#101

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:10
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #97
Habe mal nach ältere Ansichtskarten gesucht,
,,Ansichtskartenversand,,
Schwarze Pumpe 4535213, 4472106, 4533226
Hoy., 3902540 4 AK
Notgeld 4279874
.....
Antik-Falkensee
14 AK von Hoy.


4535213 http://is.gd/ITISwZ - Blick von der Brücke der F97 (B07) über die Kohle- und DR-Bahn-Gleise in Richtung Hoyerswerda. Das Wäldchen und die Baracke im Vordergrund sind Ende der 70er der BBS gewichen.

4472106 http://is.gd/qOYrGR - Ähnlicher Blickwinkel wie vor, das "Glück Auf" stand ewig leer und war ein Schandfleck, im letzten Jahr ist es saniert worden und das Objekt beherbergt heute altersgerechte Wohnungen.

4533226 http://is.gd/ZuvVRy- Auch die Gebäude gibt es heute noch alle, gerade die Schule ist heute sehr schön saniert und als Grundschule in Betrieb http://is.gd/N9cojo. Interessant ist der Absender:

Das Wohnlager III war das kleinste und bestand nur aus 4 doppelstöckigen Baracken, da habe ich auch mal kurze Zeit nach dem Studium gewohnt. Heute ist es abgerissen. Da wo das früher schon erwähnte WL I stand befindet sich heute das Neubau Kraftwerk von Vattenfall. Das WL II befand sich südlich von Pumpe http://goo.gl/maps/6g7ba und ist heute wohl größtenteils mit Solaranlagen überbaut.

Die Postleitzahl 7610 ist ein echtes Kuriosum. Es gab in der DDR keine 7600. Cottbus hatte die 7500, Spremberg die 7590 und Hoyerswerda die 7700. Man wollte aus Pumpe wohl keine Großstadt machen und hat da die 1 eingefügt. Im Ort wurde die Post normal von der Deutschen Post ausgetragen. Im Werk gab es eine Poststelle. Diese befand sich in dem selben Gebäude in dem auch Vierkrug residierte. Allerdings im Erdgeschoss auf der Rückseite. Der "Postbote", eigentlich ein Kraftfahrer der Fahrbereitschaft, kam auch aus meiner Verwandtschaft. Er hat die gesamte Post fürs Werk auf der Post im Pumpe abgeholt und dann nach der Bearbeitung in der Poststelle an die Bereiche im Werk verteilt. Der gleiche Weg natürlich auch umgekehrt.

Gruß Nomex


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Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#102

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:12
von furry | 3.581 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #99
manche Dörfer mußten den Braunkohleabau weichen,
selbst die Kirche wurde wegtransportiert,
alles nur wegen der Braunkohle,
viele haben dadurch ihre Heimat verloren,
hat einer darüber mal nachgedacht?
Lutze


@Lutze, selbiges passierte und passiert weltweit. Erkundige Dich mal über das Rheinische Kohlenrevier. Da wird auch nicht um jede Gartenlaub drumrum gebaggert. Denk doch auch mal an die Talsperren. Dafür mussten auch einge Orte aufgegeben werden. Und wofür das Ganze? Zum Wohle der Allgemeinheit. Ja, ich weiß, heute nur dafür, damit sich einige wenige die Taschen füllen.
Hättest Du zu DDR-Zeiten gern auf Heizung und Strom verzichtet? Oder meinst Du, die Anwohner z.B. des Harzvorlandes hätten lieber die jährlichen Fluten der Schneeschmelze hingnommen, nur um im Sommer weiter in das beschauliche Harzdorf xy zu fahren?
Und Du kannst Dir sicher sein, wenn durch deinen Garten eine ICE-Trasse gebaut werden soll, dann wird die gebaut. Kann sein, dass Du das mit Klagen etwas hinausschiebst, aber mehr wird dir nicht gelingen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#103

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:13
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von Krepp im Beitrag #100
Zitat von Lutze im Beitrag #99
manche Dörfer mußten den Braunkohleabau weichen,
selbst die Kirche wurde wegtransportiert,
alles nur wegen der Braunkohle,
viele haben dadurch ihre Heimat verloren,
hat einer darüber mal nachgedacht?
Lutze


Das ist so leicht und kurz garnicht zu beantworten.
Aber mal eine (ich gebe es zu) provokative Frage:
Was steckst Du in den Ofen wenn es kalt wird?

das war nicht meine Frage,
kennst du Betroffene,die wegen der Braunkohle das Feld
räumen mußten?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#104

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:37
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #102
Zitat von Lutze im Beitrag #99
manche Dörfer mußten den Braunkohleabau weichen,
selbst die Kirche wurde wegtransportiert,
alles nur wegen der Braunkohle,
viele haben dadurch ihre Heimat verloren,
hat einer darüber mal nachgedacht?
Lutze


