#61

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 19.09.2014 00:55
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Mikka09 im Beitrag #60
@Mart - Beitrag 58
tut mit leid, Dein Beitrag gibt mir nichts.


Der war ja auch nicht an Dich gerichtet.

Zitat von Mikka09 im Beitrag #60

Und dennoch haben sich andere User mit dem Thema beschäftigt.
...
Da ist Rudolf Grollmisch
...
Da ist die Webseite http://fesararob.de/HTML_RF/Histo_Rifu_zknetz.html
...
Sie rücken ab von ihrer These des ...
...
... auf das "..warte mal ab!" kann ich verzichten.



Schau mal: Es ist genau das passiert, was ich kurz und knapp mit "Warte mal ab" sagte: Ein klarerer Forschungsstand wurde von mehreren Seiten publiziert, die Unvereinbarkeit von Forschungsergebnissen wurde (teilweise) abgebaut. Darauf solltest Du (vgl mein Beitrag oben) warten.

Es gibt insoweit nichts zu maulen. Sondern man darf den (meist hobbymäßigen) Dokumentaristen und Forschern danken. Das Warten hat sich gelohnt.

Dir möchte ich für die kurze Zusammenfassung danken.


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#62

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 19.09.2014 10:55
von Mikka09 | 11 Beiträge

@Mart
... warte mal ab ! bezog sich auf den Absender des Beitrages 55. Eine Aussage, die mehr versprach und von einem Kritiker kam. Wollte Dich nicht verletzen. Ich hätte es darstellen sollen, bitte um Entschuldigung.



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#63

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 15.11.2014 13:20
von Mikka09 | 11 Beiträge

Mit Abstand zu meinem letzten Beitrag, habe ich mich mit dem Thema umfassend befasst und alle Beiträge im Netz gelesen. Natürlich auch die Beiträge der Kritiker hier im Forum. Nachdem nun auch R.Grollmisch als Miterrichter offen zum Netz der NVA geschrieben hat macht mich das Ausbleiben von Beiträgen der Nutzer "Werner" und "Feliks D." stutzig. Ist es evtl. doch ein und dieselbe Person ? wie jobakampe in # 27 vermutete, einfach einmal provokatorisch gefragt.



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#64

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 10.02.2015 20:28
von erge | 4 Beiträge

Hallo Mikka09,
du vermutest, R. Grollmisch sei "Werner", sei "Feliks D." Das ist nicht der Fall. Mein Nickname ist 'erge'. Verantwortlich zeichne ich für das Buch 'Richtfunk'. Von 1964 (1963) bis in das Jahr 1970 haben drei Offiziere das Richtfunknetz der NVA geplant, projektiert, den Aufbau der technischen Anlagen geleitet, an den Bauwerken mindestens mitgewirkt oder sogar den Bau geleitet und das RFN der NVA betriebsfähig übergeben. Einer der Offiziere wurde 1964 ausgetauscht. Von diesen vier Offizieren leben nur noch zwei. Na ja, einer von den Überlebendenen ich. Vor wenigen Wochen haben wir die Asche des zweiten beigesetzt.
Die Drei waren nicht allein!
Wie es üblich ist, habe ich selbstverständlich Anfragen zu dem Thema beantwortet, keinesfalls ist aber alles in den Beiträgen von Werner und Feliks von mir! Einen Text kritisch lesen können die Beiden allein!
Die Auseinandersetzung mit jobakampe hat den Inhalt des Forums nicht unbedingt bereichert. So wie ich das sehe, hat die teilweise unscharfe Darstellung von jobakampe dazu beigetragen. Soweit es mir möglich war, habe ich meine Bedenken an jobakampe mitgeteilt. Ohne Zweifel ist es schwierig für einen Außenstehenden nach Jahrzehnten das Thema zu behandeln. Diese Schwierigkeiten hat wohl jobakampe selber zu verantworten.
Jobakampe hat die Funktion des RFN der NVA bis heute nicht erfaßt. Hans-Joachim und ich kennen uns recht gut. Auch für mich störend ist in seinen Texten die Verkündung von 'Wahrheiten'. Keine Geschichtsschreibung ist 'wahr'. Seine jetzigen Texte sind wesentlich qualifizierter als die ersten. Ich habe mich bemüht, in einem größeren Papier ein Teil meiner Arbeit wiederzugeben. Auszüge daraus sind im Blog ego-mem.blogspot. com zu finden. Ich habe immer wieder betont, dass ich aus der Erinnerung schreibe. Aber ich glaube, dass die damalige Wirklichkeit 'wahrheitsgetreu' niedergeschrieben wurde.
Leider ist zu den Beweggründen für den Aufbau der Netze und für den 'Übergang' zum Schmalbandrichtfunknetz der Deutschen Post wenig und dann noch nicht immer korrekt geschrieben worden. Ich werde mir Mühe geben, sofern ich das niederschreibe. Immerhin hab ich als Jugendlicher die für die DDR wichtigen Jahre 1951 bis 1954 persönlich erlebt.
So, nun muß ich eine Ruhepause einlegen. Ich werde mich melden.



