#241

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 26.10.2015 20:06
von Rainer-Maria Rohloff | 1.374 Beiträge

Auch ne schöne Geschichte. Ich nenne sie : "Freier Fall rückwärts" von Rainer-Maria Rohloff

Der Rainer so als Gefreiter Objektwache im Stab N. Ich gebe ehrlich zu, nach Laufen war mir nicht, auch wurde geflüstert, mit Kontrolle durch den UvD ist es nicht so, der würde wohl selber schlafen. Gut, dachte ich, dann drehst du noch eine ausgedehnte Runde am Sportplatz vorbei, dann ums Stabsgebäude herum und dann suchst du dir ein ruhiges Plätzchen am Fuhrpark, auf einem W50LA/A, hinten unterm Spriegel.

Das machten die Anderen auch bloß, so hörte man es zumindest im Buschfunk. Denn wer sollte denn hier kommen, so einen Kilometer vom GSZaun entfernt, also in N. sagten sich doch Hund und Katze, gar die Füchse Gute Nacht und selbst die Dorfbewohner, die sahst du so gut wie garnicht, die müssen Alle in Boizenburg im Fliesenwerk gearbeitet haben, und zwar im Schichtbetrieb.

Die Beleuchtung selber, vom Objekt miserabel bis fast gar nicht vorhanden. Das war richtig gruselig, hatte aber einen guten Grund, denn irgend eine Elektrofirma verlegte gerade neue Zuleitungen. Nur, ich muss das irgendwie vergessen haben, wohl vor lauter der täglichen Liebesbriefe an meine Schöne. Ich stehe so in der Dunkelheit am Gebäude, mache doch einen Schritt rückwärts und ....polter,freier Fall, Schmerz wie Sau falle ich doch in so einen verdammten offenen Kabelgraben. Das waren gut einen Meter, und das mit Waffe auf der Schulter!

Das tat vielleicht weh sage ich Euch und als ich hier mal von die vielen tragischen Unfälle im Grenzdienst gelesen habe kann ich heute nur sagen, du hast mächtiges Schwein gehabt Rainer Jungmann denn ob die Waffe entsichert war weiß ich echt nicht mehr, die hätte ja auch los gehen können, und zwar mir in den Hinterkopf. Das wäre dann so wie :"Ade du Schöne, ich mag mir gar nicht ausmahlen, was meine Frau dann ausgestanden hätte und was gar in der Todesnachricht gestanden hätte, etwa Er gab sein Leben für Frieden und Sozialismus und das in der Objektwache"

Rainer-Maria und bitte nicht lachen, ich weiß, viele verstehen da keinen Humor, aber es ist passiert



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#242

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.10.2015 10:03
von Fritze | 3.474 Beiträge

