#1

Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 15:32
von mironimo1 | 4 Beiträge

Hallo ihr Lieben,

ich würde mich sehr freuen, wenn sich der ein oder andere finden lassen würde, der mir erklären könnte, wie die Einreisemodalitäten
von statten gegangen sind. sind für bürger der brd besondere unterlagen nötig gewesen? oder eine spezielle art der Grenzkontrolle?
Und wenn man die ddr als brd-Bürger wieder verlassen wollte, reichte es da aus, an de genze einfach nur seinen pass zu zeigen und
schon war man wieder drüben?

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand behilflch sein kann.

Beim ''googlen'' lässt sich zu dem Thema leider nichts finden.

Freue mich auf eure antworten...



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#2

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 15:56
von Kurt | 933 Beiträge

Hallo mironimo,

Sei gegrüßt! Es wäre ganz toll, wenn Du Dich einmal kurz vorstellen würdest, damit wir wissen, wen wir vor unserem virtuellen Auge haben.
Dann findet sich bestimmt auch ein nettes Forumsmitglied, welches Dir weiterhilft.

Viele Grüße,

Kurt


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#3

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 16:09
von mironimo1 | 4 Beiträge

Lieber Kurt,

erst einmal liebe grüße zurück....

ich hatte mich schon vor einiger zeit vorgestellt, bin aber aus versch. gründen leider etwas lange nicht mehr online gewesen.

hier noch einmal der link zu meiner vorstellung: Hallo :)



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#4

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 16:18
von turtle | 6.961 Beiträge

In der Regel besorgte mir meine Mutter einen Berechtigungsschein zum Empfang eines Visum in die DDR. Wenn erhalten wurde das an der Grenze natürlich kontrolliert und bekam den nötigen Stempel in den Pass. Angekommen am Besuchsort erst einmal den nötigen Umtausch von 25 DM zu 25 Mark der DDR vornehmen.
Bei der zuständigen Behörde anmelden Im Hausbuch eintragen.. Vor der Rückreise wieder abmelden. Zur Leipziger Messe konnte man ohne Berechtigungsschein einreisen. An den Grenzübergangsstellen konnte man einen Messeausweis mit Visum bekommen. Dieses Visum war allerdings nur für den Bezirk Leipzig gültig ,jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. In Berlin gab es Sonderregelungen. Habe hier den Link mit reingestellt. Möchte nicht alles noch einmal schreiben. Im Netz bin ich zum Thema auch reichlich fündig geworden.

Einreise über Bahnhof Friedrichstraße nach 1972


Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle (2)

http://www.verfassungen.de/de/ddr/einreisenbrd72.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Berechtigun..._Visums_der_DDR

http://www.finanz-duell.de/news-artikel/...tung_001147.php

http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593852/page/2


http://www.deutschland-lese.de/index.php?article_id=381


http://www.ddr-militaria-onlineshop.keep...nte-grenze.html


http://www.cosmiq.de/qa/show/1218102/Wel...che-in-die-DDR/


verstehe nicht das Du beim googlen nichts gefunden hast.


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zuletzt bearbeitet 27.06.2013 16:34 | nach oben springen

#5

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 16:33
von West_Tourist (gelöscht)
avatar

Zitat von mironimo1 im Beitrag #3
Lieber Kurt,

erst einmal liebe grüße zurück....

ich hatte mich schon vor einiger zeit vorgestellt, bin aber aus versch. gründen leider etwas lange nicht mehr online gewesen.

hier noch einmal der link zu meiner vorstellung: Hallo :)





Damals als BRD Burger musste Visa fuer DDR vorher beantragt werden. Entweder ueber Verwandte oder Bekannte in der DDR, welche es dir zuschicken mussten, oder Reiseveranstalter, wie zb. Hansa Tourist in Hamburg. Dann mit Hotelbuchung. In Westberlin gab es die Moeglichkeit, zb. am Bahnhof Friedrichstrasse usw ein Tagesvisa fuer Ostberlin zu erhalten. Konnte ohne Voranmeldung am Gtenzuebergang erhalten. Bis 24 uhr musste man Ostberlin wieder verlassen haben, als BRD Buerger.Ansonsten waren die Einteiseformalitaeten fuer BRD Buerger an der Grenze, oft langwierig und schikanoes. BRD wurden damals oft von DDR Grenzorganen schikaniert und drangsaliert. Ein falsches Wort genuegte damals. Gefuetchtet waren auch die DDR Zoellnerinnen. Wegen ihrer oftmals hintethaeltigen und unverschaemten Art und Weise. Hauefig war es auch nur der Pure Neid, auf BRD Buerger. Es gab aber auch jede Menge positive Ausnahmen. Viele DDR Kontrolleure waren auch freundlich und korrekt. Nette Menschen, mit guten Manieren.


