#181

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 19:51
von damals wars | 12.130 Beiträge

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#182

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 20:04
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #181
http://www.ebay.de/itm/Vintage-DDR-VEB-Dresden-Prasent-20-Herrenanzug-Anzug-Jacke-Hose-blau-/151708058929?hash=item2352814531


der sieht aber verdammt gut aus


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#183

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 20:21
von passport | 2.628 Beiträge

Zitat von Dogbert im Beitrag #166
Wir wissen von einigen, daß es in der DDR alles gab, nur keine Mangelwirtschaft. Es gab alles im Überfluß. Grenzkontrollen gab es genausowenig wie eine Mauer. Wer erzählt denn sowas? Warscheinlich waren die Leute so von den Segnungen des Sozialismus verwöhnt, daß sie deswegen die Mauer bauten, damit die Westler nicht vor Neid triefend rüberliefen. Leute, die die DDR verlassen wollten, wurden massiv behindert, damit sie ja keinen Schaden nehmen sollen.

Leute, wer glaubt denn so einen Unsinn noch.

Was meine NSW-DDR-Verwandtschaft betrifft, wurde sie auch vom MfS observiert. Natürlich hatte sie Kontakt mit uns. Die haben sich da hochgedient, umd in die Genüsse des Westens zu gelangen. Sie wären normalerweise geflüchtet, aber die DDR konnte es sich nicht erlauben, daß Diplomaten flüchten. So nahmen sie beide Vorteile gerne an. Problemloses Leben in der DDR und jederzeit Ausreise ins NSW.

Dazu mal eine Quelle:
http://www.mdr.de/damals/transitabkommen122.html


Auszug daraus:
"Die Staatssicherheit sah im Transitverkehr eine große Gefahr und baute die Überwachung entlang der Transitstrecken aus. So sollten Kontakte zwischen Bundesbürgern und DDR-Bürgern möglichst verhindert werden. Es ging vor allem darum, die Einfuhr "staatszersetzender" Schriften zu vermeiden. Und mehr noch darum, Fluchthilfe zu vereiteln. Daneben überwachte die Staatssicherheit auch die Angestellten in Intershops und an Raststellen längs der Transitstrecken und warb einige von ihnen als "Inoffizielle Mitarbeiter" an."

Genau das deckt sich mit meinen Erfahrungen.




Transitabkommen Artikel 16 ! Da steht alles was strafbar auf den Transitstrecken war. Und dieses wurde selbstverständlich kontrolliert ! Es ist nun mal das Recht eines jeden Staates durch Kontrollen und Überwachungen die Hoheitsrechte des Staates durchzusetzen.

Hier der entsprechende Artikel aus dem Transitabkommen
.
Artikel 16

1. Ein Mißbrauch im Sinne dieses Abkommens liegt vor, wenn ein Transitreisender nach Inkrafttreten dieses Abkommens während der jeweiligen Benutzung der Transitwege rechtswidrig und schuldhaft gegen die allgemein üblichen Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik bezüglich der öffentlichen Ordnung verstößt, indem er
a) Materialien verbreitet oder aufnimmt;
b) Personen aufnimmt;
c) die vorgesehenen Transitwege verläßt, ohne durch besondere Umstände, wie Unfall oder Krankheit, oder durch Erlaubnis der zuständigen Organe der Deutschen Demokratischen Republik dazu veranlaßt zu sein;
d) andere Straftaten begeht oder
e) durch Verletzung von Straßenverkehrsvorschriften Ordnungswidrigkeiten begeht.

Ein Mißbrauch liegt auch dann vor, wenn eine Person an der Mißbrauchshandlung eines Transitreisenden, die dieser nach Inkrafttreten dieses Abkommens während der jeweiligen Benutzung der Trasitwege rechtswidrig und schuldhaft begeht oder begangen hat, als Mittäter, Anstifter oder Gehilfe teilnimmt.