Teil II Die Angst und die Dunkelheit

Hinter dem kleinem Dorfladen stand eine Bank ,welche gern von den Grenzposten genutzt wurde . Allerdings hatte man keinen Blick auf die Dorfstrasse oder den Kolonnenweg . Aber das Buckelpflaster welches sich durch das ganze Dorf zog machte eine lautlose Annäherung kaum möglich .Der Uffz. setzte sich und lud auch den Soldat mit einer Handbewegung ein . Dieser zog sein Lufti aus der Tasche ,denn er wollte sich nicht auf die kalte Bank setzen . Der Uffz. murrte unwirsch ,:"Nee lohnt nicht ,nur schnell neue Batterie in die Funzel machen !"
Dabei zog er seine Taschenlampe aus der Magazintasche und klappte sie auf .Nachdem er die Flachbatterie gewechselt hatte ,probiert er die Lampe aus . Zufrieden nahm der den hellen Schein an der gegenüberliegenden Hauswand wahr .
"Na dann wolln wir mal ! " sagte er zu seinem Posten .
Der zog sich die Jacke unter dem Koppel und dem Tragegestell glatt und hing sich die Kaschie wieder um .
Zuerst gingen sie in die benachbarte Remise ,welche voller gehacktem Brennholz ,alten landwirtschaftlichen Geräten und allerlei Gerümpel war.
Der Uffz. liess den Lichtkegel seiner Taschenlampe über die Gerätschaften gleiten ,verharrte einige Male und ging danach in den leeren Stall , welcher sich im Anschluss an die grosse Remise zog .Die Tür hing schief und halboffen in den Angeln ,so das sie durchschlüpfen konnten.
Im Inneren fast der selbe Anblick wie in der Remise . Überall Gerümpel und alte verstaubte Gerätschaften . Spinnweben hingen von der niedrigen Decke und der Soldat wedelte mit einem Lattenstück vor sich ,damit er die verstaubten Spinnweben nicht ins Gesicht bekam.
Auch hier liessen sie die Lichtkegel ihrer Lampen unabhängig voneinander durch den Raum gleiten. In einer Ecke leuchteten zwei grüne Augen und ein unwirsches Fauchen liess auf eine Katze schliessen ,die sich bestimmt in ihrem Refugium gestört sah .
Der Uffz. stiess mit dem Fuss gegen ein Zaunfeld ,welches schräg an einem Pfeiler lehnte . Dieses fiel poltern um und die Katze verschwand mit einem grossen Satz aus dem hinteren glaslosem Fenster.
Der Soldat bemerkte : "In diese versiffte und oberstaubige Bude wird sich niemand verkriechen ! "
Der Uffz. seufzte : "Ist ja leider nicht die einzige Gelegenheit sich zu verstecken ! "
Mit Grausen dachte er an das gut halbe Dutzend von Gebäuden ,welche noch zu kontrollieren waren . Dabei war dieser alte Stall noch übersichtlich und durch den einzigen Zugang gut zu kontrollieren.
Im nächsten Objekt ,einem altem grossen Haus ,niederdeutscher Bauart war die Sache schon ganz anders !
Zuerst gingen sie durch alle Räume im Erdgeschoss und danach die knarrende Holztreppe ins Dachgeschoss . hinauf .
Mit einem ungutem Gefühl leuchte der Uffz. auf die Stufen . Hier war schon einige Zeit niemand gewesen ,denn ein gleichmässiger Staubfilm mit nur wenigen Pfötchenspuren ,der Soldat vermutete die allgegenwärtigen Katzen ,bedeckte die Eichenbohlen .
Der Dachboden war bis auf einige Putzbrocken ,welche wohl vom Schornstein abgefallen waren , leer .
Hier waren die Giebelfenster noch heil und ein schwacher Widerschein spiegelte sich in den verstaubten Scheiben .
Auf dem Weg die Treppe hinunter bemerkte der Soldat : " Mann wieder diese hohle Aktion !Warum werden die Buden nicht ordentlich verrammelt ,dann kann sich auch niemand verstecken ? "
Der junge Uffz.seufzte nur und wusste auch keine Antwort auf diese durchaus berechtigte Frage .
Im nächsten Gebäuden ,welches wohl das größte leerstehende Objekt war , gestaltete sich die Sache mit der Kontrolle wesentlich schwieriger .
Sämtliche Fenster im Erdgeschoss fehlten und keine Tür liess sich mehr schliessen.
Der Soldat schätzte,daß dieser Kotten schon mindestens 15 Jahre verlassen war . Der Giebelraum zur Westseite war spannenhoch mit hereingewehten raschlendem Laub bedeckt .Als sie ihn ausleuchteten flatterten einige Spatzen umher .
Im Dachgeschoss standen uralte Möbel und Kisten . Einige waren so gross ,daß sich ohne Probleme jemand drin verstecken könnte .
Der Soldat ging auf die nächste Kiste zu ,stemmte den Deckel hoch und verzog angewidert sein Gesicht . Ein dumpfer Geruch nach verschimmeltem Getreide stieg auf .
Der Uffz, sagte :"Wir brauchen nicht alle Kisten öffnen ! Beim letzten Mal hab ich überall kleine Holzstückchen eingeklemmt ,sodaß sie direkt runterfallen ,wenn sich da jemand zu schaffen macht ! "
Sieh mal an ,dachte der Soldat , deine Angst verleiht dir sogar brauchbare Ideen !
Der Uffz. verschwieg natürlich ,daß ihm ein altgedienter Gakl auf diese Idee gebracht hatte . Den hätte er gern bei diesen Kontrollen der Unterschlupfmöglichkeiten immer dabei . Dessen sicheres und bedächtiges Auftreten hatten ihm immer geholfen seine Angst wenigstens zu verdrängen .
Nach gut anderthalb Stunden waren sie mit der Kontrolle fertig und strebten schnellen Schrittes zum Dorfausgang in Richtung Hauptstrasse .
Der Soldat schmunzelte in sich hinein , bemerkte er doch durch das mit einmal aufgekratzte Verhalten des Uffz. ,wie froh dieser war die alten Gebäude hinter sich zu lassen .
Mittlerweile hatten sich auch die meisten Wolken verzogen und eine scharfe Mondsichel stand tief im Westen .
Der Wind hatte aufgefrischt und fuhr klappernd in die kahlen Bäume und Hecken am Wegesrand . Als sie die Strassenkreuzung erreicht hatten , meldete sich der Uffz. über GMN beim Führenden und meldete die Kontrolle USM o. B. ab .
"Naja das geht ja ! "liess er beim herausziehen des Steckers hören . Der Soldat blickte fragend .
"Wir operieren die restliche Zeit hier auf der Strasse zurück zur Kompanie und melden dort ab . " Der Soldat blickte auf das Leuchtzifferblatt seiner Armbanduhr , kniff die Lippen zusammen und sagte : "Dann noch knapp drei Stunden ! Das wird aber langweilig ! "
Der Uffz. entgegnete : "Besser als in diesem unübersichtlichem Nest ! Hier sieht man doch ,wenn jemand kommt und um diese Zeit sind auch kaum Fahrzeuge zu erwarten ! "
An einer Kurve machten sie sich es auf einer Rasensode bequem und holten ihre Thermoskannen heraus .Ein Duft von würzigem Tee war kurzfristig zu vernehmen , bevor der Wind ihn fortblies .
Der Soldat ging zwar nicht gern mit dem Uffz. in Grenzdienst ,weil er ihn als absoluten Feigling einschätzte ,aber wenigsten war das nicht so eine Plaudertasche und Qualmbacke wie der Quak ,mit welchem er seiner Meinung viel zu oft los musste .
Gegen 03.30 machten sie sich auf die letzten 1,5km zurück zur Kompanie . Sie hatten wirklich das Glück ,daß kein Fahrzeug auf der Landstrasse kam und sie so unbehelligt ins Objekt kamen . Der Uffz. telefonierte von der Wachbutze aus mit dem Führenden und danach gaben sie ihre Waffen ab.
Auf dem Weg in die Zimmer war der Uffz, mächtig gelöst und der Soldat dachte ,daß der wohl sehr froh war , im Objekt zu sein.
Als sie dann in Unterwäsche im Waschraum standen ,lugte der Soldat verstohlen auf die Hinterseite des Uffz.
Aber er konnte nichts entdecken und dachte , biste mal wieder um den Kupferbolzen herum gekommen .

Ende

VG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#243

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.10.2015 11:29
von GKUS64 | 1.611 Beiträge

Hallo @Fritze,

eigentlich hast du aus einem relativ normal ablaufenden Grenzdienst eine spannende Geschichte geschrieben. Ich erwartete immer noch die große Aktion, es blieb aber bei der nächtlichen „Grenzerromantik“. Ich bin wirklich beeindruckt, wie du aus fast nebensächlichen Abläufen durch eine detaillierte, gefühlvolle und fast poetische Erzählweise eine Spannung erzeugst.
Danke.