@Lutze, selbiges passierte und passiert weltweit. Erkundige Dich mal über das Rheinische Kohlenrevier. Da wird auch nicht um jede Gartenlaub drumrum gebaggert. Denk doch auch mal an die Talsperren. Dafür mussten auch einge Orte aufgegeben werden. Und wofür das Ganze? Zum Wohle der Allgemeinheit. Ja, ich weiß, heute nur dafür, damit sich einige wenige die Taschen füllen.
Hättest Du zu DDR-Zeiten gern auf Heizung und Strom verzichtet? Oder meinst Du, die Anwohner z.B. des Harzvorlandes hätten lieber die jährlichen Fluten der Schneeschmelze hingnommen, nur um im Sommer weiter in das beschauliche Harzdorf xy zu fahren?
Und Du kannst Dir sicher sein, wenn durch deinen Garten eine ICE-Trasse gebaut werden soll, dann wird die gebaut. Kann sein, dass Du das mit Klagen etwas hinausschiebst, aber mehr wird dir nicht gelingen.


auch wenn ich falsch liege,du hast ein Haus,
und jetzt muß es weg,egal warum,
da macht man sich seine Gedanken,
meine Überlegungen dazu
Lutze


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wer nicht kämpft hat schon verloren
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#105

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:42
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #99
manche Dörfer mußten den Braunkohleabau weichen,
selbst die Kirche wurde wegtransportiert,
alles nur wegen der Braunkohle,
viele haben dadurch ihre Heimat verloren,
hat einer darüber mal nachgedacht?
Lutze


Nicht nur drüber nachgedacht sondern selbst miterlebt.
Und zwar vom alten Kausche http://is.gd/ZuvVRy in den neuen Ortsteil Kausche bei Drebkau. Eine relativ gute Beschreibung der ganzen Geschichte findet man ausgerechnet auf einer Umsiedler-Seite http://is.gd/0FB3Kg
Sicher ist so eine Umsiedlung ein Einschnitt, dabei wird aber gern vergessen das es in den Dörfern immer Veränderungen gibt. Sowohl vorher als auch hinterher. Wenn ich das mit anderen Dörfern in der Umgebung vergleiche so hat Kausche die Zeit nach der Wende wesentlich besser überstanden. Schau mal hin wo noch Jugend übrig geblieben ist.

Eine Lausitz ohne Braunkohle, so wie es viel die die Gegend hier nicht kennen, lieber heute als morgen hätten. Würde zur Verödung eines ganzen Landstriches führen wie wir es in Deutschland noch nicht gekannt haben. Das begreifen jetzt zum Glück immer mehr Leute. Daher auch "Meine Stimme fürs Revier" http://www.pro-lausitz.de/

Was die Umsiedlungen zu DDR-Zeiten betrifft war das oft schon ein trauriges Kapitel. Da hat man ganze Dörfer in einen Neubaublock in der Stadt umgesiedelt. Wenn man da schon die heutigen Möglichkeiten gehabt hätte. Aber das Wohnungsbauprogramm hat da wohl andere Prioritäten gesetzt.

Gruß Nomex


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#106

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:43
von Pit 59 | 10.164 Beiträge

Es ist ja auch alles eine Frage der Entschädigung. da gab es in der geschichte ganz andere Aktionen ( Ungeziefer),und diese Leute konnten sich nicht wehren,oder etwas hinauszögern.Diese menschen müssten Heute noch entschädigt werden,nur Leider werden nicht mehr viele Betroffenen Leben.


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#107

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 04.08.2013 17:57
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #98
Dann bist also bei Heinz H. (HA-Leiter) gewesen. Sein Sohn war für kurze Zeit der 2. Sekretär der Industriekreisleitung der FDJ.


Richtig. Mit seinem Sohn hatte ich dann auch noch zu tun. "Mitarbeit in der FDJ-Grundeinheit" steht ja auch in meinem "Absolventenförderungsvertrag"

Studium erfolgte übrigens an der Ing.-Schule für Energiewirtschaft in Markkleeberg, die welche du so schön als Gasschule beschreibst. Gastechnik war aber Mitte der 90er eher ein Teilbereich und kleiner als die Bereiche Energietechnik, Ökonomie und meine Wärmetechnik. Heute ist dort ein Teilbereich der HTWK Leipzig beheimatet http://is.gd/LbTxpS.

Die Kontakte zu Heinz H. haben meinem späteren Arbeitgeber zufälliger Weise, Treffen auf einer Messe, auch noch zu einem guten Auftrag verholfen.

Gruß Nomex


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#108

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 06.08.2013 12:26
von Gelöschtes Mitglied
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Werde in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, mir den Industriepark Schwarze Pumpe anzuschauen, wie auch einige Bergbaufolgemaßnahmen, wie u.a. die neue "Lausitzer Seenplatte" und.. und.. Hoffe, dass das Zeitfenster reicht. Danach werde ich mich im Thread äußern.

@Nomex - die Initiative "Pro Lausitz" findet meine uneingeschränkte Unterstützung - auch meine Stimme für die Erhaltung des Reviers !!!