2. Hinreichende Verdachtsgründe im Sinne diesees Abkommens liegen vor, wenn im gegebenen Falle auf Grund bestimmter Tatsachen oder konkreter Anhaltspunkte eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, daß ein Mißbrauch der Transitwege für die obengenannten Zwecke beabsichtigt ist, begangen wird oder begangen worden ist.

Im Falle hinreichenden Verdachts eines Mißbrauchs werden die zuständigen Organe der Deutschen Demokratische Republik die Durchsuchung von Reisenden, der von ihnen benutzten Transportmittel sowie ihres persönlichen Gepäcks nach den allgemein üblichen Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik bezüglich der öffentlichen Ordnung durchführen oder die Reisenden zurückweisen.

3. Bestätigt sich der Verdacht, so werden die zuständigen Organe der Deutschen Demokratischen Republik im angemessenen Verhältnis zur Schwere der Mißbrauchshandlung entsprechend den allgemein üblichen Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik bezüglich der öffentliche Ordnung
a) einen Verweis oder eine Ordnungsstrafe oder eine Verwarnung mit Ordnungsgeld aussprechen oder Gegenstände einziehen;
b) Gegenstände sicherstellen oder beschlagnahmen;
c) Personen zurückweisen oder zeitweilig von der Benutzung der Transitwege ausschließen oder
d) Personen festnehmen.

4. Bei Straftaten können die in Ziffer 3 genannten Maßnahmen auch dann getroffen werden, wenn die Straftaten bei einer früheren Benutzung der Transitwege begangen wurden.

5. Über Maßnahmen im Sinne der Ziffer 3 werden dem Betroffenen die nach den allgemein üblichen Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik bezüglich der öffentlichen Ordnung vorgesehenen Dokumente ausgehändigt. Sind Gegenstände beschlagnahmt, sichergestellt oder eingezogen worden, so ist dem Betroffenen ein Verzeichnis der Gegenstände zu übergeben.

Über Festnahmen, den Ausschluß von Personen von der Benutzung der Transitwege und Zurückweisungen sowie über die dafür maßgebenden Gründe werden die zuständigen Organe der Deutschen Demokratischen Republik alsbald die zuständigen Behörden der Bundesrepublik Deutschland unterrichten.

6. Wenn eine Mißbrauchshandlung entdeckt worden ist, nachdem der dafür verantwortliche Reisende die Transitstrecken der Deutschen Demokratischen Republik verlassen hat, so können die zuständigen Organe der Deutschen Demokratischen Republik die zuständigen Behörden der Bundesrepublik Deutschland über die Mißbrauchshandlung, die Beweismittel und die Person des Beschuldigten unterrichten. Die zuständigen Behörden der Bundesrepublik Deutschland werden die den allgemein üblichen Vorschriften der Bundesrepublik Deutschland bezüglich der öffentlichen Ordnung entsprechenden Maßnahmen treffen und können die zuständigen Organe der Deutschen Demokratischen Republik darüber unterrichten.


Über Grenz - und Verdachtskontrollen hatten wir hier bereits einen Thread !

Verdachtskontrollen nach Art. 16 Transitabkommen




passport


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#184

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 20:21
von andyman | 1.872 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #169
Gert,

und ich kann Dir als Insider garantieren, dass die Raststätten nicht entsprechend "ausgestattet" waren.

Das es Kräfte gab ist bekannt, aber nicht so wie Du dir dies vorstellst.


Mit deinen Insiderkenntnissen könntest du falsche Vorstellungen ja ausräumen,evtl.mit Belegen?Die interessierten User wären sicher dankbar.
Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#185

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 20:51
von damals wars | 12.130 Beiträge

Wenn man her mitliest, ist einem bekannt, das die Verstöße Aktenberge füllten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
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#186

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 20:56
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #184
Zitat von Alfred im Beitrag #169
Gert,

und ich kann Dir als Insider garantieren, dass die Raststätten nicht entsprechend "ausgestattet" waren.

