#221

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:14
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #220
... warst du wirklich so ein strenger Polit-Offizier?kann ich mir nicht so richtig vorstellen,
du hast doch den selben Beruf erlernt wie ich als Kfz-Mechaniker,immer schmutzige
Hände usw.,und zum Feierabend ein Bierchen mit den Kollegen gehörte dazu,
und wenn sich ein Grenzer sich das mal gemütlich macht,ich hätte das nicht so eng
gesehen
Lutze

Hallo Lutze,

es geht gar nicht mal so darum, streng zu sein. Ich glaube sogar, dass "ängstlich" das bessere Wort wäre. Interessanterweise hatte ich, als ich mir die Situation so vorgestellt habe, sofort einen Kompaniechef im Sinn, der sich hätte auf ein Würstchen einladen lassen und den Leuten dennoch so ins Gewissen geredet hätte, dass weder seine Autorität noch bleibend die Disziplin gelitten hätte. Das war der Kompaniechef von Erbenhausen in den 80er Jahren (11.GK/III.GB/GR3 ab 1984 7.GK/II.GB/GR3) Hauptmann Achim F***. Es gehört viel Selbstbewusstsein dazu, gepaart mit Lebens- und Diensterfahrung, zu wissen, wann man wie auf die Leute zu achten und mit ihnen umzugehen hat. Er hatte all dies und wenn irgendein hoher Offizier oder General ihm in seiner Kompanie etwas sagen wollte, dann hätte er sich gedacht: Der fährt auch wieder weg.

Unsereiner, als junger Polit (22/23 Jahre alt), zuckte schon, wenn mal ein Operativoffizier aus dem Bataillon die Stimme hob. Da tut man viele Sachen, die unter vorauseilendem Gehorsam laufen. Oder man zieht sich auf sichere Grundsätze zurück und ersetzt das mangelnde Selbstbewusstsein durch straffe Haltung. Manch einer hat solche Haltungen habitualisiert und wurde zum "Schleifer" oder "Anscheißer". Andere nutzten die Möglichkeit, von den richtigen Leuten zu lernen. Auch im Offiziersberuf war Erfahrung durch nichts zu ersetzen. Auch das Menschsein in Uniform wollte gelernt sein und das unter den widrigen Bedingungen des Kasernenhoftons ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 11.03.2013 12:15 | nach oben springen

#222

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:19
von Ellrich | 7 Beiträge

Naja, für Bier im Grenzdienst hätte es in den 80er Jahren kaum Schwedt gegeben, außer vielleicht, ein Kraftfahrer hätte sich betrunken oder es wäre aufgrund des Alkohols zu Vorkommnissen mit der Schusswaffe gekommen. Selbst bei Schnaps gab es "nur" Arrest. Aber tatsächlcih hätte sich damit niemand erwischen lassen dürfen. Der Ärger wäre groß gewesen.

Im übrigen war den Vorgesetzten bei vielen Sachen bekannt, dass sie gemacht wurden. Aber es gab ja auch einen positiven Nebeneffekt: Wer Unfug anstellt, achtet auch schärfer auf die Umgebung, damit er nicht erwischt wird. Heute würde man sowas als Win-Win-Stuation bezeichnen. Aber ich gestehe, hätte ich einen Posten beim Brutzeln erwischt, hätte ich ihm eher einen Einflauf gemacht, als mich einladen lassen. Und er hätte es sogar verdient, denn der EK, der sich vom Polit im Grenzdienst hätte bei Unfug erwischen lassen, der verdiente es nicht anders.

