#3081

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 16:05
von Hans | 2.166 Beiträge

Na, es gibt auch schöne Legenden und Storys über die S- und U-Bahn. Und Lustige. Und welche mit außergewöhnlicher Phantasie.Diese zum Beispiel:

Teleportation zwischen S-Bahnbögen in Berlin & Tokio

An was denkst Du beim Wort Teleportation? Ist es fuer Dich eher die streng wissenschaftliche Quantenteleportation oder erinnerst Du Dich ganz spontan an die Worte „Beam me up, Scotty“? Vielen ist nicht bekannt, dass es tatsächlich solche Teleports gibt,
wo man zumindest in der Phantasie zwischen zwei Laendern wie Deutschland und Japan reisen kann, ohne die Strapazen eines 11-stuendigen
Interkontinentalfluges auf sich nehmen zu muessen. So sind die S-Bahn-Boegen in Berlin nahe dem Savignyplatz und
die S-Bahn-Boegen der Yamanote-Linie in Tokio zwischen Shinbashi und Yurakucho sowohl in historischer als auch in kulinarischer Weise magisch miteinander verbunden.
Waehrend es in Tokio zwei deutsche Restaurants unterhalb dieser S-Bahn-Boegen gibt,
sind es in Berlin zwei japanische Restaurants. Wobei ich in Tokio nur vom Baden-Baden berichten kann und in Berlin dem Leser nur das seit
1995 bestehende Sachiko Sushi wirklich empfehlen moechte. Doch dazu spaeter mehr.
Befassen wir uns zunaechst mit der Entstehungsgeschichte der Ringlinie Yamanote inTokio. Um die Jahrhundertwende
gab es keinen vollstaendigen S-Bahn-Ring in Tokio, da die Tokaido-Linie in Shinbashi endete und die Zuege nach Tohoku wie heute ab Ueno
fuhren. Es waren deutsche Eisenbahningenieure, die der japanischen Regierung vorschlugen, nach dem Vorbild der
Berliner Stadtbahn die Luecke zwischen Shinbashi und Ueno zu schliessen und die Strecke als vierspurige Hochbahn auszufuehren. Sicherlich waere es wegen der Erdbebengefahr besser gewesen, fuer die Hochbahn eine Eisenkonstruktion zu waehlen, doch machte man dies nur bei den Strassenunterfuehrungen. Die restliche Strecke fuehrte man als massiv gewoelbtes Viadukt aus und verwendete dafuer aus Kostengruenden in
Japan hergestellte Ziegel. Zusaetzlicher Vorteil bei dieser Ausfuehrung waren die
moeglichen Mieteinnahmen durch die gewoelbten, feuersicheren Viaduktraeume, die bis heute von Firmen, Geschaeften und eben auch fuer Restaurants genutzt werden. Im Baden-Baden war ich vor vielen Jahren mit Freunden, um deutsches Bier und deutsches Essen zu geniessen. In Berlin habe ich bei meinem letzten Besuch im Sachiko Sushi leckeres Sushi gegessen. Ruhig und bedaechtig kreisen dort die hoelzernen Boote umden Sushitresen. Seit 1995 betreibt Tilman Zorn sein Restaurant in einem der S-Bahn-Gewoelbeboegen und schuf als Vorreiter fuer viele andere das erste Fliessbandsushi-Restaurant in Deutschland. An einem Samstagmittag waehle ich das Businesslunch (3€ pro Teller) und bekomme sofort Tee und Misosuppe, (hierbei inklusive), von einer sehr aufmerksamen Bedienung gebracht. Meine Wuensche gebe ich direkt an den erfahrenen Sushi-Koch und probiere mich gleich
durch 7 von 23 Nigiri-Sorten: Hamachi, Unagi, Ika, Maguro, Saba, Pompano und Toro schmecken alle vorzueglich und frisch. Nachdem ich
auch einer vorbeifahrenden Maki-Rolle mit Ebi, angeflammtem Thunfisch und leckerer Sosse nicht widerstehen kann,
tuermen sich acht Schaelchen vor mir auf.
Doch zurueck zum Thema Teleportation: Sollte man in
ferner Zukunft tatsaechlich diese Technologie soweit entwickeln, dass sie beim Menschen ohne Bedenken angewandt
werden kann, dann plaediere ich eindringlich dafuer, den Einsatz streng zu regeln, um psychische Schaeden durch das schnelle Herumreisen
in der Weltgeschichte zu verhindern. In sogenannten Teleportationszentren muss man sich daher mindestens eine Stunde mental auf das Zielland vorbereiten. Fuer diesen Zweck waeren das Baden-Baden zur Vorbereitung von Japanern auf Deutschland und das Sachiko, um in der
Bundeshauptstadt Berlin fuer Teleportationen von Politikern, Diplomaten und Touristen nach Japan preiswerte Anlaufstellen. Zur Deckung der Energiekosten des Teleporters sollte man den Kanzlerairbus an Madame Tussauds verkaufen.