MfG

GKUS64


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#244

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.10.2015 14:03
von IM Kressin | 918 Beiträge

Frühjahr 1987, Mitte April, führten wir die alljährliche Prüfung unseres Zoll-Bootes inclusive Zubehörteile und Funktionsfähigkeit mit einer sich anschließenden Bootstour durch.

Die Fahrt führte uns vom Bootshaus in östliche Richtung über die Rethwiese nach Süden, parallel zum Werder Groß Zecher, vorbei an das schon im Frühjahr dicht bewachsene Westufer des Kampen Werder. Maschine Technik, Echolot funzten.

Das anfängliche, sonnige Wetter wurde auf dem Rückweg begleitet von einem ablandigen Südwestwind.
Nach durchqueren der Enge zwischen Werder Gr-Zecher und Rethwiese erfaßte eine Windböe unser mit dem cw-Wert einer Schrankwand aussgestattetes Boot und drängte, abseits vom Fahrwasser, gefährlich nah an die Rethwiese. Die an Land errichteten, dreieckigen Seezeichen, waren dem Blickfeld entschwunden, die roten Bälle und Stöcke der im flachen Wasser befindlichen Netze nahebei.

Das Aufstoppen und Auskuppeln des Bootes wurde im selben Augenblick begleitet vom Warnton des Echolots, einem knirschenden
Geräusch des Unterbodens sowie dem metallischen Klang der Schrauben.

Nach Öffnen der Abdeckung sah ich mit Erschrecken das im sonst trockenen Motorraum befindliche Wasser. Nun war guter Rat teuer!
Die Sichtung und weitere Begutachtung ergab indessen keine Beschädigung der Außenwand oder des Unterbaus.
Durch das plötzliche Aufstoppen und der hiermit erzeugten Welle gelangte Wasser durch die Lenzklappen zurück in das Bootsinnere.
Die elektrische, nun von mir erstmalig betriebene Lenzpume befreite uns vom Wasser im Motorraum.

Der Zustand von Antrieb und Schrauben war nicht sichtbar, das Boot war aufgelaufen und saß fest. Einen Motorstart wollte ich wegen
des steinigen Untergrundes nicht riskieren.

Wir beschlossen, mit Muskelkraft und der an Bord befindlichen Holzpaddel uns von dem festen Untergrund wegzustemmen und
begaben uns auf den Bug.

Die Bewegungen zum Freilegen des Bootes, Aufsetzen der Holzpaddel und Wegdrücken vom Untergrund, sollten im selben Augenblick
erfolgen. Mit dem Kommando: „ Zuuuuuuuh gleich,
Zuuuuuuuh gleich, gelang die anfänglich nur zentimeterweise Fortbewegung, weg von der Untiefe.

Froh, das „Riff“ verlassen zu können, war ich einen Moment lang unkonzentriert. Der folgende Abstoß ging ins Leere, ich verlor
das Gleichgewicht und fiel in voller Montur, mit Winterpullover und Kapuzenjacke in das im April noch recht kühle Gewässer des
Schaalsees. Mein Kollege brauchte gefühlte 10 Minuten, in der Praxis aber wohl nur eine Minute, um das Geschehen zu erfassen.

Mit breitem Grinsen zog er mich aus dem Wasser. Bis auf die Knochen blamiert, geladen mit Adrenalin, versorgt mit dem
gespielten Ernst, Ironie und Spitzfindigkeiten meines Kollegen startete ich den Motor zur Fahrt in Richtung Heimathafen.

Die Begutachtung des Antriebs im Bootshaus ergab, dass die Propelleraußenseite verbogen, aber nicht gerissen und somit nur
leicht beschädigt war. Die Antriebswelle war nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Der fachlich versierte,
aufsichtführende Beamte der Grenzaufsichtsstelle hatte sein Handwerk als Zeitsoldat bei der Bundesmarine gelernt.

Er tauschte den Schraubensatz, die beschädigten Schrauben konnten aufgearbeitet und wieder verwendet werden.
Vorsatz, grobe Fahrlässigkeit, Fahrlässigkeit oder leichtfertigendes Handeln lagen der dienstlichen Tätigkeit nicht zu Grunde.
Ich kam mit verletzter Eitelkeit und einem sprichwörtlichen, blauen Auge davon.

Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
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#245

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.10.2015 15:54
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Fritze, wie immer, eine tolle Geschichte. Danke.

Kressin, Deine ist nicht minder schlechter, anders halt. Auch Dir danke.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#246

