#61

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 21:10
von Gelöschtes Mitglied
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Zeitdokument, das ich noch im Fundus aufgestöbert habe



Ergänzende Bilder zum ehemaligem Haus der Berg-und Energiearbeiter (HBE) und zum Saal




Kurt, Feliks D., CASI, silberfuchs60, eclipse1983 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.08.2013 21:32 | nach oben springen

#62

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 23:36
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #61
Zeitdokument, das ich noch im Fundus aufgestöbert habe



Ergänzende Bilder zum ehemaligem Haus der Berg-und Energiearbeiter (HBE) und zum Saal






@Vierkrug war nicht im Haus der Berg -und Energiearbeiter, im hinteren Kellerbereich..eine Nachtbar...hab den Namen vergessen.
Gibt es das HBE noch ?


xxx
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#63

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 09:10
von Gelöschtes Mitglied
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@silberfuchs60 - Du kennst aber auch die "geheimsten Ecken" - an den Namen kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Da müßte ich auch noch einmal hinterfragen. Mir geht die "Steigerstube" aber nicht aus dem Kopf. Es gab aber auch noch eine Bar im oberen Bereich.

Das HBE steht noch und nennt sich jetzt "Lausitzhalle". Es soll sehr gut laufen.

Vierkrug


silberfuchs60 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#64

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 10:27
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Könntest Du kurz umreißen warum der Einsatz eines OibE auf dieser Stelle erforderlich und kein normaler IM ausreichend war? Als ObiE warst Du ja Angehöriger des MfS was natürlich die Probleme der Geheimhaltung (Sicherungsmaßnahmen, Dienstanweisungen und andere Unterlagen, andere MA etc.) entfallen ließ die bei IM zu beachten gewesen wären und auch die Kontaktaufnahme oder Absprache mit Vorgesetzten und der DE war entsprechend einfach zu handhaben.

Waren diese ich sage mal kurzen Wege und schnelleren Reaktionsmöglichkeiten der einzige Grund, oder waren noch andere Aspekte, die sich mir jetzt auf den ersten Blick natürlich nicht erschließen, entscheidend?

Danke.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 02.08.2013 10:38 | nach oben springen

#65

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 10:48
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #61
Zeitdokument, das ich noch im Fundus aufgestöbert habe



Ergänzende Bilder zum ehemaligem Haus der Berg-und Energiearbeiter (HBE) und zum Saal







Was ist denn nach 1990 aus diesen Häusern geworden ?


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#66

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 10:55
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #63


Das HBE steht noch und nennt sich jetzt "Lausitzhalle". Es soll sehr gut laufen.

Vierkrug


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#67

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 10:57
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #66
Zitat von Vierkrug im Beitrag #63


Das HBE steht noch und nennt sich jetzt "Lausitzhalle". Es soll sehr gut laufen.

Vierkrug






Übersehen, DANKE !


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#68

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 11:04
von Gelöschtes Mitglied
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Der Winter 1978 / 79 in der Braunkohle und im GSP
Vorbemerkungen und Prolog / Teil 1
________________________________________

Um ein besseres Verständnis für die in den nachfolgenden Schilderungen und Beiträge zu haben, erscheint es mir notwendig, darauf zu verweisen, woraus sich eigentlich die Braunkohle zusammensetzt. Sie hat entsprechend den Abbaugebieten, eine unterschiedliche Zusammensetzung - siehe auch nachfolgende Grafik



Aus der Grafik ist ersichtlich, das Rohbraunkohle vordergründig zu 2/3 aus Wasser besteht und lediglich zu einem Drittel aus festen Kohlenstoffsubstanzen. Die wiederum auch qualitative Unterschiede aufweisen. So war die Nochtener Kohle eine gute Kokskohle und von besserer Qualität, wie die aus dem Großtagebau Welzow. Ich will jetzt keinen Exkurs in die Entstehung der Braunkohle machen. Aber die Kenntnis dieser Fakten ist wichtig, um sich dann die daraus Konsequenzen zu verstehen.