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 06.08.2013 12:27 | nach oben springen

#109

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 13.08.2013 17:58
von furry | 3.581 Beiträge

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#110

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 14.08.2013 11:15
von Gelöschtes Mitglied
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@furry - danke für die Fotoserien. Vieles ist mir noch bekannt. U.a. die Fotos aus dem BKW "Glück auf" Knappenrode. Der Tagebau Klettwitz war schon zu DDR-Zeiten ausgekohlt. Im Bereich dieser ehemaligen Tagebaue wurde ja der "Lausitzring" errichtet.
Ich hatte ohnehin vor, meine Eindrücke vom Tagesausflug hier darzulegen. Werde es aber nicht umfassend können, da es der Eindrücke und Erlebnisse zu viele in der doch relativ kurzen Zeitspanne der Reise in die Vergangenheit gab.
Hinsichtlich der Sorben und ihrer Einbeziehung in die Entwicklung der Kohle-und Energiewirtschaft in der Niederlausitz werde ich mich in einem gesondertem Beitrag äußern.
Mein Tagesausflug begann eigentlich in Spremberg - in Grodk. Einer der größten Söhne dieser Stadt, Erwin Strittmatter, fasste in seiner Romantrilogie "Der Laden", es wie folgt zusammen: "Grodk liegt im Tale, sagen die Sorben. Spremberg liegt am Berge, sagen die Deutschen. Spree am Berg gleich Spremberg. Grodk gleich Stadt, sagen die Sorben, wir sein länger hier wie die Deitschen."
Bis Juni 1992 war die Stadt Garnison des Panzerregiments 14 "Karol Świerczewski" (Teil der 7. Panzerdivision der NVA), das 1990 von der Bundeswehr übernommen wurde.
Nach einer kleinen Kaffeepause, entschied ich mich, nicht über die B 97 direkt nach Schwarze Pumpe zu fahren, sondern wählte den Umweg über Trattendorf und Terpe. Das ehemalige Kraftwerk der Jugend "Artur Becker" war ein Teilbereich des Kombinates Schwarze Pumpe und sehr traditionsbeladen.



Das auf dem Foto war einmal das Kraftwerk. Denn es ist bis auf die Hauptwerkstatt und einige andere Nebengebäude komplett verschwunden. Die Lage des Kraftwerkes Trattendorf wies ähnliche Besonderheiten auf, wie das Kombinat Schwarze Pumpe. Ein Teil - Werk I lag in Sachsen und der andere Teil in Brandenburg - siehe auch Lageskizze.



Man mußte also, um in die einzelnen Kraftwerksteile zu gelangen, die Spree überqueren, die dann später zugleich die Landesgrenze darstellte. In Trattendorf traf ich dann zufällig einen alten Bekannten, der u.a. Silbermedaillengewinner mit der Schnellfeuerpistole bei den Olympischen Spielen war. Ein Kaffee und dann ging es weiter in Richtung Terpe, der größten Umweltsünde in der Geschichte des Kombinates. Denn hier befanden sich die berüchtigten Teerabsatzbecken. Nicht vom Gestank her eine Zumutung für die Anlieger, sondern Schäden in Größenordnungen an der Natur, die sich davon sehr schwer oder teilweise überhaupt nicht mehr erholen wird. Man sieht immer noch Wirkungen und Auswirkungen.
Vorbei am neuem Wahrzeichen von Schwarze Pumpe, dem 2 x 400 MW - Kraftwerk von Vattenfall. Ein sehr beeindruckender Kraftwerksneubau.



Über die Ortslage Schwarze Pumpe dann den Industriepark Schwarze Pumpe, wo eigentlich nichts mehr darauf hindeutet, dass sich hier einmal das größte Braunkohlenveredlungskombinat Europas befunden hat. Einzelne Objekte bestehen noch und lassen nur den "Ehemaligen" erahnen, wo sich was befunden hat.



Von den einstigen bestimmenden Silhouetten ist nichts mehr vorhanden. Der heutige Industriepark beherbergt über 80 Unternehmen - viele dieser Unternehmen partizipieren von den Synergieeffekten, deren Grundsteine bereits mit der Braunkohleveredlung in Schwarze Pumpe gelegt wurden.
Die noch vorhandene Brikettfabrik West erinnert noch an die Rohbraunkohleveredlung.
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Hier ein Artikel vom 08.01.2013
Die kleine Renaissance des Braunkohle-Briketts