Die "nach Schwedt" theorien wurden von Vorgesetzten nicht in Umlauf gebracht, den Druck habt Ihr euch selbst gemacht, wir haben nur nicht widersprochen. Das wäre ja wie Freibrief für Dienstvergehen. Verbote waren nur sinnvoll wen sie auch überwacht werden konnten ein verbot für Luftis ist mir unbekant, Bratwurtbraten nur, wenn damit Rauchzeichen gegeben wurden. Bestrafungen nach Unfug sahen sahen z.B. so aus:
Objektwache wurde duch Polit im Postenbereich beim G.verkehr von hinten durch den Maschendraht beobachtet.
Zur nächten TaPI die Frage an alle, welches Dienstvergehen vorliegt. Postenbereich nicht verlassen, Waffe auf den Rücken
Ortsansässiger Kompanieentsafterrinn den zugang mit Körperlicher Gewalt verwehrt ...... war das nicht Strafe genug ?
Oder, BGS schob uns ein Bild über den Grenzstein, es zeigte einen Gefr. mit entrollten Bandmass.
Er erhielt die Höchststrafe fur Gefr. zerschneiden seines Bandmasses vor Angetretener GK. Den Abfall entsorgen durfte er auch.
Wen ich als Gakl zur Postenkontrolle eingesetzt wurde war doch wichtig, das mein Posten wuste, daß alle Ergebnisse im Zug blieben, sonst währe es mir nie gelungen GP nicht nur Bildlich, auch Körperlich an den S.... zu fassen.


zuletzt bearbeitet 11.03.2013 13:03 | nach oben springen

#223

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:19
von Grete85 | 840 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #219

Danke für die Info,werde mir diesen Wackelturm in Kühlungsborn mal genauer anschauen,
aber bevor ich da hoch krieche,gönne ich mir eine schöne Knackwurst mit einem Bierchen dazu
wird mein nächster Wochenendausflug
Lutze


Hallo Lutze,

der in Kühlungsborn wackelt nicht mehr. Die Jungs vom Verein haben ihn Sturmfest gemacht.(größeres Fundament und Zuganker bis oben)
Aber Bier und Knackwurst gibts in der näheren Umgebung.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#224

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:27
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #221
Zitat von Lutze im Beitrag #220
... warst du wirklich so ein strenger Polit-Offizier?kann ich mir nicht so richtig vorstellen,
du hast doch den selben Beruf erlernt wie ich als Kfz-Mechaniker,immer schmutzige
Hände usw.,und zum Feierabend ein Bierchen mit den Kollegen gehörte dazu,
und wenn sich ein Grenzer sich das mal gemütlich macht,ich hätte das nicht so eng
gesehen
Lutze

Hallo Lutze,

es geht gar nicht mal so darum, streng zu sein. Ich glaube sogar, dass "ängstlich" das bessere Wort wäre. Interessanterweise hatte ich, als ich mir die Situation so vorgestellt habe, sofort einen Kompaniechef im Sinn, der sich hätte auf ein Würstchen einladen lassen und den Leuten dennoch so ins Gewissen geredet hätte, dass weder seine Autorität noch bleibend die Disziplin gelitten hätte. Das war der Kompaniechef von Erbenhausen in den 80er Jahren (11.GK/III.GB/GR3 ab 1984 7.GK/II.GB/GR3) Hauptmann Achim F***. Es gehört viel Selbstbewusstsein dazu, gepaart mit Lebens- und Diensterfahrung, zu wissen, wann man wie auf die Leute zu achten und mit ihnen umzugehen hat. Er hatte all dies und wenn irgendein hoher Offizier oder General ihm in seiner Kompanie etwas sagen wollte, dann hätte er sich gedacht: Der fährt auch wieder weg.

Unsereiner, als junger Polit (22/23 Jahre alt), zuckte schon, wenn mal ein Operativoffizier aus dem Bataillon die Stimme hob. Da tut man viele Sachen, die unter vorauseilendem Gehorsam laufen. Oder man zieht sich auf sichere Grundsätze zurück und ersetzt das mangelnde Selbstbewusstsein durch straffe Haltung. Manch einer hat solche Haltungen habitualisiert und wurde zum "Schleifer" oder "Anscheißer". Andere nutzten die Möglichkeit, von den richtigen Leuten zu lernen. Auch im Offiziersberuf war Erfahrung durch nichts zu ersetzen. Auch das Menschsein in Uniform wollte gelernt sein und das unter den widrigen Bedingungen des Kasernenhoftons ...

