussion werden..


Siggi
(der natürlich niemandem den Mund verbieten will)


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 30.08.2013 16:12
von Grenzgänger (gelöscht)
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... bis jetzt entspricht der "Fadenlauf" meinen Erwartungen vollkommen.
(Aber bitte dran denken: "ZF & KC only"..)

Siggi


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#15

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 01.09.2013 18:29
von Grenzgänger (gelöscht)
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Jetzt sind nochmal 48 Stunden vergangen.. die drei Hanseln (leider sind es nur drei hier.. ) waren zwischenzeitlich mehrfach online- ich gehe also davon aus, dass jetzt erstmal keine Antworten auf meine Fragen kommen. (das soll in keinster Weise, wie es neudeutsch heisst, ein Vorwurf sein...)
PN habe ich auch nicht erhalten..
Das ist auch das erwartete Ergebnis.. aber bitte , ihr drei, fühlte euch bitte auf keinen Fall genötigt, jetzt noch irgendwas zu schreiben..

Wir sollten die Fragen einfach im Forum- Nirvana stehen lassen

Danke

Siggi


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#16

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 02:33
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Grenzgänger,

nun also mal ein erster Versuch der Antwort von meiner Seite.

Ich war lediglich im Praktikum als Offiziersschüler 9 Tage lang Zugführer. Ich gehörte nach Abschluss der Offiziershochschule in Plauen (14.08.1982) zum ersten Lehrgang von Offizieren der Grenztruppen, der sofort und ohne Zugführer gewesen zu sein, an die Militärpolitische Hochschule zu einem Heranbildungslehrgang zum Politoffizier für 10 Monate ging. Ich ging im Juni 1983 in die 12. GK / III. GB / GR-3 (Stedtlingen) als Stellvertreter des Kompaniechefs für politische Arbeit. Ich war genauso grün, wie ein neuer Zugführer und hatte weniger Chancen, mich mit dem Abschnitt vertraut zu machen.

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
... Ich möchte eigentlich nur mal von den Leuten, die das gelebt haben, was ich ja dann auch vermutlich als erstes geworden wäre (nämlich ZF), hören, ob sie auch so völlig unbedarft und unwissend waren wie ich.
Ich war mit der Ideologie des Sozialismus vollgestopft, natürlich war ich für den Frieden und gegen den Imperialismus.
Deswegen wollte ich in vorderster Linie stehen. ...

Ja, unbedarft und unwissend sind die richtigen Vokabeln. Ich war gut ausgebildet, ich hatte den Kopf voller Flausen und ich hatte von der Praxis des Grenzdienstes keine wirkliche Ahnung. Für mich war die Grenze zunächst die Trennlinie zwischen im höchsten Maße kriegsbereiten Streitkräften. Jeder Zwischenfall an der Grenze kann eine Gefahr für den Frieden sein. Das war der Grundtenor meiner Haltung. Diese wurde auch an der Offiziershochschule nicht erschüttert.

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
... Das es "verbrecherische Grenzverletzer" und "Flüchtlinge" gab, hatte ich schon gehört. Aber die zu stellen, hätte ich eher als "Nebenprodukt" an der eben unverletzlichen Grenze gesehen.
Ich hatte damals leider keine anderen Einflüsse, die mich schon mal hätten zumindest nachdenken lassen...

An der OHS spätestens hätte ich ja gemerkt, in welche Richtung die Anlagen wirken und zu welchem Zweck und wie perfekt sie gestaltet sind.. aber was wäre dann gewesen ?
Für mich wäre das ein Konflikt geworden- und ich denke für andere auch, wenn plötzlich das Bild im Kopf nicht mehr stimmt....

Nein, das war damals kein Konflikt für mich. Es gab 2 grundsätzliche Angriffsrichtungen auf die Grenze. Aus Richtung West - da war nichts weiter zu machen, als diese zu erschweren, durch Wachsamkeit aufzuklären und auf Provokationen besonnen zu reagieren. Kam der Grenzverletzer aus Richtung West bis zum Grenzsignalzaun, hätte er diesen mit der gleichen Wahrscheinlichkeit ausgelöst, wie aus der Richtung Ost. Für den Angriff aus Richtung Osten konnten wir uns anders rüsten. Grenzverletzer waren für mich laut Gesetz Straftäter und per Ideologie Feinde des Friedens und des Sozialismus. Sie wurden, auch im Rahmen meiner eigenen politischen Arbeit, gesichtslos gehalten, verbal asozialisiert und als Verbrecher "entlarvt". Die Sicherung bis in das Hinterland hinein war eine professionelle Aufgabe, Nachdenken hätte die Erfüllung erschwert. Der Tagesdienst ließ kaum Raum für Reflexionen. War ich bis dahin, je nach Grundfrage um die es hätte gehen müssen, zu bequem oder zu blind zum Hinterfragen, fehlte mir nun auch die Zeit dazu. Die Probleme - Auseinandersetzungen mit Unterstellten, Anschisse von den Vorgesetzten, Forderungen, die kaum zu erfüllen waren, Anspannung aus durchwachten Nächten usw. - nahmen einen in Anspruch. Je fester die Grundposition, je geringer die Empathie, desto einfacher konnte man all dem begegnen.