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#6

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 16:43
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von mironimo1 im Beitrag #1
Hallo ihr Lieben,

ich würde mich sehr freuen, wenn sich der ein oder andere finden lassen würde, der mir erklären könnte, wie die Einreisemodalitäten
von statten gegangen sind. sind für bürger der brd besondere unterlagen nötig gewesen? oder eine spezielle art der Grenzkontrolle?
Und wenn man die ddr als brd-Bürger wieder verlassen wollte, reichte es da aus, an de genze einfach nur seinen pass zu zeigen und
schon war man wieder drüben?

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand behilflch sein kann.

Beim ''googlen'' lässt sich zu dem Thema leider nichts finden.

Freue mich auf eure antworten...

Ich fand die Ausreise aus der DDR schlimmer als die Einreise. Warum? Ich denke mal wegen subventionierten Sachen die mann in der DDR kaufen konnte. Z.B Kindersachen und Schuhe. Billig und gute Qualität. Aber vom Zoll denke ich mal nichtt gerne gesehen. Unser KFZ wurde richtig auseinander genommen.



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#7

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 16:56
von turtle | 6.961 Beiträge

Bis auf wenige Ausnahmen wurde ich höflich und korrekt behandelt, trotz meines sächsisch das mich sofort als Ex DDR Bürger entlarvte. Im Zug wurde auch der Umtausch angeboten sowie Gedenkmünzen der DDR. So sparte man den Weg zur Staatsbank der DDR bzw. deren Filiale . Allerdings reichte dazu oft die Zeit an der Grenze (Zug) nicht aus. Es war ratsam nicht gerade die Bildzeitung offen liegen zu haben. Aber wenn man höflich blieb ,kam es meistens höflich zurück Bei der Ausreise konnte man das restliche DDR Geld an das rote Kreuz der DDR spenden.
Aber stimmt schon manche Zöllnerin war schon etwas kurz angebunden ,da half nicht einmal mein Scharm. ( dachte dann blödes Flintenweib)
blieb aber immer ruhig und höflich.


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#8

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 17:08
von turtle | 6.961 Beiträge

Von Glasi: [Ich fand die Ausreise aus der DDR schlimmer als die Einreise. Warum? Ich denke mal wegen subventionierten Sachen die mann in der DDR kaufen konnte. Z.B Kindersachen und Schuhe. Billig und gute Qualität. Aber vom Zoll denke ich mal nichtt gerne gesehen. Unser KFZ wurde richtig auseinander genommen.[/quote]


Kann ich aber verstehen ,Die Subventionen waren ja auch für die Bürger der DDR gedacht. Geld 1-5 schwarz tauschen und dann noch subventionierte Waren einkaufen . Ich habe keine subventionierten Waren geschmuggelt. Aber Briefmarken und etwas Antiquariat.
Ansonsten normale Mitbringsel wie Buch, Schallplatte (Karat, Puhdys .Lakomy) von Lok Leipzig Fahne, Trikot etc.
Einmal ein Glas Leberwurst das ich vom selber Schlachten geschenkt bekam. Da gab es etwas Theater, behalten durfte ich es aber.


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zuletzt bearbeitet 27.06.2013 17:09 | nach oben springen

#9

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 09:52
von Barbarossa | 36 Beiträge

Hallo "liebe" Zöllner.

Was bedeutet " E95 " auf einer Alu-Plombe mit einem schwarz-rot-gelben Bändel , die wurde vermutlich an der Zonengrenze befestigt?


Barbarossa


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#10

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 11:26
von SET800 | 3.090 Beiträge

Hallo,
konnte Mark der DDR die bei der Staatsbank mehr als den vorgesehenden Regelumtausch für DM erworben wurde an der Grenzfiale bei der Ausreise zurückgetauscht werden?

es ist ja schlicht angenehm einerseits flüssig zu sein und andernseits nicht jedermanns Absicht Schwarzgeschäfte zu machen.

