#41

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 19:10
von schnatterinchen (gelöscht)
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Nee, nee ich will hier nichts zerschießen @Vierkrug

Habe nur kurz meine Meinung geäußert.
Geheimnisse gabs ja in der DDR überall.Genutzt hats ja bekanntlich nichts.Ich habe nur meineZweifel ob das alles so richtig war mit eurem Ministerium.


zuletzt bearbeitet 31.07.2013 19:10 | nach oben springen

#42

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 19:14
von Lutze | 8.027 Beiträge

das Winterjahr 1978/79 bei Schwarze Pumpe,
darüber würde ich von Zeitzeugen,die zu der Zeit
dort gearbeitet haben,mehr erfahren
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#43

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 19:15
von Gelöschtes Mitglied
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@schnatterinchen - Deine Zweifel sind Dir unbenommen. Es hat jeder seine persönliche Sicht- und Betrachtungsweise. Ich differenziere auch nicht zwischen den HA und DE, denn wir waren ein Ministerium.
Und einige Mitstreiter hatten auch keinen Einblick in diesen Tätigkeitsbereich.

Vierkrug


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#44

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 19:18
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Lutze im Beitrag #42
das Winterjahr 1978/79 bei Schwarze Pumpe,
darüber würde ich von Zeitzeugen,die zu der Zeit
dort gearbeitet haben,mehr erfahren
Lutze



Ich war nächtelang mit den Soldaten auf den Rohkohlebunkern im Einsatz und habe gemeinsam mit ihnen die angefrorene Braunkohle aus den Waggons gehackt. Aber das ist schon wieder ein separater Beitrag.

Vierkrug


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.07.2013 19:20 | nach oben springen

#45

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 19:44
von Gelöschtes Mitglied
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@Lutze - die Urkunde dürfte mich wohl als Zeitzeugen ausweisen und bestätigen. Die Ereignisse, wollte ich aber im einen separaten Beitrag beschreiben.

Vierkrug


Lutze, Damals87 und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.07.2013 23:08 | nach oben springen

#46

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 21:24
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Vierkrug bearbeite deine Bilder indem Du mit Paint oder so Texte die auf dich verweisen rüberziehst. Andernfalls findest Du die schnell irgendwo wieder (Buch etc.) wo Du Sie nicht sehen willst. Hier mal ein Beispiel wie ich das immer mache. Jannste auch mit dem letzten noch machen, einfach Beitrag bearbeiten - Bild löschen - dann Bild bearbeiten - wieder Beitrag bearbeiten und das bearbeitet Bild neu anhängen. Schaut dann nicht mehr ganz so gut aus, aber dein bleibt dein.



Vielleicht erkennt es ja einer.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 31.07.2013 22:46 | nach oben springen

#47

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 22:07
von CASI | 78 Beiträge

Hallo Vierkrug,

danke für diesen tollen Thread, der einem technisch interessierten Wessi einmal eine völlig andere Sicht über die "Schwarze Pumpe" gibt.
Ich habe das ganze mitte 1990 mit fast 20 Jahren selber gesehen und auch nur gedacht: Grenzwertig!
Den ganzen technischen Ablauf hatte ich damals überhaupt nicht verstanden, ich habe auch überhaupt nicht darüber weiter nachgedacht..
Seit heute weis ich, das da so richtig Gehirnschmalz dahintersteckte um aus der Braunkohle auch das letzte bisschen Energie herauszuquetschen, wie es unter den damaligen gegebenen Umständen überhaupt nur ging.
Nach Deiner Beschreibung und etwas nachgoogeln habe ich es ansatzweise verstanden!
Auf den evtl. angekündigten Thread "Winter in der Braunkohle 1978/79" würde ich mich sehr freuen, da würde ich mich auch dranhängen, wie ich das damals mit 8 Jahren erlebt habe.