Braunkohlebriketts aus der Lausitz sind der Exportschlager in viele Länder Europas. Das vor 150 Jahren im Leipziger Raum erfundene Brikett erlebt derzeit eine kleine Renaissance. Ebenso begehrt sind Braunkohlestaub und Wirbelschichtkohle.
Schwarze Pumpe. Im kommenden Jahr feiert die Brikettfabrik in Schwarze Pumpe ihr 50-jähriges Jubiläum und ist eine der letzten Anlagen dieser Art in Deutschland. Hier wird aus dem niedrigkalorischem Produkt Rohkohle ein hochkalorisches mit bewerten Heizeigenschaften produziert. Um Briketts herstellen zu können, ist besonders hochwertige Braunkohle vonnöten. Nur Rohkohle aus den Tagebauen Welzow-Süd und Nochten bietet den konstant geringen Asche- und Schwefelgehalt, den die Veredelungsanlage benötigt. Etwa 10 Prozent der geförderten Kohle können da mithalten.
Das Brikett von heute muss hohen Qualitätsansprüchen genügen und wird in handlichen Verpackungen auch von Baumärkten und an Tankstellen angeboten. Damit ist es für Ofen-und Kaminbesitzer ein Mitnahmeprodukt fürs Wochenende geworden. Bis 2007 nahm die Produktion der Rekord-Briketts fast kontinuierlich ab. Seit 2009 bewegt sich der Absatz recht steil nach oben. Gemeinsam mit Holzpelletts sind die Briketts eine preiswerte Heizvariante, auf die sich Privatleute und Firmen zurück besinnen. In verschiedene Formgrößen erhältlich, können die Briketts auch für die automatische Beschickung von Heizungsanlagen eingestzt werden.
In der Braunkohleveredlung von Schwarze Pumpe, die als modernste Anlage Europas eingestuft wird und seit einigen Jahren wieder tiefschwarze Zahlen schreibt, entstehen aber noch mehr begehrte Produkte aus der Kohle. In der Kohle steckt beispielsweise unvollständig inkohltes Material, das sogenannte "Grubenholz", das zum Pflanzsubstrat "Xylit" verarbeitet wird. Viele Gartenbesitzer haben dieses Produkt bereits schätzen gelernt.
Begehrt für die Prozessfeuerung in der Zement-und Kalkindustrie sowie in Asphaltmischanlagen, auch für die Kesselfeuerung von Heizwerken ist Kohlenstaub. Er wird außerdem für die Stahlindustrie bei der Verhüttung immer interessanter. Der Braunkohlestaub verlässt den Industriepark vornehmlich in Tankfahrzeugen.Im letzten Jahr hat das Werk die 1-Million-Tonnen-Grenze geknackt.

"Wir haben 250 Beschäftigte und 50 im Vertrieb. Das ist natürlich kein Vergleich zu früher. Da heute alles automatisiert ist und wir im Schichtbetrieb arbeiten, begegnet man in der Produktion nur wenigen Leuten", erklärt Werksleiter Gerd Sieling. Ungefähr die gleiche Anzahl Arbeitsplätze werden nochmals durch die Aufträge der Braunkohleveredelung gesichert.

Im Industriepark Schwarze Pumpe wird seit mehreren Jahren verstärkt in die Forschung investiert. Hier geht es um effizientere Trocknungsverfahren, die im Endeffekt den Wirkungsgrad von Kraftwerken erhöhen und die Zündölfeuerung ablösen können. Hier entsteht eine neue Kraftwerkstechnologie. Seit vier Jahren wird bereits der Nachweis erbracht, dass der Prozess funktioniert.
So hat sich der Erhalt und Ausbau der Braunkohleveredlung in Schwarze Pumpe durch Vattenfall als wirtschaftlich gute Entscheidung erwiesen.
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Auch werden noch alte bergmännische Bräuche bei Vattenfall gepflegt. Wie die Freisprechung von Azubis mit dem Sprung über das bergmännische Arschleder.
Gundi Gundermann hat mit "Es ist Sonntag in Schwarze Pumpe" aus dem Album "Frühstück für immer", Schwarze Pumpe sein Denkmal gesetzt.

Von Schwarze Pumpe dann über die B97 nach Hoywoy. Vorbei an Spreetal und dem Brigittenhof - benannt nach der Braunkohlengrube "Brigitta", wo bereits um 1900 über die "Kolonie Pumpe" Braunkohle abgebaut wurde. Vorbei an den Rekultivierungsflächen und Restlöchern, die zwischenzeitlich geflutet wurden.
Am Ortseingang von Hoyerswerda der bekannte sorbische Willkommensgruß - Witajće k nam!
Mit dem Aufbau und Ausbau des Braunkohlenveredlungskombinates Schwarze Pumpe entwickelte sich das einstige Ackerbauernstädtchen mit ca. 7.000 Einwohnern zu einer modernen Stadt mit 71.000 Einwohnern (1981). Davon ist aber nicht mehr sehr viel zu sehen. Ganze Wohnkomplexe wurden zwischenzeitlich abgerissen. Über 46 Prozent der einstigen Bevölkerung sind zwischenzeitlich abgewandert.
Eine neue Perspektive wird Hoyerswerda mit der Entwicklung des Tourismus erhalten. Denn um Hoyerswerda herum, entsteht Europas größte künstliche Wasserlandschaft und Deutschlands 4-größtes Seengebiet, welches mitttels Verbindungskanäle untereinander befahrbar sein wird. Diese Gedanken und Überlegungen gab es auch schon zu DDR-Zeiten. Nur fehlten dafür die materiellen und finanziellen Mittel.
Der Senftenberger See, der Knappensee bei Knappenrode und der Silbersee bei Lohsa, waren schon zu DDR-Zeiten sehr beliebte Naherholungsgebiete gewesen, wie auch das Dubringer Moor.
Jedoch sehe ich noch ein Problem für die Stadt. Die Einwohnerzahl wird in den nächsten Jahren noch weiter sinken, denn die Stadt ist überaltert. Zahlreiche Bergbaurentner leben noch in der Stadt und erhalten sie somit auch am Leben. Wie schnell die neuen Maßnahmen greifen werden, vermag aus heutiger Sicht auch keiner zu sagen.
Über die Elsterheide, vorbei an der neuen Seenlandschaft über das "Brandeburger Tor" (eine Rohrbrücke, die über eine Verbindungsstraße führt), Großräschen auf die Autobahn und wieder in Richtung Berlin. Unterwegs jede Menge Gesprächsstoff. U.a. die neue Umweltsünde, die den südwestlichen Spreewald bedroht, und die zu DDR-Zeiten mit der Grubenentwässerung beherrscht wurde. Der Tod einiger Fliesse durch Rotschlammablagerungen, die alles Leben im Fließ unmöglich machen. Nachdem alarmierende Eisen - und Sulfatwerte im südwestlichem Teil des Spreewaldes gemessen und die Schadensbilder immer augenscheinlicher wurden, reagierte man und besann sich auch wieder der Technologien aus DDR-Zeiten.