ciao Rainman


Das kann ich auch so bestätigen, aber Achim konnte auch anders, dass hing bei Ihm wie bei vielen anderen Menschen auch vom "Tagesbefinden" ab, wenn er schlechte Laune hatte und sich das in der GK rumgesprochen hatte, war man gut beraten Ihm aus dem Wege zu gehen, dass traf übrings für unseren Hauptfeld genauso zu. Übrings zu meiner Zeit war Achim schon oder erst Major. Gruß Duck


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


zuletzt bearbeitet 12.03.2013 08:19 | nach oben springen

#225

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:44
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Ellrich im Beitrag #222
Naja, für Bier im Grenzdienst hätte es in den 80er Jahren kaum Schwedt gegeben, außer vielleicht, ein Kraftfahrer hätte sich betrunken oder es wäre aufgrund des Alkohols zu Vorkommnissen mit der Schusswaffe gekommen. Selbst bei Schnaps gab es "nur" Arrest. Aber tatsächlcih hätte sich damit niemand erwischen lassen dürfen. Der Ärger wäre groß gewesen.

Im übrigen war den Vorgesetzten bei vielen Sachen bekannt, dass sie gemacht wurden. Aber es gab ja auch einen positiven Nebeneffekt: Wer Unfug anstellt, achtet auch schärfer auf die Umgebung, damit er nicht erwischt wird. Heute würde man sowas als Win-Win-Stuation bezeichnen. Aber ich gestehe, hätte ich einen Posten beim Brutzeln erwischt, hätte ich ihm eher einen Einflauf gemacht, als mich einladen lassen. Und er hätte es sogar verdient, denn der EK, der sich vom Polit im Grenzdienst hätte bei Unfug erwischen lassen, der verdiente es nicht anders.

Die "nach Schwedt" theorien wurden von Vorgesetzten nicht in Umlauf gebracht, den Druck habt Ihr euch selbst gemacht, wir haben nur nicht widersprochen. Das wäre ja wie Freibrief für Dienstvergehen. Verbote waren nur sinnvoll wen sie auch überwacht werden konnten ein verbot für Luftis ist mir unbekant, Bratwurtbraten nur, wenn damit Rauchzeichen gegeben wurden. Bestrafungen nach Unfug sahen sahen z.B. so aus:
Objektwache wurde duch Polit im Postenbereich beim G.verkehr von hinten durch den Maschendraht beobachtet.
Zur nächten TaPI die Frage an alle, welches Dienstvergehen vorliegt. Postenbereich nicht verlassen, Waffe auf den Rücken
Ortsansässiger Kompanieentsafterrinn den zugang mit Körperlicher Gewalt verwehrt ...... war das nicht Strafe genug ?
Oder, BGS schob uns ein Bild über den Grenzstein, es zeigte einen Gefr. mit entrollten Bandmass.
Er erhielt die Höchststrafe fur Gefr. zerschneiden seines Bandmasses vor Angetretener GK. Den Abfall entsorgen durfte er auch.
Wen ich als Gakl zur Postenkontrolle eingesetzt wurde war doch wichtig, das mein Posten wuste, daß alle Ergebnisse im Zug blieben, sonst währe es mir nie gelungen GP auch Körperlich an den S.... zu fassen.




Hallo Ellrich,

zum Thema "Lufti's":
Auf der GK Kaltenwestheim war ich mal (erste Tage als 2.DHJ) Augenzeuge, wie der Spiess welche beschlagnahmte.
Der brauchte auch nie in den Grenzdienst und holte sich draussen auch keinen kalten Ar......Ich habs auch nicht verstehen können, wo da das Problem sein sollte.
Unser Gruppenführer, 3-ender Ufw klärte mich dann nach Rückfrage auf, dass es nicht statthaft sei.(derselbe, mit dem ich auf Nachtstreife in Birx das Bierchen getrunken habe)
Ich hatte mir dann 2 Lufti's (eins als Reserve hinter dem Spind hängend) zugelegt und hatte auch immer Glück - beim Aufzug zum Grenzdienst immer gut unter der Felddienst-Uniform versteckt.
Was für "Schwed" reichte und was nicht - nun gut, darüber gab es nur Gerüchte, stimmt. Meinst Du, es hätte sich einer getraut, zB im Politunterricht danach zu fragen ? Schlafende Hunde wecken ?
Die Geschichte mit der Objektwache und der "Kompanieentsafterin" ist ja wirklich orginell - so etwas hatten wir bei uns nicht.
Tja, Kaltenwestheim = Einöde, Verbannung. 2 Km von der Kompanie bis zum Ort und Sperrgebiet.
In Vacha wäre so ein Vorfall denkbar gewesen.....