Nun aber zum 31.12.1978, wo alles seinen Anfang nahm. Ich hatte für den Sylvesterabend Karten zur Sylvesterfeier im Naherholungsobjekt des Kombinates am Knappensee (ca. 15 km von Hoyerswerda) - einschließlich Übernachtung in einer der Finnhütten. Meine Frau freute sich schon darauf, da ich die Jahre zuvor Leitungsdienst vor Ort hatte und die Neujahrsgrüße dann per Telefon ausgetauscht wurden.
Am besagtem 31. saßen wir ab 14.00 Uhr alle im Turmzimmer beisammen und beprachen noch die letzten anstehenden Aufgaben - u.a. welcher Stabs- bzw. Fachdirektor am Neujahrstag im welchem Bereich der anwesenden Belegschaft die Neujahrsgrüße übermittelt - eine alte Tradition aus dem Bergbau, die am 1. Weihnachtsfeiertag zwischen Frühstück und Gänsebraten, wie auch am Neujahrstag gepflegt wurde.
Seitens des Hauptdispatchers gab es noch eine kurze Lageeinschätzung zur Betriebssituation und zur Verfügbarkeit und Fahrweise der Hauptproduktionsanlagen. Alles befand sich für die noch vorhandenen Witterungsbedingungen - leichter Regen aber schon sinkende Temperaturen - im normalem Bereich.
Abschließend noch ein paar belegte Brötchen und einen guten Wilthener, der immer in der "Bar" des "Alten" vorhanden war. So nach und nach verliessen wir mit den entsprechenden Wünschen das Beratungszimmer und begaben uns auch schon teilweise gegen 16.00 Uhr nach Hause. Ich saß noch mit dem Direktor für Produktion zusammen, als die ersten Wettermeldungen aus dem Norden eintrafen. Wir unkten noch miteinander und meinten, jetzt erwischt es mal nach langer Zeit wieder den Norden. Keiner ahnte auch nur ansatzweise, was da auf uns zukommen und welche Auswirkungen es haben würde.
Auch ich fuhr dann nach Hause, wo meine Frau schon ungeduldig wartete. Also "Kostümwechsel" und nebenbei die Nachrichten verfolgt, die nichts Gutes verhiessen.Schon garnicht die Großwetterlage. Deshalb rief noch einmal bei den Dispatchern an. Sie signalisierten immer noch Entwarnung. Also Pkw startbereit gemacht und raus zum Knappensee. Die Temperaturen fielen immer rapider und der Regen wandelte sich so langsam in Graupel um. Ich wurde immer unruhiger und mein Bauchgefühl sagte mir, da kommt nichts Gutes auf uns zu.
Hielt mich deshalb auch beim Alkoholgenuß etwas zurück. Und immer wieder zum Telefon. Nachdem ich dann meine bekannte Showeinlage hinter mir hatte - ich hob meine Frau auf der rechten Armseite und ihre Freundin auf der linken Armseite zugleich in die Höhe und trug sie unter Beifall die paar Meter zur Bar (mal sehen, ob ich das Foto noch finde) - ging ich nach draussen. Die Luft war stark abgekühlt und es roch nach Schnee. Also noch einmal Rückruf, aber schon mit ernst zunehmenden Inhalt.
Trotzdem ging die Syvesterfeier weiter und nach ein paar Stunden Schlaf, wollte wir dann zum Frühstück. Beim Blick nach darissen traute ich meinen Augen nicht. Radio an, kein Strom. Elektrische Anschlüsse kontrolliert - kein Strom. Mir wurde es immer mulmiger. Ich wollte aus der Finnhütte raus, aber die Tür ließ sich auf Grund der Schneehöhe nicht öffnen. Also durch das Fenster nach außen. Erst einmal in Richtung Knappenhütte um zu telefonieren. Ich versank gleich bis zum Bauch im Schnee. Als ich die Knappenhütte erreichte, auch dort kein Strom. Telefon ging nicht mehr. Mit dem Gaststättenleiter schnell noch ein paar Absprachen getroffen, um eine Paniksituation bei den anderen Sylvestergästen zu vermeiden. Zum Parkplatz, der nicht mehr ersichtlich war. Mit meiner Frau noch schnell ein paar Dinge abgesprochen hinsichtlich der weiteren Handlungs- und Verfahrensweise und dann zu Fuß durch den hohen Schnee in Richtung Braunkohlenwerk Knappenrode um von dort aus Kontakt mit dem Kombinat aufzunehmen. Ich erreichte das BKW und konnte über das Sondernetz mit unserem Hauptdispatcher reden. Es war zwischenzeitlich auch schon "Krisensituation" ausgerufen und alle verantwortlichen Führungs-und Leitungskräfte vor Ort beordert worden.
Die Frage war nur, wie. Es drehte sich abolut nichts mehr. Nach mehrstündigem Warten stand dann ein UAS bereit, der mich auf verschlungenen Wegen nach Schwarze Pumpe brachte.
Erst einmal hier Ende von Teil 1.