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#65

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 11.02.2015 15:28
von erge | 4 Beiträge

Zitat von Gast im Beitrag #1
Noch immer sichtbar, die Türme der Bezirksrichtfunkzentralen der Partei

Relikte mit langer Vergangenheit sind sie, die so genannten A- Türme (Fernmeldetürme) auf Erhebungen in den Bezirken der DDR, heute teilweise genutzt von privaten Kommunikationsunternehmungen. Grüner Anstrich oder holzverschalt waren sie, bewacht von bewaffneten Angehörigen der Volkspolizei. Betreten wurden sie von Mitarbeitern der Bezirksleitungen der Partei (SED).
Ihre Errichtung begann bereits Ende der 1950er Jahre. Sie dienten im Richtfunknetz der Partei als Bezirksrichtfunkzentralen und als bemannte und unbemannte Relaisstellen und sicherten die Kommunikation vom ZK über die Bezirks-, bis hin zu den Kreisleitungen der Partei.
In das Richtfunknetz klinkte sich in der Mitte der 1960er Jahre die NVA ein und errichtete unter Nutzung von Strukturen der Partei ihr eigenes Richtfunknetz. Neuen Führungsaufgaben gerecht werdend, wurden sowohl Sonderobjekte (Stäbe, vorbereitete Führungsstellen usw.) der NVA sowie die Wehrbezirks- und Wehrkreiskommandos einbezogen.
Beide Netze wurden ohne Verschlüsselungsmittel betrieben und bereits in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre von der Fernmeldaufklärung der Bundeswehr im Zusammenwirken mit dem BND aufgeklärt. Infolge kam es zu einer enormen Einschränkung in der Nutzung.
Mit der Errichtung des Sondernetzes 1 (Integriertes Stabsnetz der Partei und Staatsführung und der bewaffneten Organe) verloren die Richtfunknetze ihre Bedeutung und wurden per 01.Januar 1984 kostenfrei an die Deutsche Post übergeben.
Nach der politischen Wende wurden die A-Türme fälschlicherweise immer als Aufklärungs- und Türme der Stasi zum Abhören von Telefongesprächen bezeichnet.
Mit der Veröffentlichung von Inhalten zu den Richtfunknetzen begann sich die öffentliche Meinung zu ändern.
Mehr unter http://jobakampe.magix.net/public/rfn.htm