Baden-Baden nahe dem Bahnhof Yurakucho, Tokio Foto: DG3IAD

Sachiko Sushi beim Savignyplatz, Berlin Foto: DG3IAD

#246 Axel S. DG3IAD
Nun , eine etwas außergewöhnlichr Restaurant-Empfehlung von meinem Freund Axel , der -man ahnt es ja, in Ja lebt und arbeitet,veröffentlicht in JAIG -News , mit Absicht im Original belassen. Es zeigt sich - man kann Fantasie, Essensempfehlung und Bahngeschichte ganz locker miteinander verbinden.
73 , Hans
(Ich gebs zu, die Geschichte hab ich schon lange auf Lager gehabt, und auf ein passendes Stichwort gewartet.)


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.03.2015 16:09 | nach oben springen

#3082

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:06
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #3080
Hans, aber ganz ehrlich, unumstritten ist die Relevanz sachlich korrketer Darstellung aus heutiger Sicht (und nicht nur in diesem Thema): aber wenn es nicht auch Mythen- und Legenden-Bildung gegeben hätte, würde zumindest mir etwas fehlen :-) Ist irgendwie auch ein bisschen Salz in der Suppe. Zumal ich - wiederum nicht nur in diesem Thema - das Gefühl habe: hat man etwas geklärt oder aufgeklärt, schon ergibt sich das nächste Geheimnis, schon verfolgt man eine neue Spur. Ich finde das total spannend und - literarisch ;-)
.

Ja das stimmt schon. Thema Mythenbildung. Es gibt zwei Behauptungen in diesem Zusammenhang, die überprüft werden müssten. Erstens, dass ein U-Bahnzug erst in den Transitbereich einfahren durfte, wenn der vorherige Kurs den Abschnitt verlassen hatte. Und zweitens, dass man nur die alten Kompositionen durch Ostberlin gelassen hatte; beides aus Angst vor Entwendung.
Theo


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#3083

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:07
von Barbara (gelöscht)
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Herrlich :-) - Ausgerechnet "Baden-Baden" !

(Ich gebs zu, die Geschichte hab ich schon lange auf Lager gehabt, und auf ein passendes Stichwort gewartet.)

Immer gerne Hans :-)
.


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#3084

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:27
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zur U-Bahn: Die West-Berliner BVG hat in den siebziger und achtziger Jahre ausgemusterte Züge sehr billig/geschenkt an die BVB in Ost-Berlin abgegeben. Erst Kleinprofil dann Großprofil. Die Kleinprofilzüge waren gut erhaltene Altbauzüge, die Großprofilzüge Neubauzüge. Die fahren noch heute in Nordkorea. Die West-Berliner Züge konnten übrigens auch zu Mauerzeiten die Ost-Berliner Ziele wie "Pankow" anzeigen. Falls die Mauer gefallen wäre. Hat mir mal ein netter BVGer bei einem Tag der Offenen Tür in Ruhleben vorgeführt.


zuletzt bearbeitet 14.03.2015 19:29 | nach oben springen

#3085

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:34
von Barbara (gelöscht)
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...nur kurz dazwischen, weil Theo hat ja schon eine neue Spur gelegt.