Das es Kräfte gab ist bekannt, aber nicht so wie Du dir dies vorstellst.


Mit deinen Insiderkenntnissen könntest du falsche Vorstellungen ja ausräumen,evtl.mit Belegen?Die interessierten User wären sicher dankbar.
Lgandyman



Nur zur Info,

für ehemalige Mitarbeiter des MfS ist der Zugang zu den Akten der BStU sehr eingeschränkt und mit Kosten verbunden. Da gebe ich mein Geld lieber für andere Sachen aus.


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#187

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 21:00
von Lutze | 8.033 Beiträge

Hast du etwa auch eine Stasi-Akte @Alfred?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#188

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 21:02
von passport | 2.628 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #187
Hast du etwa auch eine Stasi-Akte @Alfred?
Lutze



Der Beitrag war echt Lutze



passport


zuletzt bearbeitet 03.08.2015 21:03 | nach oben springen

#189

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 21:08
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #187
Hast du etwa auch eine Stasi-Akte @Alfred?
Lutze



Lutze,

mal für Dich.

Gehen wir mal davon aus, dass der Mitarbeiter X in seinen Panzerschrank einen Vorgang mit dem Decknamen "Lutze" liegen hatte und Lutze war ein ganz schlimmer Finger.

Heute möchte Mitarbeiter X zu diesen Sachverhalt z.B. ein Buch schreiben, weil ihm keiner abnimmt, dass "Lutze" ein schlimmer Finger war. Er als ehemaliger und Vorgangsführer bekommt heute von der BStU keinen Zugang zu dem Material.

So sind im groben die Regeln.


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zuletzt bearbeitet 03.08.2015 21:09 | nach oben springen

#190

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 21:18
von GKUS64 | 1.606 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #179
[quote=damals wars|p482802]Dederon-Hemd, Präsent 20 Anzug, Aktentasche und NVA- Ausgangsschuhe.

(Aus dem Quellekatalog)



was ist denn das( rot mark )????


Hallo Gert,

http://www.mdr.de/damals/archiv/praesentzwanzig100.html

schau oben mal rein, mit "Präsent 20" hätte doch der Sozialismus bald gesiegt! Ganz starke Aussagen in dem Beitrag! Du hast die DDR 4 Jahre zu zeitig verlassen, mit einem "Präsent 20-Anzug" wärst du ein zufriedener DDR-Bürger geblieben! Die Aussagen im o.g. Beitrag sind doch wohl überzeugend!

MfG (und Danke für die Geburtstagswünsche)

vom Bernd aus DD


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#191

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 21:59
von andyman | 1.872 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #186


Nur zur Info,

für ehemalige Mitarbeiter des MfS ist der Zugang zu den Akten der BStU sehr eingeschränkt und mit Kosten verbunden. Da gebe ich mein Geld lieber für andere Sachen aus.

Das du Geld für andere Sachen ausgibt`s kann ich gut nachvollziehen,also doch keine Insiderkenntnisse in dieser Hinsicht?Aber ist auch egal,eine erkenntnisbringende Antwort hab ich auch nicht erwartet.
Lgandyman


Gruß aus Südschweden
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#192

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 22:14
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #191
Zitat von Alfred im Beitrag #186


Nur zur Info,

für ehemalige Mitarbeiter des MfS ist der Zugang zu den Akten der BStU sehr eingeschränkt und mit Kosten verbunden. Da gebe ich mein Geld lieber für andere Sachen aus.

Das du Geld für andere Sachen ausgibt`s kann ich gut nachvollziehen,also doch keine Insiderkenntnisse in dieser Hinsicht?Aber ist auch egal,eine erkenntnisbringende Antwort hab ich auch nicht erwartet.
Lgandyman




Du hattest in Deinen ersten Beitrag Belege angesprochen. Und genau auf diese bezog sich mein Beitrag.Also nichts verdrehen.


