#1761

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 30.07.2014 21:09
von Hans | 2.166 Beiträge

Ganz einfach zu erklären - 1984 - das SBw wird aufgegeben. Teilweise Nutzung des Geländes durch DR -Materialamt. "Vorderer Teil" des Geländes - Betonwerk -gabs schon vorher - wird erweitert. Folge : Umbau des "HsiM" - und weg war der Turm.
73 Hans


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#1762

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 30.07.2014 21:13
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Ja, er hätte dann ein wenig deplatziert außerhalb des neuen Grenzstreifenverlaufes gestanden. Man hier kann auch schön die "Evolution" der Grenzanlagen nachvollziehen. Winkel, Knicke und sonstige unübersichtlichen Stellen sind nach und nach verschwunden.

Gruß Kalubke

p.s. Danke @Hans für den Hinweis auf Deinen Beitrag in #820. Sind natürlich drei Klassen besser Deine Pläne dort. Genau... in dem grünen Bereich war ich drin und stand schließlich vor dem Scherengitter des Ausgangs im Berolina-Haus....von innen.



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zuletzt bearbeitet 31.07.2014 08:26 | nach oben springen

#1763

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 12:30
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1685

[...]
Mit Dampf ist nur die Londoner U-Bahn am Anfang gefahren.
[...]



Guten Tag,

Vielen Dank für diese Bemerkung.

Ich sollte dazu sagen, dass es sich am Anfang (1863) eher um eine Passage von Vorort-Linien durch den Untergrund gehandelt hat.
Eine kleine Idee dieser Zeit gibt Baker Street (Metropolitan Railway). Sehr schön rekonstruiert. Die Öffnungen für den Qualm sind heute verschlossen, aber Lampen geben die Idee, dass dort Tageslicht herein scheine.

Die Lokomotiven waren so konstruiert, dass die Belastung durch den Rauch verringert wurde.



Die erste elektrisch U-Bahn, bei uns sagt man Tube = Röhre, wurde am 4 Juni 1890 eröffnet - Clapham Common - Clapham North - Stockwell (1900 bis Bank). Das war wirklich sehr eng, fast wie eine «Rohrpost».

In den Wagen gab es keine Fenster und die Organe der DDR hätten diese Wagen gewiss gewollt, denn so konnte niemand die Installationen der Geisterbahnhöfe betrachten...



Noch ein wenig grimmiger Humor: Während des blitz 1940 wurde der Bahnsteigteil der Station British Museum (in den 1930er für immer geschlossen) mit einer Mauer verschlossen. (So wie die Bahnmeisterei am Alexanderplatz auf dem Bahnsteig der Linie D).
Doch das wurde gemacht, um einen Schutzbunker zu erhalten...




Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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zuletzt bearbeitet 31.07.2014 12:30 | nach oben springen

#1764

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 14:52
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1757





Interessantes Detail im Bild Nr.3 in #1757 von @Harzwanderer:

Man sieht ganz oben rechts im Hintergrund noch die beiden Rundbögen vom Bahnhofsportal des Stettiner Bahnhofes. Hat also Anfang der 60'er noch gestanden. Die Konstuktion der Bahnhofshalle war aber schon weg.

Gruß Kalubke



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#1765

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 15:22
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde.....
Hi,Jörg. "Natürlich", man sieht die Außenwand des Bf.-Gebäudes. - Der Stettiner, dann Nordbahnhof wurde nach dem Krieg nicht wieder mit Dach und so aufgebaut. Die Außenwände standen, waren aber nur "Notgesichert"- damit nichts runterfällt.Damals wohl in Berlin ein "Normalzustand". Im Inneren waren dann nur noch drei (? -.unbestätigt-) Bahnsteige im Betrieb. Bis Mai 1952, da wurde er stillgelegt. Das "Innenleben" war zum Zeitpunkt der Aufnahme schon nicht mehr da. 1965 erfolgte der Abriss der "Portale" -sozusagen der "Schale des Bf.Die "restlichen Gebäude" des Bahnhofes -eins kann man schwach erkennen, standen noch länger und wurden auch genutzt. In dem Gebäude unmittelbar neben dem Ausgang war z.B. die Fernmeldemeisterei . Zum Zeitpunkt des Fotos auch die Trapo.Damals das Revier(oder hieß das damals noch Abschnitt ?) Nordbahnhof- bis 1962 Ende.Die Friedhofsmauer ,quer im Bild, ist übrigens die , über welche Ernst Mund lief. Sagt Dir das was?("Der Mann mit der Mütze")
73 Hans


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#1766

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 15:55
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Dank für die Infos. Muss zugeben Ernst Mund gsagt mir nichts. Hab nur mal den Filmschnipsel einer Flucht von 1961 über das Eingangsportal des Friedhofes gesehen. Sind von der Bernauer rückwärts mit einem LKW ran und vom Friedhof aus kletterten zwei mit einer Leiter auf das Portal und sprangen auf die Ladefläche. Im Hintergrund dah man die verdutzten und überraschten Grenzer.

