#1

Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 30.06.2009 11:36
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Besucher des westlichen Deutschlands hatten einen "Mindestumtausch" (West: "Zwangsumtausch") zu leisten. Die DDR forderte bei der Einreise einen Umtausch von 1:1 D-Mark(West) in DDR-Mark (Ost). Vielen Reisenden von "damals" (...bin ich wirklich schon sooo alt ??? ) ist nur noch der Umtauschsatz "25 Mark pro Tag" in Erinnerung. Ich möchte hier aber am Beispiel der Reisen von Westberlinern daran erinnern, daß die DDR schrittweise den Umtausch erhöhte. Nicht Wenige vermuten, daß die DDR ihre Deviseneinnahmen erhöhen wollte. Vielleicht spielte das auch eine Rolle.

Expertenmeinungen decken sich mir meinen Ansichten, daß die DDR damit den Reiseverkehr von Westdeutschen in die DDR verringern wollte, ohne finanzielle Einbußen hinzunehmen.

Die Treffen zwischen den Menschen waren ihgr ein Dorn im Auge. Untergruben persönliche Kontakte doch die DDR-Propaganda vom "bösen Westdeutschen".

In der Begeisterung über die Ostverträge reisten nach 1972 Massen von Westdeutschen (und besonders von Westberlinern) nach Ostberlin und in die DDR. Angesichts dieser Entwicklung nahm die DDR bereits Ende 1973 eine erste Erhöhung des Zwangsumtausches vor.

Westberliner zahlten dann pro Tag für Einreisen:

...in die DDR 20 D-Mark (bisher 13 DM)
...nach Ost-Berlin 10 D-Mark (bis dahin 6,50 DM)

Sehr interessant dazu folgender Beitrag der "Zeit" von 1973, aus dem schon damals das Ziel klar wird, die Reisezahl nach Ostberlin und in die DDR durch die Erhöhung des Zwangsumtauschs zu drosseln...

In Antwort auf:
Der Bahr, der gehört an die Wand gestellt!" empörte sich die junge Frau, die am Freitag der vergangenen Woche in der Schlange vor dem Westberliner Besucherbüro am Waterloo- Ufer stand. Dort und vor den anderen Büros war der Andrang schnell gewachsen, nachdem die DDR letzte Woche die Absicht kundgetan hatte, ihren Eintrittspreis für westliche Besucher zu erhöhen. Wo sonst 10 000 Anträge pro Tag gestellt wurden, waren es jetzt fast 14 000. Denn bis zum 15. November galten noch die alten Regelungen.

Was der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz „eine Maßnahme frühkapitalistischer Geldschneiderei" nannte, bezeichnen die Westberliner in diesen Tagen schlicht als „eine Schweinerei" und „einen Schlag ins Kontor- für die, die mit dem Geld rechnen müssen"» Und sie schimpfen; „So was will ein Ärbeiter-und-Bäuern-Staät sein! Am meisten fühlen sich die Berliner durch den Vorwurf dei DDR beleidigt'^ sie wollten sie ausplündern: „Wir und die ausplündern! Was wir alles rubergeschleppt haben: Kaffee, Kakao, Strumpfhosen ... Nicht einmal das Geld, das wir bisher umtauschen mußten, haben wir gebraucht. Wir haben bei Verwandten gegessen, das Geld haben wir verschenkt. Unter dem Eindruck der DDR-Maßnahmen werden die Ostverträge nun von vielen als zu leicht'befunden, und Kalte Krieger bekennen sich wieder zu ihrer Überzeugung: „Mit denen da drüben kann man eben nicht reden!"
.......
„Ich glaube, das wird mir zu teuer." Bisher waren Rentner vom Mindestumtausch befreit, jetzt müssen auch sie zahlen, und zwar in voller, bitterer Höhe; zehn Mark pro Tag und Person für Ostberlin, 20 Mark für die DDR.

Offiziell begründet die DDR ihrer Bevölkerung gegenüber die Verteuerung damit, daß DDR-Geld im Westen gehandelt werde und zudem noch zu einem Schwindelkurs, der nicht der realen Kaufkraft des Geldes entspreche.
.........
Die wirkliche Belastung der DDR sind die rund zehn Millionen West-Besucher im Jahr. „Das ist mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung", klagte ein Ostberliner, „wir haben damit beinah soviel Touristen wie Italien!" Angesichts dieses Besucherstromes bringen die DDR-Bürger eher Verständnis für die restriktive Maßnahme der Regierung auf als die Betroffenen. Sie halten volkswirtschaftliche Besorgnis für nicht unangebracht und erinnern sich wohl auch noch sehr gut an die polnischen Hamsterkäufe vom vergangenen Jahr. Ihre Zustimmung zur Verteuerung der Einreise ist allerdings nicht so einhellig, wie sie die in der (Ost-)Berliner Zeitung veröffentlichten Zuschriften von Brigadiers, Gütekontrolleuren und Lehrern glauben machen wollen, Den meisten ist zumindest peinlich, daß jetzt auch die anreisenden Rentner zahlen müssen..