Viele Grüße
Carsten



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#48

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 31.07.2013 23:14
von Gelöschtes Mitglied
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@Feliks D. - danke für den Hinweis. Habe den ersten Versuch gestartet und umgesetzt. Werde noch diesbezüglich etwas üben müssen.

@CASI - ich werde dann am morgigen Tag einen Beitrag zum Winter 1978 / 79 schreiben.

Also dann bis morgen

Vierkrug


CASI hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#49

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 07:29
von eclipse1983 | 23 Beiträge

@ Vierkrug

Als Lehrling haben wir gelehrt bekommen, dass viele Havarien im GKSP vom "bösen Klassenfeind" verursacht wurden.

Störungen

12. Januar 1965 kam es im Generatorhaus des Druckgaswerkes zu einer schweren Havarie, die die Stadtgaslieferung bis zum 20. Januar 1965 vollständig unterbrach.
17. August 1970 kam es zu einer schweren Verpuffung in der Brikettfabrik Ost auf Grund von technischen Mängeln.
21. April 1971 schwere Havarie an einen Sauerstoff-Turboverdichter (technologischer Fehler).
22. Februar 1982 Schwere Havarie in der Gasreinigungsanlage, Strang 4 der Gasreinigung wurde dabei völlig zerstört (Technologische Ursache)
3. Juni 1983 Explosion in der Schleuse und Dampfgaskühlung im Gaswerk (Technologische Ursache).

Ich frage mich heute noch ob da wirklich was dran war.....


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#50

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 08:16
von Gelöschtes Mitglied
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@eclipse1983 - die Havarie am Rectisolstrang 4 vom 22.02. 1982 ist mir bestens bekannt, wie auch die Explosion vom 3. Juni 1983.
Es waren technisch-technologische Ursachen, die vorher nicht erkannt wurden. Beim Strang 4 waren es entzündbare Ablagerungen in der Kuppel einer Waschkolonne. Infolge der Strömungsreibung kam es zur Entzündung und der damit verbundenen Explosion. Ich war ein paar Minuten nach der Explosion vor Ort. Tonnenschwere Teile der Kolonne, wie auch anderer Anlagen des Stranges flogen kilometerweit durch die Luft. Größerer Schaden wurde vermieden dank des lebensgefährlichen Einsatzes eines Maschinisten, der noch geistesgegenwärtig den Hauptsperrschieber schloß.
Keine Todesopfer, keine Schwerverletzten, ein enormer Sachschaden und alles während der Mittagszeit der Frühschicht - dass ließ anfänglich andere Verdachtsmomente auf die Ursachen zu.

Ich weiß nicht, wer euch an der BBS einen solchen Schwachsinn vermittelt hat. Kohleveredlung, besonders im Bereich der Gaserzeugung ist eine gefährliche Angelegenheit. Deshalb ging es auch vordergründig darum die Sicherheitsrisiken über Gefährdungsanalysen zu minimieren und über technische Maßnahmen, wie auch Schulung des Personals weitesgehend einzuschränken.
Das es in den Brikettfabriken öfters zu Bränden kam, war auch der Tatsache geschuldet, das es im Trocknungsprozeß zu Überhitzungen kam. Tödliche Unfälle gab es auch, wenn, dann auch durch grobe Fahrlässigkeit seitens der Maschinisten. Man sollte nicht versuchen bei laufenden Betrieb in den Prozeß einzugreifen, schon garnicht bei einer auf Hochtouren laufenden Brikettpresse.

In den Kraftwerken gab es den letzten tödlichen Unfall in der Übergabestation des Kraftwerkes Ost, als ein Schaltelektriker einen Hochspannungsschlag erhielt. Ursache - trotz dokumentierter Meldung, war dieser Bereich nicht freigeschaltet.