Hackel hatte mir ja eine echt klasse Bahner-Zeitung geschenkt mit dem Schwerpunkt "Eisenbahn in der DDR" mit wirklich tollen Fotos. Dazu wollte ich demnächst (zwar ein bisschen OT) noch was posten, muss aber noch scannen.
.


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#3086

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:37
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von diefenbaker im Beitrag #3079
Wir hatten es schon mehrmals hier angesprochen,
die letzen Beiträge haben es wieder ganz deutlich gemacht.

Wenn sich nicht ein fleißiger "Jemand " findet , der den ganzen Thread inhaltlich aufarbeitet und konserviert,
droht eine riesige Portion gesammelten Wissens in der Versenkung zu verschwinden.

Jetzt könnten noch weitergehende Nachfragen durch die jeweils Betroffenen beantwortet werden, irgendwann nicht mehr.

Schade eigentlich.

Gruss Wolfgang


Ich greife das hier nochmal auf. Es ist ja wirklich so, dass sich in diesem Thread mittlerweile eine derartige Menge an Infos angesammelt hat, dass es schade wäre, wenn die - einfach durch die schiere Zahl der Seiten - verloren gehen bzw. überlesen werden würden.

Mein Vorschlag an die Admins wäre (so mal unausgegoren gedacht), dass eine eigene Rubrik zum Beispiel mit dem Titel "Der öffentliche Nahverkehr im geteilten Berlin" eingerichtet wird, in dem man dann jeweils Threads einstellen würde wie zb. "S-Bahn allgemein", "U-Bahn allgemein", dann eben "Bahnhof Friedrichstraße", auch für die anderen Bahnhöfe, zu denen es Infos gibt, und dann eben bei Bedarf Threads zu den Kontrollverfahren oder was einem auch immer einfällt. In dieses Threads müsste dann jemand die Beiträge aus diesem Thread jeweils einsortieren (wofür es dann natürlich einen Kümmerling braucht - nein, nicht der zum Trinken).

Das jetzt mal so ins Unreine geschrieben - vielleicht hat auch jemand bessere Vorschläge?

Gruss

icke



thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.03.2015 19:37 | nach oben springen

#3087

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:39
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend, Gemeinde,...
Zur Sache "Mythenbildung " also.
Viele solche Geschichten haben ja die Tendenz, sich zu verselbstständigen, sie werden immer Umfangreicher. Scheint so in allen Menschen drinzustecken.
Der Mythos " Zug erst in den Osten gelassen wenn der vorhergehende raus ist" trifft sowieso nur auf der D-Linie zu, auf der C - Linie war der Verkehr -in den Spitzen- mit einem Zugabstand von 2 min. , teils 1 1/2 min. Also faktisch Signalabstand. (Durchfahrzeit war bei 7 -8 Minuten plus Haltezeit auf Friedrichstraße) Nun, selbst im dichtesten Berufsverkehr sind auf der D-Linie , ohne jede Befürchtung im Bezug auf entwenden, maximal zwei Züge auf DDR -Gebiet gewesen. Der Fahrplan - auch der vor dem 13.08., war so. Die D-Linie war eben nicht so dicht befahren. Es gibt Fachleute, die von einer solchen Weisung reden, möglich also. Bleibt die Frage nach dem Warum, war solch Befürchtung begründet.
Der andere My..., ne , das ist wohl eine Tatsache. Die "Stahldoras" - Typ D xx , wurden tatsächlich nicht auf den Linien C und D eingesetzt. - So bis etwa 1967, (nicht genau) . Bleibt die Frage -Warum ? Wirklich Angst vor Diebstahl ? Oder ist es nicht schon immer Usus bei der BVG gewesen, die jeweiligen Linien möglichst "Sortenrein" zu befahren ? Hat was mir der Wartung des Fahrzeuges zu tun. Die findet bekanntlich Nachts statt und - es macht sich schneller, besser, wenn da lauter gleiche Wagentypen anstehen.
Im Übrigen - nehmen wir es mal an - der Hans entführt ne U-Bahn und schenkt diese der BVB. Schön. Wie lange kann die U-Bahn denn dann so rumfahren, bis die nächste Instandhaltung - die sind regelmäßig und notwendig! - dran ist. Und --- wo kommen dann die benötigten Ersatzteile/Verschleißteile her ? Die Doras waren eine totale Neukonstruktion - unterschieden sich grundlegend von den vorherigen Typen.
Daher - hm - wie viele Befürchtungen - in dem Fall Seitens der BVG, entsprangen dem "Feinddenken" des kalten Krieges?
73, Hans