Der DDR ist es wahrscheinlich gleichgültig, ob sie im Westen Sympathien einbüßt oder nicht. Ginge es ihr nur ums liebe Geld, hätte sie den Eintrittspreis wohl nicht so drastisch erhöht. Mag sein, daß ihr, die Reaktion jenes jungen Westberliners ganz recht ist, der sagte: »Jetzt fahre ich nicht mehr rüber. Von mir sehen die keine müde Mark mehr!" Denn offenbar will die DDR-Führung die Besuche einschränken, freilich weniger aus ökonomischen als aus ideologischen Gründen..


Quelle:
http://www.zeit.de/1973/47/Reizt-an-Ostb...er-Kaese?page=1

Dazu kam, daß man mit den ertauschten DDR-Mark als Westler kaum Möglichkeiten hatte, dieses Geld vernünftig auszugeben. Schon gar nicht, wenn man Verwandte besuchte. Interessante Artikel unterlagen einem Ausfuhrverbot. Und Reisebedarfsmittel wie Benzin oder Hotelübernachtungen mußten in D-Mark bezahlt werden. Man verweigerte an der Tankstelle kurzerhand die eigene Währung, auch wenn der Fahrer des West-PKW im Besitz eines Umtauschbelegs war....

Ein weiteres Eingeständnis, daß selbst für die Linientreuen die eigene, sozialistische Währung wenig Wert hatte...


zuletzt bearbeitet 30.06.2009 11:38 | nach oben springen

#2

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 30.06.2009 11:41
von S51 | 3.733 Beiträge

Die Gegenwart beweist aber, das Bundesgermanien hier (leider) durchaus erfolgreich von der DDR gelernt hat. Oder gibt es noch irgendwelche Gebühren, die nicht immer mal wieder erhöht wurden und werden?


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 30.06.2009 11:49
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Das stimmt natürlich. Jedoch ist das mit der Geldschneiderei von damals kaum vergleichbar. Man muß die Löhne damals berücksichtigen. Vielleicht hat ein Verkäufer 1973 ca.1100 DM netto verdient. Nach der letzten Erhöhung des Zwangsumtauschs auf 25 DM pro Tag einheitlich (wohl Anfang der 80ger) muß man nur etwas nachrechnen, was es bedeutet hat, für eine 4köpfige Familie auf Verwandtenbesuch in die DDR einzureisen.

Da sind irgendwelche Gebühren heutzutage eine Lächerlichkeit!

(...es sei denn, man wird mit 100 in einer 30ger-Zone geblitzt )

Man wollte verhindern, daß die Menschen zueinander finden, um irgendwelche ideologische Schwachsinnigkeiten auf die Spitze treiben zu können.

Das ist der Punkt....


zuletzt bearbeitet 30.06.2009 12:02 | nach oben springen

#4

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 30.06.2009 13:59
von turtle | 6.961 Beiträge

Zu diesem Thema möchte ich auch etwas beitragen!
Nach der Einreise in die DDR musste der Zwangsumtausch betätigt werden,erst danach musste man sich bei der VP anmelden.Bei der Anmeldung wurde die Umtauschquittung verlangt! Alle Strafen, zB. zu spätes Anmelden, Vekehrsdelikt, oder Hotelübernachtung musste in Devisen bezahlt werden. Geld vom Zwangsumtausch durfte dazu nicht verwendet werden! Hier eine Chronologie des Zwangsumtausches!