Gruß Kalubke



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#1767

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 16:47
von MHL-er | 19 Beiträge

So... nun habe ich es tatsächlich geschafft den gesamten Fred von Seite 1 bis hier hin zu lesen. Zwar kam es zwischenzeitlich zu Komplikationen von Seiten meiner OHL ( Boykott bis Embargo), aber die ganzen Informationen waren soooo interessant, dass ich das Risiko eingegangen bin.
Ich danke allen Schreibern für wirklich kurzweilige Lektüre.
Interesse an diesem Thema ist entstanden als ich vor einem halben Jahr das erste Mal nach der Kehre in Berlin war und mir diese Geschichte bewusst wurde.
"Leider" kann man vieles nur noch erahnen und ohne Insiderwissen ist man ohnehin aufgeschmissen.
Das wollte ich jetzt mal loswerden. Nun hat mich das Leben wieder.
Danke nochmals Heiko



Kalubke und Hans haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1768

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 16:58
von eisenringtheo | 9.164 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #1766
Dank für die Infos. Muss zugeben Ernst Mund gsagt mir nichts. Hab nur mal den Filmschnipsel einer Flucht von 1961 über das Eingangsportal des Friedhofes gesehen. Sind von der Bernauer rückwärts mit einem LKW ran und vom Friedhof aus kletterten zwei mit einer Leiter auf das Portal und sprangen auf die Ladefläche. Im Hintergrund dah man die verdutzten und überraschten Grenzer.

Gruß Kalubke


Das war sehr spektakulär

Theo


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#1769

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 19:34
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend , Gemeinde.....
Ich seh gerade, ich hab nen Schreibfehler im Namen. Ernst Mundt.

Dieser.
73 Hans


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#1770

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.07.2014 23:49
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #1769
Abend , Gemeinde.....
Ich seh gerade, ich hab nen Schreibfehler im Namen. Ernst Mundt.

Dieser.
73 Hans


Hab zu Ernst Mundt was im wiki gefunden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mundt

So nah war auf diesem Friedhof Freud und Leid beieinander: Erst die Beiden mit der Leiter, die's geschafft hatten und dann er, der kein Glück hatte. Er war laut wiki mit paar und Dreißig schon Invalide. Und seine ganze Verwandschaft im Westen. Klar, dass er da wenig Sinn drin sah, im Osten zu bleiben. Weithin sichtbar auf der Friedhofsmauer zur Grenze hin zu laufen, war natürlich absolut riskant. @Hans, bei Deinem eingestellten Polizeifoto, ging es da um diesen Vorfall?

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 01.08.2014 00:09 | nach oben springen

#1771

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 08:12
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde,.....
Das Polizeifoto ist von einem anderen Fall - gab es am Nordbahnhof - faktisch im Bereich Bernauer Straße ja sackweise. Zumindest in den frühen 60ern.
Die Ereignisse "mit Bezug" zum Nordbahnhof hab ich mal versucht zusammenzutragen.
Nebenbei und fern aller Wertung - Der E.Mundt hat sich eigendlich nicht so riskant verhalten, wie man im ersten Moment denken kann.An den Grenzposten ist er mit seiner "Ich bin im Dienst" - Nummer doch locker vorbeigekommen. Nun -es kreiseln im Net viele verschiedene Varianten rum -sogar einen Comic gibts dazu. Natürlich - da die Wahrheit rauszufiltern - schwer, aber nicht unmöglich -mein ich mal.
Der Film - Hm . Gut - und eben zweiseitig organisiert die Flucht. Fällt allerdings unter das , was die DDR-Propaganda immer als gesteuerte-gezielte Provokation bezeichnete. Nun, manchmal hatte sie wohl nicht so unrecht. Es ist ja außerordentlich wahrscheinlich, das der Kameramann -seit 61 wohl- auf diesen-idealen- Kamerastandpunkt saß und gewartet hat, das was passiert. Mal drüber nachdenken. Reporter sollen ja ach so pfiffig sein, aber das riecht nach "Bestellt".
Ja , ich weiß das ich Dokumentationen, über deren Inhalt ich so ein wenig Ahnung zum Thema habe, recht kritisch betrachte.
73 Hans


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#1772

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 08:20
von Holtenauer | 1.158 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #1771
Morgen, Gemeinde,.....

Nebenbei und fern aller Wertung - Der E.Mundt hat sich eigendlich nicht so riskant verhalten, wie man im ersten Moment denken kann.An den Grenzposten ist er mit seiner "Ich bin im Dienst" - Nummer doch locker vorbeigekommen. Nun -es kreiseln im Net viele verschiedene Varianten rum -sogar einen Comic gibts dazu. Natürlich - da die Wahrheit rauszufiltern - schwer, aber nicht unmöglich -mein ich mal.