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#3088

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:46
von Barbara (gelöscht)
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Icke, der Charme dieses Threads liegt mMn - natürlich neben dem reichhaltigen Sach- und Fachwissen - gerade auch in dem Ineinandergreifen und der Verzahnung der Themen und den persönlichen Dialogen, das würde bei einer Stichwortsortierung wohlmöglich auseinandergerissen....


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#3089

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 19:57
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi,….
Ein wenig über den Verkauf von U-Bahnen BVG / BVB findet sich bei den Verkehrsseiten. Über den Verkauf der Doras muss man dann die schröckliche Konkurrenz bemühen. Aber zu finden.
http://www.berliner-verkehrsseiten.de/u-...72-1992.html#22
im Oktober 1972
Die im Westnetz nicht mehr benötigten 40 A2U-Wagen konnten noch für 355 .000 DM verrechnet werden (es wurde kein Geld überwiesen, sondern mit der Dienstleistung auf den Transitlinien verrechnet).
1988 :50 ausgediente Doppeltriebwagen vom Typ D wurden von der BVG-West an die BVB im Ostteil abgegeben, die diese Wagen für die erfolgte Streckenverlängerung nach Hönow benötigte.
1989 waren weitere 48 (? Da gibt es unterschiedliche Zahlen) Doras „verabredet“, dazu kam es aber nicht mehr.
Das waren dann – später, die Züge, die nach Korea verkauft wurden.
Also- Hotte – ich hab keine Zahlen darüber, wie viel die Doras noch an Geld gebracht haben, aber zwei Mal verkauft ist doch ein gutes Geschäft, oder ?

73, Hans


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#3090

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 20:33
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #3087
Abend, Gemeinde,...
Zur Sache "Mythenbildung " also.
Viele solche Geschichten haben ja die Tendenz, sich zu verselbstständigen, sie werden immer Umfangreicher. Scheint so in allen Menschen drinzustecken.
[...]

Die Doras waren eine totale Neukonstruktion - unterschieden sich grundlegend von den vorherigen Typen.
Daher - hm - wie viele Befürchtungen - in dem Fall Seitens der BVG, entsprangen dem "Feinddenken" des kalten Krieges?
73, Hans



Ja, das ist gewiss nicht zu leugnen. Der Osten wurde im Westen als etwas Bedrohliches wahrgenommen (Mehrheit - eine Empfindung, welche dumpf und meist undifferenziert war). Es ist leicht zu meinen, dass der Gegener nicht sauber spielt. Und es ist dan leider so, dass Macchiavelli die Begründung gibt, es nicht besser zu tun...

Grundsätzlich aber waren im Westen technische Informationen zugänglich, welche im Osten unter Geheim geführt wurden. Diese teilweisen unverständlichen Vorschriften (das Ergebnis war zu sehen, nicht immer das Verborgene) haben diesen Verdacht verstärkt, dass der Osten gefährlich ist (offene Gesellschaft vs geschlossene Gesellschaft).