Mindestumtausch
Im besonderen Verhältnis der Bundesrepublik Deutschland zur DDR gab es einen Mindestumtausch (inoffiziell Zwangsumtausch genannt). Hierunter versteht man die von der Regierung der DDR verhängte Regelung, nach der Bürger des so genannten NSW (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, also westliche, kapitalistische Staaten) bei der Einreise in die DDR oder nach Ost-Berlin konvertierbare Währung in Mark der DDR (früher MDN), das Zahlungsmittel der DDR, umtauschen mussten.
Pro Aufenthaltstag und pro Person war eine vorgeschriebene Höhe zu wechseln. Der Mindestumtausch betrug für Bürger der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins zuletzt 25,00 Mark der DDR im Kurs 1 : 1 (eine Mark der DDR = eine Deutsche Mark der Deutschen Bundesbank).
Weiterhin mussten mitgeführte Devisen jeweils bei der Ein- und Ausreise auf einem Formblatt den Zollbehörden der DDR mitgeteilt werden. Der Umtausch erfolgte dabei beim Grenzübertritt und war auf Verlangen bei der nachfolgenden Einreise-Zollkontrolle nachzuweisen. An allen Grenzübergängen befanden sich daher Niederlassungen der Staatsbank der DDR (früher Deutsche Notenbank). Die beim Aufenthalt eventuell nicht verbrauchte DDR-Währung durfte nicht ausgeführt oder in Devisen zurückgetauscht werden. Für Einnahmen in der DDR (reguläre Geschäftstätigkeit, Honorare, Gagen, Bar-Erbschaften) konnte jedoch bei der Staatsbank der DDR ein Konto für sogenannte Devisenausländer eingerichtet werden, die Beträge wurden jedoch nicht verzinst. Beträge, die aus dem Mindestumtausch stammten, waren zur Deckung der notwendigen Aufenthaltskosten vorgesehen. Überschüssige Beträge konnten jedoch bei der Ausreise aus der DDR bei den Grenzfilialen der Staatsbank der DDR „deponiert“ werden und bei einer erneuten Einreise über dieselbe Grenzübergangsstelle wieder im Empfang genommen werden. Auf diese Weise war auch das Ansammeln und Abheben von mehreren Mindestumtauschbeträgen möglich.
Obwohl der Wert der Währungen im internationalen Handel und den danach orientierten Kursen der West-Berliner Wechselstuben und Banken in der BRD deutliche Unterschiede zu Gunsten der D-Mark aufwies, bestand die DDR beim Wechsel von DM in M auf einen Kurs im Verhältnis von 1:1. War die rechtliche Grundlage für einen Rücktausch gegeben, wurde zum „international üblichen“ Kurs gewechselt. Da generell die Aus- und Einfuhr von DDR-Mark verboten war und als Devisenvergehen geahndet wurde, konnte ein Rücktausch in diesen besonderen Fällen nur bei der Staatsbank der DDR vorgenommen werden. Dieser Kurs war noch ungünstiger als ein Rücktausch bei westlichen Wechselstuben und Banken.
Dennoch gab es in West-Berlin einen regen Geschäftsverkehr mit der Mark der DDR. In fast allen Zweigstellen der Sparkasse der Stadt Berlin West wurde die Mark der DDR gegen die Deutsche Mark der Deutschen Bundesbank getauscht, der Umtauschkurs lag bei 1 : 3 bis 1 : 8. Die Kundschaft bestand hauptsächlich aus Soldaten der westalliierten Streitmächte, die keine Grenzkontrollen zu befürchten hatten.
Chronologie
Im Laufe der Jahre wurden die Rahmenbedingungen, insbesondere die jeweiligen Tagessätze, immer wieder verändert. Diese Veränderungen waren stets auch als Anpassung an die aktuelle politische Situation im Verhältnis der beiden deutschen Staaten zu verstehen.
Einführung 1964
Am 25. November 1964 teilt die Regierung der DDR mit, dass man mit Wirkung des 1. Dezembers 1964 einen Mindestumtausch einführen wird. Als Hintergrund für diese Maßnahme nahm man an, dass die DDR nach der Absetzung des sowjetischen Staatschefs Chruschtschow verstärkt auf Distanz zur Bundesrepublik gehen will. Westdeutsche mussten 5,00 DM, West-Berliner 3,00 DM umtauschen pro Besuchstag, Rentner und Kinder waren vom Mindestumtausch ausgenommen.
Änderung 1973
Ab dem 15. November 1973 machen die neuen Regelungen keinen Unterschied mehr zwischen Westdeutschen und West-Berlinern. Die Regelungen gelten nunmehr für Bürger kapitalistischer Staaten einheitlich. Allerdings wird jetzt hinsichtlich des Reiseziels unterschieden. Die Umtauschsätze betragen fortan für das Gebiet der DDR 20,00 DM, für Reisen nach Ost-Berlin 10,00. Kinder und Rentner sind von dieser Regelung nicht mehr ausgenommen, auch sie unterliegen jetzt dieser Regelung.
Änderung 1974
Ab dem 15. November 1974 werden die Sätze wieder gesenkt. Jetzt muss für den Aufenthalt in der DDR 13,00 DM, für eine Reise in die "Hauptstadt der DDR" 6,50 DM pro Tag und pro Person gewechselt werden. Vom 20. Dezember an sind Personen unter 16 Jahren und Rentner vom Mindestumtausch wieder ausgenommen.
Änderung 1980
Die DDR kündigt am 9. Oktober 1980 eine zum 13. Oktober in Kraft tretende Änderung an. Demnach müssen nun 25,00 DM pro Person und Tag umgetauscht werden, zwischen den Reisezielen (DDR bzw. Ost-Berlin) wird nicht mehr unterschieden, auch Rentner müssen den vollen Satz wieder tauschen. Für Personen unter 16 Jahren muss fortan ein ermäßigter Satz in Höhe von 6,50 DM gewechselt werden, Kinder unter sechs Jahren sind weiterhin vom Mindestumtausch befreit.
.
Änderung 1983
Ab dem 15. September sind nun wieder Kinder unter 16 Jahren von den Regelungen ausgenommen.
Änderung 1984
Der Umtauschsatz für Rentner wird zum 1. August auf 15,00 DM gesenkt.
Abschaffung 1989
Im Rahmen der Wende in der DDR (erstmals war es mit der Maueröffnung am 9. November 1989 für DDR-Bürger einfacher als für Bundesbürger in den jeweils anderen Teil Deutschlands zu reisen) wurden zum 24. Dezember die Mindestumtauschregelungen auf Anordnung der DDR-Finanzministerin Uta Nickel außer Kraft gesetzt.


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#5

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 30.06.2009 14:37
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Sehr gut, turtle!

Wie ich sehe, habe ich da in meiner Erinnerung ´was verwechselt. 6,50/13 DM kam nach 10/20 DM. Und nicht vorher....
Umso heftiger dann die Erhöhung von 6,50/13 DM auf 25 DM einheitlich...

Was hat sich der Westler dafür gekauft?