Gruss Hartmut


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#226

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:50
von Lutze | 8.027 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #221
Zitat von Lutze im Beitrag #220
... warst du wirklich so ein strenger Polit-Offizier?kann ich mir nicht so richtig vorstellen,
du hast doch den selben Beruf erlernt wie ich als Kfz-Mechaniker,immer schmutzige
Hände usw.,und zum Feierabend ein Bierchen mit den Kollegen gehörte dazu,
und wenn sich ein Grenzer sich das mal gemütlich macht,ich hätte das nicht so eng
gesehen
Lutze

Hallo Lutze,

es geht gar nicht mal so darum, streng zu sein. Ich glaube sogar, dass "ängstlich" das bessere Wort wäre. Interessanterweise hatte ich, als ich mir die Situation so vorgestellt habe, sofort einen Kompaniechef im Sinn, der sich hätte auf ein Würstchen einladen lassen und den Leuten dennoch so ins Gewissen geredet hätte, dass weder seine Autorität noch bleibend die Disziplin gelitten hätte. Das war der Kompaniechef von Erbenhausen in den 80er Jahren (11.GK/III.GB/GR3 ab 1984 7.GK/II.GB/GR3) Hauptmann Achim F***. Es gehört viel Selbstbewusstsein dazu, gepaart mit Lebens- und Diensterfahrung, zu wissen, wann man wie auf die Leute zu achten und mit ihnen umzugehen hat. Er hatte all dies und wenn irgendein hoher Offizier oder General ihm in seiner Kompanie etwas sagen wollte, dann hätte er sich gedacht: Der fährt auch wieder weg.

Unsereiner, als junger Polit (22/23 Jahre alt), zuckte schon, wenn mal ein Operativoffizier aus dem Bataillon die Stimme hob. Da tut man viele Sachen, die unter vorauseilendem Gehorsam laufen. Oder man zieht sich auf sichere Grundsätze zurück und ersetzt das mangelnde Selbstbewusstsein durch straffe Haltung. Manch einer hat solche Haltungen habitualisiert und wurde zum "Schleifer" oder "Anscheißer". Andere nutzten die Möglichkeit, von den richtigen Leuten zu lernen. Auch im Offiziersberuf war Erfahrung durch nichts zu ersetzen. Auch das Menschsein in Uniform wollte gelernt sein und das unter den widrigen Bedingungen des Kasernenhoftons ...

ciao Rainman

würdest du heute diesen Job auch heute noch machen,wenn es die DDR und die Grenze
geben würde?
Lutze


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#227

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 12:53
von Ellrich | 7 Beiträge

Hallo Hartmut

Ich will demnächst einmal diese Ortschaft , genauer den Friedhof besuchen, dann schreibe ich mehr uber diesen Polit.
Er war und bleibt für mich ein Vorbild für einen Offz der GT.


zuletzt bearbeitet 11.03.2013 13:01 | nach oben springen

#228

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 13:47
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #226
... würdest du heute diesen Job auch heute noch machen,wenn es die DDR und die Grenze
geben würde?
Lutze

Hallo Lutze,

ohne große Erklärung: Nein!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#229

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 16:30
von Lutze | 8.027 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #191
Zitat von Lutze im Beitrag #182
was habt ihr denn gegrillt?dazu gehört doch ein gepflegtes Bierchen dazu
Lutze