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 27.10.2015 23:59
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Wir hatten einen Militärkraftfahrer in der Kompanie, den wir aufgrund seiner Affinität zu Malheuren Kamikaze nannten. Er fuhr einen P3.
Wenn sich Kamikaze hinters Steuer klemmte und loskarrte, hörte sich das seltsam an. Das Fahrzeug machte einen hochtourigen Lärm als ob es jeden Rennboliden abhängen sollte. Dabei schlich das Kfz. vor sich hin wie eine schleimlose Schnecke auf Sandpapier, wobei der Chauffeur sich angestrengt am Lenkrad festkrallte und sein Antlitz nahezu an die Frontscheibe des Gefährts drückte.
Es war nur eine Frage der Zeit bis irgendetwas passierte und so rumpelte es eines Tages. Kamikaze verursachte einen Auffahrunfall mit einem anderen Fahrzeug unserer Kompanie.
Es gab einen Verweis, der Kompaniechef war sauer und ein Klumpen so einer Art Spachtelmasse sowie einiges an Farbe kamen zum Einsatz, um die Karosseriebeulen zu kaschieren.
Da war was los in der Autowerkstatt.
… obwohl, dort war eigentlich immer was los, weil die Kutscher stets und ständig damit beschäftigt wurden Autos und Kräder auseinander und wieder zusammen zu bauen – die armen Schweine konnten einem leid tun, wenn sie zur Fahrzeugwartung antanzen mussten.
Was dabei das Anbringen der Räder anging, so war Kamikaze etwas schusselig veranlagt.
Eines Tages kutschierte er seinen mit Grenzern beladenen P3 zum Dienst und musste ein Postenpaar an einer vorgesehenen Stelle absetzen.
Kaum dass das Automobil hielt, sackte es beim Öffnen der Hintertür seitlich nach hinten ab, weil eins der Hinterräder sich gelöst hatte und wie ein Häufchen Unglück auf der Straße zu liegen kam – auweia!
Man kann sich vorstellen, dass jetzt in verbaler Hinsicht der Zoo Ausgang hatte und mit weiteren Schimpfworten nicht gegeizt wurde.
Allerdings war dies nicht der letzte Fall von "Rad ab".
Unser Kamikaze wurde weiterhin als Fahrer im Kantendienst eingesetzt und so begab es sich, dass er einst mit Aufzugsende ein paar Leutchen einsammeln musste bevor es in Richtung Grenzkompanie ging. Nachdem die Posten zugestiegen waren, ging es noch ein gutes Stück auf Spurenplatten des Kolonnenwegs bergab – so weit, so gut.
Aber plötzlich eierte das Fahrzeug ziemlich hin und her und die Insassen mussten feststellen, dass eins der Vorderräder in Richtung Sechsmeterkontrollstreifen selbstständig davonrollte.
Spätestens nach diesem Geschehnis hätte man glauben sollen, dass man den Kamikaze aus dem Verkehr gezogen hätte, doch weit gefehlt, der Mann war bis zum Schluss unserer Dienstzeit als Fahrzeugführer eingesetzt.
Kamikaze konnte schon ein sonderbarer Kerl sein. Mitten in der Nacht wollte er mal putzmunter und laut hantierend seinen P3 starten, weil angeblich die Alarmgruppe zum Einsatz musste, obwohl dem nicht so war.
Ein anderes Mal musste er mit der Alarmgruppe begründet nachts raus an den Kanten und ich als GUvD kriegte den Typen nur schwerlich aus seinem Tiefschlaf.
Ich plärrte ihn an und tätschelte ihm gewaltig die Wangen. Hätte ich das bloß nicht getan, denn der Typ hatte sich eine gewaltige Portion Florena-Creme in die Larve geschmiert, die einem Angst machen konnte und sich nun erstmal auf meine Pfoten übertrug, bevor ich ihn endlich aus dem Nest zerren konnte.

Aus heutiger Sicht mögen das viele als absurd abtun und darüber lachen oder den Kopf schütteln – besonders die, die nie an einer richtigen Grenze oder sonst wo ernsthaft Wehrdienst geleistet haben.
Aber damals waren wir junge Burschen (die allermeisten von uns waren zum ersten Mal im Leben wirklich von Mutti und Vati weg), die mental ziemlich überfordert waren und oft kaum wussten, wo ihnen vor lauter Vorschriften, Befehlsgehabe usw. der Kopf zu stehen hatte.
Hinzu kam der täglich wechselnde Früh-Spät-Nacht-Stress, der nicht wenige meschugge machte und das Seinige tat, um uns Jungspunde zu zermürben.

… da konnte man schon zum kamikazehaften Nervenbündel werden.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#247

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 28.10.2015 00:08
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von HG19801 im Beitrag #246
Wir hatten einen Militärkraftfahrer in der Kompanie, den wir aufgrund seiner Affinität zu Malheuren Kamikaze nannten. Er fuhr einen P3.
Wenn sich Kamikaze hinters Steuer klemmte und loskarrte, hörte sich das seltsam an. Das Fahrzeug machte einen hochtourigen Lärm als ob es jeden Rennboliden abhängen sollte. Dabei schlich das Kfz. vor sich hin wie eine schleimlose Schnecke auf Sandpapier, wobei der Chauffeur sich angestrengt am Lenkrad festkrallte und sein Antlitz nahezu an die Frontscheibe des Gefährts drückte.
Es war nur eine Frage der Zeit bis irgendetwas passierte und so rumpelte es eines Tages. Kamikaze verursachte einen Auffahrunfall mit einem anderen Fahrzeug unserer Kompanie.
Es gab einen Verweis, der Kompaniechef war sauer und ein Klumpen so einer Art Spachtelmasse sowie einiges an Farbe kamen zum Einsatz, um die Karosseriebeulen zu kaschieren.
Da war was los in der Autowerkstatt.
… obwohl, dort war eigentlich immer was los, weil die Kutscher stets und ständig damit beschäftigt wurden Autos und Kräder auseinander und wieder zusammen zu bauen – die armen Schweine konnten einem leid tun, wenn sie zur Fahrzeugwartung antanzen mussten.
Was dabei das Anbringen der Räder anging, so war Kamikaze etwas schusselig veranlagt.
Eines Tages kutschierte er seinen mit Grenzern beladenen P3 zum Dienst und musste ein Postenpaar an einer vorgesehenen Stelle absetzen.
Kaum dass das Automobil hielt, sackte es beim Öffnen der Hintertür seitlich nach hinten ab, weil eins der Hinterräder sich gelöst hatte und wie ein Häufchen Unglück auf der Straße zu liegen kam – auweia!
Man kann sich vorstellen, dass jetzt in verbaler Hinsicht der Zoo Ausgang hatte und mit weiteren Schimpfworten nicht gegeizt wurde.
Allerdings war dies nicht der letzte Fall von "Rad ab".
Unser Kamikaze wurde weiterhin als Fahrer im Kantendienst eingesetzt und so begab es sich, dass er einst mit Aufzugsende ein paar Leutchen einsammeln musste bevor es in Richtung Grenzkompanie ging. Nachdem die Posten zugestiegen waren, ging es noch ein gutes Stück auf Spurenplatten des Kolonnenwegs bergab – so weit, so gut.
Aber plötzlich eierte das Fahrzeug ziemlich hin und her und die Insassen mussten feststellen, dass eins der Vorderräder in Richtung Sechsmeterkontrollstreifen selbstständig davonrollte.
Spätestens nach diesem Geschehnis hätte man glauben sollen, dass man den Kamikaze aus dem Verkehr gezogen hätte, doch weit gefehlt, der Mann war bis zum Schluss unserer Dienstzeit als Fahrzeugführer eingesetzt.
Kamikaze konnte schon ein sonderbarer Kerl sein. Mitten in der Nacht wollte er mal putzmunter und laut hantierend seinen P3 starten, weil angeblich die Alarmgruppe zum Einsatz musste, obwohl dem nicht so war.
Ein anderes Mal musste er mit der Alarmgruppe begründet nachts raus an den Kanten und ich als GUvD kriegte den Typen nur schwerlich aus seinem Tiefschlaf.
Ich plärrte ihn an und tätschelte ihm gewaltig die Wangen. Hätte ich das bloß nicht getan, denn der Typ hatte sich eine gewaltige Portion Florena-Creme in die Larve geschmiert, die einem Angst machen konnte und sich nun erstmal auf meine Pfoten übertrug, bevor ich ihn endlich aus dem Nest zerren konnte.