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
... Und dann kommst du in eine gottverlassene Grenzkompanie am Arsch der Welt, wo dich nicht mal dein Kumpel einfach besuchen kann..
Kirche, Kneipe, Konsum, LPG.. aber das wäre schon viel... Ledigenwohnheim vielleicht noch.. irgendwann hätte ich eine Dorfschöne geheiratet, oder ?...

Ja, selbst in der katholischen Vorderrhön fühlte man sich als geborener Städter (Leipzig) von Gott verlassen. Ich hatte mir nahezu ein Mantra zurecht gelegt: Fass hier ja keine an! Die Angst eines Morgens mit Gummistiefeln an den Füßen aufzuwachen und für den Rest meines Lebens in einem Dörfchen leben zu müssen, war sehr groß. Man bot mir die Leitung der Singegruppe der Schule an. Traditionell kommen da nur Mädchen an, um mitzumachen. Das war hier auch so. Aber man gab mir die Mädels der 8. und 9. Klasse. Da hieß es erst recht: Finger weg! Die Dorfschöne? Nein, die war recht schnell mit einem der reicheren Bauernsöhne zusammen oder wollte in die Welt entführt werden. Ein Offizier konnte bei Versetzung nur ein anderes Dorf bieten. Das Ledigenwohnheim war eine 3-Raum-Wohnung. In einem Zimmer wohnten unsere beiden Unterleutnants zusammen. Ein Zimmer hatte ich, eines einer unserer Zugführer. Die anderen 3 Offiziere der Kompanie waren verheiratet. Hin und wieder fuhr ich mal nach Meiningen rüber, ansonsten gab es die Kneipe im Ort oder die Literatur. Ich las damals innerhalb eines Jahres den gesamten Romanzyklus Rougon-Macquart von Émile Zola, alle 20 Bände. Alle vier Wochen hatte ich Verlängerten Kurzurlaub, bei dem es sich lohnte, nach Hause, nach Leipzig zu fahren. Ich begann dort damals, in Bars zu gehen. Diskotheken waren mir zuwider und Bars boten die beste Möglichkeit, auf die Schnelle eine "Damenbekanntschaft" zu machen. Meinen alten Freundeskreis in Leipzig hatte ich in den Jahren der Offiziershochschule nach und nach aus den Augen verloren. Ich hatte vor allem meine Familie und ein paar flüchtige Beziehungen, von denen man die meisten heute als One-Night-Stands bezeichnen würde. In der Sammlung meiner Liebes- und Abschiedsbriefe, die ich erhielt, habe ich einen interessanten Brief, in dem das Mädchen mich ablehnt, da ich nach ihrer Meinung zu sehr mit Geld um mich warf und ich in meinen Gesprächen zu sehr auf meinen Dienst fixiert war. Ich fühlte mich damals sehr gekränkt. Ich hatte eigentlich nur die Bars zum Geldausgeben und sah in meiner spendablen Art einen Vorteil beim Kennenlernen. Was mich aber noch mehr erschütterte, dass ich kein unterhaltsamer Erzähler war, der ich bei meiner Lektüre doch hätte sein können. Ich war in einer Falle: Ich konnte nicht abschalten und wurde den Ton der Grenzkompanie nicht mehr los. Und da ich nicht sonderlich erfolgreich in meiner Arbeit war und regelmäßig im Kreuzfeuer der Kritik durch Vorgesetzte stand, brauchte ich wohl einen Kanal, um "Dampf abzulassen und mich hervorzutun". Dieser Brief war sehr wichtig für mich und mein Selbstbild. Nachdem ich aufgehört hatte, zu schmollen, begann ich, mir die Kritik zu Herzen zu nehmen. Den zweiten Schock in dieser Richtung erlebte ich bei meinem Diplomstudium ab 1988 an der Militärpolitischen Hochschule. Nach ein paar Monaten hörte ich dem Gespräch von ein paar Grenzoffizieren zu, die nur für einen kurzen Lehrgang da waren. Zuerst erschrak ich über den rüden Ton und die komplett unreflektierte Sicht. Danach erinnerte ich mich daran, dass ich jetzt, im Studium, Zeit für Reflexion hatte, die entsprechenden Gesprächspartner und erst wenige Monate zuvor hatte ich wohl auch so geklungen. Ein heilsamer Schock, wenn ich es aus heutiger Sicht sehe.