Ich hatte es schon im einem anderem Thread geschrieben, nicht jede Störung, nicht jeder Brand und nicht jede Havarie waren der Einwirkung durch den "Klassenfeind" geschuldet. Vielmehr hatten sie vordergründig technisch-technologische Ursachen, oder waren auf Verschleißerscheinungen zurück zu führen, aber auch auf die Fahrlässigkeit / Oberflächlichkeit des Personals. Deshalb waren sie noch lange keine Staats- und Klassenfeinde.
Der euch diesen Mist an der BBS beigebracht hat, den möchte ich auch noch heute mit dieser entfremdeten Aussage konfrontieren.

Vierkrug


CASI, Feliks D., connies9, Damals87, thomas 48, werner und Kurt haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.08.2013 08:40 | nach oben springen

#51

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 08:32
von Grenzgänger (gelöscht)
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #32
Dann kläre mich doch mal auf!
Deine Antwort kenne ich jetzt schon.



Zitat von schnatterinchen im Beitrag #41

......
Ich habe nur meineZweifel ob das alles so richtig war mit eurem Ministerium.



Ich habe schon wieder einen Schreck bekommen !

Soll hier wieder ein hochgradig interessantes Thema, welches massgeblich von einem absoluten Insider gefüttert wird, auf ein Zeitungs- / Fernseh- / Stammtisch- / Baubuden- Polemik- Niveau "gehoben" werden, was uns keinen Zentimeter weiter bringt ??

zu Schnatterinchens Zweifeln:
die haben wohl sehr viele- und es war mit Sicherheit "nicht alles richtig"..

Ich fände es trotzdem gut, wenn wir hier einen "echten OibE" sich mal einfach äußern lassen (solange er dazu bereit ist.. !!! ) ...

Siggi


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#52

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 08:43
von schnatterinchen (gelöscht)
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Danke für die Blumen was das Niveau betrifft grenzgänger.
Was mir immer noch nicht klar ist warum ein so genannter OibE unter falschem Namen arbeiten und sein Umfeld zumeist ganz normale Arbeiter und Angestellte die nicht wissen durften mit wem sie es eigentlich zu tun hatten permanent täuschen mußte.
Das war meine eigentliche Frage.


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#53

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 08:55
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #52
Danke für die Blumen was das Niveau betrifft grenzgänger.
Was mir immer noch nicht klar ist warum ein so genannter OibE unter falschem Namen arbeiten und sein Umfeld zumeist ganz normale Arbeiter und Angestellte die nicht wissen durften mit wem sie es eigentlich zu tun hatten permanent täuschen mußte.
Das war meine eigentliche Frage.


Schnatterinchen,
die Definition OiBE erklärt das doch schon....

Offizier im besonderen Einsatz (OibE). OibE waren hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Offiziersrang, die im Auftrag des MfS unter Legende Schlüsselpositionen in Wirtschaft, wissenschaftlichen und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen, Staatsapparat etc. einnahmen. OibE dienten, anders als die meisten „Inoffiziellen Mitarbeiter“ (IM), nicht nur der Informationsgewinnung, sondern auch der direkten Einflussnahme auf wirtschaftliche, polit. oder gesellschaftliche Prozesse.
OiBE waren nicht nur innerhalb der DDR im Einsatz.

seaman


Feliks D., werner und Kurt haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.08.2013 09:20 | nach oben springen

#54

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 08:59
von Grenzgänger (gelöscht)
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schnatterinchen .. nimms bitte nicht persönlich, war wirklich die erste Schreckreaktion- und ich hoffe, dass es vermieden wird (aber scheint ja gutzugehen..)

Das "Prinzip OibE"- warum, wieso, wogegen, wie, wer usw. ist ganz sicher detaillierte Betrachtungen wert.
Wenn es das Thema noch nicht gibt, sollte es eröffnet werden..

Zu Einsatz und "der nochmal extra geheimen" Arbeitsweise (soweit laienhaft fassbar) bin ich übrigens völlig deiner Meinung- wie ich auch sonst "kein Freund der Stasi" bin.. aber in diesem Thema finde ich gut, dass ein "konkreter oibE" an konkreter Position mit konkreten Aufgaben sich eben darüber konkret äußert.
Und da ich auch noch in der Ecke wohne, seit über 35 Jahren Schwarze Pumpe vor Tür und Nase habe finde ich es doppelt spannend..