Mit diesem Beitrag begann das Thema. Über den Stil eines Beitrages kann man sich immer streiten. Dazu enthalte ich mich einer Wertung. Es kommt auf den sachlichen Inhalt an. Und da bedarf es doch einiger Korrekturen.
Falsch ist, dass die Richtfunknetze mit der Errichtung des S1 ihre Bedeutung verloren hatten. Richtig ist, dass sie an die 'Deutsche Post' übergeben wurde. Allerdings übernahm die Deutsche Post die Netze nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Beschluss der Parteiführung.
In diesem Schmalbandrichtfunknetz der Deutschen Post betrieben sowohl das MfNV als auch der Parteiapparat eigene Verbindungen. Wenn beide Netze ihre Bedeutung verloren hätten, wieso bezahlten MfNV und SED jährlich zweistellige Millionensummen an Miete?
Richtig ist, NVA und SED und andere nutzten nach wie vor das Netz.
Für das MfNV war das RFN der NVA ein doublierendes Netz. Die NVA betrieb immer zur Sicherung des Zusammenwirkens der Stäbe und Kommandos mehrere Verbindungsstrukturen, beispielsweise das S1, verschiedene Funknetze (0001 usw.), Fernschreibnetze, Troposphärenverbindungen, Netze der (Operativen) Diensthabenden, SAS-Verbindungen, WTsch-Verbindungen, Kurierverbindungen und so weiter. Jede dieser Verbindungen hat ihre Rolle und ihre Bedeutung. So ausführlich muss es nicht immer sein, nur falsch ist, wenn Kampe schreibt, das RFN wäre an die DP übergeben worden, weil es keine Bedeutung mehr gehabt hätte. Für die Übergabe des RFN der SED und des RFN der NVA an die DP gab es verschiedene, andere Gründe.
Richtig ist, das RFN der SED und das RFN der NVA waren Aufklärungsziele für die (Richt-)Funkaufklärung der BRD, der USA, Frankreichs und so weiter. Sicher war auch der KGB interessiert gewesen, was da imNetz geplaudert wurde. Wegen der Möglichkeit einer gegnerischen Aufklärung ist nie eine Netz abgeschaltet worden! Das galt für beide Seiten! Ducrh die Aufklärung der NVA sind die Funkverbdindungen der NATO aufgekärt worden Siehe dazu einschlägige Publikationen. Jede militärische Nachrichtenverbindung untrelag wegen der möglichen Aufklärung bestimmten Einschränkungen, so auch das RFN der NVA. Wer bei den Grenztruppen gedient hatte, weiß sicher noch, dass auf die 'Gesprächsdisziplin' geachtet wurde und für die Überwachung der Gesprächsdisziplin im Funkverkehr gab es sogar eine interne Funküberwachung!
Der Beitrag suggeriert, das Richtfunknetz der SED hätte nur über die A-Türme verfügt. Dem ist nicht so. Daneben gab es beispielsweise auch passive und aktive Relaisstellen.
Der Eingansbeitrag ist zwar interessant aber nur bedingt als Quelle nutzbar. Und wer sich in die Öffentlcihkeit wagt, muss mit aufmerksamen Lesern rechnen, ich auch.
In meinem Blog ego-mem.blogspot.com habe ich versucht, anhand eigener Erinnerungen die Vergangenheit zu rekonstruieren.Das war schon schwierig genug.



seaman und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#66

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 11.02.2015 15:32
von seaman | 3.487 Beiträge

Empfehlenswerter Blog!!!
Danke.

seaman


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#67

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 16.02.2015 19:47
von Mikka09 | 11 Beiträge

@erge / zu den Beiträgen #64 u. #65

Danke für Deine umfangreichen Erklärungen, auch für den Hinweis auf den "Blog". Auf diesen hatte ich schon in meinem Beitrag #60 hingewiesen. Ich gewinne den Eindruck, dass Du hier im Thema oberflächlich bist und auch andere Beiträge nicht korrekt gelesen hast. Du würdest mir nicht zumuten anzunehmen, dass R.Grollmisch mit „Werner“ oder „Feliks D.“ identisch ist. Bereits in einem der Folgebeiträge zum Eröffnungsbeitrag schrieb „jobakampe“ zu den im Netz genutzten unterschiedlichen Türmen. Ich teile Deine Auffassungen über die Inhalte des Eröffnungsbeitrages nicht. Vielmehr berücksichtige ich, dass es sich dabei um nicht mehr als eine Kurzfassung handelt. Auf der Webseite von „jobakampe“ ist zusammenhängend zum Thema geschrieben. Der Bedeutungsverlust des RFN mit der Indienststellung des Sondernetzes 1 ist beschrieben, wie auch die Übergabe der Netze gemäß Beschluss der Partei und auch die kostenpflichtige Weiternutzung von Kanalkapazitäten bis 1990. Das er den einen oder anderen Sachverhalt anders formuliert als Du, ist logisch. Bei meinen Recherchen konnte ich allerdings keine Unterschiede in den Aussagen finden. Recht gebe ich Dir bezogen auf die Schwierigkeiten für einen Außenstehenden, sich der Thematik insgesamt anzunehmen. Andererseits sehe ich die auf seiner Webseite gelisteten Dienststellungen, mit denen er in den letzten Jahren zum Thema im Gespräch war. Ich glaube seinen Ausführungen, er bindet uns keinen Bären auf.
Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass in der Hauptnachrichtenzentrale des MfNV nur eine Endstelle des Netzes existierte. Auch der Beitrag von Hans-Peter Schwenke, offensichtlich Partner von „jobakampe“, hat allumfassend geschrieben, siehe http://fesararob.de/Quellen/Thote_Allg/Z...%20Schwenke.pdf
Ergänzend wäre anzumerken. Vor wenigen Tagen wurde einer der Türme des Netzes auf dem Großen Inselsberg als Aussichtsturm in Betrieb genommen.