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#193

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 23:35
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #169
Gert,

und ich kann Dir als Insider garantieren, dass die Raststätten nicht entsprechend "ausgestattet" waren.

Das es Kräfte gab ist bekannt, aber nicht so wie Du dir dies vorstellst.


Die Kräfte gehörten zur HA VIII/3 (Beobachtung des Reiseverkehrs) mit insgesamt 212 Mitarbeitern. U.a. auf der Raststätte Michendorf soll es versteckte Kameras gegeben haben, die den Parkplatz überwacht haben.

In Anatomie der Staatssicherheit HA VIII steht dazu:

Weil die Überwachung aller Landstraßen und Autobahnen die Kapazitäten des MfS-Apparates überstieg, konzentrierte sich die HA VIII auf die Ausstattung der Autobahnraststätten Michendorf (Potsdam/Berliner Ring), Stolpe (Schwerin/A 16 – heute A 24), Köckern (Halle/A 9), Börde (Magdeburg/A 11 – heute A 2) und Hermsdorfer Kreuz (Gera/A 9 – heute A 4) mit Überwachungstechnik.In diesen »Schwerpunktbereichen« hielten fest installierte Kameras der HA VIII das Geschehen fest. An strategisch wichtigen Autobahnabfahrten richtete die HA VIII mit Überwachungstechnik ausgerüstete Stützpunkte ein, die schließlich zu einem »elektronischen Gesamtsystem« zusammengeschaltet werden sollten. Zur Gesamtüberwachung gehörte schließlich die elektronische »Bildverarbeitung«. Diese ermöglichte die »Lesbarmachung von Kfz-Kennzeichen« und die Identifizierung von Fahrzeugen nach bestimmten Merkmalen und Typen. Neben festen Stützpunkten sollten mit »operativer Technik« ausgerüstete Fahrzeuge die Überwachung »zeitlich« unterstützen. In einigen Fällen gelang dies durchaus. So parkten versuchsweise Motorräder, Kleintransporter und Busse, »unter Vortäuschung eines Schadens«, auf den Autobahnrastplätzen. Als Kraftfahrer verkleidete Mitarbeiter der HA VIII fotografierten während der »Reparaturarbeiten« die Reisenden des Rastplatzes. Die Geraer Bezirksabteilung VIII setzte vorübergehend Außenmikrofone ein, um zugleich alle Gespräche aufzuzeichnen (wahrscheinlich Raststätte Hermsdorfer Kreuz). Im September 1987 erprobte die HA VIII auf den beiden Autobahnen A 15 (Berliner Ring – Rostock) und A 16 (Wittstock – Güst Zarrentin) ein mit Peilempfängern ausgerüstetes Beobachtungsfahrzeug, von dem der CB-Funk zwischen westdeutschen Lkw-Fahrern abgehört werden konnte. Dabei ermittelte das MfS den wenig verwunderlichen Tatbestand, dass sich die Lkw-Fahrer gegenseitig vor Radarkontrollen warnten oder die aktuellsten Fußballergebnisse der Bundesliga durchgaben.

Gruß Kalubke



Grenzläufer, eisenringtheo, Dogbert und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.08.2015 23:39 | nach oben springen

#194

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 00:44
von Sperrbrecher | 1.653 Beiträge

Zitat von Dogbert im Beitrag #166
.
Auszug daraus:
"Die Staatssicherheit sah im Transitverkehr eine große Gefahr und baute die Überwachung entlang der Transitstrecken aus. So sollten Kontakte zwischen Bundesbürgern und DDR-Bürgern möglichst verhindert werden. Es ging vor allem darum, die Einfuhr "staatszersetzender" Schriften zu vermeiden. Und mehr noch darum, Fluchthilfe zu vereiteln. Daneben überwachte die Staatssicherheit auch die Angestellten in Intershops und an Raststellen längs der Transitstrecken und warb einige von ihnen als "Inoffizielle Mitarbeiter" an."