Soweit erst einmal.

"Glück auf"
Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 14.08.2013 17:26 | nach oben springen

#111

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 20.08.2013 18:44
von Gelöschtes Mitglied
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Sorben und Deutsche in der Lausitz und im Lausitzer Revier.
Ich will hier keinen Exkurs in die Geschichte der Sorben unternehmen – dass kann man alles in Lexika und auch bei Wiki nachlesen.
Die Sorben waren die einzige nationale Minderheit in der DDR mit eigener Sprache und Kultur. Ihr Siedlungsgebiet ist in der nachfolgenden Karte ersichtlich.



Man unterscheidet im Sorbischem zwischen dem Niedersorbisch und den Obersorbisch. Manchmal bezeichneten sie sich selbst als Wenden.
Die Interessenvertretung der Sorben ist die Domowina, die ihren Sitz in Bautzen hat. Kerngebiet der Sorben war schon zu DDR-Zeiten, das sogenannte Katholische Dreieck – Siedlungsgebiet der Katholischen Sorben zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen. In diesem Dreieck, in Räckelwitz, wurde auch der sächsische Ministerpräsident, Stanislaw Tillich geboren. Sein Vater, ebenfalls Sorbe, gehörte der SED an und war Mitglied des Bundesvorstandes der Domowina in Bautzen.
Das Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau, eines der aktiven Klöster zu DDR-Zeiten, befindet sich ebenfalls im diesem Kerngebiet. Es verfügte über umfangreiche Ländereien, die auch seitens der DDR-Administration dem Kloster als Eigentum überlassen wurden, jedoch an umliegende Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften verpachtet wurden. Zugleich verfügte das Kloster über Braurechte, die schon zu DDR-Zeiten an die Wittichenauer Brauerei verpachtet wurden. Die Zweisprachigkeit auf den Ortschildern, wie auch bei den öffentlichen Einrichtungen und Institutionen muß ich nicht erwähnen, da sie vielen Usern aus persönlichem Erleben bekannt sind.
In Hoyerswerda gab es im WK V E die Handrij Zejler – Schule, benannt nach dem bekanntem sorbischen Lyriker, an der auch in sorbischer Sprache unterrichtet wurde. Bekannt sind solche sorbischen Literaten wie, Jurij Brězan, Jurij Koch u.a..
Weniger bekannt sein dürfte die Hymne der Sorben „Rjana Łužica“ („Schöne Lausitz“). Kann man nur bestätigen, wenn man nicht nur im Biosphärengebiet Niederlausitzer Seen- und Teichlandschaft gewesen ist. @Kurt wir diese Ecke noch besser kennen, da er ja in Weißkeißel an der Uffz.-Schule war.
Als Deutsche im Siedlungsgebiet der Sorben machte man sich unwillkürlich auch die Sitten und Gebräuche der Sorben zu Eigen. Bekannt sind hierbei die Vogelhochzeit, die auch an allen deutschen Kindereinrichtungen gefeiert wurde, das Zampern in der Vorfaschingszeit, die Osterbräuche, wie das Osterreiten u.v.m.. Zu Weihnachten kommt auch nicht der Weihnachtsmann im Sorbischem, sondern das Bescherkind. Auch die Vielfalt der sorbischen Trachten war beeindruckend und zeigte schon rein äußerlich, wer aus dem Spreewald, aus der Gegend um Schleife oder aus der Bautzener Ecke kam.
Bekannt dürfte auch die Krabat-Sage sein. Gaststätten, Jugendclubs trugen die Bezeichnung „Krabat“.
In Hoyerswerda im Lausitz-Center gibt es zwischenzeitlich auch eine Gaststätte, die sich „Krabat-Mühle“ nennt.
Meine Tochter ihre Freunde und Bekannten entstammen vordergründig sorbischen Familien – sie selbst ist Patentante über eine kleine Sorbin. Auch spricht meine Tochter sorbisch und ich verstehe dann nur Bahnhof, wenn sie sich mit ihren sorbischen Freunden unterhält. Auch bei ihrer Hochzeit im oberfränkischem Coburg konnten sie es nicht lassen und die anwesenden Westdeutschen schauten verdutzt aus der Wäsche.
In den Kirchen wurden die Samstagsgottesdienste in sorbischer Sprache abgehalten und es war schon beeindruckend auch für einen Atheisten.
Wie bereits zum Ausdruck gebracht, wurde bereits in der DDR vieles unternommen, um die Sorben als gleichberechtigte Partner in das politische und gesellschaftliche Leben einzubeziehen und sie bei der Wahrung und Bewahrung, wie auch Ausübung ihrer Sitten und Gebräuche zu unterstützen.
