#21

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 19:24
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #19
Zitat von Grenzgänger im Beitrag #9
... Und ich wusste nicht einmal, wie "die Drähte gespannt sind und welche Zäune da stehen"- ich war so behämmert, dass ich wirklich geglaubt habe, wir schützen uns dort vor den vom Westen kommenden "Bösen". ...



wieso hast du gar nichts gewusst? Hast du im sog. Tal der Ahnungslosen " gewohnt ?
Ich wohnte damals in Erfurt und wir haben uns zu Hause nur in die "erste Reihe" gesetzt beim Fernsehen.Daher waren wir auch immer gut informiert. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, weil ich kein Offizier der Grenzztruppen war.Diskutiert das unter euch, ich bin aber ein interessierter Leser.

Hallo Gert,

da antworte ich mal aus meiner Sicht: Nein, ich habe auch nicht gewusst, wie die Grenzanlagen genau aussahen, bis ich an die Offiziershochschule kam. Der Grund war simpel: Wir hatten in unserer Familie keine Beziehungen zu einem, der uns eine Westantenne auf das Dach montiert hätte. Und ohne die wohnte man auch in Leipzigs Innenstadt im Tal der Ahnungslosen. Nun gut - Oma hörte ihr Westradio ("Die lügen wieder was zusammen!" - ihr erster Hauptsatz nach den Nachrichten), meine Mutter hatte als Parteisekretärin in den 60er und 70er Jahren auch kein gesteigertes Interesse und mir tat es nur ein paarmal leid, wenn ich bei anderen beim Losgehen noch sah, dass gerade ein Indianerfilm im Fernsehen lief und ich den zuhause nicht zu Ende sehen konnte (Oma pflegte dann immer mit mir Mau-Mau zu spielen - ihre einzige Chance, gegen mich zu gewinnen, da ich mehr an den verpassten Film dachte und unkonzentriert war). Sonst hatte ich damals nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt.

Ist nur so ein Stück in der Biografie, aber es trug dazu bei, dass einige Sichten auf die Welt etwas einseitiger ausfielen. Deshalb trafen mich auch irgendwelche Verbote und Anordnungen nicht sonderlich. Ich konnte auch die Verpflichtungserklärung, keine "Feindsender" zu konsumieren, bei Abgabe meiner Bewerbung als Offizier leichten Herzens unterschreiben. Im übrigen sah ich bei Schulfreunden öfter Westfernsehen, aber sonderlich riss mich das nun auch nicht vom Hocker. Genau wie heute ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 04.09.2013 10:25
von Grenzgänger (gelöscht)
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Hallo Gert,
ich freue mich, dass du hier nur mitlesen willst... denn es soll nach wie vor gelten "ZF & KC only".
Das ganze andere "warum und wieso, wer und womit und warum nicht" bezüglich der Grenze haben wir ja in den hunderten anderen Themen.

Zu deiner Frage (damit du die Antwort lesen kannst):
Westfernsehen hatten wir zu Hause, wurde auch eher überwiegend gesehen. Aber erinnere dich bitte, welches plüschige Programm es am Ende der 60er (und das ist die mich diesbezüglich prägende Zeit) damals gab.

Das war der Blaue Bock, Spiel ohne Grenzen (lustig, nicht?), Ohnsorg- Theater, Edgar Wallace, Schweinchen Dick und Hucky und seine Freunde..
Reportagen mit halbwegs Inhalt über die Grenze waren (vorsichtig) eher selten.. wie alle anderen Sachberichte auch.
Die Grenze war medial kein wichtiges Thema- gelegentlich wurde in der Tagesschau von gelungenen Fluchten berichtet und zum Jahrestag des Mauerbaues gab es die ewig gleichen Bilder, die wir auch heute noch in jeder Doku zum hundertsten Mal wiedersehen

Dass die Grenze sozusagen als Sperrwerk bestand, war mir natürlich klar,- aber wie "die Drähte gespannt waren", mit welcher Perfektion diese Anlagen in nur eben eine Richtung ausgelegt waren, das war mir nicht klar.

Viel Spass beim weiteren mitlesen

Siggi


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#23

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 04.09.2013 10:30
von Grenzgänger (gelöscht)
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Zitat von skbw im Beitrag #20
war ZF, StKCGSi und KC im GKM


Darf ich mich schon auf deinen Beitrag freuen ...?

Siggi


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#24

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 04.09.2013 10:53
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #23
Zitat von skbw im Beitrag #20
war ZF, StKCGSi und KC im GKM


Darf ich mich schon auf deinen Beitrag freuen ...?