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
...Und stehst vor Soldaten, die sozusagen gleichaltrig sind.. und sollst denen was erzählen... mit deinen eigenen Zweifeln ?...

Oh, viele der Soldaten waren in der Grenzkompanie sogar älter als ich. Ich mit meinen 22/23 Jahren lag da geradeso im Durchschnitt. Die Zweifel waren seltener politischer Natur. Ich hatte eher Selbstzweifel. Bei vielen Dingen konnte ich nicht mit praktischen Erfahrungen mitreden. Aber ich durfte mir schließlich auch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Das ist eine explosive und gefährliche Mischung für einen Vorgesetzten. Ich panzerte mich auch zunehmend mit Dogmatismus auf der einen Seite, paarte diesen mit Rechthaberei und fühlte mich auf der anderen Seite auch noch im Recht. Sollte ich mal einen Ratgeber schreiben: "Wie versaue am sichersten meinen Charakter", dann wäre das unter der Top10. Die Basis meiner politischen Haltung wurde immer mehr von Behauptungen geprägt, die diese "dunkle Seite" meiner Charakterentwicklung förderten. Führungsanspruch, Wahrheitsanspruch per se, das stand für mich nicht in Frage, war es doch die Stütze meiner Rolle als Politstellvertreter. Es ist bis heute nicht immer leicht, mit diesem Ballast umzugehen und zu unterscheiden, was daran wirklich Wahrheit war bzw. ist. Aber mit zunehmendem Alter und mit zunehmender Erfahrung fiel es mir leichter, zu argumentieren, Leute zu "überzeugen". Und ich war selbst überzeugt, es wäre richtig und müsse so sein. Unwahrheiten und Beschönigungen galten mir als "Taktik im Klassenkampf", es ging ja schließlich um den Frieden und um den Sozialismus und mit letzterem um den Fortschritt der Menschen. Man sollte die Macht der Verdrängung und der Dissonanzminderung nie unterschätzen.

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
...Ich habe das alles vorher nicht gewusst.. und könnte mich heute noch in den Arsch beissen, dass ich mir nicht die Mühe des Nachdenkens gemacht habe, sondern den Fanfarentönen einfach nachgelaufen bin.

Und deshalb möchte ich mit "gleichartigen" darüber reden- möchte wissen, wie sie es empfunden haben.. wann sie desillusioniert worden sind..
?...

Mit meinem Studium 1988 begann für mich eine Zeit des Nachdenkens. Manche Desillusionierungen waren schon mit Perestroika und Glasnost dahergekommen. Das wohlgehütete Bild des Großen Bruders bröckelte immer mehr. Die heile Welt erhielt Risse. Aber es gab zu viel, worauf ich mich ideologisch eingelassen hatte. Das bricht nicht einfach nur zusammen, wegen einiger Risse und neuer Sichten. Ich versuchte, die neuen Informationen in mein altes Weltbild zu passen. Noch am 04. November 1989, angesichts der Fernsehbilder vom Alexanderplatz, versuchte ich, das was ich sah, in mein sozialistisches Glaubensideal einzupassen. Die Erschütterung kam dann am Morgen des 10. November 1989. Da sah ich es klar, es war zu Ende.

Deine Fragestellung, Grenzgänger, ist sehr komplex. Ich kann somit erst einmal nur ein Gesprächsangebot machen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Diskus303, Jobnomade, DoreHolm und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 09:53
von utkieker | 2.920 Beiträge

Oh ja Rainman,

ich war "nur" ein kleiner Gruppenführer aber mit 19 Jahren hatte man erstmals im Leben Verantwortung in der Menschenführung. Unser "Kompanieopa" war 26 bei seinen Abgang bereits 27 Jahre alt, hatte ein abgeschlossenes Ingenieur- Studium und war bei der deutschen Reichsbahn Oberamtmann (entspricht einem Hauptmann bei Militär). Im Grundwehrdienst aber ebend Gefreiter. Vom "Opa" anerkennenend auf die Schulter geklopft zu werden war wie ein Ritterschlag. Zugführer Ltn. L. habe ich genug geärgert aber im Nachhinein - L. war ja auch noch ziemlich jung und die Verantwortung war ja auch nicht gering. Als Zugführer des 1. Zuges war er ja praktisch der 3. Stellvertreter des Kompaniechefs.
Menschenführung kann man nicht lernen es ist ein Prozess den man durchmacht. Mit dem Offiziersdiplom hat man zwar die Funktion inne, aber noch lange nicht die Autorität welche man darstellen soll. Ich denke das so mancher junger Leutnant erst einmal ein Tal von Tränen durchschreitet bevor er ein dickes Fell trägt.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#18