Aus heutiger Sicht mögen das viele als absurd abtun und darüber lachen oder den Kopf schütteln – besonders die, die nie an einer richtigen Grenze oder sonst wo ernsthaft Wehrdienst geleistet haben.
Aber damals waren wir junge Burschen (die allermeisten von uns waren zum ersten Mal im Leben wirklich von Mutti und Vati weg), die mental ziemlich überfordert waren und oft kaum wussten, wo ihnen vor lauter Vorschriften, Befehlsgehabe usw. der Kopf zu stehen hatte.
Hinzu kam der täglich wechselnde Früh-Spät-Nacht-Stress, der nicht wenige meschugge machte und das Seinige tat, um uns Jungspunde zu zermürben.

… da konnte man schon zum kamikazehaften Nervenbündel werden.



... dito ...

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#248

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 28.10.2015 08:08
von Rainer-Maria Rohloff | 1.374 Beiträge

Hier noch ne schöne Geschichte, mal eine mit etwas Spannung.

"Nie aussteigen, nur leuchten" von Rainer-Maria Rohloff

Je länger die Zeiten zurückliegen um so mehr grübelt man wie das damals genau hieß....also ich glaube, das hieß Einsatzfahrer und zwar immer nach Dienstschluss bis früh um Sechs Uhr. Dazu wurde man eingeteilt, nicht vergattert. Sagt eigentlich schon der Name, du kamst zum Einsatz wenn was Notwendiges anfiel, so hier für die schöne Geschichte eben die Urlauber holen.

Im harten Winter so oberhalb Minus 10°war das richtig unangenehm weil, du saßt erstmal in der Karre und zittertest einfach nur vor dich hin. Aber es war ein schöner warmer Sommer und Sommer hieß beim Rainer, immer mit offenen Fenster fahren, dazu früh kurz nach 2.00 Uhr, der GUvD hatte mich gerade leise geweckt und los ging es nach Schwanheide zum Bahnhof, besser der damaligen GÜST Eisenbahn.(Grenzübergangsstelle)

Viele Jahre später habe ich einmal einen wunderbaren Agentenfilm gesehen, der hieß so glaube ich "Lawinenexpress", also da war sofort meine Erinnerung wieder da, weil, es war so ähnlich gruselig wie Nachts in Schwanheide, diese recht kümmerliche Bahnsteigbeleuchtung , das leise Zischen der Lokomotive was sich über die Waggons fortsetzte und kaum Einer stieg ein oder aus, außer ein paar richtig besoffene Urlaubsrückehrer die du dann rauf auf den LKW hieven musstest.

Dazu liefen auch schon mal Hunde unter die Wagen durch, die Suchscheinwerfer von der Stahlbrücke über die Gleise kamen zum Einsatz, hier und da welche von der GÜST selber in Uniform aber das war wohl immer, wenn Reisezüge oder eben Güterzüge auf dem Nebengleis standen, heute sucht man da nach Erinnerungsfetzen und hat dann zu tun, das zusammen zu setzen.

Aber ich schweife ab, war ja noch auf der Hinfahrt zur GÜST die vom Stab in N. so gute drei Kilometer durch den Wald ging. Und die Bäume und Sträucher rückten Nachts schon mal etwas näher ran und wenn ich mich recht erinnere hatten die Strassen zu einem Drittel noch den unbefestigten Randstreifen siehe, wer diesen in Fahrtrichtung rechts hatte musste bei Gegenverkehr runter in den Dreck. Für mich lag der Randstreifen rechts und ich fahre so gemütlich weil Nachts und Sommer und frische Luft, Ellenbogen auf der Türkante und schön schnell dazu, da sehe ich doch mitten auf der Fahrbahn ein Fahrrad liegen.

Vollbremsung und ....ich schaffte es doch kurz vor dem Teil zum stehen zu kommen, hätte fast noch den Motor abgewürgt und ehrlich, zum aussteigen war mir überhaupt nicht weil, es war stockdunkel ringsherum also dachte ich Handscheinwerfer an(der war links am Fahrerhaus) und geleuchtet wo denn der Fahrer von dem Drahtesel liegen könnte?

Ohne Mist, das hätte ja auch ein geflüchteter Sowjetsoldat mit AK 47 sein können aber ich gebe ehrlich zu, solche verrückten Gedanken waren mir damals völlig fremd, man war jung und unbedarft, vermutete nichts Schlimmes, eigentlich Niemals etwas Schlimmes,selbst im Grenzgebiet nicht unbedingt denn das Böse war in der DDR gut weggeschlossen, da kümmerten sich schon andere darum, sowas war weit weg und das war auch gut so.