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#68

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 05.03.2015 14:37
von Mikka09 | 11 Beiträge

Noch einige wenige ergänzende und letzte Bemerkungen. Das Thema scheint sich mit dem jetzigen Stand erschöpft zu haben. In der Summe der Veröffentlichungen von „erge“, „jobakampe“ und Hans-Peter Schwenke konnte sich jeder seine Übersicht erarbeiten. Mein Dank all jenen, die mit ihren Beiträgen dazu beigetragen haben.
Noch wenige Gedanken zu den Beiträgen #64 u.#65. „erge“ offenbart seine Identität als R. Grollmisch und ist damit der Betreiber des Blog. Er bezieht darin seine Ausführungen auf die eigene Person und auf die Rekonstruktion seiner Erinnerungen. Nicht auszuschließen damit wäre die Kompensation, dass andere eher mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen sind. Ich teile seine Meinung nicht, wonach „jobakampe“ bis heute die Funktion der Netze nicht verstanden hat. Eher sehe ich den Anspruch des Blog-Autors auf die alleinige Beherrschung der Sachverhalte und werte das als überheblich. Keiner dürfte über das alte Rom schreiben, wenn er mit Sicherheit kein alter Römer ist.
Die Ausführungen von „jobakampe“ sind militärisch kurz und präzise. Er unterstreicht sie als Ergebnisse gemeinsamer Recherche und nicht als „wahr“ verkündet. Sie decken sich mit den Aussagen o.g. Personen und vermitteln erstmalig einen Überblick über eines der wohl geheimnisvollsten Kapitel in der Organisation von parteiinternen und militärischen Nachrichtennetzen in der DDR-Geschichte. Im Zusammenhang orientiere ich auf die Broschüre von Kampe mit dem Titel „Das Troposphären-Nachrichtensystem „BARS“ u. die Bunkeranlage Wollenberg“ (2013), in der wie nirgends anderswo die Art und Weise sowie Funktion des organisierten Nachrichtensystems zwischen Führungsebenen der NVA beschrieben ist.



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#69

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 05.04.2015 17:04
von erge | 4 Beiträge

Darf ich noch etwas im Forum zum Thema beitragen?
Nach den Reaktionen bin ich mir nicht sicher. Das Thema Richtfunknetz hat nur noch wenig Bedeutung, so Mikka09. Aber vielleicht muss es so sein?
Ich bin der Meinung, das RFN der NVA und auch das RFN der SED bieten im Kontext zu anderen Bereichen der Geschichte der DDR noch viel Interessantes.
Im Eröffnungsbeitrag steht : Mit der Errichtung des Sondernetzes 1 (Integriertes Stabsnetz der Partei und Staatsführung und der bewaffneten Organe) verloren die Richtfunknetze ihre Bedeutung und wurden per 01.Januar 1984 kostenfrei an die Deutsche Post übergeben.
Das soll alles sein? An dieser Stelle wird es doch erst interessant! Wieso betreiben das MfNV und der Parteiapparat ihre Netze bis 1990 weiter trotz 'Übergabe' und das MPF erhält sogar 20 Mio für das Weiterbetreiben des RFN der SED! Das bedeutet, die Netze verloren keinesfalls ihre Bedeutung für das MfNV und den Parteiapparat und sie wurden auch nicht übergeben. In keinem Dokument steht etwas von Übergabe! Das muss erst verstanden werden.
Im übrigen danke ich Mikke09 für seinen Hinweis auf den Link zu Hans-Peter Schwenke. Es ist mit Abstand der beste Beitrag, um einen Gesamtüberblick zu erhalten.



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#70

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 05.04.2015 17:26
von Alfred | 6.849 Beiträge

Selbstverständlich darf Mann / Frau hier schreiben.


