#161

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 18.08.2014 18:29
von Hansteiner | 1.413 Beiträge

Hallo 94,

das wurde bei uns in der GK Hohengandern aber auch erzählt mit den FN in der WK.
nur so richtig geglaubt hat daran sicherlich keiner.

VG H.



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#162

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 18.08.2014 18:32
von Gelöschtes Mitglied
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Der eine Zeitzeuge wohnt in Volkerode und ist kurz vor dem Schlamassel nach Hildebrandshausen versetzt worden. Der andere war Zugführer in Weidenbach zu meiner Dienstzeit.

Der Hesselfuchs


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#163

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 18.08.2014 18:34
von Mike59 | 7.963 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #159
Zitat von Merlini im Beitrag #157
Habe jetzt mit zwei Zeitzeugen gesprochen, die haben bestätigt, das 69/70 in Weidenbach die ganze GK aufgemischt und ausgetauscht wurde. Die hatten in Asbach regen Kontakt zur anderen Seite, gemeinsame Besäufnisse und stangenweise West Zigaretten im Spind. Irgendwann haben dann 2 FN Gewehre in der Waffenkammer gestanden und demnach 2 Kaschis gefehlt. Dadurch muss das Ganze aufgeflogen sein.



Na klar das es dann auch gleich zwei FN Gewehre in der Waffenkammer gestanden sind ... bei zwei Zeitzeugen.
Hier isses nur eine Knispel, und hmm, wird als "Grenzerstory" bezeichnet ... www.panoramio.com/photo/11885776

Noch dazu ein FN vom Zoll - das war eher selten zu sehen.
Das Thema hatten wir doch schon ein paar mal.


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#164

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 18.08.2014 18:40
von damals wars | 12.149 Beiträge

Hatte die FN nicht auch 7,62?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#165

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 18.08.2014 19:52
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Dandelion im Beitrag #130
Und ich habe abgenommen. Das Essen war reichlich, mehr aber auch nicht: Bei den Beilagen gab es auf Wunsch einen Nachschlag, beim Fleisch natürlich nicht.

Besonders toll war es immer Donnerstags, dem Geländetag meiner Ausbildungskompanie: Wir hatten auch dieses dreiteilige Essgeschirr wie dieses hier: https://www.google.de/search?q=bw+essges...iw=1680&bih=891 und die beiden kleinen Schalen waren für Suppe und Dessert reserviert. Und dann versucht mal, ein in dem großen Teil hochkant stehendes Kotelett unfallfrei zu essen, während sich Kartoffeln, Sauce und Gemüse unten am Boden fröhlich vereinten.

Sehr abwechslungsreich war das Essen auch nicht, ich hatte das Gefühl, dass sich der Speiseplan alle zwei Wochen wiederholt. Einen guten Teil meines schmalen Wehrsolds habe ich deshalb für Restaurantbesuche ausgegeben.

Etwas erstaunt bin ich immer noch über das magere Angebot und die knappen Öffnungszeiten der "Verkaufseinrichtung": Unsere Kantine öffnete um 06:00 Uhr und Zapfenstreich war um 22:00 Uhr. Getränke aller Art, also Bier, Limo, Schnaps oder Milch etc. gab es in Flaschen zu kaufen, Bier und Erfrischungsgetränke wurden auch am Tresen frisch gezapft. Natürlich gab es auch Zigaretten und Süßigkeiten und ein kleines Speiseangebot hatten die auch: Belegte Brötchen, Currywurst mit Pommes, Bockwürste usw. Ausrüstungsgegenstände wie die beschriebenen gab es hingegen gar nicht.



Aber Hallo!
Bier + Schnaps gab es nicht für das gemeine Volk,erst ab Uffz..
Über das Essen brauchen wir uns glaube,nicht unterhalten,denn da gehen die Meinungen auseinander.
Gruß rei


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#166

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 18.08.2014 20:17
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #1
Mittlerweile geht es ja hier heiß her über Syrien, diese NSA und die Giftpilze.
So als alter Kantenlatscher vermisse ich etwas die Grenzer-Geschichten, nicht das Grenzer-Latein, kennen wir ja alle, nein so richtige ernste Themen die uns bewegt haben und noch bewegen.
Manche Aktentaschen erzählen uns es gab gar keinen Schießbefehl und dann glauben wir das auch noch weil wir es einfach eventuell nach 30 oder 40 Jahren vergessen haben, oder viele getrauen sich gar nicht auch mal was zu schreiben weil sie als einfache ältere Leute Angst vor den Reaktionen von schreiberfahrenen haben.
Ist doch unsere erlebte Geschichte, habt Mut und schreibt darüber
Nur mitlesende alte Grenzsoldaten können auch hier etwas schreiben und wenn es nur ist "Ich saß unter einem Baum und schaute in den Westen und das war schön".
Wäre doch schon was.