Feinddenken kann also bei Neubau-Zügen auch solche Ursachen haben. Und nicht vergessen: Der Osten wurde als Teil mit beschränkten Freiheiten empfunden, Feinddenken fiel also auf fruchtbaren Boden.

@Barbara, soweit atmosphärische und - subjektive! - Begeleitumstände eines historischen Faktums und von Mythen.

Daniel


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#3091

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 20:35
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Was soll das jetzt mit dem Feinddenken im Westen? Wer hat nochmal die Mauer gebaut?


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#3092

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 20:39
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #3091
Was soll das jetzt mit dem Feinddenken im Westen? Wer hat nochmal die Mauer gebaut?


Ich mag nicht lügen, aber es ist auch einfach für mich: Es gab keine Schwester und Brüder im Osten wie für die Deutschen im Westen.

Daniel


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#3093

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 20:52
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #3090
(...)

Feinddenken kann also bei Neubau-Zügen auch solche Ursachen haben. Und nicht vergessen: Der Osten wurde als Teil mit beschränkten Freiheiten empfunden, Feinddenken fiel also auf fruchtbaren Boden.
(...)
Daniel

Ohne jetzt den U-Bahnbetrieb zu kennen: Im Transitbereich galten wohl die Vorschriften der DDR. Man hat die neuen Komposition demzufolge nur in Westberlin eingesetzt, weil die ohne Zugbegleiter fahren durften; die alten hingegen auf den Strecken mit Transitbereich, weil dort für alle Züge ein Zugbegleiter vorgeschrieben war.
Vielleicht war es kein Feinddenken, sondern einfach nur betriebswirtschaftliche Überlegungen.
Theo


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#3094

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 20:52
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #3091
Was soll das jetzt mit dem Feinddenken im Westen? Wer hat nochmal die Mauer gebaut?


Übrigens: Vielleicht ist es das deutsche Wort «Feind», welches Konfusionen schafft. In der D.D.R. gab es das Komposit «Todfeind» und das meinte den Westen. Das Wort enemy hat diese Bedeutung (google «enemy definition»)
a person who is actively opposed or hostile to someone or something (adversary, opposition).
(Person welche aktiv ablehnend oder in Opposition zu einer Person oder Sache ist)
[...]
a hostile nation or its armed forces, especially in time of war.
(eine gegnerische Nation oder Streitkraft in Waffen, besonders in Zeiten des Krieges --> Stichwort: Kalter Krieg)
[...]
a thing that harms or weakens something else.
(eine Sache welche etwas verhindert oder schwächt)

Wie ich sagte: Ich mag nicht lügen: es war kalter Krieg und die sozialistischen Staaten waren, nett gesagt, keine Freunde.
Daniel


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


zuletzt bearbeitet 14.03.2015 20:55 | nach oben springen

#3095

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 21:02
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #3094
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #3091
Was soll das jetzt mit dem Feinddenken im Westen? Wer hat nochmal die Mauer gebaut?


Übrigens: Vielleicht ist es das deutsche Wort «Feind», welches Konfusionen schafft. In der D.D.R. gab es das Komposit «Todfeind» (...)
Daniel

Der Begriff war doch "Klassenfeind" und damit waren nicht etwa die ausländischen Bürger im allgemeinen gemeint, sondern nur die herrschende Clique, das heisst der "kapitalistische Unterdrückungsapparat". "Fortschrittlichen Kräften" gegenüber gab man sich nicht als feindsichtlich gesinnt.
Theo


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#3096

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 21:12
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #3095
Zitat von Stringer49 im Beitrag #3094
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #3091
Was soll das jetzt mit dem Feinddenken im Westen? Wer hat nochmal die Mauer gebaut?