Der Rainer leuchtet, erst so bissel nach links vorne in den Wald rein, dann immer näher zum Fahrzeug hin und runter, da liegt der alte besoffene Kerl doch genau im Straßengraben so drei Meter neben meiner Türe. Und in dem Moment wo der Scheinwerfer ihn erfasste kommt er mit dem Oberkörper hoch, brüllte mit verzerrtem Gesicht irgend etwas in seinem Mecklenburger Kauderwelsch, ich war so erschrocken,verstand kein Wort von dem seinen Gequatsche, wäre fast vor Angst auf den Beifahrersitz.gesprungen. Schnell den Zündschlüssel gedreht, elegant zurückgesetzt, Kurve ums Rad herum, das war alles eine Handlung und schon war ich mit Herzklopfen kostenlos zu unseren Urlaubsrückerern unterwegs.

Auf der Rückfahrt war der Kerl weg, war wohl Einer aus Schwanheide denn das Dorf war gute dreihundert Meter entfernt.Sollte mir sowas heute passieren, auf meiner sechstägigen Zeitungsnachtschicht, also aussteigen ist da auch nicht unbedingt, erst kommt meine Taschenlampe zum Einsatz, die ist Punktgenau auf zehn Meter, dann Türe verriegeln...und dann fahre ich erstmal im Kreis, leuchte die Umgebung aus und dann, na gut mal sehen......

Rainer-Maria

Und einen guten Tag allen ins Forum



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#249

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 28.10.2015 09:48
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #248
(..)der hieß so glaube ich "Lawinenexpress", (...)

Und einen guten Tag allen ins Forum

Ja der Film ist spannend mit viel Schneee
https://youtu.be/b7BqlXyCtYE?t=30m5s
Theo


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#250

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 19.11.2015 23:48
von Hanum83 | 4.785 Beiträge

Ich hab ja unter meinem alten Namen mal das Thema angestoßen.
Irgendwie lesen und diskutieren wir nur noch über so zwei drei Themen, Flüchtlinge, Islam, Terror und den sinnlosen nachträglichen DDR-BRD-Kampf.
Also wenn ich ganz ehrlich bin geht mir das langsam aber sicher total auf den Kranz.
Klar ist momentan wenig Raum für anderes, aber das Leben ist nun mal auch was anderes.
Lassen wir uns nicht einfach in so eine Spirale reinziehen aus der wir selbst nicht mehr rauskommen wollen?
Lange Rede kurzer Unsinn, erzählt mal wieder was


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 19.11.2015 23:52 | nach oben springen

#251

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.11.2015 00:03
von bürger der ddr | 3.627 Beiträge

Schön wars wenn man mit dem LO unterwegs war. Die Düse der Scheibenreinigung auf der Beifahrerseite wurde Richtung Gehweg auf Kopfhöhe eingestellt. Im Stadtverkehr eine junge ansehnliche "Braut" auf dem Gehweg, im vorbeifahren kurz gehupt, der Blick richtete sich gen LO und dann wurde die Scheibenwaschanlage betätigt.
Die Fahrer der Ural stellten im vorbei fahren kurz die Zündung ab, ein Gasstoß und Zündung ein - meist eine herrliche Fehlzündung.

Mit meinem G5 war ich dann abgeschlagen, keine Waschanlage und Diesel........



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#252

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.11.2015 00:10
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #250
Ich hab ja unter meinem alten Namen mal das Thema angestoßen.
Irgendwie lesen und diskutieren wir nur noch über so zwei drei Themen, Flüchtlinge, Islam, Terror und den sinnlosen nachträglichen DDR-BRD-Kampf.
Also wenn ich ganz ehrlich bin geht mir das langsam aber sicher total auf den Kranz.
Klar ist momentan wenig Raum für anderes, aber das Leben ist nun mal auch was anderes.
Lassen wir uns nicht einfach in so eine Spirale reinziehen aus der wir selbst nicht mehr rauskommen wollen?
Lange Rede kurzer Unsinn, erzählt mal wieder was


Hanum, Du hast volkommen Recht, alles kozentriert sich auf diese Themen, warum wohl? Weil diese durch die Medien immer neu angeheitzt werden.
Titelseiten sind voll davon und das lenkt von den anderen "Kleinigkeiten" ab.
Da gäbe es auch neues aus dem VW- Konzern was nicht mehr wahrgenommen wird. Gut kein Grenzerthema.
Aber ich denke das wird sich am 12. Dezember ändern, dann geht es wohl nicht mehr um Hannover, das wird dann aber wieder kein Grenzerthema.
Micha


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#253

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.11.2015 00:15
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von bürger der ddr im Beitrag #251
Schön wars wenn man mit dem LO unterwegs war. Die Düse der Scheibenreinigung auf der Beifahrerseite wurde Richtung Gehweg auf Kopfhöhe eingestellt. Im Stadtverkehr eine junge ansehnliche "Braut" auf dem Gehweg, im vorbeifahren kurz gehupt, der Blick richtete sich gen LO und dann wurde die Scheibenwaschanlage betätigt.
Die Fahrer der Ural stellten im vorbei fahren kurz die Zündung ab, ein Gasstoß und Zündung ein - meist eine herrliche Fehlzündung.

Mit meinem G5 war ich dann abgeschlagen, keine Waschanlage und Diesel........


Höre uff, die beschriebene Ballerei aus dem URAL. Selbst erlebt, da ist so mancher U-Schüler der Objektwache in Prora in Anschlag "knieend"
gegangen und hat die Krawallnikow durchgeladen.
Micha


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#254

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.11.2015 01:03
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #250
Ich hab ja unter meinem alten Namen mal das Thema angestoßen.
Irgendwie lesen und diskutieren wir nur noch über so zwei drei Themen, Flüchtlinge, Islam, Terror und den sinnlosen nachträglichen DDR-BRD-Kampf.
Also wenn ich ganz ehrlich bin geht mir das langsam aber sicher total auf den Kranz.
Klar ist momentan wenig Raum für anderes, aber das Leben ist nun mal auch was anderes.
Lassen wir uns nicht einfach in so eine Spirale reinziehen aus der wir selbst nicht mehr rauskommen wollen?
Lange Rede kurzer Unsinn, erzählt mal wieder was


geschichten und märchen werden erzählt, Hanum,
... für diverse 'scheibenwaschdüsen und fehlzündungen' ... klatschen auch nur die üblichen beifall.

gruß vs ... soweit es keine direkten fragen gibt ...