Genau das deckt sich mit meinen Erfahrungen.

Anlässlich einer Festnahme bei der Ausreise aus der DDR an der GÜST Wartha im November 1979 wegen (angeblichen) Verstoß
gegen die Transitbestimmungen erklärte mir der Vernehmer genau das gleiche, was oben zitiert wurde.

Er sagte wortwörtlich: "Die Transitstrecken sind unsere verwundbarste Stelle und sie können sicher sein, dass wir sie ebenso wie die
an der Strecke liegenden Autobahnraststätten, lückenlos überwachen".

Man hat also weder Mühe noch Kosten gescheut, um Kontaktaufnahmen mit DDR-Bürgern zu verhindern (es gab ja sogar getrennte
Parkplätze), Ausschleussungen zu verhindern und die Aus- oder Einfuhr von unerlaubten Waren zu blockieren.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


Dogbert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#195

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 06:12
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #193
Zitat von Alfred im Beitrag #169
Gert,

und ich kann Dir als Insider garantieren, dass die Raststätten nicht entsprechend "ausgestattet" waren.

Das es Kräfte gab ist bekannt, aber nicht so wie Du dir dies vorstellst.


Die Kräfte gehörten zur HA VIII/3 (Beobachtung des Reiseverkehrs) mit insgesamt 212 Mitarbeitern. U.a. auf der Raststätte Michendorf soll es versteckte Kameras gegeben haben, die den Parkplatz überwacht haben.

In Anatomie der Staatssicherheit HA VIII steht dazu:

Weil die Überwachung aller Landstraßen und Autobahnen die Kapazitäten des MfS-Apparates überstieg, konzentrierte sich die HA VIII auf die Ausstattung der Autobahnraststätten Michendorf (Potsdam/Berliner Ring), Stolpe (Schwerin/A 16 – heute A 24), Köckern (Halle/A 9), Börde (Magdeburg/A 11 – heute A 2) und Hermsdorfer Kreuz (Gera/A 9 – heute A 4) mit Überwachungstechnik.In diesen »Schwerpunktbereichen« hielten fest installierte Kameras der HA VIII das Geschehen fest. An strategisch wichtigen Autobahnabfahrten richtete die HA VIII mit Überwachungstechnik ausgerüstete Stützpunkte ein, die schließlich zu einem »elektronischen Gesamtsystem« zusammengeschaltet werden sollten. Zur Gesamtüberwachung gehörte schließlich die elektronische »Bildverarbeitung«. Diese ermöglichte die »Lesbarmachung von Kfz-Kennzeichen« und die Identifizierung von Fahrzeugen nach bestimmten Merkmalen und Typen. Neben festen Stützpunkten sollten mit »operativer Technik« ausgerüstete Fahrzeuge die Überwachung »zeitlich« unterstützen. In einigen Fällen gelang dies durchaus. So parkten versuchsweise Motorräder, Kleintransporter und Busse, »unter Vortäuschung eines Schadens«, auf den Autobahnrastplätzen. Als Kraftfahrer verkleidete Mitarbeiter der HA VIII fotografierten während der »Reparaturarbeiten« die Reisenden des Rastplatzes. Die Geraer Bezirksabteilung VIII setzte vorübergehend Außenmikrofone ein, um zugleich alle Gespräche aufzuzeichnen (wahrscheinlich Raststätte Hermsdorfer Kreuz). Im September 1987 erprobte die HA VIII auf den beiden Autobahnen A 15 (Berliner Ring – Rostock) und A 16 (Wittstock – Güst Zarrentin) ein mit Peilempfängern ausgerüstetes Beobachtungsfahrzeug, von dem der CB-Funk zwischen westdeutschen Lkw-Fahrern abgehört werden konnte. Dabei ermittelte das MfS den wenig verwunderlichen Tatbestand, dass sich die Lkw-Fahrer gegenseitig vor Radarkontrollen warnten oder die aktuellsten Fußballergebnisse der Bundesliga durchgaben.