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#71

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2015 02:19
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von erge im Beitrag #69
Im Eröffnungsbeitrag steht : Mit der Errichtung des Sondernetzes 1 (Integriertes Stabsnetz der Partei und Staatsführung und der bewaffneten Organe) verloren die Richtfunknetze ihre Bedeutung und wurden per 01.Januar 1984 kostenfrei an die Deutsche Post übergeben.
Das soll alles sein? An dieser Stelle wird es doch erst interessant! Wieso betreiben das MfNV und der Parteiapparat ihre Netze bis 1990 weiter trotz 'Übergabe' und das MPF erhält sogar 20 Mio für das Weiterbetreiben des RFN der SED! Das bedeutet, die Netze verloren keinesfalls ihre Bedeutung für das MfNV und den Parteiapparat und sie wurden auch nicht übergeben. In keinem Dokument steht etwas von Übergabe!


So ist das mit der deutschen Sprache, immer für ein Missverständnis gut.

Die Formulierung "verloren ihre Bedeutung" ist ohne nähere Begründung tatsächlich in Zweifel zu ziehen: Dieses Richtfunknetz wurde ja weiterbetrieben. Vermutlich ist gemeint, dass (ein Teil) der ursprünglichen Nachrichten über andere Netze abgewickelt wurde.

"Übergeben" ist auch so eine Sache. Denn hier sind mehrere im Boot: Zunächst einmal der Dienstleister, der das Netz betreibt und sicherstellt. Und dann der oder die Nutzer. Natürlich kann man ein bestehendes Netz aus ganz pragmatischen Gründen einem anderen Dienstleister (hier: Deutsche Post der DDR) zum Zwecke des weiteren Betriebs übergeben. Da sagt aber nur wenig über die zulässigen Nutzer und noch weniger über die erlaubten, gewünschten Nachrichteninhalte. Andererseits kann man die erlaubten Nutzer wechseln, aber das sind wirklich zwei verschiedene Dinge.

Am Rande sei vermerkt, dass es gut 20 Sondernetze in der DDR gab: MfNV, S1, R1, BASA, Chemienetz, Energiewirtschaft uswusf. Alle diese Netze hatten als pysikalische Schicht mindestens teilweise Kabel der Deutschen Post der DDR. Das Richtfunknetz kann man aus meiner Sicht nur im Gesamtzusammenhang der damaligen Technik UND dem damaligen Verständnis von Netzen und Netzebenen verstehen.


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#72

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2015 15:54
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #71
Zitat von erge im Beitrag #69
Im Eröffnungsbeitrag steht : Mit der Errichtung des Sondernetzes 1 (Integriertes Stabsnetz der Partei und Staatsführung und der bewaffneten Organe) verloren die Richtfunknetze ihre Bedeutung und wurden per 01.Januar 1984 kostenfrei an die Deutsche Post übergeben.
Das soll alles sein? An dieser Stelle wird es doch erst interessant! Wieso betreiben das MfNV und der Parteiapparat ihre Netze bis 1990 weiter trotz 'Übergabe' und das MPF erhält sogar 20 Mio für das Weiterbetreiben des RFN der SED! Das bedeutet, die Netze verloren keinesfalls ihre Bedeutung für das MfNV und den Parteiapparat und sie wurden auch nicht übergeben. In keinem Dokument steht etwas von Übergabe!


So ist das mit der deutschen Sprache, immer für ein Missverständnis gut.

Die Formulierung "verloren ihre Bedeutung" ist ohne nähere Begründung tatsächlich in Zweifel zu ziehen: Dieses Richtfunknetz wurde ja weiterbetrieben. Vermutlich ist gemeint, dass (ein Teil) der ursprünglichen Nachrichten über andere Netze abgewickelt wurde.

"Übergeben" ist auch so eine Sache. Denn hier sind mehrere im Boot: Zunächst einmal der Dienstleister, der das Netz betreibt und sicherstellt. Und dann der oder die Nutzer. Natürlich kann man ein bestehendes Netz aus ganz pragmatischen Gründen einem anderen Dienstleister (hier: Deutsche Post der DDR) zum Zwecke des weiteren Betriebs übergeben. Da sagt aber nur wenig über die zulässigen Nutzer und noch weniger über die erlaubten, gewünschten Nachrichteninhalte. Andererseits kann man die erlaubten Nutzer wechseln, aber das sind wirklich zwei verschiedene Dinge.