Siggi


Hallo Grenzgänger,

Diesem Wunsch schließe ich mich unbedingt an!

Im übrigen kann man es Usern kaum verwehren, in Threads Rückfragen zu stellen oder auch mal Meinungen zu posten. Die Rückfrage von Gert sah ich durchaus als die Diskussion bereichernd an. Ich verstehe schon Deine Sorge, dass auch dieser Thread irgendwie im Gezänk geerdet werden könnte, wie so viele. Das wäre schade, sofern sich noch ein paar "richtige Zugführer" für Antworten finden. skbw ist jetzt auf jedem Fall am Zug - hoffe ich ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 04.09.2013 10:54 | nach oben springen

#25

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 04.09.2013 11:27
von Grenzgänger (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #24

Im übrigen kann man es Usern kaum verwehren, in Threads Rückfragen zu stellen oder auch mal Meinungen zu posten. Die Rückfrage von Gert sah ich durchaus als die Diskussion bereichernd an. Ich verstehe schon Deine Sorge, ....
ciao Rainman


.. ist mir völlig klar, soll und wird auch so sein..
aber vielleicht gelingt es ja im wesentlichen doch- das mit "ZF & KC only"- (ihr seht, ich glaube an das Gute im Menschen..)

Habe gerade eine nette PN zu "MEINEM" Thread bekommen-
Vielleicht muss ich doch noch etwas deutlicher machen, damit nicht die "Oh Gott, ist der doof"- Reaktion beim lesen überwiegt.

Meine Frage umfasst die Zeit meiner Jugend, als ich etwa 16 / 17 Jahre alt war- in dieser Zeit hatte ich mich "entschliessen lassen".. (und: vielleicht unten nochmal lesen- ich bin ja kein Grenzer geworden) und nur um diese Zeit geht es mir.

In den Jahren danach, für mich beginnend im 3. DHJ des GWD, hatte ich die bis dahin fehlenden Einflüsse.. (da waren z.B. Leute aus Leipzig aus einer Szene dabei, von der ich mir nie vorgestellt habe, dass es sie geben könnte..) und die habe ich auch sehr intensiv genutzt und gewertet

Ich war dann recht schnell nicht mehr der "brave"- was dann rein äußerlich dazu führte, dass mein schon eingetragener Entlassungsdienstgrad "Unteroffizier" (war ja als Gefreiter Gruppenführer) schlicht und ergreifend durchgestrichen worden ist. Ich konnte sehr gut damit leben..

Siggi



Zitat von mir aus dem Thema "Über die Schwierigkeit, die eigene...)


........
Was mir persönlich immer wieder bei all den Grenz-, DDR-, Erziehungs-, Beeinflussungs-, Zeitgeschichtsthemen in den Sinn kommt, ist mein eigenes "fast Grenzoffizier geworden sein" (aus heutiger Sicht Gott sei Dank hypothetisch geblieben, aber dennoch eine für mich "schwierige" Vorstellung)
- und ich hatte null Ahnung, wie die Grenze eigentlich aufgebaut ist.
Ich "wusste" nur, dass wir genau dort den Imperialismus stoppen- und da wollte ich dabei sein. Nicht bei Panzern, Muckern, Raketen oder sonstwas..

Und ich war fast schon dabei- Erklärung abgegeben, "Bewerberkollektiv" usw.- bei der Musterung hatten allerdings die Ärzte an meiner Gesundheit etwas auszusetzen, so dass ich "dafür" nicht geeignet war.
Eine nette zivile Ärztin hat mir sogar nahegelegt, dass ich mich damit auch durchaus vom normalen GWD "drücken" könnte. .damals habe ich fast empört abgelehnt.
Von meinem heutigen, schwer erarbeiteten Standpunkt aus, kann ich nur sagen: Bloß gut, dass ich kein Grenzoffizier geworden bin- denn aus meiner "heutigen Sicht" war diese Grenze der Offenbarungseid des Sozialismus.