Vierkrug


Kurt, Feliks D., furry, CASI, andy, Lutze, Damals87 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.08.2013 11:59 | nach oben springen

#69

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 11:56
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #64
Könntest Du kurz umreißen warum der Einsatz eines OibE auf dieser Stelle erforderlich und kein normaler IM ausreichend war? Als ObiE warst Du ja Angehöriger des MfS was natürlich die Probleme der Geheimhaltung (Sicherungsmaßnahmen, Dienstanweisungen und andere Unterlagen, andere MA etc.) entfallen ließ die bei IM zu beachten gewesen wären und auch die Kontaktaufnahme oder Absprache mit Vorgesetzten und der DE war entsprechend einfach zu handhaben.

Waren diese ich sage mal kurzen Wege und schnelleren Reaktionsmöglichkeiten der einzige Grund, oder waren noch andere Aspekte, die sich mir jetzt auf den ersten Blick natürlich nicht erschließen, entscheidend?

Danke.


@Feliks D. - ich glaube nicht, dass ich der Ersatz für Generalmajor Otto Last war, der über viele Jahre als Direktor Kader und Bildung im Kombinat fungierte. Die Vorbereitung des Einsatzes als OibE, einschließlich entsprechender Legendierung erfolgte über einen sehr langen Zeitraum. Als es dann im Mai 1976 hieß, Du gehst nach Schwarze Pumpe, war ich nicht gerade begeistert und rümpfte anfänglich auch ein wenig die Nase.
Ich denke, der Hauptgrund für den Einsatz war die zunehmende komplexere Bedeutung und Verantwortung des GSP innerhalb und außerhalb der DDR. Innerhalb der DDR die weitere Zuordnung der Verantwortung als Zentrum der Kohleveredlung und energetische Basis der DDR, die weit über Schwarze Pumpe hinausging. Die Erweiterung durch die Standorte in Lauchhammer, Espenhain / Böhlen, Zwickau / Magdeburg erforderten u.a. auch andere Strukturen und Führungsinstrumente. Es kamen im Ausland der Gasleitungsbau in der Sowjetunion und die Wiedererschließungsmaßnahmen der Steinkohlengruben in Mocambique hinzu. (Erfahrungen mit dem Gasleitungsbau hatte ich schon mit der "Drushba-Trasse").
Die OD im Stammbetrieb konnte entsprechend des Territorialprinzips auch nur den Stammbetrieb bearbeiten. In den anderen Standorten die entsprechenden KD´s und BV`s.
Da die Tätigkeit strukturell in einem Bereich angesiedelt war, der einen entscheidenden Knotenpunkt in der Führungs-und Leitungshierachie des Kombinates darstellte, liessen sich viele Dinge schneller und unkomplizierter - wie Du es schon beschrieben hast, kurze Wege und schnellere Reaktionsmöglichkeiten - handhaben, nicht nur wegen der modernsten Kommunikationsmittel, die hier auch schon zur Verfügung standen. Es gab zugleich die Möglickeit über die fachlich-inhaltliche und organisatorische Arbeit auf Entwicklungskonzeptionen Einfluß nehmen und diese zu beeinflussen. Ich denke dabei nur an die Intensivierungskonzeption für das gesamte Kombinat u.a. strategische Dokumente.