Beim Verwandtenbesuch kaum etwas. Man war froh, daß man mit seinen Lieben zusammen saß. Oft haben die Westverwandten neben ihren mitgebrachten Konsumartikeln der Ostverwandtschaft das Geld geschenkt. Oder es dort deponiert. Man diskutierte und verglich. Oft waren unsere DDR-Verwandten in Ostberlin, Greifswald oder Cottbus politisch ähnlicher Ansicht, wie wir. Oft waren auch krassere Meinungen zu hören, wo man als ängstlicher Westler fasst schon schiß bekam. Meiner Tante in Oranienburg stand vor Wut das Wasser in den Augen, daß man von den Kommunisten als Geisel festgehalten wird und nicht fahren darf. Die redeten sich alle so richtig heiß am großen Tisch....
Nur ein Onkel von der Marine (hatte eigentlich Kontaktverbot) faselte bei Familientreffen irgendetwas "...ja aber die NATO-Einsätze"... Das hatte er umsonst. Unsere Großfamilie war da sehr nachsichtig mit ihm...
Im Grunde war bei Verwandtenbesuchen das Eintrittsgeld verloren.

Bei einem Tagesbesuch in Ostberlin konnte man mit seinem Umtausch schon mehr anfangen.

Man konnte Mitte der 80ger in Ost-Berlin:

-Essen gehen (Preis in einer normalen Gaststätte für ein Gericht durchschnittlich 5-10 DDR-Mark, in gehobenen Restaurants ca. 9-15 DDR-Mark. Oft mußte man aber für einen Tisch an einer Schlange anstehen, wie ein Depp. Da verging vielen Westlern gleich wieder der Appetit. Geheimtrick für Kenner: vorher aus West-Berlin telef. Tisch bestellen! Das klappte in besseren Restaurants...)

-Schallplatten kaufen (Klassik oder DDR-PoP, manchmal westl. Lizenzproduktionen)

-Schreibpapier/Briefumschläge kaufen (mindere Qualität, aber trotzdem einigermaßen verwendbar)

-Kunstpostkarten in Museen

-Bücher (kaum, da die Buchläden oft mit ideologischem Kram überfrachtet waren)

Das war´s schon... Oder habe ich was vergessen?


zuletzt bearbeitet 30.06.2009 14:52 | nach oben springen

#6

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 24.08.2009 22:29
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zwangsumtausch...da kann ich auch eine nette Geschichte beisteuern. Am Mittwoch (Achtung: Großer Wachaufzug) dem 4. Mai 1988 reiste meine komplette Schulklasse am Bahnhof Friedrichstrasse nach Ost-Berlin ein.

Nach Zwangsumtausch und einem harrschen "HERSCHAUEN" stand ich dann irgendwann draussen an der Südflanke des Bahnhofs. Zum ersten Mal mit eigenen Füssen auf Boden der DDR, in Ost-Berlin, wo meine Oma herstammte und mein Vater zur Welt kam. Erster Eindruck: Rennöl hatten die Trabbis wohl nicht im Gemisch und an gefühlt fast jeder Ecke standen Volkspolizisten.

Erstmal ging es dann zum Brandenburger Tor, dann zum Mittagessen am Alex unten in den zum Fernsehturm gehörenden "Katakomben". Den Preis für das Schnitzel mit Gemüse und Karoffeln habe ich mit 5 Mark in Erinnerung.

Dann stand der Besuch des Fernsehturmes an. Was mußte ich da lesen...mit Schülerausweis halber Eintrittspreis (glaube 3 statt 6 Mark). Tatsächlich wollte die Dame dann den Schülerausweis sehen. Bei solchen Sachen bin ich konsequent, ich verzichtete auf den Besuch des Fernsehturmes und setzte mich draussen in die Sonne während die restliche Klasse den Turm besuchte.

Anschliessend stand dann der Große Wachaufzug an der neuen Wache an... Huch, die Uniformen und der Stechschritt! Danach noch ein Eis im Café am Prinzessinnenpalais, wo ich die Bedienung bis auf den letzten Pfennig rausgeben liess, weil ich noch genervt war von der Fernsehturm-Aktion.

Ein Kurztrip zum Prenzlauer Berg, dann ging es zurück zum Bahnhof Friedrichstrasse mit Zwischenstop am Bahnhof Alexanderplatz. Dort sammelten wir (41 Schüler) unsere restlichen Ost-Mark, legten den Schatz in eine Plastik-/Plastetüte und überreichten diese einer jungen Mutter, welche gerade, ihren Kinderwagen schiebend, an uns vorbeilief. Den Betrag kann ich nur schätzen...etwa 500 Mark. Wer genau von uns auf die Idee kam weiss ich nicht mehr, der Lehrer war es sicher nicht. Fest stand nur, daß wir das Geld nicht mit zurücknehmen durften.

Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
Speedbus hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 24.08.2009 23:16
von LEGO | 487 Beiträge

Hallo Stefan,

ich kann mich sehr gut an meine persönliche Reise in die DRR, sprich Westberlin, in 1973 zurück erinnern.

Wie haben es ähnlich gemacht, d.h. das gesamte restliche Ostgeld an jemanden verschenkt.

So und nun schreib bitte hier auch weiterhin und erkläre allen Forenmitgliedern, wer Du bist und warum Du hier bist.

Hatte ich schon "Herzlich Willkommen" geschrieben ????????????????????????????????????????????????


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#8

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 25.08.2009 00:00
von maja64 (gelöscht)
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Zitat von LEGO
Hallo Stefan,

ich kann mich sehr gut an meine persönliche Reise in die DRR, sprich Westberlin, in 1973 zurück erinnern.