Hinzu kamen Maßnahmen zum Landschaftsschutz, die sich infolge der Grundwasserabsenkungen durch den Braunkohlenabbau notwendig machten. So wurden durch Schutz- und Sperrmauern, der Branitzer Park in Cottbus, wie auch der Spreewald in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Rotschlamm in den Fliessen des Spreewaldes wurden durch die Grubenwasserreinigung vermieden, was heute wieder praktiziert wird, nachdem sie nach der Wende gröblichst vernachlässigt wurde und schon im Südwesten des Spreewaldes zu Schäden in einigen Fliessen führte.
In Cottbus wurde ein Neubauviertel dem altem traditionellem Stadtbild angepasst und als „Wendisches Viertel“ benannt. Man könnte viele weitere Beispiele anführen.
@furry - zu Deiner Frage, ich habe auch davon gehört, dass es nach dem II. WK Bestrebungen gegeben haben soll, wonach einige Sorben den Anschluß an die CSSR gewünscht haben sollen.
Nun muß man aber wissen, dass es zwischen Sorben und Tschechen keinerlei kulturelle Berührungspunkte gibt. Lediglich das Obersorbisch ist mit dem tschechischem etwas sprachlich verwandt, wie auch das niedersorbische gewisse Ähnlichkeiten mit dem Polnischem aufweist.
Insgesamt kann man jedoch aus heutiger Sicht sagen, dass es der sorbischen Minderheit in der DDR nicht schlecht ging.
Die Sorben und die Braunkohle hatten schon lange vor der DDR eine besondere Beziehung. Das Gebiet war industriell wenig erschlossen und die Landwirtschaft gab auf den kargen Böden auch nicht gerade Höchsterträge her.
Bereits um 1900 wurde die Braunkohlengrube „Brigitta“ bei Spreetal durch die „Kolonie Pumpa“ bergmännisch im offenem Tagebau erschlossen und Rohbraunkohle gefördert. Die Braunkohlenbrikettierung wurde vor 150 Jahren im mitteldeutschem Revier (Leipziger Raum) erfunden. Einige User werden sich aus ihrer Kindheit auch daran erinnern, dass es in der DDR in den Anfangsjahren nicht ausreichend Brikett zu Heizzwecken gab und Rohbraunkohle (Siebkohle) als Heizmaterial ergänzend durch den Kohlehandel ausgeliefert wurde.
Der Ausbau der Rohbraunkohleförderung im Lausitzer Revier, wie auch die Errichtung des Kombinates Schwarze Pumpe erschloß auch für die ansässigen Sorben neue Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die sie auch annahmen und nutzten.
Zahlreiche Führungskräfte des Kombinates bis in die Kombinatsleitung hinein, gehörten zur Nationalität der Sorben.
Es gab auch einen deutsch-sorbischen Beirat, der sich als Interessensvertretung der sorbischstämmigen Werktätigen im Kombinat verstand. Hier wurden viele Vorschläge erarbeitet und der Kombinatsleitung angetragen. Über Leitungsentscheidungen wurden dann diese auch in der Praxis umgesetzt. Oftmals handelte es sich um die Bereitstellung materieller und finanzieller Mittel, um das geistig-kulturelle Leben in den umliegenden sorbischen Gemeinden zu verbessern.
Was Bergbauersatzleistungen anbetrifft, so griffen diese insbesondere nach der Wende und betrafen, wimre die Gemeinden Kausche und Hornow. Am Rande von Drebkau wurde die Gemeinde Neu-Kausche als Bergbauersatzleistung errichtet. Zu Hornow hatte ich von Anfang an meine Bedenken, was die Öffentlichkeitsarbeit anbetraf. Die Bedenken sollten sich dann bestätigen. Man könnte auch mit Shakespeare antworten „Viel Lärm um nichts“.
Sicherlich kann @Nomex noch etwas beisteuern. Ich beende erst einmal meine Ausführungen.

Vierkrug


94, Jobnomade, andy, GilbertWolzow, Kurt, eclipse1983, furry, Damals87, silberfuchs60, Nomex und Alfred haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.08.2013 13:11 | nach oben springen

#112

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 12:25
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Wutrobny dźak, Vierkrug...


u3644_Jobnomade.html
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#113

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 12:59
von damals wars | 12.213 Beiträge

Trotz der Förderung sehen sich aber die slawischen Nachbarländer immer wieder veranlasst,sich für ihre Brüder und Schwestern im Westen einzusetzen.
Während meines Studiums in Senftenberg war das einzig slawische das Öl im Quark, finde ich heute noch iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#114

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 13:01
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #113
Trotz der Förderung sehen sich aber die slawischen Nachbarländer immer wieder veranlasst,sich für ihre Brüder und Schwestern im Westen einzusetzen.
Während meines Studiums in Senftenberg war das einzig slawische das Öl im Quark, finde ich heute noch iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.