Gebe ich Dir völlig recht,das war unser Leben und unsere Geschichte,leider schreiben zu wenige ältere Grenzsoldaten ihre Erlebnisse im Grenzeralltag.Warum?wahrscheinlich,weil man zum Teil dumm angemacht wird im Forum.
Es sind doch nur ausgesuchte Leute an die Grenze gekommen,wo im Umfeld alles stimmte,oder nicht???
Wenn ich dann lese,ich hätte nicht geschossen usw.sehe dann aber die Bilder,Schützenschnur und Dienstgrade,da kommen mir aber Zweifel.
Warum können wir heute nicht ehrlich sein und sagen,damals haben wir dazu gestanden,so war unsere Erziehung.
Reden und erzählen können eigentlich nur die,welche am Kanten waren,der Rest,kann nachfragen und Antworten erhalten,aber immer in einer sachlichen Form.
Dann werden alte Grenzsoldaten nicht nur schreiben"Ich saß unter einen Baum usw.",sondern wirklich ihre Erlebnisse schreiben.
Danke rei


Hapedi, Hansteiner, Winch und stelli85 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#167

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 19.08.2014 10:47
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Zitat
Warum können wir heute nicht ehrlich sein und sagen,damals haben wir dazu gestanden



Danke für diesen Satz.

In einem anderen Fred (Vorstellung- Kurzbiographie von renkue) wurde der ehemalige User Vierkrung genannt, den habe ich persönlich kennen gelernt.

Vierkrug war und ist m.E. nach ehrlich, mehr oder weniger gebrauchte er die gleichen Worte. Nochmals Danke rei.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#168

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.08.2014 22:16
von Gelöschtes Mitglied
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Ich staune,das plötzlich so eine Stille hier eingetreten ist,bei diesen Thema.
Last doch mal Eure Kommentare raus.
Neben bei,MP. Tillich,Sachen,leistete seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen der DDR ab.
Gruß rei


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#169

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.08.2014 10:24
von Gelöschtes Mitglied
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Im Raum Straße Wanfried habe ich des öfteren den Betreuer der Jungrinder "sichern" müssen. Da ich selbst in der Landwirtschaft gearbeitet habe, kam mir das sehr gelegen. Er kam mit einem Traktor "Pionier" und brachte Tränkwasser und Kraftfutter auf die Weide. Einige male haben wir ihm beim Weidezaunbau geholfen. Er hat mehrfach zu mir gesagt: bei mir brauchst du nicht aufzupassen, wenn ich rüber wollte könnte mich keiner aufhalten. Ich kenne mich hier besser aus als ihr Grenzer. Ich war mir sicher, den hätte keiner erwischt wenn er gegangen wäre. Im Bereich Hildebrandshausen habe ich einmal bei der Grassilierung gesichert. Da stand ich nur am Tor des Signalzaunes und habe laufend die drei Traktoren welche das Gras vom Feld zur Siloanlage brachten raus und rein gelassen. Von "Sicherung" konnte da keine Rede sein. Den Hächsler habe ich nur gehört und das Feld konnte ich nicht einsehen. Normalerweise hätte ich bei jedem einlassen auf den Anhänger klettern müssen um nachzuschauen, dass sich keiner einschleicht. Solche Aktionen mit nur einem Postenpaar waren unverantwortlich. Nicht vorzustellen wenn die Traktoristen angegriffen oder gar entführt worden wären.
Ebenso unsicher waren die Weideflächen am Gut Keudelstein, da musste man schon Vertrauen zu den Betreuern haben.

Der Hesselfuchs


zuletzt bearbeitet 27.08.2014 10:51 | nach oben springen

#170

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.08.2014 12:37
von Hansteiner | 1.413 Beiträge

Genau so kenne ich das auch.
Ich kann diesen Sachverhalt nur 100% bestätigen !

VG H.