73 Hans




... so oder so, er ist erschossen worden, sinnloserweise...


Gruß
Thomas
Zerstörer Lütjens - D185

Seit man begonnen hat, die einfachsten Behauptungen zu beweisen, erweisen sich viele von ihnen als falsch

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast


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#1773

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 08:47
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Man muss sich die Frage stellen, was verstand die DDR damals unter Provokation? Etwa eine Aktion aus politischen Gründen von langer Hand vorbereitet und zentral gesteuert? Wenn jemand damals von Verwandten und Freunden im Westen bei seiner Flucht unterstützt wurde geschah es doch m.E. vorrangig, um es für denjenigen sicherer zu machen und nicht aus irgendwelchen politischen Gründen. War der, der das Ganze aufgenommen hat wirklich ein Medienvertreter oder einfach jemand aus dem Verwandtenkreis, der das quasi fürs Familienalbum gefilmt hat? Es kann natürlich auch sein, dass "Geschäftstüchtige" unter ihnen die Story "verkauft" hatten, weil sch damals so was gut verkaufen ließ und die Medienvertreter schon auf der Lauer lagen. Dann war es aber immer noch nicht zentral gesteuert, sondern von der Initiative der Einzelen abhängig.

Ein Stück weiter oben in der Bernauer gab es eine Tunnelflucht mit Schießerei auf der Ostseite. Auf den Infotafeln heute ist zu lesen, dass dabei laut MfS-Untersuchungsbericht ein Grenzer durch "friendly fire" (Querschläger) ums Leben kam. Trotzdem hat E. Honecker auf der Begräbnisfeier von "Westberliner Mordschützen" gesprochen.

Wenn Mächtige die Klingen kreuzen wird dabei leider allzu oft das persönliche Schicksal von Einzelnen jenseits von Wahrheit und Objektivität vereinnahmt und instrumentalisiert. Das sehe ich als das eigentliche Übel an!!!!

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 01.08.2014 12:35 | nach oben springen

#1774

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 10:35
von eisenringtheo | 9.164 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #1773
Man muss sich die Frage stellen, was verstand die DDR damals unter Provokation? Etwa eine Aktion aus politischen Gründen von langer Hand vorbereitet und zentral gesteuert? Wenn jemand damals von Verwandten und Freunden im Westen bei seiner Flucht unterstützt wurde geschah es doch m.E. vorrangig, um es für denjenigen sicherer zu machen und nicht aus irgendwelchen politischen Gründen.(...)
Gruß Kalubke

Da hast du wohl recht. Doch der dazugehörige StGB Artikel §105 steht im Kapitel "Terror" und es handelte sich um "Staatsfeindlichen Menschenhandel. Strafe mindestens zwei Jahre bis lebenslang. Die ins Ausland verschleppten "Opfer" wurden wegen "ungesetzlichen Grenzübertritts" bestraft (§213 im Kapitel "Straftaten gegen die öffentliche Ordnung). Mindeststrafe: Geldstrafe, Höchststrafe: acht Jahre.
Vor 1979 galten leicht niedrigere Strafandrohungen.
Aus dem Selbstverständnis der DDR war "Hilfe zur Republikflucht" somit keine politische Straftat, sondern eine kriminelle aus tiefsten Motiven, eben "Staatsfeindlicher Menschenhandel" oft aus reiner Geldgier, eine Art des Terrors, vergleichbar mit der Tätigkeit der Mafia im Kapitalismus.
Theo


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#1775

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 10:37
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #1773
Man muss sich die Frage stellen, was verstand die DDR damals unter Provokation? Etwa eine Aktion aus politischen Gründen von langer Hand vorbereitet und zentral gesteuert? Wenn jemand damals von Verwandten und Freunden im Westen bei seiner Flucht unterstützt wurde geschah es doch m.E. vorrangig, um es für denjenigen sicherer zu machen und nicht aus irgendwelchen politischen Gründen. War der, der das Ganze aufgenommen hat wirklich ein Medienvertreter oder einfach jemand aus dem Verwandtenkreis, der das quasi fürs Familienalbum gefilmt hat? Es kann natürlich auch sein, dass "Geschäftstüchtige" unter ihnen die Story "verkauft" hatten, weil sch damals so was gut verkaufen ließ und die Medienvertreter schon auf der Lauer lagen. Dann war es aber immer noch nicht zentral gesteuert, sondern von der Initiative der Einzelen abhängig.

Ein Stück weiter oben in der Bernauer gab es eine Tunnelflucht mit Schießerei auf der Ostseite. Auf den Infotafeln heute ist zu lesen, dass dabei laut MfS-Untersuchungsbericht ein Grenzer durch "friendly fire" (Querschläger) ums Leben kam. Trotzdem hat E. Honecker auf der Begäbnisfeier von "Westberliner Mordschützen" gesprochen.