Hallo Lutze,

es ist schwer, dir als Ungedienten die "Grenzerromantik" zu erklären. Acht Stunden auf Posten ist eine verdammt lange Zeit um Dummheiten auszuhecken. Hätten wir "nur" Dienst nach Vorschrift gemacht, wären wir vor lauter Langeweile irgendwann mal eigeduselt (besonders in der Nachtschicht). Also haben wir uns an die Führungsstelle gewandt um uns die Beine vertreten zu dürfen. Meistens hatte man dann ca 20 Minuten Zeit um Pilze zu sammeln oder Wildfrüchte. Irgendwann mußten wir uns wieder im Grenzmeldenetz melden, meistens mit reichlich Ausbeute. Nun begann die Kreativphase.
Nun hatten wir kein Campinggrill mit Holzkohle und Rost, sondern ein ganz unscheinbahren Klappkocher, welcher in jeder Hosentasche platz hatte eigentlich hätte dieses Gerät im Sturmgepäck liegen müssen, nebst der dazugehörigen Spiritustabletten. Aber auf diesen Gegenstand haben wir eine Stullenbüchse aus Metall gestellt und ruck zuck gab es Salamistullen mit Käse überbacken. Manchmal gab's von der Küche ein Kotelett, Schnitzel, Hühnerbein oder Boulette auch das schmeckte aufgewärmt besser. Und unsere Postentasche war groß neben Stullenbüchse und Thermosflasche passten darin auch noch gewisse Zutaten, Salz und Pfefferstreuer, das Eßbesteck aus dem Sturmgepäck, Büchsenwurst (Komplekte) und noch vieles andere mehr.
Also wurden die Pilze in Schmalzfleisch gegart mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt allein schon das war ein Gedicht. Am Reinigungsstab unserer Waffe konnte man auch Schaschlik brutzeln oder eine Rauchwurst celebrieren. Manchmal müßte man ein Kochbuch drüber schreiben. Meistens hatte ich auch für meinen Posten eine Postenüberraschung, ne Tafel Schokolade oder ne Tüte Studentenfutter. So konnte man sich beim quatschen und futtern die Zeit vertrödeln. Lustig wurde es wenn man noch einen Postentreff organisierte.
Leider waren die Möglichkeiten zum brutzeln und grillen beschränkt, vor allem, wenn Kontrollstreifen der höheren Kategorie angemeldet waren. Es gab noch andere Möglichkeiten die Zeit totzuschlagen. Auf ein Bier mußten wir (leider) verzichten!

Gruß Hartmut!


wenn ich so lese,was du alles an Essen mitgeschleppt hast,und das passte noch in die
Postentasche rein?unglaublich,hätte man auch eine zweite Tasche mitnehmen können?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#230

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 17:32
von utkieker | 2.912 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #182
wenn ich so lese,was du alles an Essen mitgeschleppt hast,und das passte noch in die
Postentasche rein?unglaublich,hätte man auch eine zweite Tasche mitnehmen können?
Lutze

Hallo Lutze,

hätte ich sicherlich mit dem Küchenchef reden müssen, dürfte grundsätzlich kein Problem gewesen sein. Andererseits war ja die Postentasche sowieso nicht ganz voll. Außerdem hatten wir auch noch anderen Stauraum - je zwei Hosentaschen, Beintaschen, Brusttaschen, Jackentaschen, Ärmeltaschen und eine Innentasche.
In der Postentasche waren standardmäßig zwei Stullenbüchsen und zwei Thermospullen. Zum Teil war es Usus auch die "goldene" Postentasche für die letzte EK- Schicht zu packen so eine Art "Presentkorb" für eine Fressorgie, die dann mit der obligatorischen 'E'- Zigarre endete
guckst du hier: Die "Goldene PÜVT" oder auch Angeschickert am BBT

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#231

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 17:43
von Lutze | 8.027 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #230
Zitat von Lutze im Beitrag #182
wenn ich so lese,was du alles an Essen mitgeschleppt hast,und das passte noch in die
Postentasche rein?unglaublich,hätte man auch eine zweite Tasche mitnehmen können?
Lutze