Am Rande sei vermerkt, dass es gut 20 Sondernetze in der DDR gab: MfNV, S1, R1, BASA, Chemienetz, Energiewirtschaft uswusf. Alle diese Netze hatten als pysikalische Schicht mindestens teilweise Kabel der Deutschen Post der DDR. Das Richtfunknetz kann man aus meiner Sicht nur im Gesamtzusammenhang der damaligen Technik UND dem damaligen Verständnis von Netzen und Netzebenen verstehen.




Das BASA-Netz arbeitete weitgehend mit Bahneigenen Kabeln, bei denen die technische Betriebsführung beim Hauptdienstzweig Signal- und Fernmeldewesen lag. Dieses Netz wurde dann nach der "Bahnreform" zusammen mit dem DB-BASA-Netz an die Mannesmann Telekommunikation (Arcor) verkauft.



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#73

RE: Türme der Bezirksrichtfunkzentralen

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 09.04.2015 22:20
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #72
[quote=Mart|p462534][quote=erge|p462214]
Das BASA-Netz arbeitete weitgehend mit Bahneigenen Kabeln, bei denen die technische Betriebsführung beim Hauptdienstzweig Signal- und Fernmeldewesen lag. Dieses Netz wurde dann nach der "Bahnreform" zusammen mit dem DB-BASA-Netz an die Mannesmann Telekommunikation (Arcor) verkauft.


Danke für den Hinweis, er ist (mir) durchaus bekannt.

Er zeigt aber sehr schön das, was ich eigentlich meinte: An diesem Beispiel: Was ist eigentlich das BASA-Netz?

Leider war zur DDR-Zeit das OSI-Schichtenmodell nicht üblich, das würde vieles einfacher machen: Im Grunde reden wir bei BASA über zwei ganz verschiedene Dinge: Einerseits die Kabel und Übertragungstechnik der Deutschen Bahn. Und andererseits die das quasi virtuelle Netz BASA, also das von der Deutschen Reichsbahn für eigene Zwecke genutzte Kommunikationsnetz für Sprache und Fernschreibverkehr.

Diese gedankliche Trennung ist insofern wichtig als auch das BASA-Netz (hier nun: im Sinne von Kabel und Übertragungstechnik) in Teilen auch von anderen "virtuellen" Netzen genutzt wurde. Ich meine damit ausdrücklich nicht die Netzübergänge zu anderen Netzen - sondern die Nutzung von Übertragungskanälen durch andere "virtuelle" Netze.

Und das ist auch die Schwierigkeit beim in Rede stehenden Richtfunknetz der SED. Der NVA. Der Deutschen Post.

Denn da wird in der Diskussion alles munter durcheinander gewürfelt: Wem gehört zu welcher Zeit die "Hardware", also die Türme, die Übertragungstechnik? Er wird die verfügbaren Kanäle Nutzern (oder nur einem Nutzer!) zur Verfügung stellen. Welche Nutzer sind das nun? Nutzen Sie ein gemeinsames virtuelles Netz namens "Richtfunknetz SED" oder sind Kanäle dieses (Hardware!) Netzes an andere Bedarfsträger vermietet, die diese Kanäle für ihre eigenen quasi virtuellen Netze (Beispiel: S1) nutzen?

Man sieht also, dass der vorherige Streit durchaus damit zu tun hat, dass für die Definition "was ist ein Netz" jeder einen anderen Ansatz hat.

Mein Beispiel "S1 über Richtfunknetz SED" ist übrigens gar nicht so weit hergeholt: Wir hatten einen Außenstandort (Wache Nitzow konkret).
Der war telefonisch S1. Wenn man einen NVA-Fremden (in meinem Fall war das ein MA MfS/ HA VI, an der Liegenschaft klingelte und dringend telefonieren musste) - also wenn man einem NVA-Fremden den Hörer in dieser Liegenschaft übergab, hatte man ihn vorab mündlich zu belehren. Wenn ich den Text noch recht erinnerlich habe, dieser: "Achtung, Sie sprechen über S1 über Richtfunk!"


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