Übrigens: Vielleicht ist es das deutsche Wort «Feind», welches Konfusionen schafft. In der D.D.R. gab es das Komposit «Todfeind» (...)
Daniel

Der Begriff war doch "Klassenfeind" und damit waren nicht etwa die ausländischen Bürger im allgemeinen gemeint, sondern nur die herrschende Clique, das heisst der "kapitalistische Unterdrückungsapparat". "Fortschrittlichen Kräften" gegenüber gab man sich nicht als feindsichtlich gesinnt.
Theo


Das ist eine ideologische Subtilität, denn die Behandlung der im Klassenkampf wichtigen Alliierten, den kommunistischen Parteien, lässt zweifeln, ob es nun Freunde oder doch suspekte Elemente waren. Die Instruktionen für den Unterricht in Sozial- und Wehrkunde machen diesen Unterschied nur formal.

Das wäre auch ein topic zu fragen, wie Lehrer damals reagierten, wenn Schüler zwischen Klassenfeind und Verwandten oder einfachen Menschen in Deutschland (West) unterscheiden wollten.

Ich bin, nach all der Lektüre aus der DDR, skeptisch in Bezug auf Deine Sichtweise. Aber das ist OT. Ich ende hier. Vielleicht gibt es Zustimmung für ein neuen topic in diesem Sinne.

Ich sage an alle ehemaligen « Feinde» ohne Feinddenken cheers und wünsche mir, dass wir es besser machen als damals.

Daniel


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#3097

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 21:51
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #3096
(...)

Ich bin, nach all der Lektüre aus der DDR, skeptisch in Bezug auf Deine Sichtweise. Aber das ist OT. Ich ende hier. Vielleicht gibt es Zustimmung für ein neuen topic in diesem Sinne.

Ich sage an alle ehemaligen « Feinde» ohne Feinddenken cheers und wünsche mir, dass wir es besser machen als damals.

Daniel


Ja das wäre einen eigenen neuen Thread wert. In den vielen politischen und historischen Büchern, in denen ich in DDR Buchhandlungen gestöbert und zum Teil auch gekauft habe, wurde immer etwa die gleiche Botschaft vermittelt; und die war (hier jetzt sehr, sehr vereinfacht erklärt): Es gibt glückliche Menschen, die in sozalistischen Staaten leben dürfen und in naher Zukunft sogar in den Zustand des Kommunismus gelangen können. Und unglückliche, unterdrückte Menschen, die im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet in rückständigen Staaten elendiglich dahinvegetieren müssen: Opfer des feudalistischen Systems, in welchen sie von Kapitalisten und Wirtschaftskriminellen ausgebeutet und ausgesaugt werden. Es ist eine geschichtliche Zwangsläufigkeit, dass der Sozialismus auch in kapitalistischen Staaten Einzug halten wird. Die Aufgabe der sozialistischen Gemeinschaft ist es nun, fortschrittliche Entwicklungen im kapitalistischem System zu fördern, damit der derzeitige Zustand der friedlichen, aber gefährlichen Koexistenz der Systeme bald überwunden wird und an dessen Stelle ein weltweiter Sozialismus kommt, wo es keinen Krieg aber nur noch Frieden gibt.
Theo


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#3098

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 21:57
von icke46 | 2.593 Beiträge

Das Ganze ist zwar ziemlich OT, nur, weil mit Stringer ja ein englischer Muttersprachler hier im Thread ist:

Ich habe mal (keine Ahnung mehr, wo das war, gelesen, dass die Briten mit manchen Worten im deutschen ihre Probleme haben - zum Beispiel mit den Wort "feindselig" - was ja wirklich, wenn man es unvoreingenommen liest, bedeutet "selig, einen Feind zu haben". Ein ähnliches Wort gibt es wohl im englischen Sprachraum nicht - ich lass mich aber gerne korrigieren - also, 007Stringer - übernehmen sie.

Gruss

icke



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#3099

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.03.2015 22:34
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #3098
Das Ganze ist zwar ziemlich OT, nur, weil mit Stringer ja ein englischer Muttersprachler hier im Thread ist:

Ich habe mal (keine Ahnung mehr, wo das war, gelesen, dass die Briten mit manchen Worten im deutschen ihre Probleme haben - zum Beispiel mit den Wort "feindselig" - was ja wirklich, wenn man es unvoreingenommen liest, bedeutet "selig, einen Feind zu haben". Ein ähnliches Wort gibt es wohl im englischen Sprachraum nicht - ich lass mich aber gerne korrigieren - also, 007Stringer - übernehmen sie.