Ich weiß nicht, ob ein IM diesen Bereich vollumfänglich abdecken konnte - mehrere IM´s ja. Die Entscheidung zum Einsatz traf nicht ich, sondern sie wurde in Berlin getroffen.
@Feliks D. - Du weißt aus Deiner eigenen Tätigkeit, nicht jede Entscheidung wurde uns gegenüber auch nicht tiefer begründet - Mir klingen noch diese Worte im Ohr, "wir erachten es als dringend notwendig, dass du diese Aufgabe übernimmst" usw. usf..

Um abschließend Deine Frage zu beantworten - ich fühlte mich mit den Jahren immer mehr als Führungs-und Leitungskraft des Kombinates und nicht vordergründig als OibE des MfS. Meinem Abt.-Leiter in Berlin gefiel diese Einstellung.

Vierkrug


Feliks D., Damals87 und Kurt haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#70

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 14:01
von Gelöschtes Mitglied
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Der Winter 1978 / 79 in der Braunkohle und im GSP
Teil 2 - Der Moloch braucht Kohle
_______________________________________

Eine bekannte FDJ-Initiative aus den Anfangsjahren der DDR hieß "Max braucht Wasser" - der Bau der Wasserleitung von der Saale zum Stahlwerk in Unterwellenborn.
Nicht nur im Winter hieß es in Pumpe, der Moloch braucht Kohle. Täglich wurden im Stammbetrieb durchschnittlich 80.000 - 90.000 Tonnen Rohbraunkohle veredelt bzw. verarbeitet. Das waren jählich bis zu 32 Millionen Tonnen, die zu 24 Mrd. m3 Stadtgas, 10 Mio Tonnen Briketts, 2,4 Mio Tonnen BHT-Koks verarbeitet wurden. Dazu eine Kraftwerksverfügbarkeit von über 1.100 MW, deren Dampferzeuger auch mit Kohlenstaub gefüttert werden mußten.
Das verlangte eine stabile und kontinuierliche Versorgung des Kombinates mit Rohbraunkohle aus den umliegenden Großtagebauen. Es gab zwei Rohkohlebunker (West und Ost) in denen die angelieferte Rohkohle abgekippt wurde, um dann entsprechend der Sorten und Güten in den im techologischem Anschluß befindlichen Aufbereitungen West und Ost für die weiteren Veredlungsstufen aufbereitet zu werden.
Das Betriebsregime war so ausgelegt, dass über kontinuierliche Zugumläufe aus den Tagebauen, diese Bunker und Aufbereitungsanlagen stabil versorgt werden konnten. Die Züge fuhren auf die Bunker ein und es wurden dann die Seitenklappen der Waggons geöffnet und der Zug fuhr langsam weiter bei gleichzeitiger Abkippung der Rohkohle über die darunterliegenden Bunkerabschnitte. Das wäre der Normalzustand.