Siggi


CASI hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#55

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 09:08
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Vierkrug ich kenne aus anderen Bereichen Beispiele in denen es tatsächlich zu Störversuchen westlicher "Interessenvertreter" kam, ist Dir da was bekannt, gibt es da nachweisbare Fälle? Es gab ja selbst Versuche durch absichtliche Inhaftierungen Erkenntnisse über das Innenleben unserer UHA's zu erlangen, da muss so ein Objekt wie euers doch im Mittelpunkt gegnerischer Interessen gelegen haben?

Nur mal Seite 1.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 01.08.2013 09:12 | nach oben springen

#56

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 09:10
von eclipse1983 | 23 Beiträge

Vielleicht wurden solche Themen gerne in den Staatsbürgerkundeunterricht aufgenommen, weil es sonst nicht genug interessante Themen gab
Der Lehrer war eh so eine Marke. Wir durften stundenlang Folien abschreiben, weil er nicht viel Interesse am Unterrichten hatte
Wenn ich mich recht erinnere ging bei diesen Geschichten auch eher um die Anfänge im GKSP als der Aufbau gestört werden sollte.
An die Explosion im Gaswerk kann ich mich noch erinnern. Wir hatten an diesem Tag Berufsschule und waren die nächsten Tage damit beschäftigt zerstörte Fenster in der Brifa Mitte zu reparieren. Dabei durften wir auch die umhergeflogenen Stahlteile bestaunen die ganz in der Nähe der gutbesuchten Kantine eingeschlagen sind.


zuletzt bearbeitet 01.08.2013 09:11 | nach oben springen

#57

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 11:00
von WernerHolt (gelöscht)
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #46




Vielleicht erkennt es ja einer.


ja @feliks,das ist der neubau der untersuchungshaftanstalt neubrandenburg

@Vierkrug sehr interessantes thema ,danke!!!


zuletzt bearbeitet 01.08.2013 11:00 | nach oben springen

#58

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 13:43
von Gelöschtes Mitglied
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Es sind ja inzwischen eine ganze Reihe von Fragen und Problemen aufgetaucht, auf die auch näher eingehen möchte. Deshalb schiebe ich den Winter 1978 /79 noch etwas nach hinten.

