#21

RE: Die Nacht vom 09.11.1989 aus westdeutscher Sicht

in Leben in der DDR 20.08.2014 22:40
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Alfons Zitterbacke im Beitrag #20
Ich habe die Grenzöffnung verschlafen. Weiß noch dass ich Morgens dass Radio angemacht habe und einfach nicht verstehen konnte worüber da gesprochen wurde. Also Fernseher an und erst da konnte ich es glauben. Die Grenze war offen. Unglaublich !!! Kurze Zeit vorher war mein Onkel aus familiären Anlass zu Besuch gewesen, gerade als Honecker durch Krenz ersetzt wurde und wir hatten zum Abschied noch gesagt:"Mensch, vielleicht wird es ja jetzt ein wenig lockerer und ihr könnt auch ohne besonderen Anlass mal kommen." Und nun das ?
Ich glaube wir haben den ganzen Tag ferngesehen, geheult, ferngesehen, geheult....................
Ein paar Tage später stand der Onkel mit Frau und 3 Kindern vor unserer Tür. Und dann nach und nach der Rest der Verwandtschaft. Es war eine sehr aufregende und schöne Zeit ,..............


Hallo und Willkommen im Forum!

Im Bezug auf deinem Beitrag, insbesondere auf das rot markierte, und darüber hinaus hinter der Zeit, ist das heute auch noch so?
Ich frage nur deshalb,weil in diversen Fernsehsendungen, sprich Talkshows so einiges offenbart wird, von früher und den Jahren danach


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#22

RE: Die Nacht vom 09.11.1989 aus westdeutscher Sicht

in Leben in der DDR 22.08.2014 00:03
von CAT | 351 Beiträge

Der 9. November war ein Donnerstag. Ausser den vielen Berichten über die Ausreisen aus der DDR usw. gab es "Im Westen nichts Neues". Ich habe die damaligen Vorgänge in der DDR so seit Anfang 1989 sehr interessiert verfolgt. Arbeitskollegen aus der ehemaligen DDR hatte ich bereits seit 1983. Man hat sich natürlich mit Ihnen über die damaligen Vorgänge unterhalten. Eigentlich war so ab Mai 1989 für mich ersichtlich, das sich in der DDR was tat. In welche Richtung es aber letztendlich laufen sollte, war mir damals nicht so klar. Ungarn baute den Grenzzaun ab. Dann die Montagsdemonstrationen in Leipzig, die Botschaftsflüchtlinge und ihre Ausreise mit den Zügen usw. Dann kam die "Nacht der Nächte". Da ich die Tagesschau um 20 Uhr mir nicht angschaut hatte, habe ich dann nach 22 Uhr die Tagesthemen geguckt. Als ich dann hörte die Grenze ist auf, konnte ich es zuerst garnicht glauben. Ich habe dann fast die ganze Nacht vor dem Fernseher gesessen. Ich hatte damals einen Alarmempfänger von der Feuerwehr, wo ich auch Mithören konnte. So etwa gegen1 Uhr ging es dann auf der Feuerwehrfrequenz sehr hektisch zu. Im niedersächsischen Duderstadt hatte man die Feuerwehr wegen der zu erwartenden Gäste usw. alarmiert. Der Grenzübergang Duderstadt/Worbis war der erste Grenzübergang in der ganzen Region der geöffnet wurde. Ein Strom von DDR-Bürgern wälzte sich in das Nadelöhr Duderstadt rein und von dort weiter in die Bundesrepublik zu reisen. Es herrschte dort in den nächsten Tagen das totale Chaos. Im südlichen Zipfel vom Landkreis Göttingen war es zu diesem Zeitpunkt noch sehr ruhig. Dies ändert sich dann aber auch, nachdem der Grenzübergang Witzenhausen/Hohengandern an der B-80 geöffnet. Die B-80 führte damals noch bei mir durch den Ort und der "Duft der Freiheit" war auch hier "riechbar". Ich kann mich noch daran erinnern, das an dem ersten Wochenende die Ladenöffnungszeiten in den grenznahen Gebieten aufgehoben waren. Die Geschäfte waren total überfüllt. In den Ortschaften wurden die Durchreisenden mit Kaffee und Landkarten versorgt. Es herrschte eine Freude und Euphorie über die wiedererlangte Freiheit. Ich war total überwältigt von der Herzlichkeit die ich bis Heute so leider nicht wieder erlebt habe. Am zweiten Wochenende kam dann auch endlich unsere Verwandtschaft zu Besuch. Viele kannte ich nur von Fotos und von Erzählungen meiner Oma. Jetzt knapp 25 Jahre nach der Grenzöffnung muss ich sagen, es war gut so wie es gekommen ist. Wichtig war, das in dieser aufregenden Zeit kein Schuss gefallen ist. Viele beteiligte Menschen besonnen gehandelt haben. Ich habe viele interessante und nette Menschen in dieser Zeit kennengelernt mit denen ich Heute noch sehr verbunden bin. Ich nutze heute noch jede Möglichkeit, mir die Landschaften anzuschauen die ich bis 1989 nicht erreichen konnte. Sicherlich sind nach der Wende auch viele Sachen geschehen, mit denen ich nicht einverstanden war. Was mich noch heute unheimlich aufregt, sind die vielen "Aufbauhelfer" die man damals aus den Westen in den Osten geschickt hat. Stichwort "Buschzulage". Ich kenne einige von diesem unfähigen Typen, die der Meinung waren, jetzt müssen wir den OSSI´s erst einmal zeigen wo es lang geht. Ich krieg schon wieder Bluthochdruck. Ich höre jetzt lieber auf. Wir sollten uns alle freuen, das diese aufregende Zeit unblutig über die Bühne gegangen ist. Nord- und Südkorea hatten diese Glück bisher nocht nicht.


ABV, thomas 48, 94 und CASI haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#23

RE: Die Nacht vom 09.11.1989 aus westdeutscher Sicht

in Leben in der DDR 22.08.2014 22:41
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Wie saßen vor der Glotze und nickten ungläubig....läuft da ein Spielfilm oder ist es real ?

Allerdings waren wir hier im Rheinland weit weg vom Geschehen....da hast du automatisch Abstand..die Stimmung war weit weg von der in Berlin oder den Grenznahen Orten.

Ich weiß aber noch gut das einer meiner ersten Gedanken war...was passiert jetzt mit der Grenze ?

Kann ich mir das jetzt alles in Ruhe genau anschauen oder muß ich mich beeilen damit ich überhaupt noch was sehen kann.
Fragen über Fragen...wer wußte zu dem Zeitpunkt wie das weiter ging ?

Zum Glück hatte ich im Mai 1989 noch eine 3 Tages Trip an die Grenze unternommen...so würde ich sie ja nie wiedersehen.
Aber auch das wußte ich damals ja nicht.



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