Wie haben es ähnlich gemacht, d.h. das gesamte restliche Ostgeld an jemanden verschenkt.

So und nun schreib bitte hier auch weiterhin und erkläre allen Forenmitgliedern, wer Du bist und warum Du hier bist.

Hatte ich schon "Herzlich Willkommen" geschrieben ????????????????????????????????????????????????








Hallo LEGO


Ja so ist das halt bei manchen hier bei uns im Forum,die sind schon etwas länger dabei,aber geben nichts von sich preis.
Aber ich denk ein bißchen was weiß ich über ihn,wen du es auch wissen möchtest,bitte mal ne PM an mich.


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#9

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 15.10.2015 14:45
von Sperrbrecher | 1.650 Beiträge

Zitat von Gast im Beitrag #1
Man verweigerte an der Tankstelle kurzerhand die eigene Währung, auch wenn der Fahrer des West-PKW im Besitz eines Umtauschbelegs war...

Nein, das stimmt nicht. Bei meinen recht häufigen DDR-Besuchen hat sich nie ein Tankwart für meine Umtauschquittungen interessiert.
Habe immer für Ostgeld getankt.
Zitat von turtle im Beitrag #4
Nach der Einreise in die DDR musste der Zwangsumtausch betätigt werden,erst danach musste man sich bei der VP anmelden.Bei der Anmeldung wurde die Umtauschquittung verlangt! Alle Strafen, zB. zu spätes Anmelden, Verkehrsdelikte, musste in Devisen bezahlt werden. Geld vom Zwangsumtausch durfte dazu nicht verwendet werden!

Auch hier widerspreche ich, meine Geschwindigkeitsüberschreitungen und eine 10 Mark Strafe wegen verspäteter Anmeldung habe ich in Mark der DDR bezahlt (gegen Vorlage der Umtauschquittung, aber die war bei Anmeldung ohnehin notwendig).


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 15.10.2015 14:54 | nach oben springen

#10

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 03:12
von Cambrino | 201 Beiträge

Hallo Leute, was soll denn der Schwachsinn was dort weiter oben geschrieben wurde. Ich bin seit 1974 auch jährlich zu Besuch zu meinen Eltern in die DDR gefahren. Den Geldumtausch machte ich gleich am Grenzübergang Marienborn (Autobahn). Dann Anmeldung VPKA Prenzlau. (Vorschrift für Anmeldung war glaube ich innerhalb 48 Stunden ? )
Habe auch Schwarzgeld mit genommen 1:5 oder 1:6 getauscht (unter der Armaturenabdeckung versteckt).
Getankt habe ich immer den Extra für 1,60 ? Mark der DDR. Geschwindigkeitsüberschreitung hatte ich 2 mal. Einmal Richtung Stralsund, nach Kontrolle der Papiere sagte man, Sie haben ja die Aufenthaltsgenehmigung und haben ihren Pflichtumtausch getätigt, Sie zahlen in Mark der DDR. ( 10,00 Mark ) . Einmal auf der Autobahn bei Bernau, nach Kontrolle der Papiere das kostet Sie 10,00 Mark. Ich fragte dann in welcher Währung ? Der VP kam mit dem Gesicht ans geöffnete Beifahrerfenster und sagte , das ist egal. Ich gab schnell 10,00 Mark der DDR:
Bei der Anmeldung VPKA Prenzlau parkte ich auf einer Freifläche neben einer Hofeinfahrt ohne Behinderung. Auf der Straße war Parkverbot. Als ich wieder mit meiner Frau zum Wagen zurück kam stand dort ein VP und sagte dort sei auch Parkverbot. Unter dem Parkverbotsschild war noch ein kleines rechteckiges weißes Schild ( ca.5 X 5 cm ) mit einem schwarzen Pfeil nach rechts (kannte ich nicht). Dieses Schild bedeutete Parkverbot auch für die gesamte Freifläche neben der Straße. Das kostet 20,00 DM, ich sagte daß ich Pflichtumtausch gemacht habe und Aufenthaltsgenehmigung habe. Dann sagte der VP ich habe DM gesagt. Weil ich wegen meiner Frau (die war zum ersten mal in der DDR) keine große Diskussion machen wollte, zahlte ich die 20,00 DM (auf der Quittung stand Mark). Dieser VP hat die DM bestimmt für seine eigene Tasche gebraucht. Ein anderes Beispiel, auch bei der Anmeldung VPKA Prenzlau. Der Kundenparkplatz war wegen Bauarbeiten gesperrt und ich fuhr hinter einem Trabbi auch auf den Parkplatz für VP Fahrzeuge. Beim Aussteigen merkte ich, der Fahrer des Trabbi war ein Ltn. der VP in Uniform und der fragte gleich ob ich ein VP-Kennzeichen am Fahrzeug hätte. Ich sagte nein, aber der andere Parkplatz ist doch gesperrt und ich wolle mich nur schnell anmelden. Im VPKA, ich wartete bei der Anmeldung als ich plötzlich schon mit Namen in ein anderes Zimmer gerufen wurde. Kontrolle der Papiere, dann wurde ich belehrt wegen dem Parken, und dann sagte man, Sie haben ja ihren Pflichtumtausch schon gemacht und Sie zahlen jetzt 20,00 Mark der DDR. Ich zahlte die 20,00 Mark der DDR und ging dann zur Anmeldung und anschließend zu meinem Auto um den Parkplatz für VP-Fahrzeuge zu verlassen.
Also; wer den Pflichtumtausch schon gemacht hatte, konnte alle Ausgaben in Mark der DDR zahlen solange es ausreichte.
Was bei den Transitreisenden anders war, hier mußten die Knöllchen in DM oder anderer Devisen bezahlt werden.