Ich verstehe die Unkenntnis und vorhandene Unwissenheit zur konkreten Arbeit im diesem Fall. Seaman hat es im seinem Beitrag recht komprimiert schon dargelegt. Es ist für viele User unverständlich, dass das MfS oder "Stasi" auch prophylaktisch auf viele Prozesse Einfluß genommen hat. Das konnte man nur, wenn man auch in bestimmten Postionen tätig war und auch über die notwendige Fach- und Sachkompetenz verfügte. Manchmal mußte man auch noch Zusatzqualifikationen absolvieren, wie es auch bei mir der Fall war. Ich hatte zwar Diplomingenieurabschlüsse im Maschinenbau und in Schiffbautechnik, aber nicht für Kohleveredlungsprozesse. Das hieß dann, postgraduales Zusatzstudium an der Bergakademie und an der Ingenieurschule für Gastechnik in Markleeberg. Das bedeutete nebenbei büffeln, um auch theoretisch diese sich vollziehenden Verfahrenstechnologien und Prozesse zu verstehen. Also war ich schon zu DDR-Zeiten überqualifiziert !!!
Dazu kamen dann noch die Lehrgänge für Führungs- und Leitungskader in der Wirtschaft, die am Institut für sozialistische Wirtschaftsführung (ISW) wahrgenommen wurden. Soweit dazu.
Die Mitarbeiter der OD kamen in der Regel aus den Bereichen, wofür sie dann auch in ihrer MfS-Tätigkeit verantwortlich zeichneten. Sie waren vom Ansehen und auch vom Namen her den Werktätigen bekannt. Sie besassen auch entsprechende Hoch - und Fachschulabschlüsse und kannten sich bestens in verfahrenstechnischen Fragen theoretisch, wie auch praktisch aus. Sie verstanden sich auch als Partner vor Ort. Jetzt wird es wieder Einwürfe geben, denn eine solche Arbeitsweise des MfS wird nicht in den Medien publiziert, weil es nicht zum vermittelnden Bild der Stasi passen würde. Sie waren aber Realität.
Ich habe unter meinen "getauften Namen" meine Tätigkeit ausgeübt und war auch nicht der große "Unbekannte".
Neben Sicherheits- und Gefährdungsanalysen, Schwachstellenerkenntnissen u.v.a. Dingen zum Schutz der Produktionsanalgen und der darin Beschäftigten, standen Aufgaben zum Schutz und der Sicherung wissenschaftlich - technischer Erkenntnisse, die Welthöchsstand verkörperten inklusive des Geheimnisschutzes im Focus der Tätigkeit. Ich glaube @Mike59 erwähnte es im seinem Beitrag - den Konzernschutz !!!
Ein konkretes Beispiel auch dafür. Das bereits mehrmals erwähnte neue Vergasungsverfahren - eine wissenschaftlich-technische Spitzenleistung, die den absolut einmalig auf der Welt war. Es wurde am Brennstoffinstitut in Freiberg entwickelt und technisch mit einer 15 Tonnen - Versuchsanlage in Freiberg erfolgreich erprobt. Es lagen uns Erkenntnisse vor, das zur gleichen Zeit in Hamburg-Harburg mit einer 5 Tonnen - Versuchsanlage und ähnlicher Verfahrenstechnologie experimentiert wurde.
Mit unserem Verfahren erreichte wir u.a., dass alle auf der Welt vorkommenden Kohlesorten mit hocheffizienten Parametern verarbeitet werden konnten. Die Hamburg-Harburger Anlage kam an diese Werte bei weitem nicht heran. Sie ließ auch nur eine Verarbeitung von Steinkohlenstäuben bestimmter Güten zu. Das weckte Begehrlichkeiten. Wir sahen es als eine vordergründige Maßnahme an, trotz der sehr hoher Kosten das wisseschaftliche Know how, wie auch die verfahrenstechnischen Erkenntnisse umgehend weltweit patentieren zu lassen, was auch sehr erfolgreich gelang. Somit hatten wir die Hamburger erst einmal etwas abschütteln können. Auf internationalen Tagungen und Symposien waren unsere Forscher und Verfahrenstechniker immer "begehrte Gesprächspartner" - sozusagen die Pflege des Erfahrungsaustausches unter Fachkollegen - der streckenweise sehr gezielte Fragen auswies. Jedoch gab es zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise den Geheimnisverrat.
Die Sicherheitskonzeption für die dann zu errichtende Großversuchsanlage in Schwarze Pumpe war Gegenstand der Diplomarbeit des Stellv. Leiters der OD im Stammbetrieb an der JHS Potsdam-Eiche.
@Feliks D. - ich habe keinen Vorgang in Erinnerung, der darauf schliessen liesse, das gezielte Gegnereinwirkung zu Störungen, Bränden und Havarien führten. Mir ist nur ein Fall bekannt, aber der wurde nicht über gegnerische Dienste geführt - sozusagen ein "Einzeltäter", der auch gleich bei Überführung und Konfrontation mit den Sachverhalten seine Vergehen gestand. Er wurde verurteilt und auch vorzeitig aus der Haft entlassen.