Wenn Mächtige die Klingen kreuzen wird dabei leider allzu oft das persönliche Schicksal von Einzelnen jenseits von Wahrheit und Objektivität vereinnahmt und instrumentalisiert. Das sehe ich als das eigentliche Übel an!!!!

Gruß Kalubke


Guten Tag,

Die Frage(n), welche Du aufgeworfen hast, finde ich sehr gut. Sie weisen auf ein Problem hin, welches in unserer westlichen Zivilisation existiert ( geringer weil es eine unangenehme öffentliche Kontrolle durch die Medien gibt) und welches sehr markant ist in Diktaturen - das Benützen von Vorgängen für die eigene Politik. Dabei wird in Diktaturen auch, ganz in der Idee von Georg Christoph Lichtenberg (Sudelbücher) die Wahrheit mässig entstellt, was die gefährlichsten Lügen ergibt.

Pervers ist dann, dass dann dieser Diktatur nicht geglaubt wird, auch wenn sie die Wahrheit sagt (Nazi-Deutschland und Katyn). Ich glaube, dass es für die öffentlichen Erklärungen der DDR auch so war. Nach all den vielen Stunden in der Gegenwart von administrativen Papieren der DDR habe ich begriffen, dass realpolitik zusammen mit mässig entstellten Wahrheiten existierte.

Stringer49


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#1776

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 11:02
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #1774

[...]
Aus dem Selbstverständnis der DDR war "Hilfe zur Republikflucht" somit keine politische Straftat, sondern eine kriminelle aus tiefsten Motiven, eben "Staatsfeindlicher Menschenhandel" oft aus reiner Geldgier, eine Art des Terrors, vergleichbar mit der Tätigkeit der Mafia im Kapitalismus.
Theo


Gab es in der strafrechtlichen Nomenklatur DDR überhaupt «politische Straftaten» ?
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#1777

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 11:04
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #1774
... Doch der dazugehörige StGB Artikel §105 steht im Kapitel "Terror" und es handelte sich um "Staatsfeindlichen Menschenhandel. ... oft aus reiner Geldgier, eine Art des Terrors, vergleichbar mit der Tätigkeit der Mafia im Kapitalismus.
Theo


Da gab es also für den Begriff "Terror" scheinbar auch eine DDR-eigene Interpretation. Wie kann ich eigentlich jemanden terrorisieren, wenn ich mich versuche ihm zu entziehen? Von "Handel" kann doch auch nur die Rede sein, wenn jemand für seine Flucht blechen musste. Ich würde sagen, in den 60'ern waren es vorwiegend Studenten und Verwandte, die ihre Komilitonen und Angehörigen rüberholen wollten. Die "Kommerzialisierung" fand m.E. erst später statt. Es lag auch in der Natur der Sache, dass die DDR den Akteuren stets niedere Beweggründe unterstellte. Das wird aber definitiv nicht in allen Fällen so gewesen sein.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 01.08.2014 11:15 | nach oben springen

#1778

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 11:08
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #1776


Gab es in der strafrechtlichen Nomenklatur DDR überhaupt «politische Straftaten» ?
Stringer49


Ja, es gab in der alten DDR-Verfassung den Paragraphen "Kriegs- und Boykotthetze". Mit diesem "Gummiparagraphen" wurden die meisten Oppositionellen zur Strecke gebracht (z.B. Janka, Harich usw.).

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 01.08.2014 11:09 | nach oben springen

#1779

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 11:20
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #1777

Ich würde sagen, in den 60'ern waren es vorwiegend Studenten und Verwandte, die ihre Komilitonen und Angehörigen rüberholen wollten. Die "Kommerzialisierung" fand m.E. erst später statt.
Gruß Kalubke



Ich würde den Beginn der kommerziellen Schleusungen schon in den (vielleicht späteren) 60zigern ansiedeln.

Gruss Wolfgang



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#1780

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 01.08.2014 11:28
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #1778
Zitat von Stringer49 im Beitrag #1776


Gab es in der strafrechtlichen Nomenklatur DDR überhaupt «politische Straftaten» ?
Stringer49


Ja, es gab in der alten DDR-Verfassung den Paragraphen "Kriegs- und Boykotthetze". Mit diesem "Gummiparagraphen" wurden die meisten Oppositionellen zur Strecke gebracht (z.B. Janka, Harich usw.).

Gruß Kalubke



Du betrachtest wie viele hier in diesem Forum diesen diesen Paragraphen als Teil des «politischen Strafrechts»; im Rechtssystem der DDR ist es nur Strafrecht. Ich meine, diese Schizzophrenie geformt aus der Einordnung und der Wirkungsrichtung lässt an Rabruch denken.
Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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