Gruß CAMBRINO


Sperrbrecher hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.11.2015 03:37 | nach oben springen

#11

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 05:20
von vk1 | 91 Beiträge

Mein Onkel hat für den "Zwangsumtausch" stets getankt (Kanister von uns). War ein Schnäppele.....


PiB 5 Pasewalk - 1985-1986
Cambrino hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 08:11
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Cambrino im Beitrag #10

Also; wer den Pflichtumtausch schon gemacht hatte, konnte alle Ausgaben in Mark der DDR zahlen solange es ausreichte.
Was bei den Transitreisenden anders war, hier mußten die Knöllchen in DM oder anderer Devisen bezahlt werden.

Gruß CAMBRINO


Ich stelle mir gerade die Freudentänze bei der kontrollierenden VP vor, wenn ein Transitreisender versucht hätte, eine Geldbusse in DDR-Mark zu bezahlen. Das hätte sicher das DDR-Devisenkonto noch ein bisschen aufgebessert.

Gruss

icke



Cambrino hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 09:00
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Cambrino im Beitrag #10
Hallo Leute, was soll denn der Schwachsinn was dort weiter oben geschrieben wurde. Ich bin seit 1974 auch jährlich zu Besuch zu meinen Eltern in die DDR gefahren. Den Geldumtausch machte ich gleich am Grenzübergang Marienborn (Autobahn). Dann Anmeldung VPKA Prenzlau. (Vorschrift für Anmeldung war glaube ich innerhalb 48 Stunden ? )
Habe auch Schwarzgeld mit genommen 1:5 oder 1:6 getauscht (unter der Armaturenabdeckung versteckt).
Getankt habe ich immer den Extra für 1,60 ? Mark der DDR. Geschwindigkeitsüberschreitung hatte ich 2 mal. Einmal Richtung Stralsund, nach Kontrolle der Papiere sagte man, Sie haben ja die Aufenthaltsgenehmigung und haben ihren Pflichtumtausch getätigt, Sie zahlen in Mark der DDR. ( 10,00 Mark ) . Einmal auf der Autobahn bei Bernau, nach Kontrolle der Papiere das kostet Sie 10,00 Mark. Ich fragte dann in welcher Währung ? Der VP kam mit dem Gesicht ans geöffnete Beifahrerfenster und sagte , das ist egal. Ich gab schnell 10,00 Mark der DDR:
Bei der Anmeldung VPKA Prenzlau parkte ich auf einer Freifläche neben einer Hofeinfahrt ohne Behinderung. Auf der Straße war Parkverbot. Als ich wieder mit meiner Frau zum Wagen zurück kam stand dort ein VP und sagte dort sei auch Parkverbot. Unter dem Parkverbotsschild war noch ein kleines rechteckiges weißes Schild ( ca.5 X 5 cm ) mit einem schwarzen Pfeil nach rechts (kannte ich nicht). Dieses Schild bedeutete Parkverbot auch für die gesamte Freifläche neben der Straße. Das kostet 20,00 DM, ich sagte daß ich Pflichtumtausch gemacht habe und Aufenthaltsgenehmigung habe. Dann sagte der VP ich habe DM gesagt. Weil ich wegen meiner Frau (die war zum ersten mal in der DDR) keine große Diskussion machen wollte, zahlte ich die 20,00 DM (auf der Quittung stand Mark). Dieser VP hat die DM bestimmt für seine eigene Tasche gebraucht. Ein anderes Beispiel, auch bei der Anmeldung VPKA Prenzlau. Der Kundenparkplatz war wegen Bauarbeiten gesperrt und ich fuhr hinter einem Trabbi auch auf den Parkplatz für VP Fahrzeuge. Beim Aussteigen merkte ich, der Fahrer des Trabbi war ein Ltn. der VP in Uniform und der fragte gleich ob ich ein VP-Kennzeichen am Fahrzeug hätte. Ich sagte nein, aber der andere Parkplatz ist doch gesperrt und ich wolle mich nur schnell anmelden. Im VPKA, ich wartete bei der Anmeldung als ich plötzlich schon mit Namen in ein anderes Zimmer gerufen wurde. Kontrolle der Papiere, dann wurde ich belehrt wegen dem Parken, und dann sagte man, Sie haben ja ihren Pflichtumtausch schon gemacht und Sie zahlen jetzt 20,00 Mark der DDR. Ich zahlte die 20,00 Mark der DDR und ging dann zur Anmeldung und anschließend zu meinem Auto um den Parkplatz für VP-Fahrzeuge zu verlassen.
Also; wer den Pflichtumtausch schon gemacht hatte, konnte alle Ausgaben in Mark der DDR zahlen solange es ausreichte.
Was bei den Transitreisenden anders war, hier mußten die Knöllchen in DM oder anderer Devisen bezahlt werden.