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#171

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.08.2014 22:21
von Gelöschtes Mitglied
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Noch beschissener war die Sicherung der Kiesgrube an der Werra. Das Gelände war unübersehbar. Ich war zum Glück nur einmal am Tag dort. Da habe ich die Arbeiter des Kieswerkes beim einlassen am GSZ Tor kontrolliert. Da keiner einen Passierschein und Ausweis mit hatte habe ich die ganze Truppe festgenommen und von der A- Gruppe aus Treffurt abholen lassen. Da ich das Verfahren auch für kommende Schichten angesagt habe, durfte ich nur noch Nachts oder am WE in das Gebiet. War mir auch lieber, da hatte ich mehr Ruhe und kleineres Risiko.

Der Hesselfuchs


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#172

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 30.08.2014 21:26
von Gelöschtes Mitglied
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Neben bei,MP. Tillich,Sachen,leistete seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen der DDR ab.
Gruß rei[/quote]

Da sieht man mal zu was die Grenzausbildung alles genützt hat. Für bestimmte Funktionen muss man den entsprechenden Charakter haben. Wer den hat kann bestimmte Funktionen in allen Gesellschaftsordnungen einnehmen.

Der Hesselfuchs


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#173

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 11.09.2014 00:29
von Gelöschtes Mitglied
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Heute lass ich hier mal eine mir unbekannte? Person erzählen,denke es passt hier her.
Übrigens diente diese auch kurz in Riebau.
Eigentlich erzählt und bestätigt der Schreiber alles,was ich hier auch schon von meiner Zeit in Riebau niederschrieb.
Ob es der "Putz" der EK's ist, die Thermosflaschen, ja ,sogar von den Zelten schreibt er,da unsere Kompanie renoviert wurde.(Heizung)
Er schreibt auch von unserem "durstigen" Spieß,von der Minenräumung in diesem Zeitraum usw.
Eigentlich müsste ich ihn kennen.......
Vielleicht war es ja auch der Jahrgang meiner EK's,also ein 39iger Abgang?

Schade,dass er hier nicht schreibt.


Erinnerungen an meine Armeezeit

Teil 1
Erlebt und erzählt von Jörg Sauer

"Hay an alle Hochseefischer u. Gäste,


die Lehre begann für mich am 01.09.1974 in Rostock das erste es ging für eine Woche ins GST-Lager kennt bestimmt jeder von uns ausser die Brüder von der anderen Seite. Und da man ja Seemann werden wollte, wurde in diesem GST-Lager schon mal darauf gesetzt mit 99% Längerdienenden das Lager zu beenden.

So was tun, unsere Truppe entschied sich erst einmal alle für 4 Jahre zu plädieren, denn Volksmarine gab es ja nur 4 Jahre oder länger und man wollte ja Seemann sein und kein Sandlatscher oder Mucker oder so etwas.

Jetzt hatten wir auch erst einmal unsere Ruhe und die Chefs waren zu frieden. Aber das dicke Ende kommt ja erst noch,nämlich am Musterungstag in Rostock, mitlerweilen waren wir alle schon zur See gefahrenen im Kopf etwas Reifer geworden u.s.w. Jetzt wollte keiner mehr 4 Jahre machen - nur für Hungerlohn,denn Geld waren wir auch schon gewöhnt, da gab es ein riesen Trara in Wehrkreiskommando, man könne doch nicht alle auf See schicken ,also machen wir auch keine 4 Jahre.

Nun ich selbst war schon verheiratet, da kam der Hammer mit 24 Jahren ab an den Kanten, aber zuerst nach Glöwen, 6 Monate Grundausbildung."

Hier komplett: http://home.arcor.de/vogelbriefmarken/Re...uer/armee-1.htm

Teil 2

".... irgendwie ging dann auch das halbe Jahr Grundausbildung in Glöwen rum und wir wurden aufgeteilt in die Grenz-Regimenter (GR).

Ich wurde dem GR 24 zugeteilt. Das war in Salzwedel. Also ging es nach Salzwedel. Von dort wieder aufgeteilt in die Grenz-Kompanie. Ich gehörte nun zur Truppe, die nach Riebau kam, der Sackiebau gleich vor der Kompanie, ansonsten haben sich hier Fuchs und Hase gute Nacht gesagt.
Die neuen "E;s" erwarteten uns schon. Da ich ja meine Gusche wieder nicht halten konnte, fragte ich dann die E-Kandidaten, ob ich mit ihnen oder sie mit mir auf Wache gehen? Allgemeine Unsicherheit machte sich breit.