Leinöl ist gesund und schmeckt hervorragend zu Kartoffel und Quark! ...oder auch pur.


grenzgänger81 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#115

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 13:11
von furry | 3.581 Beiträge

@Vierkrug, herzlichen Dank für Deinen langen und informativen Text.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#116

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 13:57
von Gelöschtes Mitglied
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Danke für den Zuspruch. Ich werde mich im nächstem Beitrag dann zu Fragen der Untergrundgasspeicherung in der DDR äußern, die als ein wesentlicher Bestandteil zur Sicherung der energetischen Basis der DDR gehörte und über den Kombinatsbetrieb VNG (Verbundnetz Gas) Böhlitz-Ehrenberg - firmiert noch heute unter dieser Bezeichnung und Logo - realisiert wurde.

Zu den Eßgewohnheiten in der Lausitz und bei den Sorben.
Die Lausitz ist für mich als gebürtigen Norddeutschen eine zweite Heimat geworden. Ich habe mich dort "sauwohl" gefühlt und manchmal vermisse ich sie auch ein wenig. Besonders in den kommenden Wochen, wenn es in die "Pilzernte" geht. Ich schreibe absichtlich Ernte, denn in guten Pilzjahren hatte man seine Körbe sehr schnell und reichhaltig gefüllt.
@Kurt - Leinöl ist nicht jedermanns Geschmack. Er war auch nicht der Meinige. Pellkartoffeln, Quark und Leinöl, wie auch gehackte Zwiebeln wurden dann zu Hause zubereitet, wenn ich durch meine Abwesenheit glänzte.
Dafür bereichern andere sorbische bzw. Lausitzer Gerichte noch heute meinen Speiseplan. Absoluter Favorit sind dabei die Grütz- und Semmelwürste (die muß mein Sohn immer reichhaltig mitbringen, wenn er zu Besuch kommt) mit Sauerkraut. Die Lausitzer Grützwurst unterscheidet sich durch einen höheren Grützeanteil von den sonst üblichen und bekannten Grützwürsten und ist auch ein wenig anders gewürzt, als diese.
Die sorbische Hochzeitssuppe gehört noch heute zu den Feiertagen auf den Tisch. Und nicht zu vergessen, das traditionelle sorbische Hochzeitsgericht - im Wurzelsud gekochtes Rindfleisch mit frischem Meerettich aus dem Spreewald und knusprigen Krustenbrot.
Die sorbische / Lausitzer Küche eine sogenannte Arme-Leute-Küche, die zuweilen aber auch sehr deftig sein kann.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 21.08.2013 14:00 | nach oben springen

#117

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 19:00
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #111

Was Bergbauersatzleistungen anbetrifft, so griffen diese insbesondere nach der Wende und betrafen, wimre die Gemeinden Kausche und Hornow. Am Rande von Drebkau wurde die Gemeinde Neu-Kausche als Bergbauersatzleistung errichtet. Zu Hornow hatte ich von Anfang an meine Bedenken, was die Öffentlichkeitsarbeit anbetraf. Die Bedenken sollten sich dann bestätigen. Man könnte auch mit Shakespeare antworten „Viel Lärm um nichts“.
Sicherlich kann @Nomex noch etwas beisteuern. Ich beende erst einmal meine Ausführungen.


Natürlich kann ich dazu was beitragen, habe ich die Umsiedlung von Kausche doch selbst mitgemacht. Übrigens "Neu" hören wir nicht so gern, Kausche reicht ;).

Die Umsiedlung begann ja eigentlich schon weit vor der Wende. Damals gab es eine Veränderungsverbot oder auch Baustop, der genaue Begriff fällt mir leider momentan nicht ein. Das bedeutete das keine Um- oder Neubauten mehr genehmigt wurden. Zu unserem Glück wurde die Umsiedlung dann aber erst nach der Wende vollzogen. Die Gemeindevertretung und auch die einzelnen Bürger bekamen ein viel umfassenderes Mitspracherecht. Wir wurden ins Rheinland gefahren und haben dort umgesiedelte Dörfer besichtigt. Wir hatten einen unabhängigen Mentor aus der Gegend, der uns bei der Umsiedlung beraten hat. So sind wir dann auch ein Ort geworden, der als solcher umgesiedelt wurde und eine relative Selbstständigkeit behalten hat. Selbst als sich später die Orte um Drebkau und die Stadt zu einer Stadt zusammengeschlossen hat behielten wir einen Sonderstatus.

Kausche ist im Vergleich mit den anderen Dörfer aber auch ein kleiner Sonderfall. Es war seit Beginn der Braunkohleförderung in der Gegend nicht mehr nur ein Dorf sondern eher eine Bergarbeitersiedlung. Über 50% der Einwohner wahren z.B. Mieter und nicht Bauern mit eigener Scholle. Das hat im Gegensatz zu z.B. Hornow einiges sicher einfacher gemacht.