Dann wurde mit höchster Sicherheitsstufe die Großversuchsanlage im Bereich des Gaswerkes errichtet. Bereits der äußere Bereich war eingezäunt und personell von Schutzpolizisten des BS-Amtes gesichert. Zutrittsberechtigungen nur mit Sondergenehmigungen. Entsprechende Kontrollen mußten sein und es hat sich auch niemand darüber moniert. Dann noch der innere Sicherungsring. Das Baustellenpersonal war durch die jeweiligen Betriebe bereits vorab überprüft. Auch das Bedienungspersonal aus Schwarze Pumpe, dass sich parallel mit der Anlage schon mal vertraut machte.
Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und - maßnahmen, kam es im späterem Betrieb zu einer Großstörung, die einen enormen Sachschaden verursachte. Ausgangspunkt war eine Fehlentscheidung des Führungspersonals vor Ort, die dann diese Störung in der Kette von dann folgenden Handlungsabläufen auslöste.
Der betreffende Betriebsleiter, der sich schon an vielen Brennpunkten im Kombinat durch hohe Fach- und Sachkompetenz ausgezeichnet hatte und auch entsprechend gewürdigt wurde, u.a. mit dem "Verdienten Techniker" traf in einer Betriebssituation der Anlage eine Risikoentscheidung, die auch anders hätte ausgehen können. So kam es dann zu diesem Störfall.
Nun weiß jeder Forscher und Techniker, dass es trotz Grundlagenforschungsergebnisse und ihrer verfahrenstechnologischen Umsetzung, es immer unvorhersehbare Rückschläge geben kann. Darauf hatten wir uns auch eingestellt.
Wäre die Entscheidung gefallen, die Anlage herunter- bzw. abzufahren, dann hätte es auch keine Folgen gehabt. So wurde sie grenzwertig gefahren, was natürlich auch neuen Erkenntniszuwachs brachte. Wir analysierten den Sachverhalt und empfahlen die entsprechenden Schwachstellen so schnell wie möglich zu beseitigen. Seitens des MfS gab es kein Ermittlungsverfahren gegen das beteiligte Bedienungspersonal. Zu unserer großen Verwunderung wurde jedoch seitens der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen diesen Personenkreis auf der Grundlage einer eingegangenen Strafanzeige eingeleitet.
Das geschah in einer Zeit (1987), wo seitens der Partei ein ideologischer, kampagnenhafter Kampf gegen die Senkung des Stör-, Brand- und Havariegeschehens geführt wurde. Nachtigall ich höre dich trapsen !!!
Es wurde, wimre, eine nochmalige Untersuchung seitens der K durchgeführt, die jedoch nicht mit der entsprechenden technisch - technologischen Kenntnis und Tiefe erfolgte. Die Ermittlungsergebnisse waren dementsprechend und unterschieden sich gravierend von den unsrigen.
Es kam zur Klageerhebung und Verhandlung vor dem Bezirksgericht in Cottbus. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft stand auf tönernen Füssen und hatte mehr gesellschaftspolitische Aspekte, wie fachliche. Ich war als Beobachter an allen Prozeßtagen anwesend und empfand das Verfahren als eine gewaltige Farce. Meine uneingeschränkte Sympathie galt den Angeklagten und ich machte in den Verhandlungspausen auch kein Hehl daraus. Ich gesellte mich mit meiner Zigarette zu ihnen und sprach auch mit ihnen. Unverständnis bei den ebenfalls anwesenden Vertretern der Partei.
Die Gutachter, die herangezogen wurden, kannten herkömmliche Verfahren und waren unzureichend über die Prozeßstufen dieses neuen Verfahrens informiert, geschweige über deren großtechnischen Verlauf. Ich hatte auch den Eindruck, das Richter und Staatsanwaltschaft damit überfordert waren. Das Gericht folgte dann auch nicht den Anträgen der Staatsanwaltschaft und sprach die Maschinisten schuldfrei. Der Betriebsleiter wurde mit einem gerichtlichem Verweis belegt. Das Ende einer Farce, die wir anschließend in Cottbus auch etwas feierten. Einige Beobachter, wie auch der Vertreter der "Lausitzer Rundschau" zogen schweigend von dannen.
Ich berichtete den GD über das Verfahren und dessen Ausgang und wir beendeten abschließend die Sache mit einem gutem Wilthener Weinbrand.