2. Frage, war für West-PKW-Reisende es freigestellt bei den Intertank wahlweise mit Mark der DDR oder DM zu bezahlen?



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#11

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 13:36
von turtle | 6.961 Beiträge

Aus dem Mindestumtausch stammende Geldbeträge sind nicht rücktauschbar.

Nicht verbrauchte Zahlungsmittel in Mark der DDR können Sie bei allen Wechselsteilen und in allen Filialen der Staatsbank der DDR deponieren bzw. auf ein Konto einzahlen, über diese Beträge können Sie jederzeit bei Wiedereinreise in die DDR in voller Höhe in Mark der DDR verfügen.

Sie können zusätzlich zum verbindlichen Mindestumtausch entsprechend Ihren Wünschen Zahlungsmittel konvertierbarer Währungen in Mark der DDR bei den dafür zugelassenen Kreditinstituten der DDR umtauschen. Die bei diesen Kreditinstituten zusätzlich erworbenen Mark der DDR können Sie gegen Vorlage der Umtauschbescheinigung wieder zurücktauschen. http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593852/page/2

search.php?q=intertank&type=all&matchtype=or&im_feld=text&orderdirection=DESC&orderby=date


zuletzt bearbeitet 19.07.2013 13:37 | nach oben springen

#12

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 14:00
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #10
(..)
2. Frage, war für West-PKW-Reisende es freigestellt bei den Intertank wahlweise mit Mark der DDR oder DM zu bezahlen?


Nein, man musste, soviel ich weiss, "Spezîal" (entsprach in der BRD "Benzin") oder "Super" tanken. Das waren spezielle Tanksäulen, an denen Treibstoff nur gegen Devisen erhältlich war. Tanksäulen für "Extra" (95 Oktan) oder "Normal" (88 Oktan), waren für WestPkW nicht zugelassen.
Theo


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#13

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 15:04
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #12
Zitat von SET800 im Beitrag #10
(..)
2. Frage, war für West-PKW-Reisende es freigestellt bei den Intertank wahlweise mit Mark der DDR oder DM zu bezahlen?


Nein, man musste, soviel ich weiss, "Spezîal" (entsprach in der BRD "Benzin") oder "Super" tanken. Das waren spezielle Tanksäulen, an denen Treibstoff nur gegen Devisen erhältlich war. Tanksäulen für "Extra" (95 Oktan) oder "Normal" (88 Oktan), waren für WestPkW nicht zugelassen.
Theo



Bezüglich der Intertank-Tankstellen hast Du zweifellos recht, dass man dort mit West-PKW nur mit Devisen tanken durfte. Es fragt sich aber, ob man, wenn man nun DDR-Mark hatte, mit diesen nicht an den normalen (also nicht Devisen) Tankstellen tanken durfte.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass das jemand gemacht hat, es sein denn, er wollte auf Teufel komm raus sein DDR-Geld loswerden. Denn schliesslich war der Sprit in DDR-Mark erheblich teurer als der Intertanksprit (Liter Super, meine ich mich zu erinnern 1,65 M).

Gruss

icke



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#14

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 16:36
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zum normalen "rumfahren" tankte ich hochpriveligiert mit meinem Golf-Diesel ohne Warteschlangen an normalen Tankstellen in der DDR. 200m Trabbischlange und für Diesel direkt vorfahren....

Und trotz der gründlichen Verkehrsüberwachung durch die VP konnte ich ohne freiwillige "Schnellfahrsonderstraßennutzungsgebühr" einen Verbrauch unter 5l/100km erzielen.



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#15

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 19.07.2013 17:30
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #13


Bezüglich der Intertank-Tankstellen hast Du zweifellos recht, dass man dort mit West-PKW nur mit Devisen tanken durfte. Es fragt sich aber, ob man, wenn man nun DDR-Mark hatte, mit diesen nicht an den normalen (also nicht Devisen) Tankstellen tanken durfte.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass das jemand gemacht hat, es sein denn, er wollte auf Teufel komm raus sein DDR-Geld loswerden. Denn schliesslich war der Sprit in DDR-Mark erheblich teurer als der Intertanksprit (Liter Super, meine ich mich zu erinnern 1,65 M).