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 11:50
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo uitkieker,

nur kurze Ergänzung: Dass ein Zugführer 3. Stellvertreter des Kompaniechefs (nach dem Stellvertreter Kompaniechef und dem Stellvertreter Kompaniechef für politische Arbeit) war, lag nicht am Zug den er führte, sondern am Befehl des Kompaniechefs. Also, der Zugführer des 1. Zuges musste das nicht automatisch sein. Bei uns war es der Zugführer des 4. Zuges (= Dienstältester Zugführer/Berufsoffizier). Den 1. Zug führte bei uns damals ein Offizier auf Zeit, der aufgrund seiner Ausbildung nur bis Führung eines Zuges ausgebildet war. Als Berufsoffizier war man ja bis zur Ebene Führung einer Kompanie ausgebildet (Fachrichtung an der OHS "Kommandeur einer Einheit der Grenztruppen").

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 18:19
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
Ach, ich habe gar nichts besonderes vor.
Ich kam nur über das Thema der "eigenen Geschichte" mal wieder darauf, dass ich in jungen Jahren auch schon mal soweit war, unbedingt Grenzoffizier werden zu wollen.
Ich möchte eigentlich nur mal von den Leuten, die das gelebt haben, was ich ja dann auch vermutlich als erstes geworden wäre (nämlich ZF), hören, ob sie auch so völlig unbedarft und unwissend waren wie ich.
Ich war mit der Ideologie des Sozialismus vollgestopft, natürlich war ich für den Frieden und gegen den Imperialismus.
Deswegen wollte ich in vorderster Linie stehen.

Und ich wusste nicht einmal, wie "die Drähte gespannt sind und welche Zäune da stehen"- ich war so behämmert, dass ich wirklich geglaubt habe, wir schützen uns dort vor den vom Westen kommenden "Bösen".
Das einzige, was ich von der Grenze bis dahin mal gesehen habe, war in Berlin die Hinterlandmauer in Höhe Baumschulenweg durch die Bäume schimmern und die "eingezäunte" Bahnstrecke Prenzelberg Richtung Norden- aber das war ja alles korrekt.

Das es "verbrecherische Grenzverletzer" und "Flüchtlinge" gab, hatte ich schon gehört. Aber die zu stellen, hätte ich eher als "Nebenprodukt" an der eben unverletzlichen Grenze gesehen.
Ich hatte damals leider keine anderen Einflüsse, die mich schon mal hätten zumindest nachdenken lassen...

An der OHS spätestens hätte ich ja gemerkt, in welche Richtung die Anlagen wirken und zu welchem Zweck und wie perfekt sie gestaltet sind.. aber was wäre dann gewesen ?
Für mich wäre das ein Konflikt geworden- und ich denke für andere auch, wenn plötzlich das Bild im Kopf nicht mehr stimmt.

Und dann kommst du in eine gottverlassene Grenzkompanie am Arsch der Welt, wo dich nicht mal dein Kumpel einfach besuchen kann..
Kirche, Kneipe, Konsum, LPG.. aber das wäre schon viel... Ledigenwohnheim vielleicht noch.. irgendwann hätte ich eine Dorfschöne geheiratet, oder ?

Und stehst vor Soldaten, die sozusagen gleichaltrig sind.. und sollst denen was erzählen... mit deinen eigenen Zweifeln ?

Ich habe das alles vorher nicht gewusst.. und könnte mich heute noch in den Arsch beissen, dass ich mir nicht die Mühe des Nachdenkens gemacht habe, sondern den Fanfarentönen einfach nachgelaufen bin.

Und deshalb möchte ich mit "gleichartigen" darüber reden- möchte wissen, wie sie es empfunden haben.. wann sie desillusioniert worden sind..

Aber bitte nur die ZF und KC antworten lassen.. das soll keine allgemeine Ratschlags- und Statement- Diskussion werden..

Vielleicht wird es ja personell noch ein bisschen umfangreicher als mit den "drei Hanseln" (man muss ja sogar schon einen Polit dazunehmen.. )

Und wenn es zu persönlich wird, merke ich ja das auch an den Nichtreaktionen..

Na dann... (ich nehme auch PN entgegen)


Siggi

edit: Ergänzung: ...es geht um die Zeit, als ich 16 oder 17 war...


wieso hast du gar nichts gewusst? Hast du im sog. Tal der Ahnungslosen " gewohnt ?
Ich wohnte damals in Erfurt und wir haben uns zu Hause nur in die "erste Reihe" gesetzt beim Fernsehen.Daher waren wir auch immer gut informiert. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, weil ich kein Offizier der Grenzztruppen war.Diskutiert das unter euch, ich bin aber ein interessierter Leser.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 03.09.2013 18:21 | nach oben springen

#20

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 19:21
von skbw | 216 Beiträge

war ZF, StKCGSi und KC im GKM


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

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