Gruß Kalubke



Ich habe doch geschrieben, dass es entsprechende Kräfte gab. Gert schrieb, dass die Raststätten voll waren mit entsprechenden Kräften.

Jetzt kannst Du mal die 212 Personen nehmen und aufteilen auf die zu beobachtenden Kilometer, Raststätten usw. und beachten, dass dies ein 24 Stunden Job ist und Beobachtungen fast immer Personalintensiv sind.

Und mal eine Frage. Wer ist denn in den 212 Personen eingerechnet ? Sind dies nur Beobachtungskräfte ? In den üblichen Veröffentlichungen sind ja in den Stärken immer alle Mitarbeiter eingerichtet, inkl. Schreibkräfte, Auswerter, Personen die mit der Beobachtung nichts zu schaffen hatten usw.


zuletzt bearbeitet 04.08.2015 06:13 | nach oben springen

#196

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 07:10
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Da haste recht Alfred, die Bürohengste musste natürlich abziehen. Insofern halte ich Gerds Vermutung, dass die restlichen Leute den ganzen Tag kaffeetrinkend in den Raststätten saßen um irgendwelche Gespräche an den Nebentischen aufzuschnappen auch für wenig wahrscheinlich. Die Klischevorstellung, dass jeder, der einen "Präsent 20"-Anzug trug, bei der Stasi war, stimmt somit nicht. Ich kann mich dunkel erinnern, dass am Schönefelder Kreuz ein Beobachtungsturm stand. Wurde der auch von der HA VIII/3 genutzt? Und auf der DVD Mauerflug sieht man direkt an der Autobahn vor der GÜST Drewitz ganz unauffällig einen geschlossenen Jagdunterstand, zu dem direkt vom Parkplatz der GÜSt-Bediensteten aus ein ziemlich ausgefahrener Weg hinführte. Könnte auch so was wie ein B-Punkt gewesen sein, oder?

Bin selbst mal mit der Arbeit dieser Kräfte unfreiwillig in Berührung gekommen als ich mal an einer Autobahnauffahrt stand und per Anhalter mitgenommen werden wollte. Zufällig stand da noch ein Zweiter, der auch trarmpte. Plötzlich tauchte Volkspolizei auf und hat uns beide in die nächste Stadt aufs Revier gefahren. Er bekam ziemlichen Ärger, weil er einen PM 12 mit Aufenthaltsbeschränkung hatte. Als wir im Funkstreifenwagen auf die Autobahn fuhren, sahen wir einen Trabant auf dem Seitenstreifen stehen und da war uns klar, dass nur er es gewesen sein konnte, der uns die netten Freunde und Helfer „zu Hilfe“ geschickt hat. Es war ein Trabant „HYCOMAT“ also ein behindertengerecht umgebautes Auto. Damals habe ich mich gefragt, hat dieser Behinderte so viel Langeweile, dass er nichts Besseres zu tun hat, als irgendwelche Tramper bei der Polizei zu verpfeifen? Wahrscheinlich war er ein Beobachter von der HA VIII/3 und im Dienst.

Schlimmer noch erging bei der Fahne einem Kameraden von mir, der seinen Urlaub antrat und von Schwerin nach Berlin trampen wollte. Es hielt wohl ein Westwagen an, mit dem er in Uniform mitfuhr. Nach einigen Stunden war er wieder in der Kaserne, weil er ebenfalls auf der Autoahn hochgezogen wurde. Urlaub wurde ersatzlos gestrichen. War natürlich bei nur 18 Tagen im GWD eine echte Katastrophe.