Dann kam der Hammer, unser Bau wurde gerade renoviert, also mussten wir alle ins Zelt ziehen und das im April und der Hauptfeld, ein Fähnrich war ständig voll. Wo bin ich hier nur hin geraten waren meine Gedanken."

Hier wieder alles lesen: http://home.arcor.de/vogelbriefmarken/Re...uer/armee-2.htm

Gruß ek40


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#174

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 25.10.2014 11:25
von ABV | 4.202 Beiträge

Der letzte Abend vor der Einberufung

Dienstag der 01. November 1983. Mein letzer Tag in Freiheit. Inzwischen liegen sämtliche notwendigen Erledigungen hinter mir. Heute Vomittag hatte ich meinen Personalausweis im VPKA Seelow abgegeben. Lächelnd wünschte mir die nette blonde Volkspolizistin " Viel Glück bei der Fahne." Glück würde ich wohl gebrauchen können. Morgen um die Zeit würde ich bereits um Zug sitzen. Der mich und andere nach Oranienburg bringen wird. Wo ich mich bis 14.00 Uhr im Grenzausbildungsregiment melden soll. Ich gehe noch ein Stück durch Seelow. Steuere den kleinen Buchladen in der Frankfurter Straße an. Will mir noch ein gutes Buch kaufen. Falls es an den Abenden in der Kaserne zu langweilig ist. Wenige Tage später muss ich über meine eigene Naivität lachen. Langeweile und Kasernenleben sind zwei nicht zueinander passende Schuhe. Zumindest im ersten Diensthalbjahr.
Gegen Abend wächst die innere Anspannung, die langsam in bange Beklemmung umschlägt, immer mehr. Gegen 18:00 Uhr bekomme ich noch einmal Besuch von einem Kumpel. Der bis vor einem Jahr als Unteroffizier bei den Grenztruppen in Berlin diente. Ich löchere ihn mit Fragen. Die er mit der typischen Lässigkeit des " wissenden Altgedienten" beantwort. Viel entnehmen kann ich dem Gesagten ohnehin nicht. Ohnehin erlebt jeder die Armeezeit völlig unterschiedlich. Nur eine Erfahrung scheint überall gleich zu sein. "die schlechten Zeiten in denen man mit der Schnauze im Dreck lag, die sind schnell vergessen. Übrig bleiben jedoch eine Menge schöner Erinnerungen". Davon trennten mich jedoch an jenem Abend gefühlte Lichtjahre.
Gegen 19:30 Uhr verabschiedet sich der Kumpel. Nicht ohne mir, wie zu vor schon die Volkspolizistin und die Kollegen auf meiner Arbeitsstelle, " Glück zu wünschen".
Warum wünscht mir eigentlich jeder Glück? Mensch, ich ziehe doch nicht in den Krieg. Gegen 20:00 Uhr zihe ich mich in mein Zimmer zurück. Mir steht einfach nicht der Sinn nach einem gemeinsamen Fernsehabend mit meinen Eltern.
Das kleine Zimmer unter dem Dach unseres Hauses ist für mich ein Refugium. Rückzugsort aus dem nicht immer leichten Alltag eines neunzehnjährigen DDR-Bürgers. Ich ahne noch nicht einmal, wie sehr ich dieses paar Quadratmeter uneingeschränkter Privatheit in den nächsten achtzehn Monaten vermissen werde.
Ich nehme in dem abgeschabten uralten Sessel, der vor einem runden Tisch steht, Platz. An den Wänden hängen Poster von Musikgruppen. Aus der Zeitschrift " Melodie & Rhytmus". "Phudys", " Rubettes", " Bay City Rollers", " Karat". Unereichbar ferne Idole. Aus dem Kassettenrekorder dudelt Musik. Nino de Angelo wähnt sich " Jenseits von Eden". Dort wäre ich auch gern. Weit weg von dem unaufhaltsam näher rückenden Wehrdienst.
Rauchend und Biertrinkend versuche ich meine widerstrebenden Gefühle in den Griff zu bekommen. Angst vor dem als bedrohlich empfundenen Unbekannten versus Neugierde und Abenteuerlust.