Hallo Lutze,

hätte ich sicherlich mit dem Küchenchef reden müssen, dürfte grundsätzlich kein Problem gewesen sein. Andererseits war ja die Postentasche sowieso nicht ganz voll. Außerdem hatten wir auch noch anderen Stauraum - je zwei Hosentaschen, Beintaschen, Brusttaschen, Jackentaschen, Ärmeltaschen und eine Innentasche.
In der Postentasche waren standardmäßig zwei Stullenbüchsen und zwei Thermospullen. Zum Teil war es Usus auch die "goldene" Postentasche für die letzte EK- Schicht zu packen so eine Art "Presentkorb" für eine Fressorgie, die dann mit der obligatorischen 'E'- Zigarre endete
guckst du hier: Die "Goldene PÜVT" oder auch Angeschickert am BBT

Gruß Hartmut!



der Küchenchef wäre mein bester Freund
Lutze


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#232

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 17:48
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Die Knacker zum Grillen kamen in die Postentasche - man hätte sie ja auch so essen können.
Die Spiritustabletten blieben "am Mann" - in einer der zahlreichen Taschen der Felddienstuniform.
Das Risiko, dass das aufflog, war gering:
Die Grenzkompanie steht angetreten auf dem Hof, vor den Fahrzeugen und der diensthabende Kompanichef spricht die Worte:
"Kompanie angetreten zum Grenzdienst mit der Aufgabe....." und dann ging's auf die Fahrzeuge und raus.
Viel Zeit für Taschenkontrollen bleib da nicht, die draussen warteten auf die Ablösung.

Gruss Hartmut


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zuletzt bearbeitet 11.03.2013 17:52 | nach oben springen

#233

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 17:57
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

wenn ich so lese,was du alles an Essen mitgeschleppt hast,und das passte noch in die
Postentasche rein?unglaublich,hätte man auch eine zweite Tasche mitnehmen können?
Lutze

Wäre ja nicht so schlimm gewesen,denn das Ding heisst ja Postentasche,also wer muss Sie tragen ?


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#234

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 18:08
von Lutze | 8.027 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #233
wenn ich so lese,was du alles an Essen mitgeschleppt hast,und das passte noch in die
Postentasche rein?unglaublich,hätte man auch eine zweite Tasche mitnehmen können?
Lutze

Wäre ja nicht so schlimm gewesen,denn das Ding heisst ja Postentasche,also wer muss Sie tragen ?



zum Schichtende hin wäre die leer gewesen,ich hätte sie gerne getragen
Lutze


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#235

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 11.03.2013 23:37
von 82zwo | 123 Beiträge

Zum Glück wat ich Kradfahrer da hab ich auch als Posten die Tasche nicht weit tragen müssen.
Aber auch später als ich EK war haben wir die Tasche abwechsend getragen wenn wir mal zu Fuß auf
Posten waren. Na ja also eigentlich nur wenn die Tasche schwer war mit großen Thermosflaschen oder so.



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#236

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 12.03.2013 08:10
von utkieker | 2.912 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #234
Zitat von Pit 59 im Beitrag #233
wenn ich so lese,was du alles an Essen mitgeschleppt hast,und das passte noch in die
Postentasche rein?unglaublich,hätte man auch eine zweite Tasche mitnehmen können?
Lutze

Wäre ja nicht so schlimm gewesen,denn das Ding heisst ja Postentasche,also wer muss Sie tragen ?



zum Schichtende hin wäre die leer gewesen,ich hätte sie gerne getragen
Lutze

Nach Schichtende kam der "Schichtbus" und hat die Posten eingesammelt, die Taschen wurden aufgeladen fertig. Und wer bei Schichtwechsel nicht schnell genug war mußte ein Kaffee ausgeben - und dann ging es auf Staatskosten in die Kaserne. In der Kaserne wurden die Thermospullen ausgespült und die Stullenbüchsen gereinigt und wer durfte diesen Job übernehmen? ....