Gruss

icke




Ein Blick ins DDR Devisengesetz würde helfen. Leider kostet das
http://www1.recht.makrolog.de/irfd/fshow...er=58&year=1973
Sofern möglich hat man als Ausländer aus dem NSW mit DDR Mark bezahlt. Bei einem Schwarzkurs von 1:5 war das Benzin sehr günstig.
Theo


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#16

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 20.08.2014 20:45
von Alfons Zitterbacke | 6 Beiträge

Ich kann mich noch an das unangenehme Schweigen im Zug erinnern bevor die Grenze Passiert wurde. Keiner sagte ein Wort. Sobald die Kontrollen vorbei waren wurde die Stimmung zusehend lockerer. Ich habe nur freundliche Grenzbeamte kennengelernt aber trotzdem war es immer ein blödes Gefühl.Bei der Ausreise habe ich das nicht so mitgekriegt weil ich meist bis zur Grenze vor Abschiedsschmerz geheult habe :-)



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#17

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 21.08.2014 22:47
von Marienborn89 | 862 Beiträge

Auch wenn der Threadersteller wahrscheinlich nicht mehr mitliest, musste ich doch mal nachdenken. Nach einem Blick auf sein Profil ist mir aufgefallen, dass er nicht viel jünger ist als ich selbst.

Sicherlich gehöre ich zur absolut letzten Generation, die noch etwas von der deutschen Teilung konkret mitbekommen konnte. Mit vier Jahren reiste ich 1989 kurz vor Beginn der Montagsdemos mit meinen Eltern in die DDR ein.

Der Grenzübergang Marienborn ist mir trotz meiner jungen Jahre damals noch gut im Gedächtnis geblieben - vielleicht nicht im Detail, aber manches doch so konkret wie die Gebäude, einige Situationen bei der Abfertigung oder auch die angespannte Stimmung meiner Eltern. Vor allem das Magdeburg der kurze Zeit später grade beginnenden Nachwendezeit habe ich kennengelernt, mit seinen baufälligen Fassaden, dem Kopfsteinpflaster, dem Geruch. Für ein Kind aus dem Westen ganz neue, völlig ungewohnte Erfahrungen.

Ich bin doch wirklich froh, dass ich das noch erleben durfte - für viele meiner Altersgenossen war die DDR schon kein Thema mehr. Diese meine Generation geht nun schon stark auf die 30 zu


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#18

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 22.08.2014 22:57
von SanGefr | 218 Beiträge