Anders jedoch ab dem 01. Januar 1979. Die Temperaturstürze in der Nacht vom 31.12.1978 auf den 01.01.1979 und der damit verbundene starke Schneefall veränderten schlagartig die Betriebssituation.
In den Tagebauen kämpfte man gegen diese Naturgewalten - ein schier aussichtsloser Kampf. Die Kohlezüge, die aus den Tagebauen kommen sollten, steckten in den Schneewehen fest. Die Zugumläufe konnten nicht mehr eingehalten werden. Was aber weitaus schlimmer war, die Rohkohle gefror in den Waggons, da diese nicht mehr beheizt werden konnten. Die Standheizungen fielen aus. In Pumpe fehlte die Rohkohlezufuhr. Es bahnte sich ein Drama an, welches katastrophale Folgen für die gesamte DDR gehabt hätte.
Kurze Einflechtung - Stromabschaltungen gab es schon flächenweise, wie auch der Zusammenbruch der Fernwärmeversorgung nicht nur in Hoyerswerda und Spremberg. Das Elektroenergieversorgungsnetz bestand aus zwei Netzteilen, das rote und das blaue Netz, die im Verbund mit dem RGW-Netz gefahren wurden. Bedingung für die Netzstabilität war die Netzfrequenzstabilität von 50 Hertz. Wurden diese 50 Hertz von einem Verbundpartner unterschritten, so trennte sich automatisch das betreffende Landesnetz vom RGW-Verbundnetz. Und Polen, wie auch die CSSR hatten auch ihre Probleme.
Wieder zu Pumpe. Auf den Rohkohlebunkern befanden sich Ausblasturbinen von ehemaligen MiG 15 und 17, wie auch eine Auftauwand. Züge in der Auftauwand benötigten eine Mindestauftaudauer von 3-5 Stunden. Die MiG-Turbinen konnten unter diesen extremen Situationen auch nicht gesamte Kohle aus den Waggons herausblasen. Hinzu kam, dass bei jedem Waggon die Klappen von Hand geöffnet werden mußten auf Grund der An- und Gefrierungen. Jetzt standen die Züge auf den Rohkohlebunkern und konnten nicht entleert werden - die Züge mußten aber wieder iin den Umaluf gebracht werden, denn die Bagger in den Tagebauen mußten auch ihr Werk verrichten. Ein Teufelskreis aus dem man herauskommen mußte.
Die Lösung für die Tagebaue, wo es mittlerweile auch Gleisbrüche gab - die Gleisrückmaschinen die Gleisbette auf grund der Anfrierungen nicht mehr verrücken konnten, Abraumschichten im Vorschnitt wegen der Frosttiefen nicht mehr weggebaggert werden konnten, hieß Einsatz von Zusatzkräften in Größenordnungen. Es kamen dann die ersten NVA-Einheiten zum Einsatz.
Gleiches in Pumpe - um die Kohle aus den Zügen zu bekommen, wurde zusätzliches Personal benötigt. Es kamen auch hier die ersten Einheiten der NVA mit zum Einsatz, wie auch eigene Kräfte aus den Verwaltungsbereichen.
Es wurde ein Bunkerregime gefahren, dass alle 1/2 Stunde die Bestände auf ihren Stand prüfte - ich habe in den Folgejahren nie wieder die Rohkohlebunker in den Beständen so runtergefahren gesehen.
Seitens des Ministeriums für Nationale Verteidigung waren weitere Einheiten zur Unterstützung genehmigt und auf dem Weg nach Schwarze Pumpe - die nächste logistische Herausforderung. Wohin mit diesen Kräften, die auch versorgt werden mußten.
Unterbringungsfrage war relativ schnell geklärt - Reaktivierung der Unterkünfte im Wohnlager I, zugleich der kürzeste Weg zwischen Einsatzort und Unterkunft - bei gleichzeitiger Inbetriebnahme der zwischenzeitlich außer Betrieb genommenen Großküche, um die Versorgung der NVA-Kräfte zu sichern. Das Kulturhaus wurde für eventuelle Freizeitaktivitäten vorbereitet. Die Jungs waren nach ihrem Einsatz so platt, dass sie keinen anderen Wunsch hatten, wie ordentlich Essen, eine warme Dusche und ein Bett, bis der Turnus sie wieder anforderte.
Wenn ich oben auf den Bunker mit Brechstange und Spitzhacke mit den Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren gemeinsam die Kohle aushackte, dann kamen wir uns manchmal wie moderne Pawel Kortschagins vor - kohleverschmierte Gesichter, die oftmals von den körperlichen Anstrengungen gezeichnet waren, die aber niemals der Mut und der unbedingte Wille verlassen hatte.
Bei kleineren Pausen wurde auch oftmals untereinander gespöttelt, wer denn wieviel Tonnen Rohkohle ausgehackt hat. Ein Schluck Tee und schon signalisierte der nächste Kohlezug seine Ankunft, um entladen zu werden.
In den ersten Stunden und Tagen kam es vor, dass einige Züge mehrmals nicht komplett entladen werden konnten und mit 60 - 70 Prozent Inhalt wieder in den Tagebau zurückfuhren. Das waren dann die potentiellen Kandidaten für die Auftauwand.
Zudem wurden Nebengleisanlagen genutzt, um mit Hilfe der NVA-Kräfte die Züge auf manueller Art zu entleeren, um die Kohle erst einmal komplett aus den Waggons zu bekommen. Sie wurde dann mit Kopfladern in die Bunker verkippt.
Dank des Einsatzes dieser zusätzlichen NVA-Kräfte gab es keine Leistungseinsenkungen in der Verbundfahrweise des Kombinates und in den Hauptproduktionsanlagen konnte die volle Kapazität gefahren werden. In der Stadtgaserzeugung gab es fast täglich neue Spitzenleistungen.
Die "Hauptschlachten" wurden jedoch in den Tagebauen geführt - mit einem enormen Einsatz von personellen Kräften und materiellen Mitteln. Auch auf unseren Rohkohlebunkern wurden den Widrigkeiten erfolgreich die Stirn geboten.
Es war mir immer eine Freude und zugleich ein Bedürfnis, den Soldaten vor Ort Dank und Anerkennung auszusprechen. Oftmals bei einer gemeinsamen Zigarettenpause, ein anderes Mal, wenn ich im Auftrag besondere Leistungen mit Geldprämien, wie auch der Aktivistenauszeichnung würdigen konnte.
Bei den Lagebesprechungen wunderten sich manchmal die anwesenden Offiziere, wie militärisch es in der Führungs- und Leitungstätigkeit zuging. Kurze Rapporte über die Lage, die Verfügbarkeit der eigenen Kräfte und Mittel, Bestimmung der Schwerpunktaufagben und dann die Entschlußfassung zur Umsetzung - fast schon so, wie die Handlungen eines Kommandeurs nach Erhalt einer Aufgabe.