Vierkrug


Feliks D., seaman, RudiEK89, Damals87, furry, CASI, Kurt, passport und andy haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.08.2013 08:55 | nach oben springen

#59

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 14:42
von Gelöschtes Mitglied
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OT

Ergänzend zum vorhergehenden Beitrag. Ich hatte in meinen ersten Jahren in Pumpe einen hervorragenden "Lehrausbilder". Meinen langjährigen Freund, Dr. E.W.. Er war der Primus und Lieblingsschüler von Professor Erich Rammler, dem wissenschaftlichen Übervater der modernen Kohleveredlung.
Bei einen Besuch im BIF (Brennstoffinstitut Freiberg) besuchten wir auch den sich zwischenzeitlich im Ruhestand befindlichen Professor. Ich wäre bei der Begrüßung fast vor lauter Ehrfurcht in den Boden versunken. Ich stand vor einer Ikone. E. kannte sich bestens im Haushalt aus und bereitete gleich Kaffee, wußte wo das Gebäck, wie auch die Zigarren zu finden waren. Es waren für mich sehr erlebnisreiche Stunden, die mich hinsichtlich der weiteren Qualifizierung zusätzlich anspornten.
E. war wie sein Professor ein exellenter Wissenschaftler, der mit einer Engelsgeduld sehr schöpferisch arbeiten konnte. Zugleich immer wieder auf der Suche nach neuer Erkenntnis.
Eines Tages beschlossen wir, in Richtung Teerabsatzbecken Terpe zu fahren. Die Umweltsünde Nr.1. E. hatte ein paar Eßlöffel dabei und zwei Kilogramm Gips. Verwundert sah ich dann zu, wie er aus stinkenden Teerbrühe und dem Gips eine breiige Masse anrührte, diese anschließend wie bei Griesnockerln, mit den Löffeln in kleine Briketts formte.
Wie er fertig war, grinste er mich an, steckte sich genüßlich eine Zigarre an und packte anschließend die inzwischen ausgehärteten "Eierbriketts" wieder in die Papiertüte. Das Zeug stank elendig nach Teer.
Im Büro wieder angekommen übergab er mir die Tüte mit der Maßgabe, damit einen Heizversuch zu Hause zu fahren. Gesagt, getan. Ich hatte damals noch eine Wohnung mit Ofenheizung und einen schönen Kachelofen im Wohnzimmer. Zu Hause angekommen machte ich mich ans Werk - wollte mich ja nicht blamieren.
Ofen angeheizt. Diese selbstgeformten Eierbriketts darauf gelegt und gewartet. Brennverhalten beobachtet und protokolliert, wie auch die Temperaturen akribisch mit Zeitangaben notiert. Die Abstrahlungswärme nahm deutlich zu. Die Fronttüren am Ofen fingen so langsam an, glutrot zu werden. Meine Frau schaute ganz besorgt in Richtung Ofen und dann gab es den Hieb - ein Geräusch wie bei einer Verpuffung. Es zeigt sich dann auch gleich eine Rissbildung in der Schamottverfugung von oben nach unten.
Am nächsten Tag wollte E. wissen, wie denn der Versuch verlaufen sei. Ich übergab die Messergebnisse und bemerkte, dass ich noch den Ofensetzer anrufen muß, zwecks Reparatur.
Er grinste nur genüsslich vor sich hin und bemerkte - Wissenschaft erfordert nunmal Opfer !!!! Er hat dann daraus später ein Patent entwickelt und auch angemeldet.
Leider verließ er dann zugunsten seiner Frau und Familie das Kombinat. Seine Frau war im diplomatsichem Dienst der DDR tätig.