Das Bier verfehlt seine beruhigende Wirkung. Dabei habe ich schon fünf Flaschen getrunken! In dem gläsernen Aschenbecher türmen sich die Kippen. Ich stecke mir eine neue " Cabinet" an. Du solltest weniger rauchen, alter Junge, rät mir eine innere Stimme. Schließlich würden demnächst körperliche Höchstleistungen von mir verlangt werden.
Ich wechsele die Kassette im Sternrekorder. Ein unlängst zufällig mitgeschnittenes Lied der Kölner Gruppe " Bläck Föss" muntert mich auf: " Am Arsch der Welt". In Gedanken singe ich den schmissigen Text mit. Obwohl ich den Kölner Dialekt kaum verstehe. Immerhin weiß ich, dass es in diesem Lied um einen Soldaten geht. Der seine Angehörigen um Geld und Zigaretten bittet. Zur Rettung! Dazwischen immer wieder das gequetsche Gebrüll eines imaginären Ausbilders.
Wieder und wieder spule ich das Band zuück. Dieses Lied wird mein persönlicher Begleiter werden. Wenn auch nur im Geiste. " De Bläck Föss" haben in einer Grenztruppenkaserne nichts zu suchen.
Mittlerweile ist es Mitternacht geworden. 00:00 Uhr. Der neue Tag ist angebrochen. Ich kann einfach keinen Schlaf finden. Laut Wehrdienstgesetz bin ich nun Angehörige der Grenztruppen. Albernerweise schaue ich an mir herab. So als würde ich irgendwelche schlagartigen Veränderungen vermuten.
Noch immer will sich eine Müdigkeit einstellen. Inzwischen hat Freddy Quinn die Jungs aus Köln abgelöst. " Hundert Mann und ein Befehl", sorgen für die richtige Motivation.
Gegen 02:00 Uhr trete ich ans Fenster. Um den rauchgeschwängerten Mief gegen frische, nasskalte Oderbruchluft auszutauschen. Lichter schimmern in der Ferne. Ganz weit weg rattert ein Zug durch die Nacht. Ein Nachtvogel schwirrt vorbei. In diesem Moment wird mir so richtig bewusst, wie sehr ich die weiten Ebenen des Oderlandes liebe. Wann werde ich sie wohl wiedersehen? Am kommenden Samstag werden meine Kumpels wie an jedem Samstag in der Letschiner Dorfdisco sitzen. Sie haben versprochen, an mich zu denken. Wirklich? Oder werde ich bald vergessen sein?
Vor allem jedoch: was werde ich am kommenden Samstag tun?
Ich schließe das Fenster. Lege mich endlich ins Bett. Finde noch immer keinen Schlaf. Die Bier und Zigarettenvorräte geen zur Neige. Jedoch leider nicht die quälend bohrenden Gedanken in meinem Kopf.
Gegen 04:00 Uhr verfalle ich in einen unruhigen Halbschlaf. Zwei Stunden später werde ich geweckt. Ich fühle mich elend. Schlapp, geradezu erschlagen. Das Frühstück schmeckt wie Pappe. Obwohl meine Mutter extra frische Brötchen und Aufschnitt besorgt hat.
Um 08:00 Uhr bringen mich meine Eltern nach Strausberg. Zum Bahnhof Vorstadt. An der Bushaltestelle. Wo sich laut dem Willen des Wehrkreiskommandos die nach Oranienburg "verbannten Krieger" zu sammeln hatten. Anschließend ging es in Begleitung eines freundlichen Zivilisten weiter bis zum Zielort.
13.30 Uhr: wir stehen rauchend vor dem Eingang der Kaserne. Noch verbleiben uns dreißig Minuten kostbarer Freiheit. Denken wir! Zwei die Zivilistenhorde passierende Offiziere sehen das offenbar völlig anders. Brüllend scheuchen sie die erschrockenen jungen Männer hinter das Tor. Das die Kaserne von der Freiheit trennt.
Vor mir liegen achtzehn harte, aber auch unvergessliche Monate. An deren Ende nichts mehr so war, wie früher.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


andyman, 94 und Commander haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.10.2014 11:53 | nach oben springen

#175

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 26.10.2014 09:15
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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13.30 Uhr: wir stehen rauchend vor dem Eingang der Kaserne.