(Übrigens:
täuscht mich mein Eindruck, dass hier nur wenige bis fast gar keine ehemalige ZF / KC vertreten sind ?
Wenn das so ist, kann ich es verstehen..)
.......


zuletzt bearbeitet 04.09.2013 11:51 | nach oben springen

#26

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 21:46
von skbw | 216 Beiträge

Hallo Grenzgänger,

sich mit der "eigenen Geschichte" beschäftigen führte mich 2009 in dieses Forum. War nicht einfach damit umzugehen, da die meisten hier schon immer wussten, daß es so kommen musste, wie es letzlich kam. Am schwierigsten ist es aber für mich über meine damaligen Erlebnisse, Denkweise, Einstellungen und Motive zu berichten, weil es leider immer wieder vorkommt, daß einige User "mein Damals" mit "meinem Heute" gleichsetzen und mir deshalb jeglichen Horizonterweiterung absprechen. Deshalb sind meine Beiträge hier auch recht überschaubar.
Meine Motivation in der 8.Klasse Offizier werden zu wollen, hatte garnichts Tiefgreifendes, "heldenhaftes" ( Friedenssicherung o.ä. ), sondern ergab sich einfach aus meinem ganz persönlichen, familiärem Umfeld.
Mit 5 Jahren ( 1964 ) ist meine Familie in das Berliner Umland ( Kleinmachnow ) gezogen. Ich bin also mit der Grenze großgeworden und haben in der Nachbarschaft als ZF bis KC gedient.
Als Kind und auch als 16 - 17jähriger hat die Grenze mich nicht sonderlich interessiert. Sie war halt da, mehr nicht. Das Grenzgebiet war toll. Als Kind durften wir rein, die Eltern aber nicht. Oft standen wir Jungs am Hinterlandssicherungzaun und haben uns die Autos in WB angesehen, aber Sehnsüchte haben sie bei mir nicht geweckt. Eingesperrt fühlte ich mich nie, eigentlich waren es ja die Westberliner die eingesperrt waren.
Was ich toll fand, war die Ablösung der GP, das Auf- und Absitzen, das Klappern der Ladeklappe beim LKW, das Durchladen der Waffen. So als kleiner Junge faszinierte mich so allgemein das militärische, ohne es genau festmachen zu können. Da war immer einer, der brüllte was und alle anderen gehorchten. War wie zu Hause bei Vatern. Klappte bei mir nur nicht immer. Bei uns zu Hause gab es einige Tabu´s. Westfernsehen gehörte dazu, die Auslandsaufenthalte meines Vater´s, Kontakte mit bestimmten Leuten wurden untersagt. Im wesentlichen hatte ich zu funktionieren und habe funktioniert, ohne etwas zu vermissen.
In der 8.Klasse habe ich mich relativ spät entschlossen Offizier werden zu wollen. Und das nicht aus politischer Überzeugung ( 8.Klasse ! ), sondern weil ich Uniformen toll fand und um meinem Vater beweisen zu können, daß ein Offizier auch menschlich bleiben kann. Da ich mich stark für Chemie interessierte, wollte ich BO im chem.Dienst werden. Beim Ausfüllen des Fragebogens für das FDJ-Bewerberkollektiv gab ich an keine Westverwandtschaft zu haben. Welch böses Erwachen. Es stellte sich heraus, daß ich eine Tante in der BRD hatte, die ca. 1 Jahr nach meiner Geburt den soz. Schoß verlassen hatte und somit dafür sorgte, daß mein Vater seine Uniform als Militärflieger ausziehen musste.
Mit der Aufnahme ins Bewerberkollektiv öffneten sich einige Türen. Ich kam auf die ESOS, dafür flog eine Mitschülerin wieder runter ( hab ich erst 2005 bei einem Klassentreffen erfahren ). Mein neuer Chemielehrer schaffte es in kürzester Zeit mein Interesse an Chemie Richtung Nullpunkt zu führen. Also wollte ich mich umentscheiden. Bei der Bewerbung gab ich als 2.Richtung Panzer an, doch dem " 4 Panzersoldaten und 1 Hund " -Alter war ich auch entwachsen. Im Gespräch mit dem zuständigen Offizier des Bewerberkollektivs wurde mir der Bedarf an "Grenzern" nahe gelegt, mit der Möglichkeit hier in Wohnortnähe dienen zu können. So habe ich umgepolt und das ohne politischen Hintergrund.
Die spätere Betonung der Einheit von militärischer und politischer Führung sollte mir später, beginnend an der OHS, noch zu schaffen machen.

Doch für heute hab ich mich genug "nackig" gemacht. Bei Interesse mehr.

bis bald skbw


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

Maxie Wander
Rainman2, LO-Wahnsinn, furry, VNRut, Winch und küchenbulle haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.09.2013 22:28 | nach oben springen

#27

RE: Wer war ZF oder KC einer GK ?

in Grenztruppen der DDR 09.09.2013 16:14
von Grenzgänger (gelöscht)
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skbw, ich danke dir für deine offenen worte..

Siggi


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