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
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#237

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 12.03.2013 10:53
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge

...ab November 1981 gab es bei uns wieder (das neuzuerprobende) Kompaniesicherungssystem, da waren Dreierposten eigentlich die Regel. Es kam also vor, daß pro Posten zwei oder sogar drei Postenführer zusammen waren. In der Dienstausgabe wurde festgelegt, welche Postenführer den Posten führte. Üblicherweise war das der Postenführer, der aus dem betreffenden Grenzabschnitt stammte und die beste Gebietskenntnis hatte, der Hellste eben. Um Streit und Stinker- oder Stänkereinen zu vermeiden nahm dann jeder eine eigene Postentasche mit und schleppte seinen Kram selber. Oder er verpackte seine Knifften in der Beintasche und verzichtete auf sein Getränk. Oder die Dienst wurde so organisiert, daß die Postentaschen an einem bestimmten Postenpunkt (wildschweinfrei) deponiert wurden und an diesem PP die PV eingenommen wurde.
Von den "alten" Gefreiten (im alten Sicherungssystem) waren meiner Meinung nach auch die Blindesten irgendwann zum Postenführer gemacht worden. Im neuen Sicherunssystem gab es bis zur Entlassung etliche Gefreite ohne die grünen Balken und (auch wieder meiner Meinung bzw. Erinnerung nach) wurden sogar einige Postenführer wieder zu Posten "degradiert"!
Damit ist auch wieder der Bogen zum Thema gespannt.

HG 82/I
Olsen


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#238

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 12.03.2013 12:07
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von OlsenWeilrode im Beitrag #237
...ab November 1981 gab es bei uns wieder (das neuzuerprobende) Kompaniesicherungssystem, da waren Dreierposten eigentlich die Regel. Es kam also vor, daß pro Posten zwei oder sogar drei Postenführer zusammen waren. In der Dienstausgabe wurde festgelegt, welche Postenführer den Posten führte. Üblicherweise war das der Postenführer, der aus dem betreffenden Grenzabschnitt stammte und die beste Gebietskenntnis hatte, der Hellste eben. Um Streit und Stinker- oder Stänkereinen zu vermeiden nahm dann jeder eine eigene Postentasche mit und schleppte seinen Kram selber. Oder er verpackte seine Knifften in der Beintasche und verzichtete auf sein Getränk. Oder die Dienst wurde so organisiert, daß die Postentaschen an einem bestimmten Postenpunkt (wildschweinfrei) deponiert wurden und an diesem PP die PV eingenommen wurde.
Von den "alten" Gefreiten (im alten Sicherungssystem) waren meiner Meinung nach auch die Blindesten irgendwann zum Postenführer gemacht worden. Im neuen Sicherunssystem gab es bis zur Entlassung etliche Gefreite ohne die grünen Balken und (auch wieder meiner Meinung bzw. Erinnerung nach) wurden sogar einige Postenführer wieder zu Posten "degradiert"!
Damit ist auch wieder der Bogen zum Thema gespannt.

HG 82/I
Olsen


3 PF zusammen, ihr müsst ganz schön Personalüberhang gehabt haben.


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#239

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 12.03.2013 12:16
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

ich verstehe das auch nicht ganz - ich hab 79/80 ja noch die Battallionssicherung erlebt und ewige Personalknappheit.
Die Grenzlänge (gesamt) ist mit dem Übergang zur Kompaniesicherung ja auch keinen km kleiner geworden - nur die Anmarsch-/Abmarschwege wurden kürzer. Und es war eben nicht mehr diese Vielfalt an Postengebieten.
Nun, vielleicht weiss einer unserer ehemaligen Vorgesetzten einen Grund, wieso diese Situation plötzlich zu einer Entspannung bei der Personalplanung geführt hat....
Ich hab jedenfalls immer um das bisschen Urlaub gebangt - es durfte auch keiner durch Krankheit ausfallen - das konnte gleich mal zu Urlaubsverschiebungen führen.


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 12.03.2013 12:18 | nach oben springen

#240

RE: Unfug im Dienst an der Grenze :-)

in Grenztruppen der DDR 13.03.2013 18:38
von FF 63 | 196 Beiträge

Ein ordentlicher Grenzsoldat ging leergesch... zum Dienst

Ich musste doch mal, zwar in Berlin-Mitte...
Kann mich nur noch daran erinnern, das es ein paar Stufen runter ging, wie in so einen Keller.
War kurz vor der Mauer !!!
Konnte aber bis ´89 behaupten: Kack erst mal dahin,
wo ich schon hingemacht habe....


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