Wir haben uns dann Jahre später im Generalkonsulat in Kiew wieder gesehen. Wie der Abend verlief, brauche ich wohl nicht weiter ausführen. Es war zugleich auch das letzte Mal. Er ist vor paar Jahren verstorben.

Vierkrug


Feliks D., Damals87, CASI, Kurt, passport und andy haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.08.2013 18:45 | nach oben springen

#60

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 01.08.2013 17:21
von Gelöschtes Mitglied
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Anbei ein Artikel aus der "LR" (Lausitzer Rundschau) - mit zwei Zeitzeugen, die meinen Weg in Schwarze Pumpe bestimmten und auch begleiteten. Mein "ziviler General", Dr. Herbert Richter, der für mich immer ein Vorbild war - ein Workaholic, wie er im Buche steht. Inspirator und Initiator - immer auf der Suche nach der besten Lösung mit dem bestem betriebswirtschaftlichem Ergebnis.
Der andere Protagonist, mein langjähriger Freund Rudi Neumann, der neben seiner fachlichen Tätigkeit als Abt.-Ltr. Zentralanlagen der Brikettfabriken auch der StKPA des Kampfgruppenbataillons (mot.) " Paul Hornick" gewesen ist. Ein Kämpfer in jeder Hinsicht und verläßlicher Freund, der auch in den ersten Stunden nach dem 15. Dezember 1989 einem zur Seite stand.

http://www.lr-online.de/nachrichten/Tage...art1065,2507030

Ergänzend zu den Kampfgruppen, da sie bereits erwähnt wurden. Der Stammbetrieb hatte das einzige Kampfgruppenbataillon im Bezirk Cottbus. Darüber hinaus die motorisierte Hundertschaft in Trattendorf und die selbstständigen KG-Züge in Lauta und in Plessa.
Die personelle Absicherung ergab sich aus den Aufgaben und Strukturen. So wurde die 1. Hundertschaft, die SPW-Hundertschaft mit Kräften aus der Kombinatsleitung und ihren Stabsbereichen und - direktoraten, der Forschung und Entwicklung abgesichert. Hundertschaftskommandeur war eine Führungskarft aus dem Fachbereich Investitionen.
Die 2. KGH wurde personell durch den Bereich Brikettfabriken gesichert - die 3. KGH dann durch die Bereiche Kokerei und Gaswerk. Die 4. KGH, die sogenannte schwere Hundertschaft entstammte kräftemäßig aus dem Bereich Zentrale Werkstätten. Pionierzug aus dem Bereich Bau, Aufklärungs- und Nachrichtenzug aus dem Bereich Kraftwerke, Versorgungszug aus dem Bereich Arbeiterversorgung / Sozialökonomie, Sani-Zug aus dem Bereich der Betriebspoliklinik usw. usf.
Bataillonskommandeur, ein ehemaliger Offizier der GT, der seinen Dienst in der Sicherungskompanie Horst versah und im Bereich Rationalisierungsmittelbau / Automatisierung tätig war. Der Stabschef kam aus den Brikettfabriken, wie auch der Stellvertreter für Ausbildung. Der Stellvertreter für Technik und Ausrüstung, war im Ferienwesen und der Stellvertreter für Versorgung im Bereich der Arbeiterversorgung. Der Bataillonsarzt war Kardiologe in der Betriebspoliklinik. Parteisekretär war Abteilungsleiter der Vulkanisation in den Zentralen Werkstätten. Nun dürften alle beieinander sein. Nein der Stellvertreter Operativ, der aus der Markscheiderei kam
Eine in sich verschworene Truppe, wie überhaupt das gesamte Führungs - und Leitungspersonal des Kombinates. Es war ein sehr gutes Arbeitsklima.

Erst einmal ein kurzer Zwischenstop - morgen beginne ich dann schon einmal mit dem Entwurf Winter 1978/79.

Vierkrug


Kurt, Feliks D., eclipse1983 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.08.2013 08:51 | nach oben springen



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