Ich bin am 16. Juni 1988 mit meiner Mutter, die in Leegebruch (bei Velten, Kreis Oranienburg) einen Cousin hatte, mit dem Pkw über Helmstedt/Marienborn eingereist. Vorausgegangen war eine Einladung der Verwandtschaft. Diese sandten uns Einreiseantrag etc. per Post zu, die wir auszufüllen und zurückzusenden hatten. ( genaue Angaben zur Person, Einreise wann, wohin, Aufenthaltsdauer, mit welchem Pkw, welches Kennzeichen) usw. usf. Ob die Zollerklärung schon dabei war oder ob sie mit dem Einreisevisum erst uns zugesandt wurden, kann ich heute nicht mehr sagen. Dann kam der Tag X! Von einem Arbeitskollegen, welcher schon öfters in der DDR war, habe ich mir die eine oder andere Verhaltensregel als Ratschlag geholt.
Nachdem wir nun Helmstedt hinter uns gelassen hatten, dauerte es nicht all zu lange, bis wir auf dem Staatsgebiet der DDR waren. Die Schilder machten jeden Kraftfahrer darauf aufmerksam. Geschwindigkeitsbegrenzung 30 km/h. Obwohl einige schneller waren hat mir mein Arbeitskollege empfohlen, diese Geschwindigkeit genau einzuhalten, da auch Geschwindigkeitskontrollen nicht selten waren. Dann ging es also mit 30 km/h auf einen Parkplatz zu einem Abfertigungsgebäude für die Einreise DDR. Aussteigen und ins Gebäude mit sämtlichen Unterlagen. (Visumantrag, Reisepass, Zollerklärung, (Kfz-Schein? Weiß nicht mehr-schon möglich) etc. Dort alles an einem Schalter abgeben und 15,- DM Verwaltungsgebühr entrichten. (Die Gebührenmarke befindet sich heute noch in meinem alten Reisepass). Anschließend zurück zum Auto und wieder einreihen in die Blechlawine auf den Fahrspuren "Einreise DDR". Schritt für Schritt ging es da weiter bis wir an dem Abfertigungsgebäude des DDR-Zoll ankamen. Ob ich die Zollerklärung dabei hatte und sie an dem Zöllner abgeben musste oder ob der Zöllner sie bereits hatte, kann ich nicht mehr sagen. Jedenfalls wurde nach einer kurzen Begrüßung gefragt ob man Schusswaffen, DDR-Devisen usw. dabei hatte, was wir verneinten. Mein Pkw wurde unten mittels Spiegel untersucht. Ich musste den Kofferraum öffnen, die Gepäckstücke wurden untersucht und mit der Zollerklärung verglichen. Dann sollte ich den Reservebenzinkanister herausnehmen und dem Zöllner ins Gebäude folgen. Der Kanister wurde mittels Röntgengerät oder so etwas Ähnlichem kurz durchleuchtet. Danach durfte ich mich wieder ins Auto setzen und weiter ging´s zum nächsten Kontrollpunkt. Dort hieß es "Weiterfahrt nach Aufforderung". An diesem Kontrollpunkt wurden unsere Reisepässe geprüft und eine Sichtkontrolle der Personen getätigt. Uns wurde abschließend noch erklärt, wo sich zum Geldumtausch das Gebäude der Staatsbank der DDR befand. Außerdem mussten wir noch, weil meine Mutter einen kleinen Hund dabei hatte, zum Amtstierarzt. Dieser nahm uns selbstverständlich auch eine kleine Gebühr von 20,- DM für seine" freundlichen Bemühungen" ab. Alles in allem hat die Prozedur von Grenzübertritt bis zur Weiterfahrt, einschl. Geldwechsel, Tierarzt so ca. 2 Stunden gedauert. Über die Arbeit des Zöllners bzw. Passkontrolle kann ich eigentlich nichts schlechtes berichten. Ich habe da schon von anderen schikanösen Behandlungen gehört.
Am Freitag, 17. Juni 1988 (in der Bundesrepublik bekanntlich arbeitsfreier Gedenktag) morgens zum Volkspolizei-Kreisamt Oranienburg zur Anmeldung und gleichzeitiger Abmeldung. Meldung gegen 7.55 Uhr beim Empfang am Eingang. Weiterleitung ins Wartezimmer. Schon kam der erste Schreck. Mindestens 20 Personen saßen schon im Warteraum. Na das kann dauern. Der Cousin meiner Mutter wartete unterdessen draußen vor dem Polizeirevier mit dem Hund. Also Platz nehmen und ausharren. Gegen 8.00 Uhr ging eine Tür auf und es trat eine Volkspolizistin in den Wartesaal um von allen Wartenden die Pässe einzuziehen und den Grund ihres Erscheinens zu erfahren. Gleich der erste Mann, ein älterer Bürger, wollte einen Genehmigung zur Reise nach Berlin (West) stellen - aufgrund einer Familienfeier. Das Gesicht der Volkspolizistin ist mir heute noch in Erinnerung. Sie verlor alle Gesichtszüge (aber nicht die Beherrschung) und ich hatte das Gefühl, sie hätte diesem Bürger wohl gerne eine reingeschlagen. Dann kamen auch wir dran. Wir händigten ihr unsere Reisepässe aus mit der Angabe uns hier anmelden zu wollen. Jetzt heißt es warten, dachten wir. Jedoch nach geschätzten 5 Minuten ging die Tür auf und die Polizistin forderte uns auf mitzukommen. Sie geleitete uns in ein Büro. In diesem Büro saß ein Polizist, der uns aufforderte an seinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Ob mit oder ohne Begrüßung kann ich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Wir haben jedenfalls die Tageszeit angekündigt. Wortlos nahm er unsere Reisepässe, die er von der Polizistin erhalten hatte und stempelte nach Prüfung der Einreisemodalitäten (Beleg der Staatsbank, Stempelkontrolle zur Einreise im Reisepass) etc. das Visum zum Aufenthalt im gesamten Bereich der DDR und das für uns (äußerst wichtige) Visum zur Ausreise aus der DDR am 19. Juni 1988 in den Reisepass und übergab uns wieder die Pässe. Danach durften wir wieder gehen. Ob mit oder ohne Verabschiedung - weiß ich nicht mehr. Wir haben auf Wiedersehen gesagt. Alles in allem ca. 30 Minuten. Der Cousin meiner Mutter hat nicht schlecht gestaunt und hat mit mindestens 2 Stunden Warten gerechnet - wir allerdings auch.
Rückreise am 19. Juni 1988.
In Berlin (West) fand ein Konzert mit Michael Johnson statt. Rückreise vieler Fans in Richtung Staatsgrenze. In Vorahnung schon haben wir die Rückreise um 2 Stunden vorgezogen (reines Bauchgefühl). Schon hinter Magdeburg begann der zäh fließende Verkehr. Zwischen 22.00 und 22.15 Uhr kamen wir endlich nach "Stop and Go" auf der Autobahn und auf dem Grenzgelände zum Zoll. Eigentlich ein etwas lockerer Zöllner, ca. 35/40 Jahre alt, Begrüßung, Frage nach Schusswaffen, DDR-Geld etc. Spiegel unters Auto, Kofferraum öffnen. Ich hatte am Freitag im Centrum-Warenhaus am Alexanderplatz für meinen Großneffen einen großen Plastik-Spielzeug Lkw gekauft, ohne zu wissen, dass auch Spielzeug, nach den Zollbestimmungen, nicht mit rüber genommen werden darf. Ich öffnete den Kofferraum, der Zöllner kontrollierte, sah den Lkw und sagte, ich zitiere: "Na, wer wollte denn das nicht haben?" Ich weiß nicht mehr was ich darauf antwortete. Jedenfalls durfte ich danach, ohne weiteren Ärger zu bekommen, mit dem Spielzeug weiterfahren. Der Mann muss gute Laune gehabt - oder angesichts der immer voller werdenden Grenzstation, unter einen gewissen Zeitdruck gestanden haben. So gegen 23.50 Uhr habe ich dann das Gebiet der Bundesrepublik wieder befahren. Ich habe sogar noch DDR-Geld mit "rüber geschmuggelt". Diese Geldscheine hängen heute, zur Besichtigung eingerahmt, an einer Wand in einem Restaurant eines guten Freundes. Getankt habe ich in der DDR zweimal, bezahlt nach Vorlage des Nachweises zum Geldumtausch der Staatsbank der DDR, mit DDR-Geld (ohne Probleme). Alles in Allem habe ich mir die Abfertigung schlimmer vorgestellt oder ich habe einfach nur Glück gehabt. Das war jetzt, rein aus dem Gedächtnis heraus, mein erster und letzter Grenzübertritt zum privaten Besuch in der DDR vom 16. Juni 1988 bis 19. Juni 1988. (vor 26 Jahren - lang, lang ist´s her) Ich kann mich jetzt nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern, aber so ungefähr ist es abgelaufen.