Da warst du ja noch ein richtiger Glückspilz
Die Übergabe meines Körpers, den Kopf hast du ja erst mal nicht mehr gebraucht, erfolgte durch mich selbst um 6 Uhr im WKK an die Arbeiter u. Bauernstreitmacht und von dort ging das "Juppentreiben" mit der Reichsbahn los, kein Tabak mehr bis in die Nacht, nur Laufschritt und Gebrülle wenn du aus den Zügen rausgetrieben wurdest.
In Leipzig war extra ein Umsteigebereich abgesperrt, angesichts des Schauspiels schüttelten etliche zivile Reisende mit dem Kopf, Umsteigen ist gut, Brüll- u. Rennebereich trifft es besser.
Das sich die NVA öffentlich so präsentierte war ja eigentlich beschämend für die NVA, aber das war ihr wohl vermutlich egal und du hast sofort realisiert "Willkommen im Club".
Ich schmunzel immer wenn ich ab und an den Begriff "Bürger in Uniform" von den West-Kollegen lese, wir waren am Anfang eigentlich nichts weiter als der letzte Dreck unterm "sozialistischen" Fingernagel der dann 6 Monate ausgiebig zum Soldat geformt wurde.
Gut das man erst mal das schöne Büchlein in die Hand gedrückt bekam, da konntest du wenigstens schon mal über den Sinn der Maßnahme nachlesen


ABV und andyman haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.10.2014 09:35 | nach oben springen

#176

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 26.10.2014 23:35
von rotrang (gelöscht)
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[b]Anfrage Grund: Suche nach einer geheimnisvollen Fregatte
Typ: Elisabeth (Tarnkappen Fregatte)
Zielgebiet: Nördlich Berlins-Landesgrenze Mac Pom
Ausgangsort der Zielsuche: Elbe
Koordinaten: XY
Hergang der Suche.
Nach einer 1 stündigen Fahrt mit einem Gedeckt operierenden Fahrzeug kamen wir dem Ziel nahe. Ein Knackpunkt war das Überqueren des TÜP
bei Wittstock.Da mit einer Luftaufklärung durch Drohnen in diesem Gebiet zu rechnen war, wurde beschlossen die Weiterfahrt durch ein Waldstück fortzusetzen, was nicht Einsehbar war. Nach weiteren 30 Minuten Autofahrt wurde das Ziel wahr genommen. Eine Marina bei Rheinsberg erbrachte den Beweis, hier lag sie nun die Fregatte gut getarnt und vertäut ,vor Anker. Die nächste Aufgabe war es die Besatzung und Bewaffnung heraus zu finden. Bei vorsichtiger Annäherung war 1 Besatzungsmitglied an Bord, welches Ruhig und Selbstbewusst eine Raucherpause machte. Wir gaben uns zu Erkennen und wurden von den Skipper an Bord gelassen mit der Aufforderung.,, Saubere Sohlen ´´zu haben. Nach einem Plausch mit Kaffee bekamen wir die Information weswegen wir hier sind. Eine Fahrt auf dem See hatte die Fregatte mit Note 1 bestanden, da unsere Zeit arg bemessen war traten wir die Heimreise an, um von unserer FÜST von der erfolgreichen Arbeit zu berichten. Zu allem Verdruss konnten Mitglieder eines Forums diese Nachricht abfangen denen ist auch nichts Heilig.
Der Schreiber dieser Geschichte stempelt das ganze als Wahr ab. ]


Altmark01 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.10.2014 09:32 | nach oben springen

#177

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 24.11.2014 21:03
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Hat nicht mal wieder einer eine schöne Grenzer-Geschichte auf Lager, von mir aus auch mit "Grenzerlatein" vom feinsten
Das ganze Moralgeschwurbel was in letzter Zeit ausgewalzt wird bis auf's letzte hängt einem ja wirklich langsam zum Hals raus


exgakl hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.11.2014 21:05 | nach oben springen

#178

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 24.11.2014 21:12
von FRITZE (gelöscht)
avatar

Ach ,hätte ich schon ,aber neuerdings wird hier zu viel zerschreddert !


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#179

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 24.11.2014 21:16
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Habe noch einiges auf Lager,aber warum,soll ich es hier schreiben,es kommen doch so wie so,dumme Kommentare.
Gruß Rei


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#180

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 24.11.2014 21:23
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Genau so ist es ,Rainer, schreibt man was in der Richtung, dann kommt von einer Seite, nicht von jeder Seite, gegen Sprüche oder es wird als Märchenstunde abgekanzelt! Kennt man ja nun zu genüge, das besser Wissen, der lang gedienten Genossen!
Grüsse steffen52


zuletzt bearbeitet 24.11.2014 21:24 | nach oben springen


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