Gruß Kalubke



Grenzläufer und Dogbert haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.08.2015 08:26 | nach oben springen

#197

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 08:13
von mucker82 | 236 Beiträge

Nun , es gab auch noch die GMS , die pflichtbewußt und zuverlässig jede ihnen verdächtig vorkommende Beobachtung meldeten.
Da war von der Verkäuferin im Intershop und Tankwart über die Klofrau bis zum Kellner alles dabei.
Da dürfte noch eine recht erkleckliche Anzahl zusätzlicher Kräfte zusammenkommen.


Dogbert und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#198

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 08:27
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #195
Ich habe doch geschrieben, dass es entsprechende Kräfte gab. ...
... und hast im gleichen Atemzug die Ausstattung einiger Transitraststätten mit Fernseh- und Aufzeichnungstechnik geleugnet. Um's Blättern zu ersparen, hier der von 'Outsidern' sicher nur flaschverstandene Beitrag #169 ...

Zitat
Gert,

und ich kann Dir als Insider garantieren, dass die Raststätten nicht entsprechend "ausgestattet" waren.

Das es Kräfte gab ist bekannt, aber nicht so wie Du dir dies vorstellst.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#199

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 08:31
von Dogbert | 143 Beiträge

Es macht doch keinen Sinn, diese Vorkommnisse in Abrede zu stellen. In Michendorf wurden sogar die Toiletten mit Kameras ausgestattet. Wie verunsichert muß eine Staatsführung sein, die im Westen gängige Zeitschriften und Kontaktaufnahmen verbietet. Selbst das überall beliebte "Sputnik"Büchlein wurde ab einem gewissen Zeitpunkt ausgerechnet nur in der DDR verboten. Es lag an der DDR-Führung, Reformen einzuleiten, zumal Gorbatschow dazu das OK. gab. Der Sozialismus war nicht mal so sehr das Problem, sondern die restriktive Abgrenzung zur BRD.

Es birgt inzw. eine gewisse Komik, jetzt noch das Ansetzen von bis zu drei IM's in Abrede stellen zu wollen. So schnell, wie die Spitzel zur Stelle waren, konnte man gar nicht rennen. Sobald man auch nur sein Auto verließ, waren schon bis zu drei hinter einem her. Natürlich nur ganz zufällig. Mir folgten sogar nachts auf dem Gang zur Toilette am Rasthof Magdeburg-Börde zwei Gestalten. Als ich wieder rauskam, schlichen weitere zwei Gestalten um mein Auto herum.

Ich löste am Grenzübergang Marienborn/Helmstedt einen Alarm aus, nur weil ich austeigen mußte, um Kühlwasser nachzufüllen. Mein Auto hatte einen Zylinderkopfschaden und im Stau mußte ich halt aussteigen. Und zack, gingen die Sirenen los, alle Schranken runter, es blinkte nur noch rot, natürlich wurden auch die Reifenschlitzer hochgefahren, nur weil ein harmloser Transitstraßenbenutzer einen Motorbrand verhindern wollte. Um noch eins draufzusetzen: der DDR-Zoll öffnete bei der Ausreise sogar zuvor bei der Einreise plombierte Särge von amtlich beantragten und genehmigten Leichenüberführungen von Westberlin in die BRD an den Grenzübergängen. Könnte ja ein Republikflüchtiger sein. Nichtmal vor Toten fühlte man sich sicher.



Grenzläufer und Zange haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#200

RE: Grenzübergang als Westdeutscher in die DDR und wieder zurück

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 08:39
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Die HA VIII/3 hatte mit der Pass- und Zollkontrolle zusammengarbeitet und die Speicher waren wohl kompatibel und zusammengeschaltet. D.h. wer im Fahndungsspeicher der HA VI drin war, der wurde nach der Einreise im Transit durch die DDR wahrscheinlich auch von der HA VIII/3 überwacht. Das könnte bei Dir der Fall gewesen sein. Ohne Verdachtsmomente ist wohl der Aufwand sicher nicht so hoch gewesen, bei 212 MA abzgl. Bürokräfte.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 04.08.2015 08:45 | nach oben springen



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