RalphT hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.08.2014 23:09 | nach oben springen

#19

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 22.08.2014 23:54
von Sperrbrecher | 1.649 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #10
2. Frage, war für West-PKW-Reisende es freigestellt bei den Intertank wahlweise mit Mark der DDR oder DM zu bezahlen?

An den grünen Intertank-Tanksäulen konnte man nur für Westgeld (DM oder andere freikonvertierbare Währungen) tanken, an den gelb-roten Minol-Tanksäulen für Ostgeld.

Nur ein einzigstes mal wurde mir das Tanken für Ostgeld (in Ost-Berlin) mit meinem West-PKW von einen übereifrigen Tankwart verweigert, der wollte meine Umtauschquittung sehen. Da bin ich dann einfach an die nächste Tankstelle gefahren, dort hat es niemanden interessiert.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 22.08.2014 23:55 | nach oben springen

#20

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 23.08.2014 18:04
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von SanGefr im Beitrag #18
Ich bin am 16. Juni 1988 mit meiner Mutter, ... Ich kann mich jetzt nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern, aber so ungefähr ist es abgelaufen.


So in etwa dürfte die Erinnerung von weit über 90 % aller über Mbn./A. einreisenden BRD-Bürger im Gedächtnis hängen geblieben sein. Sicher mit Verschiebungen einiger weniger Details (Zollkontolle nach "Sichtkontrolle der Person" = Identitätskontrolle), aber eben in diesem Tenor.

friedliche Grüße Andreas


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