Gruß CAMBRINO


@Cambrino genau so ist es gewesen, nach Pflichtumtausch konnte man sowohl Benzin/Diesel in Mark der DDR bezahlen. Beim Tanken war es unterschiedlich, manche Tankwarte liessen sich die Umtauschquittung zeigen anderen wiederum war das offenbar gleichgültig. Ich habe auch nur Benzin gekauft und bin gut essen gegangen in Restaurants(mit Verwandtschaft ). Übrig gebliebenes Geld blieb bei meinen Eltern. Konsumgüterartikel, Kleidung oder ähnliches waren für mich uninteressant.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#14

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 09:01
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #12
Zitat von Cambrino im Beitrag #10

Also; wer den Pflichtumtausch schon gemacht hatte, konnte alle Ausgaben in Mark der DDR zahlen solange es ausreichte.
Was bei den Transitreisenden anders war, hier mußten die Knöllchen in DM oder anderer Devisen bezahlt werden.

Gruß CAMBRINO


Ich stelle mir gerade die Freudentänze bei der kontrollierenden VP vor, wenn ein Transitreisender versucht hätte, eine Geldbusse in DDR-Mark zu bezahlen. Das hätte sicher das DDR-Devisenkonto noch ein bisschen aufgebessert.

Gruss

icke




also, Icke, so beschränkt kann doch keiner gewesen sein.


.
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#15

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 09:50
von eisenringtheo | 9.159 Beiträge

OT: Es gab immer schon Personen, die dümmer sind als die Polizei erlaubt...

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/Duem.../story/27558387
Theo


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#16

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 10:37
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Cambrino, nicht alles immer gleich als Schwachsinn bezeichnen in welcher Währung man Strafe bezahlen musste. Zumal Du selber einräumst das von Dir auch DM verlangt wurde. Ich musste in Leipzig zwei mal eine Ordnungsstrafe bezahlen. Nach dem vorzeigen meines Passes wurde klar gesagt in DM. Allerdings habe ich nicht darauf hingewiesen das ich bereits umgetauscht hatte, Das war auch nicht nötig konnte man dem Pass entnehmen das ich mich ordnungsgemäß gemeldet habe.Und diesen Stempel zum Aufenthalt gab es erst nach Umtausch und Anmeldung.
Mag sein man hätte auch Mark der DDR sagen können, doch man sagte in DM. In Ostberlin versuchte ich einmal ein Zimmer im Berolina zu bekommen. War auch genug frei ,doch nichts ging ,sie müssen in das Palast oder Metropol war die Antwort. Eine Weiterreise nach Leipzig war geplant und hatte auch schon DM in Mark der DDR getauscht. Doch bezahlen musste ich das Hotel in Ostberlin mit DM. Mal davon abgesehen ,brauchte ich den Tagesumtausch sowieso für mich, im Gegenteil ich genoss als Bundesbürger einige Vorteile in vollen Zügen ,musste immer noch dazu tauschen.
Mar der DDR wenn noch übrig konnte man an der Grenze dem roten Kreuz der DDR spenden. Wir haben aber hier einige User mit Fachwissen ,die können bestimmt etwas dazu sagen.


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#17

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 10:52
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Gast im Beitrag #5
Sehr gut, turtle!

Wie ich sehe, habe ich da in meiner Erinnerung ´was verwechselt. 6,50/13 DM kam nach 10/20 DM. Und nicht vorher....
Umso heftiger dann die Erhöhung von 6,50/13 DM auf 25 DM einheitlich...

Was hat sich der Westler dafür gekauft?

Beim Verwandtenbesuch kaum etwas. Man war froh, daß man mit seinen Lieben zusammen saß. Oft haben die Westverwandten neben ihren mitgebrachten Konsumartikeln der Ostverwandtschaft das Geld geschenkt. Oder es dort deponiert. Man diskutierte und verglich. Oft waren unsere DDR-Verwandten in Ostberlin, Greifswald oder Cottbus politisch ähnlicher Ansicht, wie wir. Oft waren auch krassere Meinungen zu hören, wo man als ängstlicher Westler fasst schon schiß bekam. Meiner Tante in Oranienburg stand vor Wut das Wasser in den Augen, daß man von den Kommunisten als Geisel festgehalten wird und nicht fahren darf. Die redeten sich alle so richtig heiß am großen Tisch....
Nur ein Onkel von der Marine (hatte eigentlich Kontaktverbot) faselte bei Familientreffen irgendetwas "...ja aber die NATO-Einsätze"... Das hatte er umsonst. Unsere Großfamilie war da sehr nachsichtig mit ihm...
Im Grunde war bei Verwandtenbesuchen das Eintrittsgeld verloren.

Bei einem Tagesbesuch in Ostberlin konnte man mit seinem Umtausch schon mehr anfangen.

Man konnte Mitte der 80ger in Ost-Berlin:

-Essen gehen (Preis in einer normalen Gaststätte für ein Gericht durchschnittlich 5-10 DDR-Mark, in gehobenen Restaurants ca. 9-15 DDR-Mark. Oft mußte man aber für einen Tisch an einer Schlange anstehen, wie ein Depp. Da verging vielen Westlern gleich wieder der Appetit. Geheimtrick für Kenner: vorher aus West-Berlin telef. Tisch bestellen! Das klappte in besseren Restaurants...)