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#255

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.11.2015 18:06
von Hanum83 | 4.785 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #254
Zitat von Hanum83 im Beitrag #250
Ich hab ja unter meinem alten Namen mal das Thema angestoßen.
Irgendwie lesen und diskutieren wir nur noch über so zwei drei Themen, Flüchtlinge, Islam, Terror und den sinnlosen nachträglichen DDR-BRD-Kampf.
Also wenn ich ganz ehrlich bin geht mir das langsam aber sicher total auf den Kranz.
Klar ist momentan wenig Raum für anderes, aber das Leben ist nun mal auch was anderes.
Lassen wir uns nicht einfach in so eine Spirale reinziehen aus der wir selbst nicht mehr rauskommen wollen?
Lange Rede kurzer Unsinn, erzählt mal wieder was


geschichten und märchen werden erzählt, Hanum,
... für diverse 'scheibenwaschdüsen und fehlzündungen' ... klatschen auch nur die üblichen beifall.

gruß vs ... soweit es keine direkten fragen gibt ...






Olle Spaßbremse


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 20.11.2015 18:06 | nach oben springen

#256

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 20.11.2015 19:55
von Fritze | 3.474 Beiträge

Schlamm ,aber dick !

Noch graute es im Osten schwach ,als zwei Uniformierte die gepflasterte Dorfstrasse überquerten und nordwärts auf einem Feldweg den Äckern zustrebten ! Es war nicht mehr so kalt wie die vergangenen Morgen ,aber beim Sprechen standen den zweien noch Kondensfahnen vor den Mündern .
Als sie bei dem alten B-Turm ankamen ,holte der Eine von ihnen einen grossen Schlüssel aus der linken Hosentasche seiner Felddienstuniform und steckt ihn in das ramponierte Schloss . Es gab ein gräßliches Geräusch ,aber die Tür schwang auf und die zwei Uniformierten hingen ihre Waffen mit dem Lauf nach unten, über die Schulter und begannen die schmale steile Eisenleiter hoch zu steigen .
Dort entledigten sie sich ihrer MPis und der Kleinere öffnete eine Postentasche ,entnahm ihr eine große blaue Thermosflasche .
Der Größere ,mit den Schulterstücken eines Uffz. schüttelte den Kopf . Nachdem er sich eine F6 angesteckt hatte , schwang er ein Bein auf die Fensterbrüstung , blies den Qualm aus und lästerte : "Haste wieder vom Alten die Thermoskanne genommen ? Da gibt aber Mecker ! "
Der Soldat sah etwas irritiert auf ,doch dann ging ein Grinsen über sein noch beflaumtes Gesicht . "Nee ,dit sind meene , die hab icke letzte Woche in Zickentown jekooft ! Und ob de dit jlobst oder nich ,die hatten keene Roten mehr ! " Seine schnoddrige Ausdrucksweise ließ unschwer den gebürtigen Berliner erkennen .
Nachdem sie beide mit geschürzten Lippen ihren Kaffee schlürften ,zündete sich der Kleine auch eine Zigarette an welche er aus einer schwarz-weiss-karierten Schachtel nahm. Sofort erfüllte ein Duft wie Kartoffelkrautfeuer den runden Raum .
Der Uffz. grinste und sagte zynisch : "Junge ,dit Kraut is wat für Männer und von einem Klo sind wir weit weg ! "
"Lass man !" gab der Kleine zurück : "ick trage immer Windeln unter der Felddiensthose . "
Danach schwiegen beide ,bis der Uffz. in Richtung Dorf deutete und sagte : "da kommen sie ."
Der Soldat reckte den Kopf und sah eine Reihe Traktoren in ihre Richtung kommen .
Mittlerweile war es hell geworden und eine leuchtend orangefarbene Sonne schickte sich an ,auf ihre Tagesbahn zu gehen .
Die Traktoren verliessen den Feldweg und begannen die fette Grasnarbe nördlich des B-Turmes mit den Pflügen auf zureißen .
Der Uffz. nahm einen GMN-Hörer aus der linken Beintasche , stöpselte und rief die Führungsstelle :" 93 kommen ! Hier ist die 09 , melde Beginn der Arbeiten auf Höhe PP 615 "
Nachdem er gehört hatte ,entgegnete er : Verstanden, bleiben auf Empfang ! "
Dann öffnete er ein Fenster ,lehnte sich vornüber ,spuckte in hohem Bogen aus . Er kippte den Rest des kalten Kaffes aus und beobachtete mit seinem DF das Treiben der Traktoren . Die Wiese wandelte sich in glänzende braune Erdschollen über die schon Möwen und Krähen im kreischenden Verband schwebten .
Er stellte am Okular und grinste ,als er sah wie zwei Möwen eine Krähe ,welche etwas im Schnabel hatte ,verfolgten .
Dann schwenkte er in Richtung Kolonnenweg und sah einen Stoffhund von Nord nach Süd fahren .Wahrscheinlich brachten Die das Frühstück für die A-Gruppe zur Führungsstelle .Natürlich fuhr der Gefreite auf dem Fahrersitz schneller ,als es erlaubt war .
Als sie direkt unterhalb des B-Turmes vorbeifuhren ,reckte der Uffz. den rechten Arm mit erhobenem Daumen aus dem offenem Fenster .
Dies wurde mit einem Hupen quittiert . Der Uffz. grinste und sagte über die Schulter zu dem Soldaten : "Fraschie ,der schnellste Gefreite vom sechsten Distrikt . "
Die fünf Traktoren hatten schon gut die Hälfte der Wiese umgepflügt , als ein roter ,ziemlich verdreckter Moskwitsch vom Feldweg auf die Wiese fuhr und vor dem B-Turm zum stehen kam .
Ein untersetzter bartstoppeliger Mittvierziger in Manchesteranzug und Gummistiefeln stieg aus ,warf einen Blick nach oben . "Mensch , Axel ,lange nich inne Kneipe gesehn ! Haste Ausgangssperre oder wat ? "
Der Uffz.winkte ab und entgegnete : Quatsch ,aber eure Spelunke iss langweilig ! "
Der Bartstoppelige zündete sich ein Zigarette an ,und fragte nach oben : "Ooch eene ? "
"Sind selbst gut bestückt ." antwortete der Uffz.
"Na denn bin ick wieder wech ! "sagte der Bartstoppelige ,schwang sich ins Gefährt ,liess den Anlasser aufjaulen und warf krachend den Gang rein .
Der Soldat fragte den Uffz. : "Wer war dat denn ? "
Der Uffz. rieb sich am Kinn ,drehte sich zu dem Fragesteller um und entgegnete : "Du kennst Meier nich ? Warst doch schon inne Kneipe , oder ? "
"Dit schon",liess der Soldat hören : "aber diesen Rübezahl hab icke noch nie jesehn ! "
"Dit is Meier, globe Stefan Meier ! Der ist Feldbaubrigadier vonne Kolchose hier und ausserdem Schwager vom KC der 6. Grenzkompanie ! Lass dir inne Kneipe nich mit dem ein ! Der ist ein Saufgenie ! "
Der Soldat schüttelte den Kopf : "Typen rennen hier rum ! "