Soweit hier zu. - Ich lasse jetzt etwas Zeit, um es zu verarbeiten. Fragen, die aufkommen, bin ich gerne bereit zu beantworten.

Vierkrug


Kurt, Feliks D., CASI, furry, passport, Damals87, andy, Alfred und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.08.2013 15:29 | nach oben springen

#71

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 14:39
von furry | 3.562 Beiträge

@Vierkrug, hier möchte ich mich für Deine Berichte zur Schwarzen Pumpe herzlich bedanken. Geben sie doch einen Einblick, wie dort und auch an vielen anderen Stellen gearbeitet wurde, was sich Leute haben einfallen lassen, um in dem rohstoff- und devisenarmen Land Dinge zum Laufen zu bringen, wie quasi aus Sch… Bonbon gemacht wurden, die sich am Weltmarkt sehen lassen konnten. Leider wurde aber auch so manche Initiative beginnend durch die lokalen Gebietsfürsten gebremst, denen sicher der Weitblick der Fachleute fehlte. Zumal wenn nach der Wende altbundesdeutsche Wissenschaftler zum Ausdruck brachten, dass man in der DDR (betrifft mein Fachgebiet) zumindest vom wissenschaftlichen Stand schon um einiges weiter war als in der BRD.

Nun aber noch eine Frage. Ist Dir bekannt, ob heute noch in Deutschland BHT-Koks hergestellt wird, oder verlässt man sich auf die Steinkohleimporte?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#72

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 15:06
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

möchte mich ebenfalls bei @ Vierkrug für seine äußerst interessanten Berichte bedanken! Weiter so, ich lese begeistert mit!

@ furry, ich kann mir nicht vorstellen, daß BHT-Koks heutzutage in der BRD noch eine Rolle spielt. Zum einen ist der Koksbedarf in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, gleichzeitig mit der Rohstahlerzeugung. Stahl kommt aus China. Zum anderen läßt sich Koks kostengünstig aus gasarmen Importkohlen herstellen. Daher nehme ich an, daß fast sämtliche in der BRD geförderte Braunkohle durch die Kraftwerksschornsteine wandert.
Ich lasse mich allerdings gerne eines besseren belehren.