-Schallplatten kaufen (Klassik oder DDR-PoP, manchmal westl. Lizenzproduktionen)

-Schreibpapier/Briefumschläge kaufen (mindere Qualität, aber trotzdem einigermaßen verwendbar)

-Kunstpostkarten in Museen

-Bücher (kaum, da die Buchläden oft mit ideologischem Kram überfrachtet waren)

Das war´s schon... Oder habe ich was vergessen?


Grün: Sehr wohl Bücher. Was faselst Du da von "Buchläden ideologisch überfrachtet" ? Der Käufer konnte ja um diese Abteilungen einen Bogen machen und zielgerichtet die Bereiche in der Bücherei ansteuern, die ihn interessierten. Anders mache ich es heute auch nicht, wenn ich z.B. bei Hugendubel reinschaue. So haben es viele gemacht. Kinderbücher, Beletristik (auch ausländische, westeuropäische Autoren nicht Wenige), Fachbücher vor allem. Die alle waren wesentlich preisgünstiger als in Westdeutschland. Ich brauche da nur an die Aussagen einiger meiner westdeutschen Tauschfreunde denken, die diese Gelegenheit genutzt haben und heute noch von der fachlichen Höhe dieser Literatur schwärmen. Unter meinen westdeutschen Forumianern in einem Geologie-Forum gibt es einige, die si9ch damals als Studenten mit DDR-Fachliteratur versorgt haben.



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#18

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 10:59
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #9
Zitat von Gast im Beitrag #1
Man verweigerte an der Tankstelle kurzerhand die eigene Währung, auch wenn der Fahrer des West-PKW im Besitz eines Umtauschbelegs war...

Nein, das stimmt nicht. Bei meinen recht häufigen DDR-Besuchen hat sich nie ein Tankwart für meine Umtauschquittungen interessiert.
Habe immer für Ostgeld getankt.
Zitat von turtle im Beitrag #4
Nach der Einreise in die DDR musste der Zwangsumtausch betätigt werden,erst danach musste man sich bei der VP anmelden.Bei der Anmeldung wurde die Umtauschquittung verlangt! Alle Strafen, zB. zu spätes Anmelden, Verkehrsdelikte, musste in Devisen bezahlt werden. Geld vom Zwangsumtausch durfte dazu nicht verwendet werden!

Auch hier widerspreche ich, meine Geschwindigkeitsüberschreitungen und eine 10 Mark Strafe wegen verspäteter Anmeldung habe ich in Mark der DDR bezahlt (gegen Vorlage der Umtauschquittung, aber die war bei Anmeldung ohnehin notwendig).


Als uich wegen eines fehlenden Schmutzfängers am Trabi-Hinterrad mal bei einer Geschwindigkeitskontrolle wurde (Arnstädter Str. Erfurt, stadteinwärts. Also bergab), standen da auch einige Pkws aus der BRD. Auf meine Frage, in welcher Währung die denn zahlen müssen, die lapidare Antwort des Polizisrten: "In der Währung, in der sie zahlen können".
Wenn es solche Fälle wie mit dem Tankwart gab, erhebt sich hier der Verdacht, daß dieser Tankwirt in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Ich glaube nicht, daß auf der Tankquittung DM ausgewiesen war. Dann hätte er nämlich auch DM abrechnen müssen. Wäre interessant, wenn eine solche Tankquittung noch existiert



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#19

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 11:18
von eisenringtheo | 9.159 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #18
(...)

Wenn es solche Fälle wie mit dem Tankwart gab, erhebt sich hier der Verdacht, daß dieser Tankwirt in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Ich glaube nicht, daß auf der Tankquittung DM ausgewiesen war. Dann hätte er nämlich auch DM abrechnen müssen. Wäre interessant, wenn eine solche Tankquittung noch existiert


WIMRE durfte man nach dem Devisengesetz gegen DM der Deutschen Bundesbank nur an Intertankstellen und nur an grün-weissen Tanksäulen die Sorten "Spezial", "Super" und "Diesel" tanken. Die "DDR-Sorten" "Normal", "Extra" und DDR an rot-gelben Tanksäulen (bei Intertank und anderen Tankstellen) durften Tankwarte nur gegen DDR-Mark (und bei Ausländern gegen Vorweisen der Umtauschquittung) getankt werden
Nach meiner Erfahrung konnte man auch die DDR Sorten mit Westmark bezahlen, nachdem sich der Tankwart mit einem Rundumblick versichert hatte, dass die Luft rein war.
Theo


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#20

RE: Zwangsumtausch

in Leben an der Berliner Mauer 20.11.2015 11:37
von turtle | 6.961 Beiträge

In der DDR gab es eine große Auswahl an guten Büchern. Ich habe heute noch viele. Fachbücher waren günstiger wie in der BRD.
Bücher vom Militärverlag große Klasse. Minibücher waren ein Hobby von mir. Briefmarken waren auch immer auf meiner Liste. Klassiker gab es auch genug zu kaufen. Man musste nicht von EH. Aus meinem Leben nehmen. (Habe ich aber auch da )
Kunstdrucke waren auch eine Option.


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