Fortsetzung folgt (eventuell)

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
Hanum83, bürger der ddr, schulzi, andyman, Rainer-Maria Rohloff und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#257

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 21.11.2015 00:12
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #255


Olle Spaßbremse



ich würde mich eher als realist bezeichnen wollen, Hanum83,
zumal man sich nun auch noch im slang versucht.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


zuletzt bearbeitet 21.11.2015 00:16 | nach oben springen

#258

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 21.11.2015 10:40
von Hanum83 | 4.785 Beiträge

Bunte Zeitung

Manchmal, oder besser oft, regierte auch einfach die lange Weile beim heroischen Schutz der Errungenschaften des Sozialismus, kein Grenzverletzer weit und breit, zu schleusende Kundschafter waren auch im wohlverdienten Wochenende, also nix los.
Dann fuhr man halt mit dem schönen stoffbespannten Trabant etwas durch die Botanik, hielt mal da und auch mal dort an, rauchte entspannt und beobachte die heimische Vogelwelt, die Zeiger der Uhr erschienen dabei wie angeschweißt.
Manchmal durchbrach aber ein plötzlich unverhofft eintretendes Ereignis auch diesen Anschein der bleiernen Zeit.
Bei der Fahrt entlang dieses ordentlich geharkten 6-Meter-Kontrollstreifens blitze auf einmal ein fast untergepflügtes buntes Presserzeugnis auf.
Sofort war man der Annahme das es sich um ein, schlimmstenfalls sogar moralisch verwerfliches, Machwerk des Feindes handeln könnte.
Das musste natürlich eingehend untersucht werden, aber in freier soldatischer Initiative ohne den Führer, oder besser, den mit der Führung beauftragten Kommandanten zu beunruhigen, der ja auch in der weit entfernten Kommandostelle seinen ruhigen Dienst genoss.
Wir konnten ja in den Weiten dieses Forums auch schon lesen welche Kettenreaktionen z.B. die Meldung einer vom Schnee befreiten Sektflasche hervorrufen konnte.
Einfach die 3 Meter zum zu untersuchenden Objekt zu Fuß zurückzulegen war ja leider unmöglich.
Also wie sollte nun weiter vorgegangen werden.
In einer nahen Baumgruppe wurde ein Ast in der für die Aufgabe geeigneten Länge und Stärke gesucht und mittels Seitengewehr vom Baum abgetrennt und mit einer Spitze versehen.
Diese Arbeit musste gut abgesichert erfolgen da das Bearbeiten von Ästen und ihr Transport in feindwärtige Richtung in unmittelbarer Nähe zur Staatsgrenze zu den eigentlich nicht getatteten Tätigkeiten gehörte.
Dann wurde mühsam nach etlichen mißlungenen Versuchen das Presseerzeugnis endlich aufgespießt und geborgen.
Entgegen der ersten "Befürchtung" enpuppte sich das in aufwendiger Arbeit gesicherte bunte Heft nicht als westliche Schund- u. Schmutzliteratur, sondern als ein Teil der allseits beliebten "Armeerundschau".


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
Klauspeter, Lutze, Elch78 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.11.2015 13:13 | nach oben springen

#259

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 21.11.2015 11:03
von Klauspeter | 987 Beiträge

@Hanum83

Eine interessante Geschichte und richtig gut erzählt.
So ein Aufwand aber auch wegen des "Soldaten-Bummi" !
Wenn es wenigstens das "Magazin" oder die "Praline" gewesen wäre.
Naja, manchmal hatte man eben Pech auf der ganzen Linie.
Klaus


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#260

RE: Erzählt mal wieder was

in Grenztruppen der DDR 21.11.2015 11:08
von Hanum83 | 4.785 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #259
@Hanum83

Eine interessante Geschichte und richtig gut erzählt.
So ein Aufwand aber auch wegen des "Soldaten-Bummi" !
Wenn es wenigstens das "Magazin" oder die "Praline" gewesen wäre.
Naja, manchmal hatte man eben Pech auf der ganzen Linie.
Klaus


"Soldaten-Bummi", kannte ich auch noch nicht den Ausdruck, man lernt hier doch immer noch was neues.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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