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#73

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 15:07
von andy | 1.196 Beiträge

Vierkrug@, was muss man sich unter einer Ausblastubine vorstellen und wie funktionierte die Auftauwand?


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#74

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 15:08
von Gelöschtes Mitglied
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@furry - Das Verfahren der Professoren Erich Rammler und Georg Bilkenroth zur Herstellung eines hüttenfähigen Braunkohlenhochtemperaturkokses (BHT-Koks) auf Braunkohlenbrikettbasis, wurde in Deutschland nur in den BHT-Kokereien Lauchhamer und Schwarze Pumpe industriell angewendet. Das waren zugleich auch die Betriebsteile, die als erste liquidiert wurden.
Man schmeißt heute lieber mit der Wurst nach dem Schinken - aber irgendwann sind auch die Steinkohlenreserven erschöpft bzw. liegen in einer Teufe, wo man über die Rentabilität der Förderung nachdenken muß. Ich glaube nicht, dass China von seinem Kuchen etwas abgeben will und wird.
Anbei eine Übersicht der Braunkohlenvorräte in Deutschland



Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 02.08.2013 15:21 | nach oben springen

#75

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 15:19
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von andy im Beitrag #73
Vierkrug@, was muss man sich unter einer Ausblastubine vorstellen und wie funktionierte die Auftauwand?


andy


@andy - Eine Ausblasturbine ist ein Strahltriebwerk einer ehemaligen MiG 15 bzw. MiG 17, das auf einem fahrbarem Gerüst installiert ist und in allen geometrischen Achsen (x-,y- und z-Achse) schwenkbar bzw. beweglich ist - wie bei einem Industrieroboter. Man kann sozusagen punktuell den kleinsten Krümel aus der letzten Ecke mit dem Leitstrahl herausblasen.
Eine Auftauwand sind eigentlich zwei sehr lange "Plattenheizkörper" (etwas länger wie ein Kohlezug), die mit Abdampf betrieben wurden und die sich jeweils auf einer Seite des Gleiskörpers befanden. Der Kohlezug fuhr zwischen diese Wände und die Waggons wurden mittels der Wärmeabstrahlung dann aufgetaut.

Vierkrug


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#76

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 16:01
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Kenne ich von meinem Vater her, die gab es abgewandelt auch bei der NVA LSK/LV.


Quelle: www.militaertechnik-der-nva.de


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#77

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 17:51
von Gelöschtes Mitglied
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Danke @Feliks D. - die haben sie aber zum Abtauen der Start-und Lanfebahnen genommen, oder ???
Das war auch die Inspiration für uns gewesen !!!

Vierkrug


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#78

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 18:41
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Genau dafür, dachte aber ich stell das Bild mal ein damit @andy eine ungefähre Vorstellung hat wie das ausgesehen haben könnte. Bei euch dann mit beweglichen Achsen und ohne die Bodendüse vorne.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 02.08.2013 18:43 | nach oben springen

#79

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 02.08.2013 19:00
von Weichmolch (gelöscht)
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Der Chemische Dienst hatte die auch --> zum Entaktivieren, Entseuchen und Entgiften. (Mig 15)

Weichmoch


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#80

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 03.08.2013 13:32
von 94 | 10.792 Beiträge

Auch benutzt wurde dieser Panzerfön um 1991 die irakischen Ölquellenfackeln auszupusten ...


(c) Fotos de Hunt @flickr.com

Die ungarische 'Dunai Repülőgépgyár' baut zwei Turbinen auf ein T34/85-Gestell und nannte es 'Big Wind', ein weiteres Modell auf T55-Basis dann 'Big Wind II'


Quelle: http://www.caranddriver.com/features/sti...he-fires-of-war


ab 46:55 Big Wind II

Doch zurück nach Spremberg, das ТМГ-3 war's ja nun offensichtlich nicht. Sah das Teil ungefähr so aus @4krug?


Fundstelle: http://net.nana10.co.il/Article/?ArticleID=656391

Frage oT, aber wirklich nur nebenbei! Wo ist diese Aufnahme einer TU-134 der UTair entstanden?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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