Wie die Gegend vor Beginn des Braunkohlenabbaus ausgesehen hat kann man heute noch in den vielen liebevoll gestalteten Heimatmuseen erfahren. Es gab bis auf Calau, Cottbus, Spremberg, Wittichenau Bautzen oder Görlitz kaum Städte die ein überregionale Bedeutung hatten.

Sollte die Braunkohle hier so schnell verschwinden wie es sich einige Grüne wünschen dann würde ein Landstrich so schnell in der Bedeutungslosigkeit versinken wie wir es in Mitteleuropa wohl in den letzten 200 Jahren noch nicht erlebt haben.

Ich war die Tage mal im Museum "Energiefabrik Knappenrode"http://web.saechsisches-industriemuseum.com/knappenrode.html. Dabei bin ich nach langer Zeit mal wieder durch die Neustadt von Hoyerswerda gefahren. Ich kann nur bestätigen was @Vierkrug geschrieben hat. Da wo früher ein Plattenbau neben dem anderen gestanden hat, erstrecken sich heute Parkanlagen in denen man die Wohnblocks suchen muss. Das klingt ganz idyllisch, problematisch nur das niemand in der Lange ist die Parks zu unterhalten, von den Straßen will ich nicht erst reden. Die waren vor der Wende eindeutig besser in Schuss. In Hoyerswerda hatte ich damit ja noch gerechnet, aber der Zustand von Knappenrode hat mich dann doch erschüttert. Dort stehen sanierte Häuser in Größenordnungen leer. Das sieht auf den Dörfern noch nicht so schlimm aus, da fallen in erster Linie die sanierten oder neu gebauten Häuser auf. Aber auch dort findet man immer öfter verlassene Gehöfte. Was soll nur werden wenn hier noch mal tausende Arbeitsplätze wegfallen und die Alten die noch da wohnen auch mal nicht mehr sind?

Gruß Nomex


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#118

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 19:23
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #116
Danke für den Zuspruch. Ich werde mich im nächstem Beitrag dann zu Fragen der Untergrundgasspeicherung in der DDR äußern, die als ein wesentlicher Bestandteil zur Sicherung der energetischen Basis der DDR gehörte und über den Kombinatsbetrieb VNG (Verbundnetz Gas) Böhlitz-Ehrenberg - firmiert noch heute unter dieser Bezeichnung und Logo - realisiert wurde.


Ein interessantes Thema auf das ich mich jetzt schon freue.

Zitat von Vierkrug im Beitrag #116
Die sorbische / Lausitzer Küche eine sogenannte Arme-Leute-Küche, die zuweilen aber auch sehr deftig sein kann.


Was aber eines der wenigen Sternrestaurants die Brandenburg hat http://www.hotel-zur-bleiche.de/de/ nicht hindert damit auch den anspruchsvollen Gaumen zufrieden zu stellen.

Ja, Leinöl ist schon ein sehr spezielles Thema. In weiten Teilen der Bundesrepublik findet man es wenn überhaupt nur in speziellen Regalen für Bio-, Öko- oder Reformprodukte. Hier bei uns steht es ganz normal neben Speiseöl, Essig o.a. Ich hatte da auch schon so manch lustige Begegnung unter anderen als ich bei einer Kur der Inhaberin eines Feinkostladens aus dem Rheinland erklären konnte das Pellkartoffeln mit Leinöl und Quark ein ganz normale Mittagessen sein kann, da habe ich doch wirklich jemand überzeugt. Ich bin aber auch so das ich mir Leinöl nicht im Supermarkt hole sonder wenn dann direkt aus einer Ölmühle wie z.B. http://www.lausitzer-oelmuehle.de/ in Hoyerswerda oder in Straupitz die http://www.windmuehle-straupitz.de/. Dort wird das Öl direkt aus der Presse in die Flaschen gefüllt.

@Vierkrug ist hatte mich übrigens vertan was den Fahrgast meines Vaters betraf, es war nicht der General sonder der Werkdirektor. Die beiden Namen muss ich noch mal bei meiner Mutter nachfragen. Mich hatte schon stutzig gemacht das du eine grauen Wolga erwähntest, den der vom Vater war eigentlich weiß.

So jetzt habe ich auch den Bogen zurück zum eigentlichen Thema bekommen.

Gruß Nomex


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#119

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 19:24
von damals wars | 12.213 Beiträge

Kernexplosion ist ein guter Hinweis, zum Zeitpunkt von Tschernobyl waren wir in Welzow Süd zum Kohleeinsatz. GR war angesagt.

Werde ich nie vergessen, Weil ich damals Helme in der Dunkelheit schweben sah; NEIN , das war nicht der Alkohol,es waren afrikanische Lehrlinge, die bei den Vulkies mithalfen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#120

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 21.08.2013 19:39
von Lutze | 8.042 Beiträge

einige Dörfer mußten durch den Braunkohleabbau weichen,
die Häuser wurden abgerissen,Kirchen nicht,
so die Brüxer Kirche,die hat man mitgenommen,
das muß ein Akt gewesen sein
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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