Gruss

icke



Roger Moore hätte jetzt als Titel geschrieben: My Word is My Bond

@Hans hatte das Wort vom Feinddenken zuerst benutzt, und ich meinte, er habe recht. Es gab es im Westen wie im Osten. Und es hat zu kuriosen Verhaltensweisen geführt. Vielleicht hat es dazu geführt, dass die Zirkulation von Ubahnzügen (West) in Tunnel (Osten) besonders kontrolliert wurde von der BVG im Westen. Es wäre interessant, einen Beweis dafür oder dagegen zu finden.

Im Osten gab es (Klassenfeind-)Denken schon in der Schule. Es lässt sich sogar in den Lehr-Plänen die Erziehung zum Hass finden. Das gab es in dieser Form im Westen nicht, selbst in der Armee wurde nicht mit de Kategorie Hass operiert, wohl aber mit dem «Feind», dem Angreifer. Dem Feind gibt man nicht freiwillig Vorteile - ich erinnere an Coordinating Committee for Multilateral Export Controls, kurz gesagt CoCom als Form eines Embargos für Hochtechnologie. Ohne Kalten Krieg und ohne ein gewisses Feinddenken wäre es nicht so gehandhabt worden. Folgerichtig ist das Wassenaar Arrangement on Export Controls for Conventional Arms auch anders orientiert.

Vergessen wir auch nicht, dass wir am Anfang von der Zeit vor 1961 gesprochen haben. In dieser Zeit und auch in den 1960er Jahren gab noch keine Vertrauensbildung zwischen den Blöcken. Bitte nicht vergessen, dass die westlichen alliierten Dienste bis in die Jahre der Entspannung die Post aus der D.D.R. nach der Bundesrepublik kontrollierten (geheimes Verwaltungsabkommen UK - D). Das ist typisch für eine Konfrontation von Feinden... Es gab auch in den ersten beiden Jahrzehnten eine Post-Zensur in Deutschland (West) für Post aus dem Osten (Stichwort: gewisse Bücher, Zeitungen). Das MFS hatte also in diesen Dingen nicht das Monopol...

(-007) Daniel


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#3100

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 15.03.2015 07:32
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde, wie Pastor Holm immer sagte, ....
Ja, so ist das. Man kann offensichtlich Berliner Nahverkehrsgeschichte nicht von der Allgemeinen Geschichte Berlins, und damit vom Kalten Krieg trennen. Und da stolpert man dann sogar über die Definition einzelner Worte..
Nun, der Kalte Krieg ist vorbei, zumindest was Berlin betrifft. Da sollten wir also locker drüber stehen. Machen wir mal...
Feinddenken in der Zeit des kalten Krieges - hm - gab es das nicht, war das alles nur Propaganda? Glaub ich nicht. Und da ist es völlig egal, ob man vom „Klassenfeind“ oder vom „Regime in Pankow“ sprach. Gerade in Berlin haben sich doch die "Beiden beteiligten Seiten" mit wahrer Begeisterung jede Menge Knüppel zwischen die Beine geworfen. Und waren glücklich dabei, den jeweils anderen " Es mal wieder richtig gezeigt zu haben". Man zog sich aneinander hoch und begeisterte sich an den jeweiligen eigenen "Triumphen", so klein die auch waren.
Komisch, vieleicht sogar bedenklich ist für mich dabei heute eigentlich nur, dass dieses Denken immer noch nachwirkt, immer noch eine Rolle spielt. Da ist die Stelle, wo wir drüber weg müssen. Gegenseitige Schuldzuweisung hilft da nicht, also - Mauer in den Köpfen abbauen! Nun, ich habe Hoffnung, dass meine Enkelgeneration das hinbekommt.
73, Hans


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